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Die Finanzierung der Parteien und der Abgeordneten ist stets Gegenstand
wissenschaftlicher und öffentlich-medialer Diskussion. Jede Diätenerhöhung
wird von einem entsprechenden Echo begleitet, „die Finanzen der
Parlamentsfraktionen blühen [jedoch] immer noch weitgehend im
Verborgenen.“
Ob dieser Befund Susanne Tiemanns aus dem Jahre 1993 auch nach der
Reformation der Parlamentsfinanzierung noch zutreffend ist, soll diese Arbeit
klären. Gesetzliche Regelungen zur Rechenschaftslegung existieren zwar
mittlerweile auf Länder- und Bundesebene. Die von Tiemann beschriebene
Chance, diesen zentralen Bereich der Politikfinanzierung durch akzeptable
Regelungen zu befrieden, haben die Fraktionen jedoch nicht genutzt. Es ist
auch durch das 1995 in Kraft getretene Fraktionsgesetz nicht gelungen und
war wohl auch nicht angestrebt, völlige Transparenz in diesem Bereich zu
schaffen, um der viel zitierten Politikverdrossenheit etwas Positives
entgegenzusetzen.
Die Einnahmen- und die Ausgabenstruktur der Fraktionen sind außerhalb der
zuständigen Rechnungshöfe nur wenig bekannt. Zur Untersuchung dieses
Sujets lassen sich lediglich die als Bundestagsdrucksache veröffentlichten
Rechenschaftsberichte heranziehen, sowie das Datenhandbuch des
Bundestages, das auch Angaben für die Zeit vor der Rechenschaftslegung
enthält.
Aus diesen Quellen lässt sich die Entwicklung der Fraktionsfinanzierung im
zeitlichen Verlauf ablesen. Da die Höhe der Zahlungen in auf den ersten
Blick nicht nachvollziehbarer Weise angestiegen ist, soll zunächst beleuchtet
werden, worin die Ursachen dieses exorbitanten Anstiegs liegen und wofür
die Mittel konkret verwendet werden. Im nächsten Schritt soll der Versuch
einer Beurteilung gewagt wagen, inwieweit das Ausmaß der Gelder
gerechtfertigt ist und ob die Fraktionen verantwortungsvoll im Sinne der
Zweckbindung der Mittel mit diesen umgehen. Zu diesem Zweck werden die
Rechenschaftsberichte aufeinanderfolgender Jahre einer Fraktion
miteinander vergleichen, sowie die Ausgabenstrukturen auf interfraktioneller
Ebene gegenübergestellt. Dies geschieht im Zuge der Erklärung und
Erörterung der einzelnen Positionen, welche die Rechenschaftsberichte
aufführen. Da dort lediglich Gesamtsummen angegeben werden, ist zu
identifizieren, welche Ausgaben hier im Einzelnen verbucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Fraktionsfinanzierung in der BRD
3.1. Die Einnahmen der Fraktionen
3.2. Die Ausgaben der Fraktionen
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Finanzierungsstruktur der Fraktionen im Deutschen Bundestag der 16. Wahlperiode mit dem Ziel zu klären, ob die Mittelverwendung den gesetzlichen Vorgaben zur Zweckbindung entspricht und inwieweit Transparenz in diesem Bereich besteht.
- Historische Entwicklung der staatlichen Fraktionsfinanzierung in Deutschland
- Struktur und Verteilung der Einnahmen von Bundestagsfraktionen
- Analyse der Ausgabenposten (Personalkosten, Funktionszulagen, Öffentlichkeitsarbeit)
- Bewertung der Transparenz und Einhaltung des Zweckbindungsgebots
Auszug aus dem Buch
b) Personalkosten für Fraktionsmitarbeiter
Dieser Etatposten ist mit Abstand der größte bei den Ausgaben der Fraktionen. Die Bundestagsfraktionen geben hierfür zwischen 50% und 80% ihrer Gelder aus.
Das Personal sind in erster Linie eine Vielzahl an Bürohilfskräften, Sachbearbeitern und wissenschaftlichen Mitarbeitern, die die Fraktion beraten und Verwaltungsarbeit leisten. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Abgrenzung von fraktions- und mandatsspezifischer Tätigkeit. Das Fraktionspersonal ist für die Koordination innerhalb der Fraktion zuständig, im Gegensatz zu den Abgeordnetenmitarbeitern, die einzelnen Abgeordneten zugeordnet sind und aus dessen Mitteln bezahlt werden.
Die Arbeit der Fraktionsmitarbeiter steht immer unter dem Grundsatz der Zweckbindung. Sie dürfen nur der Fraktion zuarbeiten und keine Arbeiten verrichten, die Parteizwecken dienen. In der Praxis ist diese Abgrenzung natürlich problematisch, da die Ziele von Fraktion und Partei weitgehend identisch sind. So ist es für den Rechnungshof kaum möglich zu bestimmen, ob zum Beispiel ein Sachverständigengutachten eher der Fraktion dient oder der Partei und nur aus finanziellen Erwägungen der Fraktionskasse zugerechnet wird. Die Grenzen sind oft schwer zu bestimmen.
Ein weiterer zu kritisierender Umstand ist, dass die Zusammensetzung der Personalkosten im Rechenschaftsbericht nicht detailliert aufgeschlüsselt ist und lediglich ein Gesamtetat angegeben wird. Es existiert auch kein Stellenplan, aus dem die Gehälter der einzelnen Fraktionsmitarbeiter ersichtlich wären.
Die beiden großen Fraktionen beschäftigen zur Zeit jeweils knapp 300 Mitarbeiter, die kleinen Fraktionen jeweils ungefähr 100 Mitarbeiter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt das Transparenzversprechen der Fraktionsfinanzierung und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Mittelverwendung und des exorbitanten Ausgabenanstiegs.
2. Die Entwicklung der Fraktionsfinanzierung in der BRD: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Aufstieg der Fraktionszuschüsse von der Nachkriegszeit bis zur heutigen Zeit nach und ordnet den Anstieg der Kosten dem Ausbau von Mitarbeiterstäben zu.
3.1. Die Einnahmen der Fraktionen: Der Abschnitt erläutert die gesetzlichen Grundlagen und die Zusammensetzung der staatlichen Zuwendungen aus Grundbeträgen, Kopfbeträgen und Oppositionszuschlägen.
3.2. Die Ausgaben der Fraktionen: Dieses Kapitel untersucht detailliert die verschiedenen Ausgabenkategorien wie Funktionszulagen, Personal, Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit auf ihre Vereinbarkeit mit dem Zweckbindungsgebot.
4. Resümee: Die Schlussbetrachtung bewertet den Erfolg der Transparenzmaßnahmen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Ausgangshypothese vom „Verborgenen“ durch die gestiegenen Kontrollmechanismen weitgehend entkräftet werden kann.
Schlüsselwörter
Fraktionsfinanzierung, Deutscher Bundestag, Zweckbindung, Rechenschaftsbericht, Personalkosten, Funktionszulagen, Transparenz, Politikfinanzierung, Rechnungshof, Abgeordnetengesetz, Fraktionsmitarbeiter, Öffentlichkeitsarbeit, Parteienwerbung, Parlamentarische Demokratie, Wahlkampf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die Fraktionen im Deutschen Bundestag ihre staatlichen Finanzmittel einsetzen und ob dies im Einklang mit gesetzlichen Zweckbindungen geschieht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Einnahmenstruktur der Fraktionen, der Verwendung der Mittel für Personal und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Transparenz der jährlichen Rechenschaftsberichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung der Frage, ob die Fraktionsfinanzierung in Deutschland ein transparentes System ist oder ob Mittel zweckentfremdet werden, beispielsweise für Parteiaufgaben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine inhaltsanalytische Untersuchung der offiziellen Rechenschaftsberichte sowie eine vergleichende Analyse der Ausgabenstrukturen verschiedener Fraktionen durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Einnahmequellen und eine detaillierte Analyse der einzelnen Ausgabenposten, darunter Funktionszulagen, Personalkosten und Öffentlichkeitsarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Fraktionsfinanzierung, Zweckbindung, Rechenschaftspflicht und Transparenz.
Warum wird die Zahlung von Funktionszulagen kritisch gesehen?
Kritisiert wird, dass rund ein Drittel aller Abgeordneten diese Zulagen erhält, was dem Gebot der Gleichheit widerspricht und bei mangelnder Transparenz als zweifelhaft empfunden wird.
Wie hat sich die Rolle der Fraktionsmitarbeiter im Zeitverlauf verändert?
Ursprünglich als einfache Sekretariatshilfen konzipiert, haben sich die Stäbe laut Arbeit zu „politischen Dienstleistungsunternehmen“ mit erheblich gewachsenen Mitarbeiterzahlen entwickelt.
Gibt es eine klare Grenze zwischen Fraktions- und Parteiarbeit?
Rechtlich ist diese Grenze vorgeschrieben, in der Praxis jedoch oft fließend, was eine eindeutige Abgrenzung insbesondere bei Öffentlichkeitsarbeit oder Veranstaltungen schwierig macht.
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- Benjamin Siegert (Author), 2008, Fraktionsfinanzierung im Deutschen Bundestag, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/112290