Computerunterstützte Lernsysteme bieten eine Vielzahl von Hilfen, um in der Wissensbasis zu navigieren und um leicht zusätzliche Informationen zu erhalten. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, wie diese Navigations- und Informationshilfen in Lern- und Wiederlernsituationen genutzt werden. 45 Lehramtsstudenten nahmen zu Semesterbeginn an einem fünftägigen computergestützten Lernkurs zur Gedächtnispsychologie teil. Das dabei gewonnene Wissen sollte zu Semesterende in einem eintägigen Wiederlernkurs aufgefrischt und ergänzt werden.
Insgesamt nutzten nur wenige Kursteilnehmer die vielfältigen Navigations- und Informationshilfen, die das verwendete Hypermediasystem MEM bietet. Die Nutzer navigierten im wesentlichen durch Vor- und Zurückblättern im Hypertext. Dies gilt für Lernen und Wiederlernen. Die am häufigsten verwendeten und am besten bewerteten Informationshilfen sind zum einen die Möglichkeit, sich Begriffe durch einfaches Anklicken im Text erläutern zu lassen, und zum anderen die strukturierte Inhaltsübersicht.
Von den verschiedenen Wiederlernstrategien zeichnet sich die selektive durch eine besonders kurze Wiederlernzeit aus. Bei dieser Strategie soll der Kursteilnehmer zunächst Wissenslücken anhand von Aufgaben finden. Trotz der kürzeren Arbeitszeit machten die Kursteilnehmer in der abschließenden Wissensdiagnose nicht mehr Fehler als unter Anwendung der beiden anderen Strategien, für die sie z.T. doppelt soviel Zeit benötigten.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
1. Einleitung
1.1 Was unterscheidet den Computer als Lernmedium von einem guten Lehrbuch?
1.2 Warum computerunterstütztes Lernen?
1.2.1 Vergleich der Lernleistung bei konventionellem und computerunterstütztem Lernen
1.2.2 Kosten computerunterstützter Lernkurse
1.2.3 Lernzeit bei konventionellem und computerunterstütztem Lernen
2. Theorie
2.1 Was geschieht beim Lernen und Wiederlernen?
2.2 Was bedeuten diese Unterschiede für das Lernen und Wiederlernen am Computer?
2.2.1 Überblick über die Funktionalität computerunterstützter Lernsysteme
2.2.2 Theorien zur Nutzung der Funktionen von Hypermedia-Lernsystemen
2.2.3 Evaluation des Nutzungsverhaltens
2.3 Offene Fragen und Hypothesen bezüglich des Lern- und Wiederlernverhaltens am Computer
3. Experimentelle Untersuchung
3.1 Methode
3.1.1 Das Hypermediasystem MEM
3.1.2 Inhalt und Darbietung der Kurse
3.1.3 Experimentelle Variationen
3.1.4 Die abhängigen Variablen
3.2 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
3.2.1 Unterschiede im Lern- und Wiederlernverhalten
3.2.2 Unterschiede zwischen den verschiedenen Wiederlernstrategien
3.2.3 Ergebnisse der Akzeptanzerhebung
4. Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Nutzerverhalten in Lern- und Wiederlernsituationen beim Einsatz von computerunterstützten Hypermediasystemen. Dabei wird analysiert, wie Anwender die verfügbaren Navigations- und Informationshilfen nutzen, um Wissenslücken zu schließen und Lernziele effizient zu erreichen, wobei insbesondere verschiedene Wiederlernstrategien und deren Auswirkungen auf die Lernzeit und Behaltensleistung evaluiert werden.
- Vergleich von Lernverhalten im Erst-Lernkurs versus Wiederlernkurs
- Einfluss verschiedener Wiederlernstrategien (selektiv, komprimiert, überfliegend) auf Effizienz und Ergebnisse
- Evaluation der tatsächlichen Nutzung von Navigations- und Informationshilfen (z.B. Glossar, Inhaltsverzeichnis, Klemmbrett)
- Analyse der Akzeptanz von computergestützten Lernmedien im Vergleich zu konventionellen Lehrmethoden
Auszug aus dem Buch
Nützlichkeit der Navigations- und Informationshilfen
In der vorliegenden Untersuchung soll überprüft werden, wie die verschiedenen Systemmöglichkeiten genutzt werden. Daher soll an dieser Stelle dargestellt werden, welche Vorteile ein Kursteilnehmer durch die Nutzung der verschiedenen Navigations- und Informationshilfen hat. In Tabelle 2-1 werden Navigations- und Informationshilfen von MEM beschrieben. Zu jeder Funktion wird ein Beispiel gegeben, wozu der Lernende die Funktion nutzen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel motiviert den Einsatz von computerunterstützten Lernsystemen und stellt die grundlegende Forschungsfrage nach der tatsächlichen Nutzung von implementierten Funktionen in Lern- und Wiederlernkontexten.
2. Theorie: Hier werden kognitionspsychologische Grundlagen zum Lernen und Wiederlernen erläutert und mit den funktionalen Möglichkeiten von Hypermediasystemen verknüpft, um Hypothesen über das Nutzerverhalten abzuleiten.
3. Experimentelle Untersuchung: Dieses Kapitel beschreibt das Hypermediasystem MEM, das Studiendesign mit den verschiedenen Wiederlernstrategien sowie die Erhebungsmethoden und analysiert die erzielten Ergebnisse.
4. Diskussion und Ausblick: Die Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, insbesondere die Diskrepanz zwischen der positiven Einstellung der Nutzer zu Funktionen und deren tatsächlicher geringer Nutzung im Lernprozess.
Schlüsselwörter
Computerunterstütztes Lernen, Hypermediasysteme, Wiederlernen, Navigationshilfen, Informationshilfen, Gedächtnispsychologie, Nutzerverhalten, Wissensdiagnose, Lernstrategien, Selektives Wiederlernen, Effizienz, Akzeptanz, Mensch-Computer-Interaktion, MEM, Wissensrepräsentation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht das Verhalten von Studierenden beim Lernen und Wiederlernen von Inhalten der Gedächtnispsychologie mithilfe eines computergestützten Hypermediasystems.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung deckt die Bereiche Mensch-Computer-Interaktion, kognitive Lernpsychologie, die Nutzung von Navigationshilfen in Hypertexten und die Evaluation von Wiederlernstrategien ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob und wie verschiedene Navigations- und Informationshilfen von Lernenden in der Praxis genutzt werden und ob sich dadurch Effizienzvorteile (z.B. Zeitersparnis) beim Wiederlernen ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine experimentelle Untersuchung durchgeführt, bei der das Verhalten der Kursteilnehmer durch automatische Protokollierung der Systemnutzung sowie durch begleitende Wissensdiagnosen und Akzeptanzfragebögen quantitativ ausgewertet wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Systems MEM, das experimentelle Design (Vergleich von Lern- und Wiederlernkurs sowie verschiedene Wiederlernstrategien) und die detaillierte statistische Auswertung der Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Computerunterstütztes Lernen, Hypermediasysteme, Wiederlernen, Navigationshilfen sowie die spezifischen Strategien wie das selektive oder komprimierte Wiederlernen.
Warum nutzen Teilnehmer die zur Verfügung stehenden Hilfen oft nur selten?
Die Diskussion deutet darauf hin, dass die Nutzer oft keine unmittelbare Notwendigkeit sehen, die angebotenen Zusatzfunktionen zu verwenden, da das einfache Vor- und Zurückblättern als effizienteste Methode für den Informationszugang wahrgenommen wird.
Wie effektiv ist die untersuchte selektive Wiederlernstrategie?
Die selektive Strategie ist besonders ökonomisch und führt zu einer deutlichen Zeitersparnis, ohne dass dabei im Vergleich zu anderen Strategien signifikante Einbußen beim gelernten Detailwissen auftreten.
- Arbeit zitieren
- Frank Wendrich (Autor:in), 1996, Die Nutzung von Navigations- und Informationshilfen beim computerunterstützten Lernen und Wiederlernen , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/112113