Diese Seminararbeit setzt sich mit den Wechselwirkungen zwischen der tabakproduzierenden Chesapeake-Bay Kolonien in Virginia und Maryland und dem Mutterland England auseinander, in welchem die Nachfrage nach Tabakprodukten im 17. Jahrhundert drastisch stieg.
Hierbei sollen fiskalische Eingriffe, wie beispielsweise Steuern und außenpolitische Konflikte, welche mit dem Tabakhandel in Verbindung stehen, ebenso beleuchtet werden, wie die Veränderung des Konsumverhaltens in der Bevölkerung.
Tabak ist die weltweit am weitesten verbreitete, nicht essbare Feldfrucht und wird in mehr als achtzig Ländern angepflanzt. Die ursprünglich aus Amerika stammende Pflanze wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts von den Spaniern erstmals nach Europa gebracht und verbreitete sich von der Iberischen Halbinsel innerhalb kürzester Zeit in Europa und durch die weiteren Entdeckungsfahrten um den ganzen Globus. Heutzutage dominieren im Tabakdiskurs medizinische und soziologische Argumente, doch diese Seminararbeit soll die historische und ökonomische Perspektive auf den Tabak bedienen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Situation zu Beginn des Jahrhunderts
2.1 Situation in der Kolonie
2.2 Situation in England
3 Entwicklung in den Chesapeake-Bay-Kolonien
3.1 1616-1661
3.2 1662-1685
3.3 1686-1700
4 Entwicklung des Tabakkonsums in England
4.1 Soziolkulturelle Aspekte
4.1.1 Die Maskulinität des Tabaks
4.1.2 Der Tabakkonsum unter den Frauen
4.2 Fiskalische Eingriffe
4.2.1 Regentschaft König Jakobs I & VI 1603-1625
4.2.2 Regentschaft König Karls I 1625-1649
4.2.3 Regentschaft Oliver Cromwells, Karls II und Jakob II & VII 1649-1701
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische und ökonomische Wechselwirkung zwischen England und seinen Chesapeake-Bay-Kolonien im 17. Jahrhundert, um zu analysieren, wie die Produktion von Tabak in der Kolonie den massiven Anstieg und die Wandlung des Tabakkonsums im englischen Mutterland maßgeblich beeinflusst hat.
- Historische Entwicklung des Tabakanbaus in den Chesapeake-Bay-Kolonien
- Soziokulturelle Aspekte des Tabakkonsums in England (Maskulinität, Frauenbild)
- Fiskalische Eingriffe und staatliche Regulierungsversuche des Tabakhandels
- Transformation von Tabak als Heilmittel hin zum Massenkonsumgut
- Einfluss der Arbeitskräftepolitik (vom Vertragsarbeiter zur Sklavenarbeit)
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Die Maskulinität des Tabaks
Von Beginn an war der Tabakkonsum, sofern er nicht medizinisch bedingt war, fast ausschließlich eine Gewohnheit von Männern. Die Entdecker um Walter Raleigh, welche als erste das Rauchen einer größeren Öffentlichkeit offenbarten, waren ausschließlich Männer und auch die amerikanischen Ureinwohner, von denen sie das Ritual des Pfeiferauchens gelernt und übernommen hatten, sahen das Rauchen als eine rein männliche Aktivität. Dieser Hintergrund konnotierte den Tabakkonsum nicht bloß mit Männlichkeit, sondern mit aufregenden Abenteuern, einer gewissen Gewaltaffinität und Agressivität. Dies zeigte sich auch in der Sprache, die im Zusammenhang mit Tabak benutzt wurde. Eine Vielzahl von Redewendungen waren aus der Militärsprache entlehnt, wie zum Beispiel make ready, supply your pipe, oder elbow your pipe.
Tabak wurde von Rauchern als Teil ihrer Maskulinität angesehen und der Tabakkonsum übernahm eine tragende Rolle in Begrüßungs- und Initiationsritualen unter Männern. Die Pflichten eines Gastgebers verlagerten sich vom Bereitstellen von Essen hin zum einfachen Anbieten einer von Tabak. So wurde es als unhöflich angesehen, diese Gastfreundschaft abzulehnen und nicht zu rauchen. Tabak wurde zu einem Symbol der Großzügigkeit, der Gemeinschaft und der Geselligkeit. Dies wurde durch das Aufkommen des Begriffs des gentleman verstärkt. Vor allem Kaufleute, Anwälte und Ärzte, aber auch generell Bürger, die sich durch diesen „Titel“ hervorheben wollten, zählten sich ab den frühen 1600er Jahren zu den gentlemen. Man kann dies als Modeerscheinung betrachten, da es vor allem Oberflächlichkeiten waren, die einen gentleman ausmachten. Die Literatur aus jener Zeit stellte es für junge Männer als sehr erstrebenswert dar, ein gentleman zu sein und als solcher hatte man Tabak zu rauchen. Pfeifen und Tabakschatullen entwickelten sich zu Statussymbolen, vom modebewussten Eigentümer gekonnt in Szene gesetzt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die ökonomische und historische Bedeutung des Tabaks ein und stellt die Hypothese auf, dass die Produktion in der Kolonie den englischen Konsum maßgeblich steuerte.
2 Situation zu Beginn des Jahrhunderts: Das Kapitel skizziert die schwierigen Anfänge der Kolonialisierung in der Chesapeake-Bay sowie die sozioökonomischen Bedingungen im England des frühen 17. Jahrhunderts.
3 Entwicklung in den Chesapeake-Bay-Kolonien: Diese Sektion analysiert die drei Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung in den Kolonien, von der kleinbäuerlichen Produktion bis hin zur Etablierung des Sklavensystems.
4 Entwicklung des Tabakkonsums in England: Es wird untersucht, wie Tabak von einem Luxus- und Medizinprodukt zum Massengenussmittel wurde und welche soziokulturellen und fiskalischen Einflüsse dabei eine Rolle spielten.
5 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Tabakproduktion in Übersee die entscheidende Triebfeder für den Tabakkonsum in England war und die Volkswirtschaften beider Regionen eng miteinander verflocht.
Schlüsselwörter
Tabak, Chesapeake-Bay, England, 17. Jahrhundert, Kolonien, Handelsmonopol, Tabakkonsum, Virginia Company, Fiskalpolitik, Massenkonsum, Maskulinität, Sklavenhandel, Wirtschaftsgeschichte, Navigation Laws, Genussmittel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ökonomische und gesellschaftliche Wechselwirkung zwischen der Chesapeake-Bay-Kolonie und England im 17. Jahrhundert, mit Fokus auf den massiven Anstieg des Tabakkonsums.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen die koloniale Tabakproduktion, die wirtschaftliche Entwicklung des Mutterlandes, staatliche Besteuerung sowie die soziale Bedeutung des Rauchens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie die Wechselwirkung zwischen England und der Chesapeake-Bay-Kolonie den englischen Tabakkonsum im 17. Jahrhundert nachhaltig geprägt und verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine intensive Literaturrecherche, um historische Wirtschaftsdaten, kulturhistorische Aspekte und politische Dokumente der Epoche zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der kolonialen Entwicklungsphasen, die Analyse des englischen Konsumverhaltens und eine detaillierte Ausarbeitung fiskalischer Eingriffe unter verschiedenen englischen Regenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zu den prägenden Begriffen gehören Tabak, Kolonialgeschichte, Wirtschaftsgeschichte des 17. Jahrhunderts, fiskalische Regulierung und der soziale Wandel des Konsumverhaltens.
Welche Rolle spielte der "Counterblaste to Tobacco" von König Jakob I.?
Das Pamphlet markiert den Beginn der königlichen Aversion gegen Tabak und liefert den Ausgangspunkt für staatliche Versuche, den Konsum durch Steuern und Verbote zu regulieren.
Warum wandelte sich die Arbeitsweise in den Chesapeake-Bay-Kolonien?
Der Wechsel von Vertragsarbeitern zu Sklavenarbeit war eine direkte Reaktion auf den abnehmenden Zustrom freier Arbeitskräfte und die Notwendigkeit, die Produktivität auf den wachsenden Plantagen zu sichern.
Wie beeinflusste das Geschlecht das Tabakrauchen in England?
Rauchen war stark männlich konnotiert; rauchende Frauen wurden in der Literatur des 17. Jahrhunderts oft negativ dargestellt und mit Sittenverfall oder Prostitution in Verbindung gebracht.
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- Simon Haas (Author), 2020, Der englische Tabakkonsum im 17. Jahrhundert. Die Wechselwirkung zwischen England und der Chesapeake-Bay-Kolonien in Amerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1119233