Unter dem Motto ,,Lernen durch Lehren" stand die experimentelle Unterrichtsreihe im Fach Deutschdidaktik. Die erste Doppelstunde wurde von uns geleitete. Eine kurze Übersicht der einzelnen Unterrichtsschritte soll hier aufgeführt werden, um am Schluss eine Evaluation dieser Stunde zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Wiederholung
2. „Des Kaisers neue Kleider“ – Anregungen einer Diskussion
3. Verstehen verstehen – Hauptgedanken von E. v. Glasersfeld
4. Diskussion der Standpunkte E. v. Glasersfeld und Wygotzki
5. Eigenständige Gruppenarbeit
6. Auswertung
Zielsetzung & Themen
Das vorliegende Portfolio dokumentiert eine experimentelle Unterrichtsreihe im Fach Deutschdidaktik, die unter dem Leitmotiv „Lernen durch Lehren“ stand. Das primäre Ziel der Arbeit ist die kritische Reflexion und Evaluation der selbst gestalteten Unterrichtseinheit zur Einführung in den Konstruktivismus.
- Grundlagen des radikalen Konstruktivismus nach Ernst von Glasersfeld
- Diskurs über die konstruktivistische Erkenntnis- und Lerntheorie
- Vergleich der Positionen von Glasersfeld und Wygotski
- Didaktische Umsetzung konstruktivistischer Ansätze im Deutschunterricht
- Evaluation der Gruppenarbeitsphasen und Unterrichtsgestaltung
Auszug aus dem Buch
3. Verstehen verstehen
Im dritten Punkt der Unterrichtsstunde gingen wir etwas näher auf den Aufsatz von GLASERSFELD „Verstehen verstehen“ ein. Dazu hielt Anja Komnick ein Kurzreferat und erläuterte dadurch die wichtigsten Gedanken GLASERSFELD. Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte seines Aufsatzes:
Das Verstehen ist eine Sache des Zusammenpassens und nicht des Übereinstimmens.
Es gibt keine direkte Übertragung der Bedeutung – der Interpret muss eine Sache mit seinen eigenen subjektiven Mitteln der Begriffsbildung verstehen.
GLASERSFELD Kritik an WYGOTZKI’s Standpunkt vom sozialen Konstruktivismus, indem er meint, dass die Menschen, welche eine gemeinsame Vergangenheit verbindet das gleiche verstehen. Das heißt, dass ein Kind die gleichen Bedeutungszuschreibungen wie der Erwachsenen besitzt, bei dem es aufwächst.
Der Empfänger einer Nachricht muss versuchen eine kohärente begriffliche Struktur aufzubauen, die dem Sprecher ähnelt. Dies gelingt nur durch die Vereinbarung von Erfahrungen und Abstraktionen mit seinem Gegenüber – sie kann aber nie als identisch nachgewiesen werden.
Interpretationen können nur unter Kenntnis des Kontextes vorgenommen werden.
Erfolgen begriffliche Unstimmigkeiten kommt es zur Perturbation und die Bedeutung der Wörter muss neu zugeordnet werden.
Eine produktive Akkommodation und Anpassung lässt sich nur erreichen, wenn die Gesprächspartner eine konstruktivistische Gesprächshaltung einnehmen und sie sich von Anfang an bewusst sind, dass Bedeutungen des Sprechers letzten Endes subjektive Konstrukte sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wiederholung: Kurze Rekapitulation der vorherigen Seminarsitzung, um bei allen Teilnehmern eine einheitliche kognitive Basis für das neue Thema zu schaffen.
2. „Des Kaisers neue Kleider“ – Anregungen einer Diskussion: Einleitung in die Thematik durch eine Textanalyse des Märchens, um die Existenz multipler, beobachterabhängiger Wirklichkeiten aufzuzeigen.
3. Verstehen verstehen – Hauptgedanken von E. v. Glasersfeld: Theoretische Auseinandersetzung mit Glasersfelds Konstruktivismusbegriff, insbesondere der Subjektivität von Bedeutung und dem Konzept des Zusammenpassens statt Übereinstimmens.
4. Diskussion der Standpunkte E. v. Glasersfeld und Wygotzki: Gegenüberstellung des radikalen und sozialen Konstruktivismus zur Vertiefung des fachlichen Diskurses in der Seminargruppe.
5. Eigenständige Gruppenarbeit: Vertiefende Erarbeitung konstruktivistischer Kernthemen in Kleingruppen, basierend auf fachdidaktischer Literatur zu Modellen des Lernens und der Erkenntnistheorie.
6. Auswertung: Reflexive Evaluation der Unterrichtsgestaltung durch die Seminarleiter unter Berücksichtigung von Zeitmanagement und studentischem Feedback.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Deutschdidaktik, Lernen durch Lehren, Ernst von Glasersfeld, Lev Wygotski, Erkenntnistheorie, Lerntheorie, Multiple Wirklichkeiten, Kommunikation, Begriffsbildung, Akkommodation, Perturbation, Subjektivität, Unterrichtsgestaltung, Seminarportfolio.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Portfolio grundsätzlich?
Das Portfolio dokumentiert und reflektiert eine selbst gestaltete Unterrichtseinheit im Fach Deutschdidaktik, die sich mit den Grundlagen des Konstruktivismus befasst.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der erkenntnistheoretischen Basis des Konstruktivismus, der Kommunikationstheorie nach Glasersfeld sowie der didaktischen Anwendung dieser Konzepte im modernen Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel der Seminarleiterinnen bestand darin, konstruktivistische Theorien im Rahmen eines „Lernen durch Lehren“-Projekts praktisch zu vermitteln und die Wirksamkeit dieser Seminargestaltung zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der reflexiven Fallstudie, kombiniert mit einer theoretischen Auseinandersetzung anhand aktueller fachdidaktischer Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die theoretischen Grundlagen (u.a. Glasersfeld, Wygotski) als auch der Ablauf der praktischen Unterrichtsgestaltung, inklusive Diskussionsrunden und Gruppenarbeitsphasen, detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Konstruktivismus, Erkenntnistheorie, Lerntheorie, Didaktik, Kommunikation und Subjektivität.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Glasersfeld von der von Wygotski laut der Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet Glasersfelds Kritik an Wygotskis sozialem Konstruktivismus, insbesondere in Bezug auf die Annahme, dass eine gemeinsame Vergangenheit automatisch zu identischen Bedeutungszuschreibungen führt.
Was war das Hauptergebnis der Auswertung der Seminargestaltung?
Trotz anfänglicher Schwierigkeiten bei der Zeitplanung und der Einschätzung des Gruppenarbeitsanteils bewerteten die Autorinnen die Methode als erfolgreich und lehrreich für ihre eigene didaktische Kompetenz.
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- Katrin Niemann (Author), Anja Komnick (Author), 2003, Portfolio zum Konstruktivismus-Seminar: Zur Didaktik moderner Kinder- und Jugendliteratur - Ein konstruktivistischer Ansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/107950