Diese Arbeit beschäftigt sich mit Emotionen und Medien als Gegenstand von Verschwörungstheorien am Beispiel der Lügenpresse.
In den etablierten Demokratien sind wesentliche Krisenmerkmale zu verzeichnen, wie unteranderem die Flüchtlingsdebatte seit 2015. Folglich kam es zu einem ein Rückgang der politischen Beteiligung und einem Vertrauensverlust in die politischen VertreterInnen und die Medien. Demonstrationen und Versammlungen gegen zum Beispiel Flüchtlinge, aber auch gegen Medien sind keine Seltenheit mehr.
Verschwörungstheorien liefern in diesen Momenten eine Lösung auf der Suche nach Erklärungen. Sie verkürzen und vereinfachen dabei komplexe Sachverhalte, wobei Genauigkeit und Korrektheit verloren geht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung, Merkmale und Funktionen von Verschwörungstheorien
3. Das Glaubwürdigkeitsproblem der Medien
3.1 Rechtspopulismus und Verschwörungstheorien
3.2 Ein Gespenst geht umher: Das Gespenst heißt „Lügenpresse“
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das komplexe Wechselspiel zwischen Medien, Emotionen und rechtspopulistischen Verschwörungstheorien, wobei der Fokus insbesondere auf dem Begriff der „Lügenpresse“ liegt. Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, durch die Medien als Feindbild konstruiert werden, um politische Agenden zu fördern und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu schwächen.
- Grundlagen, Merkmale und Funktionen von Verschwörungstheorien
- Die Rolle der Medien als zentraler Akteur im öffentlichen Diskurs
- Wechselwirkungen zwischen Rechtspopulismus und konspirativen Weltbildern
- Die historische und aktuelle Bedeutung des Begriffs „Lügenpresse“
- Einfluss digitaler Medien auf die Verbreitung von Fake News und Filterblasen
Auszug aus dem Buch
3.2 Ein Gespenst geht umher. Das Gespenst heißt „Lügenpresse“
Es handelt sich bei dem Phänomen der Lügenpresse nicht um differenzierte Medienkritik. Dies zeigt auch die Motivation, die dahintersteckt, es geht nämlich dabei nicht um Diversität, sondern um Einfältigkeit. Den AkteurInnen, Gruppierungen und Bewegungen geht es nicht um die Liberalisierung der Öffentlichkeit, sondern um Propaganda der eigenen Ziele. Es handelt sich um einen Versuch die liberale Hegemonie durch die eigene autoritäre Ideologie zu ersetzen (Vgl. Scholl, 2016). Pauschalisierende Formulierungen, wie die Flüchtlinge oder der Islam, sowie eine plakative Bildsprache führen dazu, dass komplexe Sachverhalte vereinfacht und verkürzt werden. Durch Metaphern wie Flüchtlingswelle oder Flüchtlingsströme werden Menschen als amorphe dargestellt (Vgl. Bax, 2016).
Verschwörungstheorien und Fake News haben eher den Charakter einer Geschichte, als den einer wissenschaftlichen Theorie. Das grundlegende Narrativ, auf dem an sich alle Verschwörungsgeschichten basieren, ist das Narrativ vom Kampf Gute gegen Böse. VerschwörungstheoretikerInnen identifizieren sich dabei mit den Guten und nehmen den Kampf gegen die Machenschaften der Bösen auf.“ (Vgl. Votteler/Hespers, 2019: 112). Die Bösen können dabei in unterschiedlicher Gestalt auftreten. Es handelt sich zum Beispiel um Nachrichtendienste, Medien, Aliens oder das Establishment. Narrative spielen für die Überzeugungskraft eine bedeutsame Rolle. Denn es wird ein bestimmtes Narrativ, wie zum Beispiel für einen Zeitungsartikel aufgespannt und als Interpretationsrahmen etabliert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Vertrauensverlusts in Medien und Politik seit 2015 ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen.
2. Begriffserklärung, Merkmale und Funktionen von Verschwörungstheorien: Dieses Kapitel definiert Verschwörungstheorien als komplexe Geflechte von Überzeugungen, die zur Komplexitätsreduktion und Identitätsstiftung innerhalb von Gruppen dienen.
3. Das Glaubwürdigkeitsproblem der Medien: Hier wird analysiert, warum Massenmedien als zentrale Zielscheibe für Manipulationsvorwürfe fungieren und wie mediale Mechanismen wie Gatekeeping oder Framing das Misstrauen nähren.
3.1 Rechtspopulismus und Verschwörungstheorien: Dieser Abschnitt beleuchtet das Beziehungsgeflecht zwischen populistischen Bewegungen und Verschwörungstheorien, die beide auf die Konstruktion von Feindbildern setzen.
3.2 Ein Gespenst geht umher: Das Gespenst heißt „Lügenpresse“: Das Kapitel untersucht den Begriff „Lügenpresse“ als propagandistisches Kampfinstrument, das darauf abzielt, liberale Öffentlichkeit durch autoritäre Ideologien zu ersetzen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Medienkritik zwar wichtig ist, diese jedoch nicht mit der Diffamierung durch Verschwörungstheorien gleichzusetzen ist.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Lügenpresse, Verschwörungstheorien, Rechtspopulismus, Massenmedien, Fake News, Framing, Narrative, Filterblasen, Echokammereffekt, Medienkritik, Populismus, Hostile-Media-Effekt, Politische Kommunikation, Vertrauensverlust, Digitalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Medien und Emotionen als Themen für rechtspopulistische Verschwörungstheorien instrumentalisiert werden, insbesondere unter dem Fokus auf den Begriff der „Lügenpresse“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die psychologischen und sozialen Funktionen von Verschwörungstheorien, das generelle Glaubwürdigkeitsproblem der Medien in der modernen Gesellschaft sowie die spezifische Rolle der digitalen Medien bei der Verbreitung von Falschinformationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, die Mechanismen hinter der Konstruktion der „Lügenpresse“ zu entschlüsseln und aufzuzeigen, wie rechtspopulistische Akteure Medien als Sündenböcke für komplexe gesellschaftliche Krisen missbrauchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender medien- und politikwissenschaftlicher Forschung zur Psychologie des Postfaktischen und zu Verschwörungstheorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Verschwörungstheorien, eine Analyse der Medienkritik und des Hostile-Media-Effekts sowie eine spezifische Untersuchung des Begriffs „Lügenpresse“ im Kontext rechtspopulistischer Propaganda.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Verschwörungstheorie, Lügenpresse, Rechtspopulismus, Fake News, Framing und Filterblasen charakterisieren.
Welche Rolle spielen soziale Medien bei der Verbreitung von Verschwörungstheorien?
Soziale Medien verändern die Gatekeeper-Funktion klassischer Medien, da nun jeder Inhalte verbreiten kann. Algorithmen verstärken durch Filterblasen und Echokammereffekte zudem die Radikalisierung der Nutzer durch emotionale Aktivierung.
Was unterscheidet legitime Medienkritik von einer Verschwörungstheorie wie der „Lügenpresse“?
Während legitime Medienkritik faktenbasiert ist und einen konstruktiven Dialog anstrebt, basiert der „Lügenpresse“-Vorwurf auf einer undifferenzierten, pauschalen Diffamierung mit dem Ziel, die liberale Hegemonie durch autoritäre Ideologien zu ersetzen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Die Lügenpresse als Form rechtspopulistischer Verschwörungstheorien. Der Zusammenhang von Medien und Emotionen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1061064