In dieser Arbeit wird das Ausmaß der fair value-Bewertung auf die Abschlüsse von Industrieunternehmen dargestellt und analysiert. Auf die Darstellung wesentlicher konzeptioneller und normativer Rahmenbedingungen folgt eine Übersicht über vorhandene Untersuchungen, welche das Ausmaß der fair value-Bewertung aufgezeigt haben. Dieser Übersicht schließt sich eine eigene Untersuchung an und thematisiert dabei die Auswirkungen der fair value-Bewertung auf die Vermögens- und Ertragslage untersuchter Industrieunternehmen. Hiernach werden die Untersuchungsergebnisse im Hinblick auf ihre Verlässlichkeit und Entscheidungsnützlichkeit beurteilt und in den aktuellen Stand der Forschung eingebettet. Zum Schluss werden die in der Untersuchung inhärenten Limitationen und mögliche Forschungsperspektiven für zukünftige Untersuchungen aufgezeigt.
Um dem vorrangigen Ziel des IFRS-Abschlusses, dem Abschlussadressaten entscheidungsnützliche Finanzinformationen bereitzustellen, gerecht zu werden, orientiert sich der fair value an einer Bilanzierung zu aktuellen Marktpreisen. Somit soll zum Bewertungsstichtag, durch den fair value, im Gegensatz zu vergangenheitsorientieren Anschaffungs- oder Herstellungskosten, der aktuelle Marktpreis eines Vermögenswertes oder einer Schuld bilanziell abgebildet werden. Kritik an der Entscheidungsnützlichkeit des fair value äußert sich in der nur begrenzt nachvollziehbaren und objektivierten Ermittlung vieler fair values. Die fair value-Bewertung flankiert somit das Spannungsfeld zwischen Entscheidungsrelevanz und Verlässlichkeit.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung und Gang der Untersuchung
1 Fair value in der IFRS-Rechnungslegung
2 Überblick über vorhandene Studien
3 Empirische Untersuchung
3.1 Methodik
3.2 Untersuchungsergebnisse
3.2.1 Nicht-finanzielle Vermögenswerte
3.2.2 Finanzielle Vermögenswerte
3.2.3 Finanzielle Schulden
3.2.4 Ergebniswirkung der fair value-Bewertung von Finanzinstrumenten
4 Beurteilung und Diskussion der Untersuchungsergebnisse
5 Limitationen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Ausmaß und die Auswirkungen der Fair Value-Bewertung auf die IFRS-Konzernabschlüsse von 30 im MDAX notierten Industrieunternehmen für das Geschäftsjahr 2018. Ziel ist es, die Relevanz sowie die Ergebniswirkung dieser Bewertungsmethode im Vergleich zu bisherigen Studien zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Analyse der Fair Value-Bewertungswahlrechte für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte
- Untersuchung von Fair Value-Effekten bei Finanzinstrumenten nach IFRS 9
- Bewertung der Qualität von Fair Value-Daten anhand der IFRS 13-Hierarchie
- Analyse der Ergebnisvolatilität durch Fair Value-Änderungen in GuV und sonstigem Ergebnis
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Finanzielle Vermögenswerte
Insgesamt werden in den untersuchten IFRS-Konzernabschlüssen finanzielle Vermögenswerte in Höhe von 86.799 Mio. €, welche in den Anwendungsbereich von IFRS 9 fallen, bilanziert. Im Vergleich zur Bilanzsumme entspricht dies einem durchschnittlichen Anteil von 30,83 %. Von den insgesamt ausgewiesenen finanziellen Vermögenswerten werden durchschnittlich 8,53 % zum fair value bewertet. Gemessen an der Bilanzsumme beträgt dies durchschnittlich 3,20 %. Zwischen den untersuchten Unternehmen zeigen sich indes Unterschiede bezüglich des Ausmaßes der Bewertung finanzieller Vermögenswerte zum fair value. So entspricht der Anteil der zum fair value bewerteten Vermögenswerte auf der Aktivseite bei vier Unternehmen 0 %, wohingegen bspw. die Uniper SE 35,63 % ihrer Aktivseite zum fair value bewertetet. Um einen gegen Ausreißer weniger anfälligen Lageparameter zur Beschreibung des Datensatzes, als das zuvor verwendete arithmetische Mittel, zu verwenden wurde der Median herangezogen. Der Median der prozentualen Anteile, der zum fair value bewerteten finanziellen Vermögenswerte, gemessen an der Bilanzsumme beträgt 0,92 %.
Die Untersuchungsergebnisse bezüglich der Qualität der ermittelten fair values zeigen, dass auf der Aktivseite 30,82 % der fair value-Bewertungen der finanziellen Vermögenswerte auf der ersten Stufe, 57,04 % auf der zweiten Stufe und 12,10 % auf der dritten Stufe der fair value-Hierarchie gemäß IFRS 13 vorgenommen werden (Abbildung 1).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung und Gang der Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz des Fair Value als Bewertungsmaßstab und skizziert das methodische Vorgehen der deskriptiven Analyse.
1 Fair value in der IFRS-Rechnungslegung: Es werden die normativen Rahmenbedingungen für Fair Value-Bewertungen nach IFRS, inklusive der IFRS 13-Hierarchie, dargelegt.
2 Überblick über vorhandene Studien: Dieses Kapitel gibt einen Abriss bisheriger empirischer Untersuchungen zur Fair Value-Bewertung in der deutschen und internationalen Bilanzierungspraxis.
3 Empirische Untersuchung: Das Kapitel beschreibt das Vorgehen bei der Analyse von 30 MDAX-Industrieunternehmen und präsentiert die Ergebnisse für nicht-finanzielle und finanzielle Vermögenswerte sowie Schulden.
4 Beurteilung und Diskussion der Untersuchungsergebnisse: Die Resultate werden kritisch interpretiert, in den Forschungsstand eingeordnet und im Hinblick auf ihre Entscheidungsnützlichkeit bewertet.
5 Limitationen und Ausblick: Hier werden methodische Einschränkungen reflektiert und zukünftige Forschungsperspektiven, insbesondere bezüglich der Auswirkungen von IFRS 9, aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Fair Value, IFRS, Bilanzierung, MDAX, Finanzinstrumente, IFRS 9, IFRS 13, Industrieunternehmen, Bewertungsmaßstab, Entscheidungsnützlichkeit, Ergebnisvolatilität, Neubewertungsmodell, Anschaffungskostenmodell, Finanzberichterstattung, Konzernabschluss.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung und den Auswirkungen der Fair Value-Bewertung in IFRS-Konzernabschlüssen deutscher Industrieunternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Bewertungswahlrechte für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte sowie die bilanziellen Effekte durch Finanzinstrumente gemäß IFRS 9.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist eine deskriptive Analyse des Ausmaßes der Fair Value-Bewertung in MDAX-Unternehmen, um deren Relevanz für die Bilanz- und Ertragslage zu ermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine empirische Analyse der Geschäftsberichte von 30 im MDAX notierten Industrieunternehmen für das Geschäftsjahr 2018.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Grundlagen, die Darstellung der empirischen Ergebnisse für Vermögenswerte und Schulden sowie deren kritische Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fair Value, IFRS, Bilanzierung, Finanzinstrumente, IFRS 9 und Ergebnisvolatilität.
Welche Rolle spielt die Uniper SE in den Ergebnissen?
Die Uniper SE stellt einen signifikanten Ausreißer dar, da ihre hohen Fair Value-Bewertungen bei finanziellen Vermögenswerten und Schulden die Gesamtergebnisse der Stichprobe stark beeinflussen.
Warum spielt das Neubewertungsmodell für Sachanlagen kaum eine Rolle?
Die Untersuchung zeigt, dass keines der analysierten Unternehmen das Wahlrecht zur Folgebewertung zum Fair Value für Sachanlagen nutzt, da weiterhin das Anschaffungskostenmodell bevorzugt wird.
- Arbeit zitieren
- Hajin Diako (Autor:in), 2020, Fair Value-Bewertung in IFRS-Abschlüssen. Eine deskriptive Analyse von Industrieunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1041372