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Die Entwicklung von Gewalt im studentischen Milieu vor, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg

Deposition, Pennalismus und studentische Devianz

Title: Die Entwicklung von Gewalt im studentischen Milieu vor, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg

Term Paper (Advanced seminar) , 2020 , 29 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Dominik Staubermann (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization

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Summary Excerpt Details

Das studentische Milieu der frühen Neuzeit war gekennzeichnet von verschiedenen Gewaltakten. In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, inwieweit der Dreißigjährige Krieg als Gewaltkatalysator gewirkt hat. Dabei werden die Deposition, der Pennalismus sowie die studentische Devianz anhand mehrerer universitärer Standorte Untersucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Gewalt im Kontext des studentischen Milieus

2.1. Pennalismus

2.2. Devianzkultur

2.3. Deposition

3. Zwischenresümee

4. Der Dreißigjährige Krieg und die Universitäten

4.1. Die Dekadenzthese

4.2. Gewalterfahrung im studentischen Milieu

5. Gewalt im studentischen Milieu nach dem Dreißigjährigen Krieg

6. Konklusion

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die Entwicklung und Ausprägung studentischer Gewaltrituale in der Frühen Neuzeit unter besonderer Berücksichtigung des Dreißigjährigen Krieges. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die Verrohung des studentischen Milieus primär als direkte Kriegsfolge zu interpretieren ist oder ob strukturelle sowie soziale Faktoren wie die "Dekadenzthese" und rituelle Traditionen wie der Pennalismus und die Deposition eine eigenständige Dynamik entfalteten.

  • Analyse der Gewaltformen: Pennalismus, Devianzkultur und Deposition.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der "Dekadenzthese" im Kontext des Dreißigjährigen Krieges.
  • Untersuchung des Wandels von legitimierter "potestas" zu expressiver Gewalt "violentia".
  • Vergleich regionaler Unterschiede im studentischen Milieu während des Krieges.
  • Rolle studentischer Männlichkeitsideale und paramilitärischer Identitätsbildung.

Auszug aus dem Buch

2.3. Deposition

Die Deposition war ein Ritual, das Studenten vor dem Antritt ihres Studiums an lutherischen Hochschulen durchliefen. Der Begriff Deposition leitet sich aus dem lateinischen depositio cornuum ab, was so viel bedeutet, wie seine Hörner abzustoßen. Anders als im Pennalismus ging bei der Deposition die Gewalt von der jeweiligen Hochschule aus. Auch sah ein überwiegender Anteil der Studenten, die deponiert wurden, dieses Ritual als eine ehrenvolle Veranstaltung an. Es galt sogar als unschicklich nicht deponiert worden zu sein. Dennoch kam es immer wieder zu mahnenden Worten gegenüber den Depositionspraktiken und den damit einhergehenden Gewaltakten, durch die dieses Initiationsritual stets auf der Schwelle zwischen violentia und potestas balancierte.

Erste Informationen über die Deposition sind bereits in den 1481 publizierten manuale scholarium zu finden. In diesem Werk ist unter anderem ein Dialog zwischen einem neueingeschriebenen Studenten und seinem Lehrmeister zu finden, das zwei wichtige Informationen über die Beweggründe der Deposition enthält.

„After the enrolement, the master says to the student: Now you are registered. Where do you intend to have your deposition? Student. Reverend master, I leave that to you [….]. Master. Do you like it in my sanctum? Student. I like it so well, that I don’t think it could be more pleasant anywhere else. Master. Shall I invite more masters to be present? Student. Most worthy preceptor, I have but little wealth. Above all I ask that the collation be not made too expensive, nor do I wish that it be spread too thin and my character injured, but that moderation be observed as well as custom. Master. I understand how it is. I shall, therefore, call three masters, and two bachelors, and some of my associates. Thus no one will accuse you of parsimony, and excessive costs will be avoided. Student. Honorable master, that is pleasing to me.”

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der frühneuzeitlichen studentischen Sitten ein und stellt die drei zentralen Phänomene Pennalismus, Devianzkultur und Deposition vor.

2. Der Begriff der Gewalt im Kontext des studentischen Milieus: Dieses Kapitel definiert die rituellen Grundlagen der studentischen Kultur und untersucht die Anwendung von physischer und psychischer Gewalt im Kontext von Hierarchien und Normbrüchen.

3. Zwischenresümee: Hier wird der Status quo vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges zusammengefasst, wobei die Ausprägung der Riten als bereits etabliert hervorgehoben wird.

4. Der Dreißigjährige Krieg und die Universitäten: Das Kapitel hinterfragt die Dekadenzthese kritisch und analysiert, wie sich die militärische Realität und der Krieg auf das studentische Gewaltverständnis ausgewirkt haben.

5. Gewalt im studentischen Milieu nach dem Dreißigjährigen Krieg: Diese Sektion behandelt die Reaktion der Obrigkeiten auf die gewaltsamen Auswüchse, insbesondere durch das Verbot des Pennalismus nach dem Regensburger Reichstagsbeschluss.

6. Konklusion: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Krieg eher als Katalysator für bereits bestehende Entwicklungen fungierte und nicht als alleinige Ursache für die Verrohung.

Schlüsselwörter

Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg, Pennalismus, Deposition, studentische Devianz, Gewaltriten, potestas, violentia, Universitätsgeschichte, Männlichkeitsideale, Dekadenzthese, Landsmannschaften, studentische Kultur, studentisches Milieu, akademische Initiationsriten.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit befasst sich mit der studentischen Kultur und den damit verbundenen Gewaltphänomenen an Universitäten im 16. und 17. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung konzentriert sich primär auf die Riten des Pennalismus, der Deposition und der allgemeinen Devianzkultur der Studenten.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit hinterfragt, ob der Dreißigjährige Krieg die alleinige Ursache für die Verrohung der studentischen Sitten war, oder ob diese Entwicklung bereits vorher angelegt war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Untersuchung, die auf der Analyse zeitgenössischer Quellen und aktueller wissenschaftlicher Literatur zum studentischen Milieu der Frühen Neuzeit basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Riten vor dem Krieg, die Auswirkungen kriegerischer Einflüsse auf die Universitäten und die spätere staatliche Reaktion durch Verbote.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Pennalismus, Deposition, Devianz, Dekadenzthese, Gewaltgeschichte und frühneuzeitliche Universitätsrituale.

Warum wird die "Dekadenzthese" in der Arbeit kritisiert?

Die Arbeit kritisiert die These, da sie viele studentische Sitten fälschlicherweise als unmittelbare Kriegsfolgen betrachtet, obwohl diese bereits vor dem Krieg existierten.

Welche Rolle spielt die Unterscheidung von "potestas" und "violentia"?

Diese Unterscheidung hilft zu differenzieren, wann Gewalt von Obrigkeiten als legitim (potestas) und wann sie als illegitim oder exzessiv (violentia) wahrgenommen wurde.

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Details

Title
Die Entwicklung von Gewalt im studentischen Milieu vor, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg
Subtitle
Deposition, Pennalismus und studentische Devianz
College
University of Münster
Grade
1,7
Author
Dominik Staubermann (Author)
Publication Year
2020
Pages
29
Catalog Number
V1035932
ISBN (eBook)
9783346448781
ISBN (Book)
9783346448798
Language
German
Tags
Pennalismus Devianz Studentische Gewalt Deposition Studentisches Milieu Gewalt Dekadenzthese Dreißigjährige Krieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dominik Staubermann (Author), 2020, Die Entwicklung von Gewalt im studentischen Milieu vor, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1035932
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