Der Gegenstand dieser Hausarbeit befasst sich mit dem Thema der Triuwe und êre im Roman Iwein von Hartmann von Aue. Der Untersuchungsgegenstand sind die Beziehungen vom Protagonisten Iwein zu seinen engsten Bezugspersonen nach den Aspekten der triuwe und êre. Im Zentrum stehen seine Frau Laudine, der Freund Gawein und sein tierischer Begleiter, der Löwe.
Als Nebenpunkt wird auf die Identität von Iwein eingegangen.
Der Ritter Iwein ist ein festes Mitglied der Artusgesellschaft. Als Artusritter muss er sich diversen Verhaltensregeln unterordnen.
An oberste Stelle steht êre, die er immer wieder unter Beweis stellen muss. Sei es im Zweikampf oder in Not geratene Frauen.
Als er sich verliebt, muss er um seine êre fürchten und verliert aufgrund seiner untriuwe seinen Verstand.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Triuwe und êre gegenüber dem Artushof
2.1. Triuwe zwischen Iwein und Laudine
2.2. Treuebruch
3. Wiederherstellung seiner êre als Ritter und triuwe
3.1. Neue triuwe zwischen Iwein und Lunete sowie dem Artushof
3.2. Restaurierung der triuwe gegenüber Laudine
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung und Entwicklung der Begriffe "triuwe" (Treue) und "êre" (Ehre) im Roman "Iwein" von Hartmann von Aue. Dabei steht die komplexe Entwicklung des Protagonisten Iwein im Zentrum, insbesondere im Hinblick auf seine Identität als Ritter sowie die wechselseitigen Beziehungen zu seiner Frau Laudine, seinem Freund Gawein und seinem tierischen Begleiter, dem Löwen.
- Analyse des höfischen Wertesystems und der Tugendlehre im Mittelalter
- Untersuchung von Identitätskrisen und ritterlichen Rollenkonflikten
- Die Funktion von "triuwe" und "êre" als identitätsstiftende Leitwerte
- Die Rolle der Minne und der Ehe für die ritterliche Existenz
- Die symbolische Bedeutung des Löwen im Läuterungsprozess des Helden
Auszug aus dem Buch
2. Triuwe und êre gegenüber dem Artushof
Die Geschichte von Iwein beginnt am Artushof. Anlass für das Zusammenkommen zahlreicher Ritter ist das Pfingstfest. Der Artushof ist eine ideale Konstruktion, in der nur ein Rittertum existiert, das seine politischen Ansprüche vermöge durchgehender Moralisierung der feudalrechtlichen und ständischen Begriffe mit den Prinzipien edelsten menschlichen Sittlichkeitsstreben gleichgesetzt wird. Der Hof ist das Zentrum der Welt, die Mitte idealen Menschtums. Der Artushof ist als Ort der Joie, des höfischen Äquivalents des Glücks, einer Freude, die sich als Gefühl Wohlbefindens durch die absolute Aufhebung aller Spannungen definiert. Der Hof fungierte als die Instanz, die dem Helden seine Identität als höfischer Ritter gibt. Artûs der guote ist der Inbegriff höfischer zuht und êre. Wo König Artus nicht ist, da ist ex negativo die außerhöfische feindliche Anderswelt, in der sich der Held im ritterlichen Kampf bewähren muss, um für sich und andere êre und saelde zu gewinnen.
In Hartmann von Aues Roman Iwein lässt sich der Begriff der êre nicht klar definieren. Das Wort findet sich erstmals in folgender Passage:“Key legte sich slăfen ŭf den sal under in; ze gemachte ăne êre stuont sĭn sin“[V.74-76 ]. In diesem Abschnitt wird Keies unsittliches Verhalten gegenüber den Gästen deutlich. Ĕre wird von Krohn mit gutem Benehmen übersetzt, obwohl im Mittelalter unter Benehmen der Grundbegriff zuht gefallen wäre. Die Transkription ehrenhaftes Verhalten hätte besser zum Kontext gepasst, weil der Begriff der êre eindeutiger übersetzt worden wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung verankert die Begriffe "triuwe" und "êre" in der mittelalterlichen Tugendlehre und erläutert ihre Bedeutung für das höfische Wertesystem.
2. Triuwe und êre gegenüber dem Artushof: Dieses Kapitel analysiert den Artushof als Zentrum höfischer Identität und untersucht die ersten Definitionen und sprachlichen Nuancen von Ehre und Treue im Roman.
2.1. Triuwe zwischen Iwein und Laudine: Hier wird die Entwicklung der Minnebeziehung zwischen Iwein und Laudine unter dem Aspekt der moralischen Verpflichtung und der ritterlichen Verantwortung beleuchtet.
2.2. Treuebruch: Das Kapitel thematisiert den Konflikt, der entsteht, wenn Iwein sein Versprechen bricht, den Artushof verlässt und daraufhin seine Identität und seinen sozialen Status verliert.
3. Wiederherstellung seiner êre als Ritter und triuwe: Dieser Abschnitt beschreibt den psychischen Zusammenbruch Iweins und seine mühsame Rückkehr zur Identität als ritterlicher Ordnungshüter.
3.1. Neue triuwe zwischen Iwein und Lunete sowie dem Artushof: Hier wird der Prozess der Wiedergutmachung gegenüber Lunete und die Wiederherstellung seines Ansehens in der ritterlichen Gesellschaft dargestellt.
3.2. Restaurierung der triuwe gegenüber Laudine: Das abschließende Kapitel analysiert die endgültige Versöhnung mit Laudine und die Wiederherstellung des Ehebundes als vorbildliches Herrscherehepaar.
Schlüsselwörter
Iwein, Hartmann von Aue, Triuwe, Êre, Mittelalter, Höfische Tugendlehre, Artushof, Minne, Aventiure, Rittertum, Identität, Laudine, Gawein, Lunete, Löwe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich mit dem Roman "Iwein" von Hartmann von Aue auseinander und untersucht, wie die zentralen mittelalterlichen Leitwerte "triuwe" (Treue) und "êre" (Ehre) die Entwicklung des Protagonisten und seine Beziehungen definieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen das höfische Tugendsystem, die Rolle der Minne und Ehe, die Bedeutung von ritterlicher Identität sowie das Konzept des sozialen Status im mittelalterlichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, welche Entwicklung Iwein als höfischer Ritter durchläuft und auf welche Weise er nach einem Treuebruch seine Ehre und seine Verpflichtungen gegenüber Laudine und dem Artushof wiederherstellen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung mediävistischer Forschungsliteratur, um die Bedeutung der Begriffe und die Handlungsentwicklung im Kontext der Zeit zu deuten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise den sozialen Kontext des Artushofes, den Treuebruch durch Iwein, seinen darauffolgenden Identitätsverlust im Wald und den Prozess der moralischen und gesellschaftlichen Wiederherstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie "Triuwe", "Êre", "Rittertum", "Identitätskonstruktion" und "Höfische Tugendlehre" charakterisieren.
Welche Rolle spielt der Löwe in der Entwicklung von Iwein?
Der Löwe fungiert als symbolisches "Double" des Helden und als Medium der Unterweisung, das Iwein auf dem Weg zur Wiedergutmachung begleitet und seine Rückkehr zur ritterlichen Tugend verdeutlicht.
Wie ist das Verhältnis zwischen Iwein und Lunete zu bewerten?
Lunete ist die moralische Bewertungsinstanz, die Iwein zunächst als Treuebrecher anprangert, später jedoch durch ihre Vermittlung maßgeblich dazu beiträgt, dass Iwein seine Schuld begleichen und sich mit Laudine versöhnen kann.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Hauk (Autor:in), 2021, "Triuwe und êre im Iwein" von Hartmann von Aue. Darstellung der Beziehungen vom Protagonisten zu seinen engsten Bezugspersonen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1031718