Ein Philosoph, der die Willensfreiheit leugnete und daraus die Unverantwortlichkeit und Unschuld des Menschen ableitete, war Friedrich Nietzsche. In dieser Hausarbeit wird kritisch rekonstruiert wie Friedrich Nietzsche die Willensfreiheit in seinem Werk Menschliches/Allzumenschliches leugnet. Dabei wird diese Rekonstruktion begleitet von der Perspektive von Kant und Schopenhauer, auf die Nietzsche oft kritisch Bezug nimmt. Am Ende wird kritisch untersucht, wo genau der Ursprung der fälschlicherweise angenommen Willensfreiheit liege. Dafür wird das Werk"Götzendämmerung" zur Hilfe genommen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Die intelligible Freiheit des Menschen nach Kant und Schopenhauer
3. Nietzsches Konzept von der moralischen Unverantwortlichkeit des Menschen
4. Der Ursprung der Lehre der Willensfreiheit
5. Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert kritisch Friedrich Nietzsches Leugnung der Willensfreiheit in seinem Werk „Menschliches, Allzumenschliches“. Dabei setzt sich der Autor mit den konträren Positionen von Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer auseinander und untersucht zudem Nietzsches historische Herleitung des Glaubens an die Willensfreiheit im Kontext der „Götzendämmerung“.
- Kritische Analyse von Nietzsches Ablehnung der Willensfreiheit.
- Gegenüberstellung mit den philosophischen Konzepten von Kant und Schopenhauer.
- Rekonstruktion der moralischen Unverantwortlichkeit des Menschen bei Nietzsche.
- Untersuchung des angeblichen historischen Ursprungs der Lehre der Willensfreiheit.
- Kritische Würdigung der Argumentationsstruktur Nietzsches durch Gegenpositionen.
Auszug aus dem Buch
Die intelligible Freiheit des Menschen nach Kant und Schopenhauer
Um die Kritik Nietzsches an intelligiblen Charakter des Menschen zu verstehen, benötigt man einen Einblick in das Konzept des „intelligiblen Charakters" des Menschen nach Immanuel Kant und nach Arthur Schopenhauer. Kants Ansicht über die Willensfreiheit ist nur schwer einzuordnen mit der gängigen Terminologie. Denn er ist nicht nur ein Determinist, sondern spricht sich gleichzeitig für einen freien Willen aus. Er geht davon aus, dass die Menschen frei wären, weil sie die Fähigkeit hätten, etwas, das unabhängig von den deterministischen Naturgesetzen, zu erschaffen. Da sich diese zwei Sichtweise theoretisch ausschließen, versucht Immanuel Kant zwischen einer praktischen und transzendentalen Freiheit zu unterscheiden und diese Freiheiten den verschiedenen Welten zuzuordnen, um dieses Problem aufzulösen.
Die praktische Freiheit sei dann sichtbar, wenn der Mensch anstatt durch sinnliche Antriebe durch seine Vernunftsfähigkeit Entscheidungen treffen würde. Der Mensch hätte dieses Vermögen in sich, abzuschätzen, was nützlich oder schädlich sei, um daraufhin das sinnliche Begehren zu überwinden. Die Bewertung, was für den Menschen jeweils gut oder nützlich sei entspringe aus der Vernunft. Daher wäre diese praktische Freiheit empirisch nachweisbar und mit der Sichtweise einer kausalen Determiniertheit des Menschen vereinbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Debatte um Willensfreiheit und Determinismus ein und umreißt Nietzsches kritische Position in „Menschliches, Allzumenschliches“.
2. Die intelligible Freiheit des Menschen nach Kant und Schopenhauer: Hier werden die philosophischen Grundlagen der Freiheitsbegriffe von Kant und Schopenhauer analysiert, um Nietzsches spätere Kritik kontextualisieren zu können.
3. Nietzsches Konzept von der moralischen Unverantwortlichkeit des Menschen: Dieses Kapitel erläutert Nietzsches psychologische und historische Rekonstruktion der moralischen Empfindungen und seine Ablehnung individueller Verantwortung.
4. Der Ursprung der Lehre der Willensfreiheit: Der Autor untersucht Nietzsches These in der „Götzendämmerung“, dass die Lehre vom freien Willen ein historisches Konstrukt zur Ausübung von Macht und zur Rechtfertigung von Strafe sei.
5. Ausblick: Der Ausblick fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und unterzieht Nietzsches Argumentation eine abschließende kritische Prüfung hinsichtlich ihrer Stichhaltigkeit.
Schlüsselwörter
Willensfreiheit, Determinismus, Nietzsche, Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer, moralische Unverantwortlichkeit, intelligibler Charakter, praktische Freiheit, transzendentale Freiheit, Metaphysik des Henkers, Verantwortung, menschliches Handeln, Philosophie, Schuldgefühl, Machtanspruch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Kritik Friedrich Nietzsches am Konzept der Willensfreiheit und der damit verknüpften moralischen Verantwortung des Menschen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Auseinandersetzung zwischen Determinismus und Freiheit sowie die Frage, ob moralische Verantwortlichkeit eine philosophische Fiktion darstellt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Rekonstruktion von Nietzsches Leugnung der Freiheit und die Prüfung seiner Behauptung, dass diese Lehre nur aus Machtinteressen entstanden sei.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse und eine kritische Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur zu Kant, Schopenhauer und Nietzsche.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Freiheitskonzepte bei Kant und Schopenhauer sowie die detaillierte Betrachtung von Nietzsches Thesen in „Menschliches, Allzumenschliches“ und „Götzendämmerung“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Freiheit, Determinismus, Moral, Verantwortung, intelligibler Charakter und die machtkritische Perspektive Nietzsches.
Wie bewertet der Autor Nietzsches These zum „Ursprung der Willensfreiheit“?
Der Autor hinterfragt diese These kritisch und weist darauf hin, dass Nietzsches Argumentation, die Lehre sei rein zur Machtausübung konstruiert worden, historisch und logisch teilweise unplausibel bleibt.
Warum spielt die Kritik an Schopenhauer eine zentrale Rolle?
Da Schopenhauer das Schuldgefühl des Menschen als Beleg für dessen Freiheit sieht, fungiert seine Position als direktes Angriffsziel für Nietzsches Gegenargumentation.
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- Anonym (Autor:in), 2019, Der Irrtum der Willensfreiheit und seine Ursprünge nach Friedrich Nietzsche, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1030962