Auf Grundlage des Werks "La Forma de la Espada" von Jorge Luis Borges, welches von einem Irischen Kriegsveteran und seinen Erfahrungen im Krieg handelt, findet in dieser Arbeit eine Erzählanalyse statt. Da die Erzählung grundsätzlich zwischen einer Rahmen- und Binnenerzählung unterschieden werden kann, soll auch im Weiteren eine Unterteilung beider erfolgen. Dabei wird jeweils auf verschiedene Aspekte der 'histoire' sowie 'discours' Ebene eingegangen und im Anschluss mit Argumenten anderer narrativen Analysen auseinandergesetzt.
Schon gleich mit dem ersten Satz lenkt der Erzähler die Aufmerksamkeit auf die Narbe im Gesicht des Iren mit dem Spitznamen 'el inglés'. Ohne große Umschweife beschreibt er detailliert die Figur, was somit insgesamt auf eine avantgardistische Erzählweise schließen lässt und die Figur auch schnell in den Mittelpunkt der Handlung rückt. Dem Leser wird besonders im ersten Abschnitt eine furchteinflößend wirkende oder zumindest stark autoritäre Persönlichkeit vor Augen gehalten.
Demütig gibt sich auch der Erzähler im Gesprächseinstieg mit dem Iren, indem er ihn versucht mit patriotischen Zuspruch zu schmeicheln. Dies deutet auf eine einschüchternde Wirkung hin, die er erst spät am Abend nach einigen Mengen Alkohol ablegen kann und sich schließlich überwindet die Geschichte der Narbe anzusprechen. Zu Beginn situiert sich die Erzählinstanz auch als Teil der Handlung, nimmt aber durch die vorwiegend berichtende Rolle eine vor allem passive Beobachterposition ein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Erzählebene ersten Grades
3 Erzählebene zweiten Grades
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Jorge Luis Borges' Kurzgeschichte "La forma de la espada" anhand einer strukturierten Erzählanalyse zu untersuchen, um die Dynamik zwischen Rahmen- und Binnenerzählung sowie die narrativen Ebenen zu entschlüsseln. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Erzählinstanz, der Fokalisierung und der symbolischen Bedeutung der Narbe in Bezug auf die Identität der Figur John Vincent Moon.
- Untersuchung narrativer Strukturen (Rahmen- und Binnenerzählung)
- Analyse der Erzählinstanzen und Fokalisierung nach Genette
- Symbolik und Bedeutung der Narbe als Identitätsmerkmal
- Intertextuelle Auseinandersetzung mit narratologischen Konzepten
Auszug aus dem Buch
3 ERZÄHLEBENE ZWEITEN GRADES
Im weiteren Verlauf kommt es zu einem Übergang in eine weitere, einer sogenannten Binnenerzählung und zwar in die des Iren ,el inglés‘ bezüglich der Entstehung seiner Narbe. Ab hier nimmt auch die Figur ,el inglés‘ die Position des Erzählers ein. Die Stimme der Erzählerinstanz ist in diesem Abschnitt eine ganz besondere. Er ist nicht nur Teil der handelnden Figuren, also ein homodiegetischer Erzähler, sondern kommentiert sich implizit selbst, denn er ist wie sich zum Ende der Geschichte herausstellt die Person John Vincent Moon. Die Tatsache, dass der Ich-Erzähler des ersten Teils und auch der Ire selbst eigentlich ununterbrochen die Figur des Iren in den Mittelpunkt stellen, lässt ihn demnach als Protagonisten der gesamten Erzählung klassifizieren und wiederum die zweite Erzählinstanz genauer als einen autodiegetischen Erzähler einordnen.
Die einleitenden Worte des Iren lassen auf einen traditionellen Erzählbeginn schließen, denn er beschreibt Ort und Zeit sowie Motiv für die kriegerische Auseinandersetzung im eigenen Land bevor er zur Handlung übergeht: „Hacia 1922, en una de las ciudades de Connaught, yo era uno de los muchos que conspiraban por la independencia de Irlanda [...]“.8 Durch den Einblick in die Gedankenwelt anderer Figuren, als auch der Überblick über die Gesamtsituation, kann man die Perspektive des Erzählers als eine mit Nullfokalisierung bezeichnen. Er hat den Einblick in die Gedankenwelt anderer deshalb, weil durch die Eigenkommentierung im scheinbar Fremden eine gewisse wissensüberlegene Position vorausgesetzt wird: „[...] Era flaco y fofo a la vez; daba la incómoda impresión de ser invertebrado [...]“9 an anderer Stelle: „Para mostrar que le era indiferente ser un cobarde físico, magnificaba su soberbia mental [...]“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk "La forma de la espada" von Jorge Luis Borges ein und legt den analytischen Fokus auf die Unterscheidung zwischen Rahmen- und Binnenerzählung sowie die Untersuchung der histoire- und discours-Ebenen.
2 Erzählebene ersten Grades: In diesem Kapitel wird der Rahmen-Erzähler untersucht, der sich als Teil der Handlung situiert und durch seine Beobachterrolle sowie eine interne Fokalisierung charakterisiert wird.
3 Erzählebene zweiten Grades: Dieses Kapitel analysiert die Binnenerzählung des Protagonisten John Vincent Moon, wobei insbesondere die Identitätsenthüllung, die autodiegetische Erzählsituation und die narrativen Funktionen der Rückblende im Vordergrund stehen.
4 Fazit: Das Fazit betrachtet die symbolische Bedeutung der Narbe in Form eines Halbmondes und diskutiert die Themen Verrat, Schein versus Sein sowie die Bedeutungslosigkeit von Individualität in den Werken von Borges.
Schlüsselwörter
Erzählanalyse, Jorge Luis Borges, La forma de la espada, Rahmen- und Binnenerzählung, John Vincent Moon, Homodiegetischer Erzähler, Autodiegetischer Erzähler, Nullfokalisierung, Metalepse, Identität, Verrat, Symbolik, Narratologie, Kurzgeschichte, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit liefert eine literaturwissenschaftliche Erzählanalyse von Jorge Luis Borges' Kurzgeschichte "La forma de la espada", wobei der Fokus auf dem strukturellen Aufbau und den narrativen Ebenen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Unterscheidung zwischen Rahmen- und Binnenerzählung, die Rolle des Erzählers, die Fokalisierung sowie die symbolische Aufladung der titelgebenden Narbe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Erzähldynamik und die Identität der Hauptfigur durch eine systematische Untersuchung der Erzählebene ersten und zweiten Grades zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine narratologische Analyse angewandt, die sich maßgeblich auf die Konzepte von Gérard Genette stützt, um Erzählsituationen und Redevermittlung zu klassifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Rahmenerzählers (Ebene ersten Grades) und die anschließende Analyse der Binnenerzählung (Ebene zweiten Grades), in der die Figur Moon ihre eigene Geschichte offenbart.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Erzählanalyse, Metalepse, Autodiegetik, Identität, Verrat und die spezifische Poetik von Jorge Luis Borges.
Welche Bedeutung hat der Titel "La forma de la espada" laut Autor?
Der Titel referenziert die Narbe des Protagonisten, die als Symbol für seinen Verrat und seine lebenslange Schande dient, wobei der Halbmond auf ein islamisches Symbol anspielt, das für den katholischen Iren Moon zur lebenslangen Last wird.
Wie verändert sich die Wahrnehmung des Lesers durch die Enthüllung von John Vincent Moon?
Die Identitätsenthüllung zwingt den Leser dazu, die zuvor als autoritär und stark wahrgenommene Figur neu zu bewerten, da Moon sich im weiteren Verlauf als feige und von Schuldgefühlen geplagt offenbart.
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- Simon Sandleben (Author), 2021, Erzählanalyse zu "La Forma de la Espada". Analyse der Erzählebenen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1030252