Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre wurde die Einführung eines dualen Fernsehsystems geplant und durchgeführt, das heißt die Zulassung von Privatsendern neben den bestehenden öffentlich-rechtlichen Anstalten. In dieser Arbeit werden die Wirkungen eines neuen Mediums auf das Publikum betrachtet. Am Beispiel der genannten Einführung des Kabelfernsehens in Deutschland wird untersucht, ob dessen Einführung Veränderungen im Verhalten der Zuschauer verursacht hat und wie sich diese darstellen. Dazu werden sowohl die mit dem Privatfernsehen entstandenen quantitativen, als auch die qualitativen Programmänderungen berücksichtigt. Die Veränderungen des Zuschauerverhaltens werden auf Basis der Fernsehzeit, der Nutzungsänderungen des Programmangebotes, der Veränderung der Freizeitgestaltung, dem Verhältnis zur Nutzung anderer Medien, sowie der Auswirkungen auf das Familienklima betrachtet und bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Neue Medien
2. Das Fernsehen in Westdeutschland nach 1945
3. Neue Techniken
4. Organisation und Struktur des neuen dualen Fernsehsystems
5. Kritik am dualen Fernsehsystem
6. Programmveränderungen
6.1 Quantitative Veränderungen
6.1.1 Gesamtangebotsprofil
6.1.2 Unterhaltungsangebot
6.1.3 Informations- und Bildungsangebot
6.2 Qualitative Veränderungen
6.2.1 Wiederholungsanteil
6.2.2 Programmalter
7. Untersuchung von Veränderungen im Zuschauerverhalten
7.1 Akzeptanz des dualen Fernsehsystems beim Publikum
7.2 Fernsehzeit
7.3 Nutzungsänderungen des Programmangebotes
7.4 Veränderungen im Freizeitverhalten
7.5 Das Verhältnis von Fernsehnutzung zur Nutzung anderer Medien
7.6 Auswirkungen auf das Familienklima
8. Bewertungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Einführung des Kabelfernsehens in Deutschland auf das Zuschauerverhalten. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und in welcher Weise das durch das duale Fernsehsystem vergrößerte Programmangebot tatsächlich zu den im Vorfeld prognostizierten negativen Veränderungen bei den Rezipienten geführt hat.
- Historische Entwicklung des Fernsehens in Westdeutschland nach 1945
- Strukturelle Veränderungen im dualen Fernsehsystem
- Analyse quantitativer und qualitativer Programmveränderungen
- Untersuchung von Veränderungen im Zuschauerverhalten
- Einflüsse des Kabelfernsehens auf Freizeitverhalten und Familienklima
Auszug aus dem Buch
7.4 Veränderungen im Freizeitverhalten
Im folgenden soll untersucht werden, ob das erhöhte Programmangebot andere Freizeitaktivitäten verdrängt hat. Definiert wird Freizeit als nichtgebundene, frei disponierbare Zeit, im Umkehrschluß markieren tägliche Routinen (Berufsarbeit und -wege, Hausarbeit, Schlafen, Körperpflege und Essen) die nicht frei disponierbare Zeit.60 In einer Untersuchung des Kabelpilotprojektes Berlin wurden zu der Frage, ob ein expandierendes Fernsehangebot andere Freizeitaktivitäten zurückdrängt, zwei unterschiedliche Feststellungen gemacht: Einerseits wurde untersucht, inwieweit eine konstante Bereitschaft besteht, für Lieblingssendungen im Fernsehen auf andere Freizeitaktivitäten zu verzichten. Die Untersuchung ergab, daß gerade die nicht verkabelten Haushalte häufiger regelmäßig bereit waren auf andere Aktivitäten zu verzichten als die Kabelhaushalte. Daraus läßt sich schließen, daß das begrenzte Fernsehangebot aufgrund seiner relativen Seltenheit an Bedeutung gewinnt und andere Freizeitaktivitäten verdrängen kann.
Andererseits zeigte sich in einer Beobachtung über einen größeren Zeitraum hinweg (1986 bis 1988), daß bei den Kabelhaushalten eine zunehmende Tendenz zur Verdrängung von anderen Aktivitäten bestand, insbesondere wenn das Fernsehprogramm ein etwa gleichwertiges Äquivalent bot (z.B. Sportsendungen).61 Zu berücksichtigen ist hierbei jedoch, wie eine andere Untersuchung in Ludwigshafen / Vorderpfalz62 zeigte, daß die Befürworter des Kabelfernsehens bereits vor dessen Einführung durch eine stärkere Mediennutzung geprägt waren, das heißt, daß bei ihnen eine höhere grundsätzliche Bereitschaft bestand, für Fernsehen auf andere Aktivitäten zu verzichten . Diese Untersuchung hat auch gezeigt, daß sich an den Zeitstrukturen auch nach der Einführung des Kabelfernsehens nichts Wesentliches geändert hat. So verwandten die Kabelteilnehmer vor der Verkabelung täglich durchschnittlich 3 Stunden und 41 Minuten für aktive Freizeit. Genau der gleiche Wert wurde auch am Ende des Kabelpilotprojektes erreicht.63
Zusammenfassung der Kapitel
1. Neue Medien: Das Kapitel bietet eine Einführung in die technische Dynamik der Unterhaltungselektronik und definiert den Untersuchungsgegenstand, das Fernsehen, im Kontext der Medienentwicklung.
2. Das Fernsehen in Westdeutschland nach 1945: Dieser Abschnitt beschreibt die historische Entstehung und die rechtliche Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach dem Zweiten Weltkrieg.
3. Neue Techniken: Hier werden die technischen Entwicklungen der 70er Jahre beleuchtet, die zur Kommissionierung des Kabel- und Satellitenfernsehens durch die Bundesregierung führten.
4. Organisation und Struktur des neuen dualen Fernsehsystems: Das Kapitel erläutert die Entstehung des dualen Systems und die Koexistenz von öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern.
5. Kritik am dualen Fernsehsystem: Hier werden die im Vorfeld prognostizierten negativen Erwartungen der Gegner des Kabelfernsehens, etwa hinsichtlich der Qualität und der Nutzung, zusammengefasst.
6. Programmveränderungen: Dieses Kapitel analysiert die quantitativen Verschiebungen im Programmvolumen sowie die qualitativen Aspekte wie Wiederholungsraten und Programmalter.
7. Untersuchung von Veränderungen im Zuschauerverhalten: Der Hauptteil untersucht empirisch die Auswirkungen auf Akzeptanz, Fernsehzeit, Nutzung, Freizeitverhalten und Familienklima.
8. Bewertungen: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung und kommt zu dem Schluss, dass die befürchteten negativen Auswirkungen in der Realität weit hinter den Prognosen zurückblieben.
Schlüsselwörter
Kabelfernsehen, duales Fernsehsystem, Zuschauerverhalten, Programmveränderung, Rundfunk, Mediennutzung, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Privatsender, Fernsehzeit, Freizeitverhalten, Familienklima, Unterhaltungsangebot, Informationsangebot, Medienpolitik, Kabelpilotprojekte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Einflüssen, die die Einführung des Kabelfernsehens in Deutschland auf das Zuschauerverhalten hatte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung des Rundfunks, der Wandel zum dualen Fernsehsystem, die Programmstruktur und deren Auswirkungen auf das Verhalten der Rezipienten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob die Einführung des Kabelfernsehens zu den befürchteten negativen Veränderungen im Zuschauerverhalten geführt hat oder ob diese Prognosen nicht eingetreten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung und den Vergleich bestehender Begleitforschungen sowie empirischer Untersuchungen zu den Kabelpilotprojekten im Zeitraum von 1985 bis 1990.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Vordergrund?
Der Hauptteil analysiert detailliert die quantitativen und qualitativen Veränderungen des Fernsehangebots sowie deren konkrete Auswirkungen auf die Sehdauer, die Sendernutzung, das Freizeitverhalten und das Familienklima.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie duales Fernsehsystem, Kabelfernsehen, Zuschauerforschung, Programmvermehrung und Mediennutzung definieren.
Konnte eine Verschlechterung des Familienklimas durch Kabelfernsehen nachgewiesen werden?
Nein, in den untersuchten Kabelpilotprojekten konnte keine Verschlechterung des Familienklimas festgestellt werden; teilweise wurde sogar von harmonischeren Verhältnissen berichtet.
Wie hat sich das "Zapping"-Verhalten der Zuschauer durch das neue Angebot entwickelt?
Untersuchungen bestätigten eine Zunahme des Zappings, wobei dies primär als Ausweichbewegung zwischen Unterhaltungssendungen und weniger als bewusste Flucht vor Bildungsangeboten interpretiert wird.
Hat die Einführung des Kabelfernsehens zu einer massiven Zunahme der gesamten Sehdauer geführt?
Nein, der Fernsehkonsum hat sich quantitativ nicht gravierend erhöht; die Programmvermehrung führte lediglich zu einer anderen Verteilung des Fernsehens über den Tag.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der "Vormachtstellung" des Fernsehens?
Der Autor schlussfolgert, dass die Anziehungskraft des Fernsehens bei weitem nicht so stark ist wie befürchtet, da soziale Aktivitäten im Alltag weiterhin Priorität behalten.
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- Matthias Schubert (Author), 1999, Welche Einflüsse hatte die Einführung des Kabelfernsehens in Deutschland auf das Zuschauerverhalten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/102941