Die Figuren Clarissa Dalloway, Elizabeth Dalloway und Peter Walsh sind zentrale Flaneur-Figuren, sowohl als weibliche Flaneuse als auch als männlicher Flaneur. Außerdem wird auch eine weitere, eine androgyne Flaneurfigur eingeführt. Neben ihrem Interesse zur Stadt und zum legeren Schlendern haben die drei ungleichen Charaktere noch etwas gemeinsam: sie stellen durch die Art ihres Flanierens ihre Position in der Gesellschaft und deren Einschränkungen dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Über Flanerie als soziale Reflexion
2. Flanerie als Stilmittel
2.1. Der Flaneur
2.2. Die Flaneuse
3. Flanerie in Mrs. Dalloway
3.1. Der einsame Wanderer
3.2. Clarissa als Flaneuse
3.3. Elizabeth, die wahre Flaneurfigur
4. Gehen als Zeichen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die verschiedenen Ausprägungen der Flanerie im Roman "Mrs. Dalloway" von Virginia Woolf und analysiert, wie die Protagonisten durch ihre Art der städtischen Fortbewegung ihre soziale Position, gesellschaftliche Einschränkungen sowie ihr Streben nach Freiheit zum Ausdruck bringen.
- Analyse der klassischen Rollenbilder von Flaneur und Flaneuse
- Untersuchung der Flanerie als Mittel der sozialen Reflexion
- Charakterisierung von Peter Walsh, Clarissa Dalloway und Elizabeth Dalloway als Flaneurfiguren
- Herausarbeitung der androgynen Flaneurfigur als moderne Emanzipationsform
Auszug aus dem Buch
3.1. Der einsame Wanderer
Dass Männer durch die Stadt flanieren, ist keine Neuheit im Werk. „Joined by an elderly gentleman with an Aberdeen Terrier, by men without occupation, the crowd increased.“ (Woolf 14) Die Menge besteht also zu einem Großteil aus Flaneuren, aus Männern ohne Verpflichtungen oder Ziel.
Auch mehrere der Protagonisten sind Flaneure, einer der Wichtigsten davon ist Peter Walsh. Doch warum ist dieser ein Flaneur und kein einfacher Spaziergänger? Zuerst einmal entspricht er Isabel Vila-Cabanes idealem Flaneur: Ein Mann mittleren Alters in der Großstadt London, der an der urbanen Szenerie interessiert ist. Dies zeigt sich an seiner klaren und detailreichen Beschreibung der Orte, die er auf seinem Weg von Clarissa zu einer Unterkunft besucht. „Yes, he remembered Regent’s Park; the long straight walk; the little house where one bought air-balls to the left; an absurd statue with an inscription somewhere or other.” (Woolf 41) Interessant an seinen Beschreibungen ist, dass er diese zum Großteil aus der Vergangenheit bezieht oder zumindest sofort damit verlinkt. Obwohl er sich im modernen London befindet, verweilt er doch mehr in seinen Erinnerungen, die „the result of seeing Clarissa“ (Woolf 41) sind. Er reflektiert seine Beobachtungen meist sofort.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Über Flanerie als soziale Reflexion: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und legt dar, wie die Figuren des Romans durch ihre Art des Flanierens ihre soziale Stellung und gesellschaftliche Grenzen reflektieren.
2. Flanerie als Stilmittel: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe Flaneur und Flaneuse definiert sowie deren spezifische Merkmale und Unterschiede gegenübergestellt.
3. Flanerie in Mrs. Dalloway: Der Hauptteil analysiert konkret die Protagonisten Peter Walsh, Clarissa Dalloway und Elizabeth Dalloway als individuelle Flaneurfiguren.
4. Gehen als Zeichen: Das abschließende Kapitel fasst die Ambivalenz und Vielfalt der Flaneurfiguren zusammen und ordnet den Roman als Vorreiter einer genderübergreifenden Darstellung ein.
Schlüsselwörter
Flanerie, Flaneur, Flaneuse, Mrs. Dalloway, Virginia Woolf, soziale Reflexion, Geschlechterrollen, Urbanität, Androgynität, Emanzipation, London, literarische Analyse, soziale Stellung, Spaziergang, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung von Flanerie im Roman "Mrs. Dalloway" und untersucht, wie verschiedene Charaktere durch ihr Gehen durch die Stadt London soziale und persönliche Identitäten verhandeln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Definitionen von Flaneur und Flaneuse, der Einfluss des Geschlechts auf die städtische Bewegung sowie die Überwindung traditioneller Rollenmuster durch moderne, androgynere Figuren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Art des Flanierens als Stilmittel dient, um die soziale Position und die individuellen Einschränkungen oder Freiheiten der Romanfiguren darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zu den Themen Gender Studies, Urbanität und den spezifischen Archetypen der Flanerie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Peter Walsh als männlichen Flaneur, Clarissa Dalloway als Flaneuse und Elizabeth Dalloway als androgynen Gegenentwurf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Flanerie, Flaneur, Flaneuse, Genderrollen, Androgynität und soziale Reflexion charakterisiert.
Warum wird Elizabeth Dalloway als "wahre Flaneurfigur" bezeichnet?
Sie wird so bezeichnet, weil sie Merkmale beider Geschlechterrollen verbindet und durch ihre modernere Einstellung weniger durch soziale Konventionen eingeschränkt ist als ihre Mutter Clarissa.
Inwiefern unterscheidet sich Clarissa Dalloways Flanieren von dem des männlichen Flaneurs?
Während der männliche Flaneur oft ziellos und unabhängig agiert, ist Clarissas Flanieren stärker durch soziale Zwänge und die Notwendigkeit begründet, ihre Aktivitäten (wie Einkäufe) zu rechtfertigen.
- Arbeit zitieren
- Lea Jell (Autor:in), 2020, Genderübergreifende Flanerie. Von Flaneur, Flaneuse und mehr: Darstellung der sozialen Realität in "Mrs. Dalloway", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1026254