In dieser Arbeit möchte sich die Autorin vorrangig der Bildenden Kunst widmen, wobei diese allerdings kaum von Literatur und Architektur dieser Zeit zu trennen ist. Sie wird sich im Hauptteil der Arbeit auf die Propaganda im Zusammenhang mit König Louis IX. konzentrieren. Dieser, welcher auch unter dem Namen König Louis der Heilige bekannt ist, ließ zu seinem Prestige und zur Repräsentation seiner Herrschaft und seines unerschütterlichen Glaubens zahlreiche biblische Schriften illustrieren und die prunkvolle Saint Chapelle in Paris bauen. Das Erbe König Louis IX. ist ein Kunstschatz, der das Weltbild, die Ideologie seiner Zeit aber auch Louis' IX. persönliche Vorstellungen und Intentionen offenbart.
Die Kunst unter Louis IX. soll auf die Kreuzzugsideologie hin untersucht und es soll herausgestellt werden, inwiefern diese ein Mittel der Propaganda des Königs war. Auch ist es theologisch interessant zu betrachten, wie die Kreuzzugsgedanken in der Illustration der Heiligen Schriften und der dekorativen Ausarbeitung der Saint Chapelle verankert sind. Besonders in der Illustration biblischer Themen, die Louis der Heilige bevorzugte, stellt sich die Frage, inwiefern hier Religion zu Politik wird und, wenn wir von religiöser oder politischer Propaganda sprechen, wie sieht diese aus? Welche Methoden wurden angewandt? Welche Elemente kehren wieder und wie sind diese im Kontext der Kreuzzugspropaganda anderer Herrscher einzuordnen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. König Louis IX.
3. Kreuzzugspropaganda und die Kunst
3.1. Die Bible moralisée
3.2. Die Saint Chapelle
3.3. Das Pierpont Morgan Libary Alte Testament
3.4. Der Psalter Saint Louis
3.5. Das Arsenal Alte Testament
4. Fazit
5. Literatur
6. Abbildungen
7. Abbildungsnachweis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Bildende Kunst unter König Louis IX. als gezieltes Propagandamittel zur Legitimierung der Kreuzzugsideologie eingesetzt wurde und wie biblische Erzählungen zur Repräsentation königlicher Herrschaft instrumentalisiert wurden.
- Analyse der bildlichen Kreuzzugspropaganda im 13. Jahrhundert.
- Untersuchung der typologischen Verbindung zwischen alttestamentlichen Herrschern und dem französischen Königshaus.
- Interpretation bedeutender Manuskripte wie der Bible moralisée und dem Psalter Saint Louis.
- Bedeutung der Saint Chapelle als sakraler und politischer Repräsentationsort.
- Reflexion über das Bild des "Heiligen Krieges" in der mittelalterlichen Kunst.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Bible moralisée
Der Begriff Bible moralisée bezeichnet nicht nur ein Werk, sondern eine ganze Werkgruppe. Die Werke vereint zum einen die Darstellung der Erschaffung der Welt als erste Miniatur und zum anderen die zahlreichen Miniaturen, welche die biblischen Erzählungen ergänzend auslegen. Es sind 14 derartige Handschriften bekannt. Vier davon stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ich möchte mich hier auf den Kodex 2554 in der Österreichischen Nationalbibliothek konzentrieren, der auch als „Kodex Vindobonensis“ 2554 bekannt ist. Anhand der Rekonstruktion des Widmungstextes, sowie durch das Widmungsbild lässt sich bei diesem Werk davon ausgehen, dass es für König Louis IX. angefertigt wurde. Diese Bible moralisée ist womöglich in die späten 1220er Jahre zu datieren. Das Werk enthält 131 Pergamentblätter von 344 mm Höhe und 260 mm Breite. Am Ende der Handschrift sind sechs lothringische Wappen zu sehen. Darunter eines der Familie Mercy und eines der Grafschaft Luxembourg. Es ist möglich, dass das Werk im 16. Jahrhundert in den Besitz einer dieser Familien wechselte.
Inhaltlich liegt der Fokus, wie auch in anderen Handschriften König Louis IX. auf Berichten der großen Männer im Alten Testament. Eine Reihe von Miniaturen zeigen die Könige und Prinzen oft umgeben von schlechten Ratgebern. Die Bible moralisées und somit auch der Kodex 2554 dienten wahrscheinlich der Ziehung und dem literarischen Interesse des Hochadels. Es handelt sich nicht um für Theologen geschaffene Lehrbücher. Dies ist unteranderem daran zu erkennen, dass theologisch wertvolle Stellen in den Werken einfach ausgelassen werden. Auch hätte für Theologen und Prediger eine Handschrift mit dem reinen Text ohne ausschmückende Elemente ausgereicht, während die Bible moralisées allesamt aufwendig illustriert sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Kreuzzugspropaganda und die zentrale Rolle, die Kunst als Spiegel und Instrument der Ideologie unter König Louis IX. einnahm.
2. König Louis IX.: Betrachtung der Biografie und religiösen Motivationen des Königs, die maßgeblich seine Kreuzzugspolitik und seine Schirmherrschaft über bedeutende Kunstprojekte prägten.
3. Kreuzzugspropaganda und die Kunst: Untersuchung verschiedener Medien wie Buchmalerei und Architektur, die den König und seine Ambitionen als von Gott legitimierten Herrscher darstellten.
3.1. Die Bible moralisée: Analyse des Kodex 2554 und seiner typologischen Bildsprache, die biblische Kämpfe als Vorbild für den christlichen Einsatz gegen Ungläubige nutzt.
3.2. Die Saint Chapelle: Würdigung des Bauwerks als französisches Äquivalent zum salomonischen Tempel und als ideologischer Aufbewahrungsort für Passionsreliquien.
3.3. Das Pierpont Morgan Libary Alte Testament: Untersuchung der sogenannten „Kreuzritterbibel“ hinsichtlich ihrer drastischen Gewaltdarstellungen und der Darstellung biblischer Könige als mittelalterliche Herrscher.
3.4. Der Psalter Saint Louis: Analyse der Miniaturen, die den alttestamentlichen König Saul in einem neuen Kontext als vorbildlichen, gottgewollten Herrscher präsentieren.
3.5. Das Arsenal Alte Testament: Betrachtung des während des Kreuzzugs entstandenen Werkes, das die Kapetinger Regentschaft visuell mit biblischen Helden verknüpft.
4. Fazit: Zusammenfassende Feststellung, dass die Kunst unter Louis IX. die biblische Tradition systematisch nutzte, um seine eigenen Herrschaftsideale und Kreuzzugspolitik zu manifestieren.
5. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
6. Abbildungen: Zusammenstellung der Bildquellen und Abbildungen aus den analysierten Manuskripten.
7. Abbildungsnachweis: Detaillierte Herkunftsangaben zu den verwendeten Bildmaterialien.
Schlüsselwörter
Kreuzzugspropaganda, König Louis IX., Bible moralisée, Saint Chapelle, Kreuzritterbibel, Bildende Kunst, Mittelalter, Herrschaftsideologie, Typologie, Buchmalerei, Religion, Politik, Christentum, Heiliger Krieg, Kapetinger.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Bildenden Kunst als Propagandainstrument unter König Louis IX. von Frankreich, um dessen Kreuzzugsziele und Herrschaftsanspruch zu legitimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Verflechtung von religiöser Ideologie, politischer Selbstdarstellung des Königs und die typologische Deutung biblischer Geschichten in der mittelalterlichen Buchmalerei und Architektur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie biblische Motive durch die gezielte künstlerische Ausgestaltung in Handschriften und Bauten in eine spezifische Kreuzzugsideologie transformiert wurden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine kunsthistorische Analyse der Ikonografie und Bildsprache bedeutender Handschriften sowie auf eine kontextuelle Einordnung architektonischer Projekte wie der Saint Chapelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkret fünf verschiedene Kunstwerke: die Bible moralisée, die Saint Chapelle, das Pierpont Morgan Libary Alte Testament, den Psalter Saint Louis und das Arsenal Alte Testament.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Kreuzzugspropaganda, König Louis IX., mittelalterliche Buchmalerei, Herrschaftsideologie, typologische Bildsprache und das neue Heilige Land.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Königs Saul im Psalter St. Louis von anderen Werken?
Während Saul in anderen Werken oft negativ konnotiert ist, wird er im Psalter Saint Louis als vorbildlicher, gottgewollter Herrscher inszeniert, um eine direkte Parallele zu Louis IX. zu ziehen.
Warum wird die Saint Chapelle als zentrales Denkmal für Louis IX. hervorgehoben?
Sie wird als bauliche Manifestation der Herrschaftsideologie begriffen, die Paris als neues Jerusalem und den König als neuen Salomo stilisierte, um die religiöse Legitimität seiner Kreuzzugspolitik zu unterstreichen.
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- Anonym (Autor:in), 2021, Kreuzzugspropaganda in der Kunst unter König Louis IX. Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1024183