Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung "Was behindert Sexualität bei Menschen mit Beeinträchtigung?" Sie untersucht mögliche Gründe und diskutiert mögliche Auswirkungen. Zudem wird die sexuelle Entwicklung von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr von Kindern mit Behinderung mit der sexuellen Entwicklung von Kindern ohne Behinderung in Anlehnung an Ortland verglichen. Hierbei sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich gemacht werden, welche für die familiäre Erziehung relevant sind.
Das Vorurteil, dass Menschen mit einer Behinderung keine sexuellen Wünsche und Bedürfnisse haben, kommt oftmals auf Grund einer gefühlten Unbehaglichkeit gegenüber dem Thema zustande, aber in vielen Fachdiskursen ist man sich mittlerweile einig, dass Menschen mit Behinderung Sexualität haben. Doch leider ist es in der Gesellschaft noch immer ein Thema, das tabuisiert wird. Aufgrund von körperlichen Schädigungen kommt es zu Stigmatisierungen innerhalb der Gesellschaft. Menschen mit einer Behinderung fehlen vorgelebte Rollenbilder und Modelle bzw. Vorbildern von gelungener Sexualität bei Menschen mit Behinderung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fragestellung
3. Methode
4. Sexuelle Selbstbestimmung
4. Was behindert Sexualität?
4.1 Beeinträchtigung durch Pflege
4.2 Behindernde gesellschaftliche Einflüsse
4.3 Behindernde elterliche Einflüsse
5. Auswirkung unterdrückter (Leugnung) Sexualität
6. Psychosexuelle Entwicklung
7. Wie können Menschen mit Beeinträchtigung sexualfreundlich durch Pädagog*innen begleitet werden?
8. Die eigene sexuelle Biografie
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen Barrieren, die Menschen mit Beeinträchtigungen daran hindern, ein selbstbestimmtes Sexualleben zu führen, und analysiert, welche Rolle gesellschaftliche, elterliche und pflegerische Einflüsse dabei spielen. Die zentrale Fragestellung lautet: „Was behindert Sexualität bei Menschen mit Beeinträchtigung?“
- Rechtliche Grundlagen der sexuellen Selbstbestimmung
- Einfluss von Pflegesituationen auf die Intimsphäre
- Gesellschaftliche Stigmatisierung und fehlende Rollenbilder
- Die Rolle der Eltern und pädagogische Herausforderungen
- Psychosexuelle Entwicklung von der Geburt bis ins junge Erwachsenenalter
Auszug aus dem Buch
4.1 Beeinträchtigung durch Pflege
Sexualität und Behinderung werden in unserer Gesellschaft immer mehr enttabuisiert. Im Bereich der Pflege ist es noch immer ein wichtiges Thema. Denn die Pflege von schwerbehinderten Menschen, ob ambulant oder im Heim, ob als Angehöriger oder als Fremder, stellt eine körperintensive, mitunter gar intime Angelegenheit dar. Pflege bzw. das Angewiesen sein auf körpernahe Unterstützung stellt einen übergreifenden Aspekt da und kann die sexuelle Entwicklung beeinflussen. Der Aufbau einer stabilen Intimsphäre und die Entwicklung von Schamgefühl werden erschwert, wenn eine tägliche pflegerische Köperpflege vorliegt. Durch den ständigen Eingriff in die Intimsphäre kann eine solche nur schwer aufgebaut werden und somit auch die Bildung eines positiven Selbstbildes negativ beeinflussen. Durch das tägliche Übergreifen in die Intimsphäre ist die Grenzziehung zwischen professioneller und persönlicher Zuwendung für beide Seiten sehr schwierig. Das Erkunden des eigenen Körpers sowie der eigenen Genitalregion werden durch die Pflege erschwert. Oftmals kommt es zu einer Sexualisierung von beiden Seiten in der Pflegesituation. (vgl. Barbara Ortland 2020, S.177)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet die gesellschaftliche Relevanz von Sexualität bei Menschen mit Behinderung und verweist auf die historische Entwicklung hin zur UN-Behindertenrechtskonvention.
2. Fragestellung: Definiert das zentrale Forschungsanliegen, die Hindernisse für die sexuelle Selbstbestimmung bei Menschen mit Beeinträchtigung zu ergründen.
3. Methode: Beschreibt den Einsatz quantitativer Datenanalysen und qualitativer Inhaltsanalysen nach Mayring sowie die Gegenüberstellung wissenschaftlicher Texte.
4. Sexuelle Selbstbestimmung: Analysiert das im Grundgesetz verankerte Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die daraus abgeleiteten Ansprüche für Menschen mit Behinderung.
4. Was behindert Sexualität?: Untersucht spezifische Barrieren, insbesondere sekundäre soziale Behinderungen sowie strukturelle Bedingungen, die sexuelle Entfaltung hemmen.
4.1 Beeinträchtigung durch Pflege: Diskutiert die Auswirkungen täglicher pflegerischer Eingriffe in die Intimsphäre auf die Entwicklung eines positiven Körperbildes und Schamgefühls.
4.2 Behindernde gesellschaftliche Einflüsse: Thematisiert Stigmatisierung, fehlende Rollenbilder und die gesellschaftliche Tendenz zwischen Tabuisierung und Mystifizierung.
4.3 Behindernde elterliche Einflüsse: Erläutert, wie elterliche Überbehütung und Sorgen unbeabsichtigt zu Unselbstständigkeit und Einschränkungen der sexuellen Entwicklung führen können.
5. Auswirkung unterdrückter (Leugnung) Sexualität: Erörtert die psychischen Folgen der Unterdrückung sexueller Energien, wie etwa Antriebslosigkeit, Depressionen oder Suchtverhalten.
6. Psychosexuelle Entwicklung: Vergleicht die Entwicklung von Kindern mit und ohne Behinderung und betont die Bedeutung früher Förderung für eine gesunde Identitätsfindung.
7. Wie können Menschen mit Beeinträchtigung sexualfreundlich durch Pädagog*innen begleitet werden?: Plädiert für konzeptionelle Rahmenbedingungen in Einrichtungen und die Bedeutung professioneller Reflexion.
8. Die eigene sexuelle Biografie: Betont die Wichtigkeit der Auseinandersetzung pädagogischer Fachkräfte mit ihrer eigenen sexuellen Identität für eine professionelle Begleitung.
9. Fazit: Fasst zusammen, dass die Problematik primär in gesellschaftlichen Konsequenzen liegt und fordert mehr Sensibilität und professionelle Reflexion.
Schlüsselwörter
Sexualität, Behinderung, sexuelle Selbstbestimmung, Inklusion, Pflege, Intimsphäre, Psychosexuelle Entwicklung, Sexualpädagogik, Stigmatisierung, Identitätsfindung, UN-Behindertenrechtskonvention, Selbstbild, Pädagogik, Körperbild, Empowerment
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert das Recht auf Sexualität für Menschen mit Behinderung und analysiert die verschiedenen Barrieren, die dieses Recht im Alltag einschränken.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die rechtliche Selbstbestimmung, die Einflüsse von Pflege und Elternhaus, die Bedeutung der psychosexuellen Entwicklung sowie die Rolle von Pädagog*innen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Faktoren aufzudecken, die behinderte Menschen daran hindern, ihre Sexualität frei und selbstbestimmt zu leben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine Kombination aus quantitativer Datenauswertung und qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring sowie eine Gegenüberstellung wissenschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Grundlagen, Analysen der behindernden Einflüsse (Pflege, Gesellschaft, Eltern), die psychosexuelle Entwicklung und Ansätze zur pädagogischen Begleitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Sexualität, Behinderung, Selbstbestimmung, Inklusion und sexuelle Identität charakterisieren.
Warum ist die Rolle der Eltern laut dieser Arbeit so entscheidend?
Eltern beeinflussen durch Erziehung, Sorgen und das Maß an gewährter Selbstständigkeit maßgeblich, ob ein behindertes Kind ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper und zu Sexualität aufbauen kann.
Welche Herausforderungen sehen Pädagogen laut dem Text?
Die Herausforderung liegt darin, eine professionelle, sexualfreundliche Begleitung anzubieten, eigene Werte zu reflektieren und gleichzeitig die Autonomie der Klienten zu schützen, ohne die Grenzen der professionellen Beziehung zu verletzen.
- Arbeit zitieren
- Thorge Boes (Autor:in), 2020, Behinderungen und Sexualität. Was behindert Sexualität bei Menschen mit Beeinträchtigung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1023077