Ruhm und Ehre – das sind Qualitäten, die ein erfolgreicher Ritter vorzuweisen weiß. Aber noch viel wichtiger wird es, diese Qualitäten nicht zu verlieren. Iweins Weg zu „sælde und êre“ (V. 3) erweist sich als einen hügeligen Pfad, der von Höhen und Tiefen begleitet wird. Der Ritter aus dem gleichnamigen Artusroman Hartmanns von Aue aus dem Jahre 1200 stürzt sich in ein Abenteuer, erwirbt sich eine Frau und Land, aber durch einen Fehler verliert er alles, was er hat. Iwein wird wahnsinnnig, doch er kann sich erholen und erkämpft sich als Löwenritter alles zurück. Zunehmend ändert sich die Dynamik, in der er gibt und nimmt. Durch seine zahlreichen Âventiuren erfährt die Figur des Iweins eine Entwicklung, die vor allem die Aspekte der Selbst- und Fremdbestimmtheit seines Handelns ins Licht rückt, die in dieser Hausarbeit genauer analysiert werden. Inwieweit handelt er aktiv und selbstbestimmt und in welchen Situationen findet nur ein passives Geschehenlassen statt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Iweins Weg zu „sælde und êre“
2.1 Die initiale Bewährung
2.3 Die Krise
2.4 Die Rehabilitierung
2.5 Textstellen im Vergleich
2.5.1 Geheimhaltung der Pläne
2.5.2 Eigenleistung versus Hilfe im außen
2.5.3 „Geben und Nehmen“-Motiv
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Artusfigur Iwein im gleichnamigen Roman von Hartmann von Aue, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen selbstbestimmtem Handeln und fremdbestimmten Situationen liegt. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Textstellen aufzuzeigen, wie Iwein durch seine Abenteuer reift und inwiefern er vom passiven Akteur zum verantwortungsbewussten Helden heranwächst.
- Die Entwicklung der Selbstbestimmtheit bei Iwein.
- Die Bedeutung von Hilfe von außen in Krisensituationen.
- Die Analyse des „Geben und Nehmen“-Motivs.
- Die Rolle von Geheimhaltung und Eigeninitiative.
- Die emotionale Reifung und Schuldeinsicht der Figur.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die initiale Bewährung
Die Geschichte über eine Niederlage, die Iweins Cousin Kalogreant selbst erfahren hat, verleitet den jungen Ritter dazu, dieses Abenteuer selbst zu bestreiten. Dazu muss er den Brunnen aufsuchen, um für seinen Verwandten Rache zu üben. Die Textstelle, die an Kalogreants Erzählung anschließt, macht die anfängliche Eigeninitiative Iweins deutlich, und wie er mit Hilfe von außen seinem Ziel näherkommt. Sie beginnt mit der lauten Verkündung Iweins, dass er vorhabe, das Brunnenabenteuer zu wiederholen (vgl. V. 803-809). Die Beweggründe der Verwandtschaft („kunneschaft“ (V. 804)) und des Racheübens („ez richet von rehte mîn hant“ (V. 806)) motivieren Iwein zu seiner Entscheidung, die von ihm selbst getroffen wird. So wird die Initialâventiure durch ihn eingeleitet und von ihm selbst beschlossen. Hier kann man von einer Eigenleistung Iweins sprechen, weil er die Initiative ergreift und sich eigenständig zu seinem Vorhaben entschließt, ohne einen Rat von außen einzuholen.
Die Bereitschaft, sich in ein Abenteuer zu stürzen, wird von dem Ritter Keie zunächst kritisiert, denn er meint, Iwein habe nur zu viel getrunken und er solle lieber darüber schlafen (vgl. V. 815-828). Über diese Kritik lacht Iwein und meint, es interessiere ihn nicht, was Keie über ihn denke. Er erkennt, dass man etwas an seinem geringen Erfahrungsschatz und an seiner impulsiven Art auszusetzen haben könne: „ich weiz wol, daz er richet / an mir mîn ungewizzenheit; / im ist mîn unfuoge leit“ (V. 858-860), aber sodass kein Streit ausbreche, nehme er Keies Aussage hin (vgl. V. 855-878). Diese Auseinandersetzung zeigt, dass Iwein zumindest äußerlich zu sich selbst stehen kann, sich treu bleibt und selbstbestimmt agiert, aber dass er auch trotz seiner mangelnden Erfahrung sich nicht geringschätzig behandeln lässt (vgl. V. 865-870).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik von Ruhm und Ehre ein und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Entwicklung Iweins im Kontext von Selbst- und Fremdbestimmtheit.
2. Iweins Weg zu „sælde und êre“: In diesem Kapitel wird die Charakterentwicklung Iweins anhand seiner Bewährungsphasen, der Krise und seiner schrittweisen Rehabilitierung detailliert nachgezeichnet.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Iwein trotz Rückschlägen und Krisen eine positive Reifung vollzieht und zunehmend lernt, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.
Schlüsselwörter
Iwein, Hartmann von Aue, Artusroman, Selbstbestimmtheit, Fremdbestimmtheit, Âventiure, Ehre, Geben und Nehmen, Literaturanalyse, Mittelalter, Rittertum, Laudine, Lunete, Identitätsentwicklung, Schuld und Reue.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Figur des Iwein in Hartmanns von Aue Artusroman im Hinblick auf deren Entwicklung von einer impulsiven hin zu einer selbstbestimmten Persönlichkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Spannungsverhältnis zwischen eigenverantwortlichem Handeln und fremdbestimmten Situationen sowie die ethischen Konzepte von Ehre und Reziprozität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Iweins Selbstverständnis und seine Handlungsfähigkeit durch verschiedene Lebensphasen – von der ersten Bewährung über den Wahnsinn bis zur Rehabilitierung – verändern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textanalytische Untersuchung durchgeführt, die sich auf zentrale Textstellen des Romans bezieht und diese unter den Aspekten von Eigenleistung und Fremdeinfluss interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Analyse der drei Phasen (Bewährung, Krise, Rehabilitierung) sowie einen vergleichenden Abschnitt, der Motive wie Geheimhaltung und das Geben-und-Nehmen-Prinzip zusammenfassend gegenüberstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Iwein, Selbstbestimmtheit, Âventiure, Ehre, Geben und Nehmen sowie die Analyse der ritterlichen Identitätsbildung.
Wie spielt die Figur der Lunete eine Rolle für Iweins Entwicklung?
Lunete fungiert als zentrale Mittlerin, die Iwein in schwierigen, fremdbestimmten Phasen hilft, wodurch sie maßgeblich dazu beiträgt, dass Iwein wieder in seine selbstbestimmte Rolle finden kann.
Welche Bedeutung kommt dem „Geben und Nehmen“-Motiv zu?
Dieses Motiv dient als Gradmesser für Iweins Reifung: Während er zu Beginn nur nimmt, lernt er mit zunehmender Erfahrung, durch eigene Taten anderen zu helfen und so einen Ausgleich zu schaffen.
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- Melina Boll (Author), 2021, Die Selbst- und Fremdbestimmtheit im Iwein, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1021801