Diese Hausarbeit befasst sich mit der Bindungsforschung, die sich in den letzten Jahren weiterentwickelt hat. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob häufige Smartphonenutzung durch die Eltern der Bindung zum Kind schadet.
Dabei wird auch der Begriff der "Sensitiven Responsivität" beleuchtet, also die feinfühlige Reaktion der Bindungsperson auf das Kind. Spannend ist im Rahmen der Bindungsforschung auch zu betrachten, dass in unterschiedlichen Kulturen verschiedene Bindungsmuster als "erwünscht" gelten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bindung und Bindungstheorien
3 Sensitive Responsivität
4 Forschungsstand zur Smartphone-Nutzung von Eltern während der Interaktion mit ihrem Kind
5 Auswirkung der Nutzung von Smartphones durch die Eltern in Bezug auf die frühkindliche Entwicklung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Smartphone-Nutzung durch Eltern während der Interaktion mit ihren Kindern auf deren frühkindliche Entwicklung, mit einem besonderen Fokus auf die elterliche Bindungsqualität und sensitive Responsivität.
- Grundlagen der Bindungstheorie und Bindungsentwicklung
- Definition und Bedeutung der sensitiven Responsivität
- Forschungsstand zur elterlichen Smartphone-Nutzung ("Technoference")
- Verhaltensfolgen für Kinder durch elterliche Ablenkung
- Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Bindungsstörungen
Auszug aus dem Buch
4 Forschungsstand zur Smartphone-Nutzung von Eltern während der Interaktion mit ihrem Kind
Es gibt verschiedene Studien über den Medienkonsum von Kindern und die Auswirkungen auf deren Entwicklung. Es finden sich auch Beratungsangebote für Eltern und Hinweise auf die sinnvolle Einschränkung der Nutzungszeit von digitalen Medien für Kinder. Wie sich die Nutzung von digitalen Medien, wie beispielsweise Smartphones durch Eltern auf die Kinder auswirkt, rückt gerade erst in den Fokus von Wissenschaft und Medien. Im Jahr 2017 schreibt Astrid von Friesen, eine Psychotherapeutin, den Artikel „Blick aufs Smartphone statt aufs Kind“. Sie weist darauf hin, dass Eltern Smartphones wie „Übergangsobjekte“, also wie etwas Trostspendendes benutzen und mit Verlustängsten und Panik reagieren, wenn es nicht zur Verfügung steht. Durch den ständigen Blick der Eltern auf das Smartphone seien Kinder häufig mit ihren Eindrücken und Reizüberflutungen des heutigen Lebensalltags allein gelassen (vgl. Friesen 2017).
In „Psychologie Heute“ beschreibt Diplom Psychologin Susanne Ackermann im Artikel „Abgelenkte Eltern“ einen negativen Kreislauf: Wenn Eltern in Anwesenheit ihrer Kinder immer wieder auf das Smartphone schauten, reagierten die Kinder mit Ärger. Je schlechter gelaunt die Kinder seien, desto häufiger würden sich die Eltern technischen Geräten zuwenden, um sich der Situation zu entziehen. So findet man auch bei „Spiegel Online“ einen Artikel vom Juni 2018 mit dem Titel „Daddeln stört die Eltern-Kind-Beziehung“, in dem es heißt, „Experten nennen das ‚Mangel an aktivem Miteinander‘ und warnen vor ungünstigen Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung.“ (Kaufmann 2018, o.S.). Auf den Punkt bringt es Erika Christakis, eine US-amerikanische Frühpädagogin im Artikel „The Dangers of Distracted Parenting“, was man frei übersetzen kann mit „Die Gefahren der unaufmerksamen (oder durch Ablenkung gestörten) Erziehung“ (Christakis 2018, o.S.). Sie beschreibt, dass Eltern heutzutage quasi permanent mit ihren Kindern zusammen seien, aber nur in einer Art körperlicher Präsenz. Durch das Smartphone seien sie so abgelenkt, dass die emotionale Abstimmung mit dem Kind leide.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwart von Smartphones im Alltag und die Beobachtung, dass elterliche Mediennutzung die direkte Interaktion und den Blickkontakt mit Kleinkindern beeinträchtigt.
2 Bindung und Bindungstheorien: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Bindungsforschung nach Bowlby und Ainsworth und betont die Bedeutung der Bindungsqualität für die kindliche Entwicklung.
3 Sensitive Responsivität: Hier wird das Konzept der feinfühligen Reaktion einer Bezugsperson auf die Signale des Kindes als entscheidende Grundlage für eine gelingende Bindung und Selbstwirksamkeit definiert.
4 Forschungsstand zur Smartphone-Nutzung von Eltern während der Interaktion mit ihrem Kind: Das Kapitel präsentiert aktuelle wissenschaftliche Studien und mediale Diskurse über die negativen Auswirkungen elterlicher Ablenkung durch digitale Medien.
5 Auswirkung der Nutzung von Smartphones durch die Eltern in Bezug auf die frühkindliche Entwicklung: Das Fazit synthetisiert die Ergebnisse und diskutiert das Risiko, dass Kinder durch elterliche Smartphone-Nutzung in ihrer emotionalen Regulation und Bindungssicherheit beeinträchtigt werden könnten.
Schlüsselwörter
Frühpädagogik, Bindungstheorie, Smartphone-Nutzung, Eltern-Kind-Interaktion, Sensitive Responsivität, Technoference, Kindliche Entwicklung, Erziehungsverhalten, Medienkonsum, Bindungsqualität, Verhaltensauffälligkeiten, Stressregulation, Bezugsperson.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss, den die Nutzung von Smartphones durch Eltern während der gemeinsamen Zeit mit ihrem Kind auf die frühkindliche Entwicklung und die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung ausübt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Bindungstheorie, der Begriff der sensitiven Responsivität sowie aktuelle Forschungsergebnisse zum "Technoference"-Phänomen im erzieherischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen der elterlichen Smartphone-Nutzung zu analysieren und zu klären, ob dieses Verhalten negative Folgen für die frühkindliche Entwicklung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis aktueller Fachliteratur, psychologischer Bindungstheorien und empirischer Studien (wie der BLIKK- und Technoference-Studie) argumentiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Bindung und Responsivität, die Darstellung des aktuellen Forschungsstandes zur Mediennutzung und die kritische Diskussion der Entwicklungsfolgen für Kinder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Bindungstheorie, sensitive Responsivität, Technoference, Eltern-Kind-Interaktion und frühkindliche Entwicklung.
Warum wird das Konzept der "Technoference" als problematisch angesehen?
Technoference beschreibt jede Form der Störung der Eltern-Kind-Interaktion durch technische Geräte, was laut den zitierten Studien die emotionale Abstimmung gefährdet und zu Verhaltensauffälligkeiten beim Kind führen kann.
Gibt es auch kulturelle Unterschiede in der Bindungswahrnehmung?
Ja, die Arbeit weist darauf hin, dass Bindungsstrategien kulturell geprägt sind und dass beispielsweise bei den Nso in Kamerun passives Verhalten von Kindern anders interpretiert wird als in euroamerikanischen Kontexten.
- Quote paper
- Sarah Strazny (Author), 2019, Bindung und Responsivität. Auswirkung der elterlichen Nutzung von Smartphones auf die frühkindliche Entwicklung ihrer Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1015066