Bernard Mandevilles Bienenfabel löste im 18. Jahrhundert eine hitzige Debatte zwischen führenden Köpfen über Wirtschafts- und Sozialökonomie aus. Dies lässt sich zum Teil schon aus dem provozierenden Untertitel „Private Laster, öffentliche Vorteile“ herleiten. Das Essay wird dabei auf den Urgrund des Lasters als mögliche Wirtschaftskraft eingehen, seine Kritiker zu Wort kommen lassen und am Ende klären, welchen Einfluss Mandeville auf die Sicht der Ökonomie hatte.
In der Fabel wird der Staat England symbolisch durch einen Bienenstock dargestellt. Die wirtschaftliche Organisation des „Staates“ funktioniert sehr gut, trotzdem sind die Bienen unzufrieden. Sie glauben daran, dass sie eine viel tugendhaftere und gerechtere Gesellschaft hätten, wenn sie ihre negativen Eigenschaften ablegen könnten. Diese werden in der Fabel als Laster beschrieben und sind zum Beispiel Gier, Neid, Korruption und Bestechung, welche unter dem Deckmantel des blühenden Staates stehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der Bienenfabel und der Rolle von Tugend und Laster
3. Historische und religiöse Perspektiven auf das Laster
4. Der Urgrund des Lasters: Egoismus und Selbsterkenntnis
5. Vergleich der Auffassungen: Mandeville und Adam Smith
6. Fazit und Auswirkungen auf die moderne Ökonomie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die philosophische und ökonomische These Bernard Mandevilles, dass individuelle Laster wie Gier und Eitelkeit als Motoren für gesellschaftlichen Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum fungieren. Dabei wird analysiert, wie sich dieses Verständnis von klassischen und christlichen Vorstellungen abgrenzt und inwiefern es die spätere ökonomische Theoriebildung, insbesondere im Vergleich zu Adam Smith, beeinflusst hat.
- Die moralphilosophische Bedeutung von Mandevilles "Bienenfabel".
- Das Spannungsfeld zwischen egoistischen Motiven und gesellschaftlichem Nutzen.
- Der Einfluss von Selbsterkenntnis und Egoismus auf wirtschaftliches Handeln.
- Kritische Auseinandersetzung und Weiterentwicklung durch Adam Smith.
- Die historische Ausgrenzung der Ethik aus den Wirtschaftswissenschaften.
Auszug aus dem Buch
Der Urgrund des Lasters: Egoismus und Selbsterkenntnis
Um das Laster besser zu verstehen, sollte auf dessen Urgrund näher eingegangen werden. So lässt sich hinter den lasterhaften Eigenschaften wie Gier, Betrug, Neid und Eitelkeit ein Ursprung dieser Entwicklung festmachen: Der Egoismus. Wir besitzen die Gier um etwas unbedingt für uns selbst, also aus einem egoistischen Motiv heraus, zu beanspruchen. Falls unsere Nachfrage nicht befriedigt wird, so weckt das in uns die Eigenschaft Neid. Genauso betrügen wir andere Menschen um dadurch einen Vorteil für uns selbst zu bekommen. Für diese Eigenschaften, die sich alle aus dem Egoismus herausbilden gibt es allerdings eine Voraussetzung: Die Selbsterkenntnis. Erst wenn ich mich selbst erkannt habe, kann ich mich anderen Individuen höher stellen und den Anspruch auf Besitz stellen. Interessant ist hierbei, der erneute Bezug zur Religion. Denn die Geschichte des Sündenfalls von Adam und Eva aus dem Christentum, erklärt die Entstehungsgeschichte des Selbsterkennens:
„[...]Und die Frau sah, daß [sic!] der Baum gut zur Speise und daß [sic!] er eine Lust für die Augen und daß [sic!] der Baum begehrenswert war, Einsicht zu geben; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß. Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, daß [sic!] sie nackt waren; und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.[...]“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Mandeville'schen Bienenfabel und die Provokation des Untertitels „Private Laster, öffentliche Vorteile“.
2. Analyse der Bienenfabel und der Rolle von Tugend und Laster: Darstellung der Fabel als Metapher für den modernen Staat und die wirtschaftlichen Konsequenzen von erzwungener Tugendhaftigkeit.
3. Historische und religiöse Perspektiven auf das Laster: Untersuchung der Wurzeln der Laster-Thematik in der Antike (Aristophanes) und dem Christentum.
4. Der Urgrund des Lasters: Egoismus und Selbsterkenntnis: Herleitung des Lasters aus dem menschlichen Egoismus, dessen Basis die Selbsterkenntnis bildet.
5. Vergleich der Auffassungen: Mandeville und Adam Smith: Gegenüberstellung der Konzepte „Laster als Wirtschaftskraft“ bei Mandeville und der „unsichtbaren Hand“ bei Smith.
6. Fazit und Auswirkungen auf die moderne Ökonomie: Reflexion über die Trennung von Ethik und Wirtschaft und die heutige Renaissance ethischer Aspekte.
Schlüsselwörter
Mandeville, Bienenfabel, Laster, Tugend, Ökonomie, Egoismus, Selbsterkenntnis, Adam Smith, Unsichtbare Hand, Ethik, Wohlstand, Gesellschaft, Wirtschaftsgeschichte, Motivation, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Bernard Mandevilles ökonomisch-philosophische Thesen aus der „Bienenfabel“ und deren Einfluss auf das Verständnis von moralischen Lastern als wirtschaftliche Antriebskräfte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von privatem Laster und öffentlichem Vorteil, die psychologischen Grundlagen egoistischen Handelns sowie die Geschichte der ökonomischen Ethik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Urgrund des Lasters als Wirtschaftsfaktor freizulegen und zu klären, welchen nachhaltigen Einfluss Mandeville auf das ökonomische Denken hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine hermeneutische Textanalyse, die philosophische Originalquellen mit sozio-ökonomischen Konzepten vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Herleitung der Lasters-Idee, die psychologische Fundierung durch Egoismus und einen detaillierten Vergleich mit der Theorie von Adam Smith.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Mandeville, Bienenfabel, Laster, Egoismus, Unsichtbare Hand und die Integration von Ethik in die moderne Ökonomie.
Warum spielt das Gleichnis vom Unkraut und Weizen eine Rolle?
Es dient als Beispiel für das christliche Verständnis von der Trennung zwischen Gut und Böse und wie damit versucht wurde, moralisches Verhalten im Jenseits zu belohnen.
Wie unterscheidet sich Adam Smith von Mandeville in der Bewertung von Eitelkeit?
Während Mandeville Laster als produktiv ansieht, versucht Smith durch die „unsichtbare Hand“ und eine moralische Vernunftbegründung zu zeigen, dass Eigeninteresse nicht zwingend immoralisch sein muss.
- Arbeit zitieren
- Max Feltin (Autor:in), 2014, Das Laster als Wirtschaftskraft in der "Bienenfabel" von Bernard Mandeville, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1012246