Die folgende Arbeit wendet sich der Frage zu, welche Bedeutung die Kontore für das Handelssystem der Hanse hatten. Das Ziel der Arbeit ist darauf ausgerichtet, einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die Ausbreitung der Hanse im Ost- und Nordseeraum zu vermitteln sowie die Rolle der Handelsniederlassungen im Ausland herauszuarbeiten. Zu Beginn soll zunächst ein grundlegender Überblick über die Genese der Hanse verschafft werden. Hierfür werden die Voraussetzungen sowie zentralen Ereignisse benannt, welche die Entstehung der Hanse begünstigten.
Sodann gilt es, die Organisationsformen der frühhansischen Kaufleute näher zu erläutern, um anschließend auf den Zusammenschluss der “Gotländischen Genossenschaft“ einzugehen. Darauf aufbauend, werden die Expansion des Handels jener Kaufleute sowie die damit verbundene Entstehung des hansischen Handelssystems thematisiert. In diesem Kapitel gilt es, einen Überblick über die Expansionen in den Ost- und Nordseeraum sowie die Ausbreitung nach Westen zu verschaffen.
In einem weiteren Schritt soll der Übergang von der "Gotländischen Genossenschaft" zur "Städtehanse" detailliert erläutert werden. Hierbei werden die zentralen Ereignisse und Prozesse, die diesen Wechsel begünstigten, deshalb nur kurz aufgezeigt, da alles Weitere den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen würde. Im darauffolgenden Kapitel sollen die einzelnen Kontore vorgestellt sowie ihre Organisationsformen ausführlich erläutert werden. In einem letzten Schritt werden die Auswirkungen der Hanse sowie die Ereignisse, die zu ihrem Niedergang geführt haben, dargelegt. Ein abschließendes Fazit soll dann die Ergebnisse schlussendlich zusammenfassen und bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung und Ausbreitung der Hanse
2.1 Die gotländische Genossenschaft
2.2 Die Expansion des Handels und das hansische Handelssystem
2.3 Von der gotländischen Genossenschaft zur Städtehanse
3. Die Kontore und andere Niederlassungen
3.1 Brügge
3.2 Novgorod
3.3 Bergen
3.4 London
4. Der Niedergang der Hanse
5. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bedeutung der vier Kontore der Hanse für ihr Handelssystem. Dabei wird analysiert, wie diese Handelsstützpunkte maßgeblich zur Ausbreitung der Hanse im Nord- und Ostseeraum sowie zur Stärkung ihrer internationalen Machtposition beitrugen.
- Entstehung und Genese der Hanse als Handelsmacht
- Struktur und Bedeutung der zentralen Kontore (Brügge, Novgorod, Bergen, London)
- Organisationsformen frühhansischer Kaufleute
- Expansion des Handels und hansisches Handelssystem
- Ursachen und Prozesse des Niedergangs der Hanse
Auszug aus dem Buch
3.3 Bergen
Die Deutsche Brücke in Bergen, auch als „Tyske Bryggen“ bezeichnet, war ein abgeschlossener Bezirk am Ufer des Fjords, in dem die hansischen Kaufleute, Gesellen und Lehrlinge lebten. In der Tyske Bryggen gab es schätzungsweise 20 Höfe, die etwa 18-20 Meter breit und 100 Meter tief waren. Im Zentrum des Bergischen Kontors stand die Marienkirche, in der bis etwa 1870 der Gottesdienst in deutscher Sprache abgehalten wurde. Die Häuser der Kaufmänner waren mehrstöckig und großräumig. Obwohl das bergische Kontor eine reine Männergesellschaft verkörperte, lebten nachweislich einheimische Frauen und Kinder im Tyske Bryggen.79 Darüber hinaus siedelten sich zahlreiche Handwerker, insbesondere Schuhmacher, Schneider, Goldschmiede, Bäcker und Barbiere, im Kontor an. Um 1400 repräsentierten die deutschen Kaufmänner und Handwerker rund ein Drittel der Bewohner Bergens.80 Das Kontor war hierarchisch organisiert. An oberster Stelle rangierte der Kaufmannsrat. Er bestand aus den Ältermännern, die in Lübeck ausgewählt wurden. Seine Aufgabe bestand darin, das Kontor zu leiten. Zudem standen dem Ältermann mehrere Beisitzer, ein Sekretär und ein ausgebildeter Jurist zur Seite. Die Beisitzer stellten den Kirchenvorstand sowie den Vorstand im Armenhaus. Der Sekretär hatte ebenfalls eine zentrale Position im Bergischen Kontor inne. Er vertrat die Interessen der Kaufleute gegenüber den Norwegern, erledigte den Schriftverkehr und vertrat das Kontor auf den Hansetagen. Zudem berief er einmal im Jahr alle Kaufleute zu einer Versammlung ein. Die Bewohner des Kontors mussten sich an dem Hofrecht orientieren, einer Rechtsordnung, für die der sogenannte „Meister Hans“ verantwortlich war. Zudem gab es einen Bauherrn, der die Verwaltung leitete und das Rechnungsbuch führte, einen Holz- und Bierkäufer sowie einen Aufseher, der das Feuerhaus und den Versammlungsraum der Kaufleute bewachte.81
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Phänomen der Hanse als mittelalterliches Handelsimperium ein und umreißt das Ziel sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Die Entstehung und Ausbreitung der Hanse: Hier werden die strukturellen Voraussetzungen der Hansegründung, die Rolle der Gotländischen Genossenschaft und der Übergang zur Städtehanse analysiert.
3. Die Kontore und andere Niederlassungen: Das Kapitel detailliert die Funktion und Organisation der vier Hauptkontore Brügge, Novgorod, Bergen und London als zentrale Handelsstützpunkte.
4. Der Niedergang der Hanse: Es werden die wirtschaftlichen und politischen Faktoren sowie Krisen erläutert, die im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit zur Machtlosigkeit der Hanse führten.
5. Abschließende Betrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die entscheidende Rolle der Kontore für den Erfolg und den späteren Machtverlust der Hanse.
Schlüsselwörter
Hanse, Kontore, Handelssystem, Städtehanse, Mittelalter, Ostseeraum, Nordseeraum, Brügge, Novgorod, Bergen, London, Wirtschaftsmacht, Privilegien, Fernhandel, Ältermann
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle der hansischen Kontore als zentrale Handelsstützpunkte und ihren Beitrag zum wirtschaftlichen Aufstieg und zur Expansion der Hanse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung der Hanse, die spezifische Organisation der Auslandsniederlassungen sowie die Faktoren, die zum wirtschaftlichen Niedergang der Handelsmacht führten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die Ausbreitung der Hanse zu geben und die Bedeutung der Handelsniederlassungen im Ausland für das hansische Handelssystem herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die fachwissenschaftliche Literatur und Quellen auswertet, um die Genese und den Strukturwandel der Hanse nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung der Städtehanse, die detaillierte Vorstellung der vier Kontore Brügge, Novgorod, Bergen und London sowie die Ursachen für den Niedergang des gesamten Handelssystems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hanse, Kontore, Handelssystem, Fernhandel, Privilegien und der ökonomische Strukturwandel zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert.
Was unterscheidet das Kontor in Novgorod von anderen Niederlassungen?
Novgorod galt als das für Kaufleute ertragreichste, aber auch fremdeste Kontor, in dem eine strikte Trennung zwischen Winter- und Sommerfahrern herrschte und das wie eine kleine, isolierte Stadt mit eigener Rechtsprechung (Schra) organisiert war.
Warum war das Kontor in Bergen so besonders?
Bergen war bekannt für das als "Bergener Spiele" bezeichnete, brutale Aufnahmeritual für Neuankömmlinge sowie für seine zentrale Rolle im Fischhandel, bei dem die deutschen Kaufleute zeitweise ein Stockfischmonopol hielten.
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- Anonym (Author), 2019, Die Verbreitung der Hanse im Nord- und Ostseeraum und die Bedeutung der Kontore für ihr Handelssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1009708