Der Begriff der Klimagerechtigkeit soll in dieser Arbeit genauer beleuchtet werden. Die zentrale Frage lautet dabei: Wie gerecht ist Klimagerechtigkeit? Hierbei wird im ersten theoretischen Teil der Abhandlung der Gerechtigkeitsbegriff näher betrachtet (Kapitel 2). Dazu dient die Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls als Ausgangspunkt. Im zweiten theoretischen Teil ist zudem der Begriff der Klimagerechtigkeit genauer definiert (Kapitel 3). Hierbei werden mehrere Definitionen genannt. Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, wird sich hierbei vor allem auf den Klimagerechtigkeitsbegriff nach Brunnengräber und Dietz (2016) konzentriert. Anschließend münden die Ausführungen des Theorieteils in einer Analyse, welche die Forschungsfrage nach der Gerechtigkeit der Klimagerechtigkeit versucht zu beantworten (Kapitel 4). Die Arbeit wird in einem Fazit zusammenfassend abgeschlossen (Kapitel 5).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. John Rawls und die Theorie der Gerechtigkeit
2.1 John Rawls – Biographischer Überblick
2.2 Die Herleitung von Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit
2.2.1 Vernunft und Fairness im Urzustand
2.2.1.1 Schleier des Nichtwissens als Eröffnung der Fairness und Freiheit
2.2.1.2 Vernunft der Menschen im Urzustand
2.2.2 Grundsätze der Gerechtigkeit nach Rawls
2.2.2.1 Erstes Gerechtigkeitsprinzip
2.2.2.2 Zweites Gerechtigkeitsprinzip
2.2.2.3 Die lexikalische Ordnung der Gerechtigkeitsprinzipien
2.3 Zwischenfazit
3. Klimagerechtigkeit
3.1 Der Ursprung der Klimagerechtigkeit
3.2 Definitionen von Klimagerechtigkeit
3.3 Definition und Position von Klimagerechtigkeit nach Dietz und Brunnengräber
4. Gerechtigkeit der Klimagerechtigkeit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage nach der Gerechtigkeit innerhalb des Klimagerechtigkeitsbegriffs, indem sie theoretische Konzepte der Gerechtigkeit von John Rawls kritisch auf die aktuelle Klimadebatte anwendet und dabei insbesondere die Diskrepanz zwischen quantitativen und qualitativen Gerechtigkeitsansprüchen beleuchtet.
- Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls (Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Gerechtigkeitsprinzipien)
- Ursprung und historische Entwicklung der Klimagerechtigkeitsbewegung
- Vergleichende Analyse verschiedener Definitionen von Klimagerechtigkeit
- Kritische Auseinandersetzung mit sozialen Macht- und Herrschaftsverhältnissen im Kontext des Klimawandels
- Möglichkeiten einer Synthese von Rawls' Gerechtigkeitstheorie und modernen Klimaforderungen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Vernunft und Fairness im Urzustand
Die Theorie der Gerechtigkeit betrachtet eine Gesellschaft, bei der politische Auseinandersetzungen ausgetragen werden. Die Gerechtigkeit wird dabei als Fairness beschrieben. Jene Konflikte sollen gelöst, bzw. gemildert werden, sodass eine Zusammenarbeit auf politischer Ebene respektvoll in einer Gesellschaft realisiert werden kann. In diesem Zusammenspiel agieren die Personen vernünftig und frei. Es soll hierbei eine Gerechtigkeit entstehen, auf welche sich diese vernunftbasierten und freien Personen einigen (Niedringhaus, 2014, S. 92). John Rawls erschafft in seiner Theorie der Gerechtigkeit eine Utopie, welche er dem Begriff Urzustand zuschreibt. Hierbei sind die Mitgliederansprüche einer Gesellschaft, die sich auf das Recht von Freiheit und Gleichheit beziehen, konkurrenzbildend. Aufgrund jenes Zustands der Dispute erschafft Rawls den Urzustand, welcher in diesem Kapitel weiter beschrieben wird (ebd.).
Das Gedankenexperiment des Urzustands von Rawls erinnert augenscheinlich an den Naturzustand aus der politischen Ideengeschichte. Diese Ähnlichkeit ist laut Rawls nicht unbeabsichtigt: Er stellt jene Beziehung her, indem er seinen Versuch einer Theorie der Gerechtigkeit mit den Überlegungen von Locke, Rousseau und Kant ergänzt und jenen Kontraktualismus auf eine höhere Abstraktionsstufe hebt (Maus, 2013, S. 65). Laut Rawls spielt also „die ursprüngliche Situation der Freiheit und Gleichheit […] dieselbe Rolle wie der Naturzustand in der herkömmlichen Theorie des Gesellschaftsvertrags“ (Rawls, 1975, S. 28). Das abstrakte Gebilde des Urzustands ist ein Gedankenexperiment, welches keinem real existierenden Staat oder einer realen Gesellschaft gleicht und somit als Utopie zu beschreiben ist (Niedringhaus, 2014, S. 93). Jener Urzustand ist simplifiziert – jede vernunftbegabte Person hat dabei verschiedene Handungslmöglichkeiten, welche zu eroieren sind. Dabei haben die Personen einen Bezug zueinander und verfolgen fixe Ziele. Daraus folgt eine Ableitung der Handlungen aus den eigenen Überzeugungen und Zielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die globale Ungleichheit der Klimawandelfolgen und formuliert die Forschungsfrage, wie gerecht der Begriff der Klimagerechtigkeit unter Rückgriff auf John Rawls bewertet werden kann.
2. John Rawls und die Theorie der Gerechtigkeit: Dieses Kapitel erläutert die biographischen Hintergründe von Rawls und leitet seine Theorie durch die Konzepte des Urzustands, des Schleiers des Nichtwissens und der zwei Gerechtigkeitsprinzipien her.
3. Klimagerechtigkeit: Hier wird der historische Ursprung des Begriffs dargelegt und eine Auswahl an Definitionen diskutiert, mit einem Fokus auf den Ansatz von Dietz und Brunnengräber.
4. Gerechtigkeit der Klimagerechtigkeit: In diesem Teil werden die Positionen von Brunnengräber und Dietz mit der Theorie von Rawls verknüpft, um zu prüfen, wie soziale Gerechtigkeit in Klimaschutzmaßnahmen integriert werden kann.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine Umsetzung dieser Gerechtigkeitsansprüche einen verbindlichen vertraglichen Rahmen erfordert.
Schlüsselwörter
Klimagerechtigkeit, John Rawls, Theorie der Gerechtigkeit, Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Klimagovernance, Differenzprinzip, Emissionsverteilung, globale Ungleichheit, politische Steuerung, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Vertragstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Klimagerechtigkeit kritisch vor dem Hintergrund der philosophischen Gerechtigkeitstheorie von John Rawls.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die politische Philosophie, die globale Klimadebatte, soziale Gerechtigkeitsansprüche und die Analyse von Machtverhältnissen in der internationalen Klimapolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage „Wie gerecht ist Klimagerechtigkeit?“ durch die theoretische Linse von John Rawls' Gerechtigkeitstheorie zu beantworten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie die Konzepte von John Rawls als normativen Bezugsrahmen auf existierende Definitionen und Ansätze der Klimagerechtigkeit anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Theorie von Rawls, die historische und begriffliche Herleitung der Klimagerechtigkeit sowie die abschließende Zusammenführung beider Bereiche in einer Analyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören insbesondere Klimagerechtigkeit, John Rawls, Urzustand, Differenzprinzip und soziale Gerechtigkeit.
Warum ist das Konzept des Schleiers des Nichtwissens wichtig für die Argumentation?
Es dient dazu, faire Bedingungen bei der Auswahl von Gerechtigkeitsgrundsätzen zu definieren, indem persönliche Vorteile und soziale Positionen ausgeblendet werden, was auf Klimaverhandlungen übertragen wird.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen quantitativen und qualitativen Gerechtigkeitsansprüchen?
Diese Unterscheidung ist zentral, da viele Klimadiskurse lediglich auf Emissionsquoten (quantitativ) fokussieren, während Brunnengräber und Dietz betonen, dass soziale Machtstrukturen und demokratische Teilhabe (qualitativ) zwingend einbezogen werden müssen.
- Arbeit zitieren
- Jonas Dahmen (Autor:in), 2020, Betrachtung der globalen Klimagerechtigkeit auf Basis der Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1009698