Diese Arbeit handelt von der Gegenüberstellung von unterschiedlichen, angesehenen theoretischen Ansätzen und der aufgrund Befragungen und Interviews mit zahlreichen Führungskräften ermittelten Praxisumsetzung zum Thema "Dividendenpolitik". Der Aufbau dieses Papers lässt sich in vier Teilbereiche untergliedern: Als Erstes werden einige der wichtigsten Theorien zur Ausschüttungspolitik in Unternehmen sowie interessante theoretische Modelle, potenzielle Einflussfaktoren auf Ausschüttungsentscheidungen und die Problematik der Anwendbarkeit in der Praxis präsentiert. Danach widmet sich die Arbeit empirischen Studien zu den beschriebenen theoretischen Grundlagen. Diverse Befragungen und Interviews mit CEOs, CFOs und Managern aus verschiedensten Branchen liefern einen spannenden und praxisbezogenen Einblick in die Verhaltensheuristik der Führungskräfte und Anleger.
Der Fokus dieses Papers zielt auf den im Anschluss beschriebenen dritten Abschnitt ab, wo die ersten beiden Teilbereiche (theoretische Modelle und Praxisumsetzung) gegenübergestellt werden. Zum einen ist es wesentlich aufzuzeigen, ob bahnbrechende Beiträge von u.a. Lintner (1956) oder Miller und Modigliani (1961) in der realen Geschäftswelt Anklang finden oder übergangen werden. Zum anderen wird der Gewichtung diverser in der Theorie erwähnten Einflüsse auf Unternehmensauszahlungen wie Steuern, Auszahlungszeitpunkt, Managerverhalten, etc. Aufmerksamkeit geschenkt und die praktische Relevanz dieser Faktoren getestet.
Schließlich wird die Entwicklung der Dividendenpolitik und der Aktienrückkäufe der letzten Jahrzehnte analysiert und anhand empirischer Charts versucht naheliegende Prognosen über künftige Auszahlungsstrategien von Unternehmen abzuleiten. Vor allem in der aktuellen Krisenzeit sind sowohl interessante als auch umstrittene Entscheidungen von Unternehmen branchenweit zur Ausschüttungsthematik beobachtbar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Ansätze der Dividendenpolitik
2.1 Irrelevanztheorem nach Miller und Modigliani
2.2 Fishers Separationstheorem
2.3 Agententheorie und Informationsasymmetrie
2.4 Dividendenverhalten der Unternehmen
2.5 Steuern und die Dividendenpolitik
2.6 Aktienrückkäufe vs Dividenden
3. Empirische Studien anhand von Befragungen
3.1 Ergebnisse zur Irrelevanztheorie und Agency-costs
3.2 Ergebnisse zu Informationsasymmetrie
3.3 Ergebnisse zur Bedeutung von Steuern
3.4 Ergebnisse zum Dividendenverhalten der Unternehmen
3.5 Ergebnisse zu Rückkäufen und Dividenden
3.5.1 Ergebnisse zu Dividenden in Europa
3.5.2 Ergebnisse zu Rückkäufen in Europa
4. Conclusio
5. Neubewertung der Dividendenpolitik
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen etablierten theoretischen Modellen zur Dividendenpolitik und der tatsächlichen Umsetzung durch Führungskräfte in der Unternehmenspraxis. Dabei wird analysiert, inwieweit klassische Theorien, wie das Irrelevanztheorem von Miller und Modigliani, durch empirische Befragungen von Entscheidungsträgern gestützt oder widerlegt werden, um ein tieferes Verständnis der heutigen Auszahlungspolitik zu erlangen.
- Gegenüberstellung theoretischer Ausschüttungsmodelle und praktischer Verhaltensweisen.
- Analyse des Einflusses von Steuern, Informationsasymmetrien und Agency-Costs.
- Untersuchung der Motive und Strategien hinter Aktienrückkäufen im Vergleich zu Dividendenzahlungen.
- Empirische Einblicke in die Ausschüttungspolitik US-amerikanischer und europäischer Unternehmen.
- Bewertung der Auswirkungen von Krisenzeiten (wie COVID-19) auf die Ausschüttungsstrategien.
Auszug aus dem Buch
2.6 Aktienrückkäufe vs Dividenden
Über den Aktienrückkauf kann in Zeiten hoher Liquidität in das eigene Unternehmen investiert werden. Diese Maßnahme wird gerade dann angewendet, wenn finanzielle Ressourcen nicht mehr zur Finanzierung von Investitionsprojekten außerhalb der eigenen Gesellschaft mit einem positiven Kapitalwert verwendet werden können. Ein Aktienrückkauf kann durch die Aktiengesellschaft zur Ausschüttung von freien liquiden Mitteln an die Anteilseigner genutzt werden und ermöglicht damit eine flexiblere Ausschüttungspolitik. Der Kurs liegt häufig nah am aktuellen Aktienkurs zu diesem Zeitpunkt. So kann ein Unternehmen die Anzahl der Aktien im Umlauf verringern – und so den Wert jeder im Umlauf verbleibenden Aktie erhöhen, anstatt Anlegern eine Dividende zu zahlen. Finanzwirtschaftlich handelt es sich hierbei um eine Ausschüttung von Mitteln, die sich von einer Bardividende nur dadurch unterscheidet, dass diese nur an gewisse Aktionäre, nämlich an jene, die ihre Aktien verkaufen wollen, vorgenommen wird.
Manager entscheiden sich Aktienrückkäufe durch Dividenden zu ersetzen um u.a. persönliche Steuerersparnisse zu erzielen, die finanzielle Flexibilität zu bewahren, da Rückkäufe kein implizites Versprechen enthalten, weiterhin Auszahlungen in gleicher Höhe zu leisten, den ausgewiesenen Gewinn pro Aktie (EPS) zu stärken und eine Unterbewertung des Aktienmarkte zu korrigieren oder auszunutzen. Guay und Harford (2000) stellen weiter fest, dass Unternehmen dazu tendieren, als Reaktion auf relativ dauerhafte positive Cash-Flow-Schocks die Dividenden zu erhöhen und als Reaktion auf vorübergehende positive Schocks Aktien zurückzukaufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt theoretische Ansätze zur Dividendenpolitik empirischen Befragungen von Führungskräften gegenüber, um die Praxisrelevanz klassischer Finanztheorien zu prüfen.
2. Theoretische Ansätze der Dividendenpolitik: In diesem Kapitel werden grundlegende Modelle wie das Irrelevanztheorem von Miller und Modigliani, Fishers Separationstheorem und die Agententheorie vorgestellt sowie die steuerlichen Aspekte und die Mechanik von Aktienrückkäufen erläutert.
3. Empirische Studien anhand von Befragungen: Dieser Teil wertet Interviews mit Unternehmensmanagern aus den USA und Europa aus, um zu analysieren, wie Agenturkosten, Informationsasymmetrien und steuerliche Rahmenbedingungen deren Entscheidungen in der Realität prägen.
4. Conclusio: Die Ergebnisse zeigen, dass eine konservative Dividendenpolitik dominiert und die Praxis die theoretischen Hypothesen zur Signalisierung oder Agenturproblematik nur begrenzt stützt, wobei Rückkäufe zunehmend als flexibles Instrument dienen.
5. Neubewertung der Dividendenpolitik: Dieses Kapitel thematisiert die radikale Neuausrichtung der Ausschüttungspolitik in Unternehmen infolge der durch die COVID-19-Pandemie ausgelösten Wirtschaftskrise.
Schlüsselwörter
Dividendenpolitik, Aktienrückkäufe, Miller und Modigliani, Ausschüttungsquote, Agency-Theorie, Informationsasymmetrie, Kapitalstruktur, Unternehmensfinanzierung, Investitionsentscheidungen, steuerliche Behandlung, Dividendenkürzungen, Cashflow, finanzielle Flexibilität, Dividendenausschüttung, Krisenmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Dividendenpolitik von Unternehmen, indem sie etablierte wissenschaftliche Theorien mit der tatsächlichen Entscheidungslogik und den Verhaltensmustern von Führungskräften vergleicht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen theoretische Ausschüttungsmodelle, die praktische Rolle von Steuern, das Management von Informationsasymmetrien sowie der zunehmende Stellenwert von Aktienrückkäufen gegenüber klassischen Dividenden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuklären, ob theoretisch bahnbrechende Konzepte wie das von Miller und Modigliani in der realen Geschäftswelt Anwendung finden oder ob andere, praxisnähere Faktoren die Ausschüttungsentscheidungen dominieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse theoretischer Ansätze und der Auswertung zahlreicher empirischer Befragungen sowie Interviews mit CEOs, CFOs und Führungskräften aus verschiedenen Branchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der Modelle und eine anschließende empirische Prüfung, bei der die theoretischen Annahmen mit den Ergebnissen aus Expertenbefragungen konfrontiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Konzepte der Dividendenpolitik, Aktienrückkäufe, Agency-Theorie, das Irrelevanztheorem und die praktische Bedeutung finanzieller Flexibilität geprägt.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Aktienrückkäufen und Dividenden eine Rolle?
Der Unterschied ist essenziell, da Dividenden oft als langfristige Verpflichtung gesehen werden, während Rückkäufe von Managern als flexibleres Instrument wahrgenommen werden, um auf Marktgegebenheiten oder vorübergehende Liquiditätsüberschüsse zu reagieren.
Welche Rolle spielt die COVID-19-Krise für die Schlussfolgerungen der Arbeit?
Die Krise dient als aktuelles Fallbeispiel, das zeigt, wie Unternehmen in Stresssituationen gezwungen sind, ihre Ausschüttungspolitik radikal anzupassen und Prioritäten zugunsten der Liquiditätssicherung neu zu setzen.
- Arbeit zitieren
- Damir Pandur (Autor:in), 2020, Dividendenpolitik. Die Rolle von Befragungen in der finanzwirtschaftlichen Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1007173