In dieser Hausarbeit wird sich auf das Unterthema der Selektionsmechanismen der Massenmedien fokussiert und neben Luhmanns Standpunkt auch der Blick auf die diesbezügliche Wirkung der zunehmenden Kommerzialisierung der Massenmedien gerichtet. Hinsichtlich der Relevanz und Bedeutung der Thematik fanden sich eine ganze Reihe verlässlicher, seriöser Quellen. Eine größere Herausforderung stellte die Fokussierung auf einen expliziten Teil von Luhmanns Theorie dar, da der größte Teil der Sekundärliteratur sich mit der Vielzahl seiner gesellschaftlichen Theorien rund um die soziologische Systemtheorie beschäftigte.
Zu Anfang dieser Arbeit wird Luhmanns Sichtweise bezüglich der Konstruktion der Realität dargestellt und ein vertiefender Blick auf die für die Konstruktion verantwortlichen Selektionsmechanismen der Massenmedien geworfen.
Im folgenden Kapitel werden weitergehend verschiedene herkömmliche Theorien zur Nachrichtenauswahl vorgestellt, die sich nicht innerhalb von Luhmanns Systemtheorie befinden. Nachfolgend werden verschiedene Blickpunkte hinsichtlich des zentralen Aspekts der Kommerzialisierung der Medien aufgeführt und die sich auf die Beziehung der Berufsfelder Journalismus und PR beziehenden Sichtweisen der Determinationsthese und des Intereffikationsmodells erörtert. Nach einem abschließenden Blick auf die Relevanz einer Trennungsnorm folgt ein bilanzierendes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Konstruktion der Medien nach Luhmann
2.1 Die Selektionsmechanismen der Massenmedien nach Luhmann
3. Selektion in den Massenmedien allgemein
3.1 Gatekeeper-Forschung
3.2 Nachrichtenwerttheorie
3.3 Theorie der redaktionellen Entscheidungsprogramme/Routinen
3.4 „Schlagzeilen machen“
4. Die Kommerzialisierung der Medien und ihre Bedeutung für journalistische Selektionsentscheidungen
4.1 Gefährdung der Vielfalt?
4.2 Journalismus und PR - zwischen Determinationsthese und Intereffikationsmodell
4.3 Kommerzialisierung und die Folgen für unsere Demokratie
4.4 Trennungsnorm als Richtlinie zur Trennung werblichen und redaktionellem Inhalts
4.4.1 Verletzung der Trennungsnorm
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Selektionsmechanismen der Massenmedien durch eine Gegenüberstellung von Niklas Luhmanns systemtheoretischem Ansatz zur Wirklichkeitskonstruktion und den Auswirkungen einer zunehmenden ökonomischen Kommerzialisierung auf journalistische Entscheidungsprozesse.
- Konstruktion der Realität durch massenmediale Selektion nach Niklas Luhmann
- Klassische journalistische Nachrichtenauswahl und Gatekeeper-Theorien
- Einfluss ökonomischer Interessen auf journalistische Arbeitsroutinen
- Spannungsfeld zwischen Journalismus und PR im Kontext der Werbewirtschaft
- Relevanz und Einhaltung der Trennungsnorm von redaktionellem und werblichem Inhalt
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Selektionsmechanismen der Massenmedien nach Luhmann
Als Basis für diesen Akt der Konstruktion sieht Luhmann eine Reihe von Selektionsmechanismen, nach welchen die Massenmedien über die Auswahl und Art der zu behandelnden Themen entscheiden. Durch Kategorisierungen, also durch vereinfachte Darstellungen komplexer und konkreter Sachverhalte, würde den Konsumenten so beispielsweise ein „Schubladendenken“ auferlegt, dass ihre Weltanschauung maßgeblich beeinflusst (ebd.: 139). Darüber hinaus werde unter dem Fachbegriff der Kausalattributionen dem Medienkonsumenten zu jeder Ursache eine passende Wirkung und zu jeder Wirkung eine passende Ursache geliefert. Problematisch sei hier jedoch, dass durch die miteinhergehende Selektion zwangsläufig der mögliche Kausalbereich verkleinert werde. Dem Konsumenten werde so eine als extrem-selektiv anzusehende Kombination aus Ursache und Wirkung vorgelegt, deren Auswahl je nach ideologischen und normativen Voreinstellungen des Medienerzeugers variieren kann (ebd.: 140).
Luhmann sieht diesen Vorgang, unabhängig von der Bemühung um größtmögliche Neutralität, als unvermeidlich. Als Resultat entständen komplexe, nicht mehr trennbare Faktenbezüge, ebenso wie „Wertungen, Emotionen, Appelle und Proteste.“ (ebd.: 140). Dabei hätten die Ökonomie, und damit der Vorgang der zunehmenden Kommerzialisierung der Medien, sowie das Tempo der Kommunikation einen allgegenwärtigen Bezug auf mediengestalterische Sinnkomplexe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Fragestellung über die Konstruktion der Realität durch Medien und die Rolle ökonomischer Zwänge bei der Themenwahl.
2. Die Konstruktion der Medien nach Luhmann: Darstellung des systemtheoretischen Konzepts, dass Medien keine objektive Realität abbilden, sondern diese massenmedial konstruieren.
3. Selektion in den Massenmedien allgemein: Vorstellung etablierter Theorien zur Nachrichtenauswahl, darunter Gatekeeper-Ansätze und die Nachrichtenwerttheorie.
4. Die Kommerzialisierung der Medien und ihre Bedeutung für journalistische Selektionsentscheidungen: Analyse der ökonomischen Einflussfaktoren auf Journalismus, die Rolle von PR sowie die Gefährdung der Trennungsnorm.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit einer klaren Trennung von Information und Werbung zur Sicherung demokratischer Funktionen.
Schlüsselwörter
Luhmann, Massenmedien, Konstruktion der Realität, Selektionsmechanismen, Nachrichtenfaktoren, Kommerzialisierung, Journalismus, Public Relations, Trennungsnorm, Medienökonomie, Systemtheorie, Medienethik, Demokratie, Gatekeeper, Nachrichtenwerttheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswahlprozessen in Massenmedien und untersucht, wie diese durch theoretische Modelle sowie durch den ökonomischen Druck der Kommerzialisierung beeinflusst werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die systemtheoretische Realitätskonstruktion, journalistische Nachrichtenselektion, das Spannungsverhältnis zwischen Journalismus und PR sowie die Bedeutung der Trennungsnorm zwischen Redaktion und Werbung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie wirtschaftliche Interessen die redaktionelle Themenwahl beeinflussen und welche Risiken dies für die demokratischen Funktionen der Medien birgt.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden genutzt?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Systemtheorie von Niklas Luhmann sowie auf klassische journalistikwissenschaftliche Ansätze zur Nachrichtenauswahl und Medienökonomie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Luhmann, einen Überblick über allgemeine Selektionstheorien (Gatekeeper, Nachrichtenwerte) und eine kritische Analyse der Folgen von Kommerzialisierung und PR-Einflüssen.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Realitätskonstruktion, Selektionsmechanismen, Kommerzialisierung, Trennungsnorm, journalistische Autonomie und Medienkonzentration.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise Luhmanns von klassischen Modellen?
Während klassische Modelle Journalisten als bewusste "Gatekeeper" oder Entscheider sehen, betrachtet Luhmann die Realitätskonstruktion als systemimmanenten Prozess, der durch die ökonomische Struktur des Mediensystems erzwungen wird.
Warum ist die "Trennungsnorm" für die Autorin ein kritischer Punkt?
Die Autorin sieht in der Vermischung von redaktionellen Inhalten und Werbung eine Gefahr für die Glaubwürdigkeit und die "Watchdog"-Funktion der Medien, die für eine funktionierende Demokratie essenziell ist.
- Arbeit zitieren
- Hannah Kersting (Autor:in), 2019, Die Selektion der Massenmedien. Gegenüberstellung von Niklas Luhmanns Theorie und dem Einfluss der Kommerzialisierung auf mediale Selektionsentscheidungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1006872