Auf den folgenden Seiten wird ein Überblick über die Offene Kinder- und Jugendarbeit vermittelt und danach auf einige Konzepte und Methoden der Offenen Jugendarbeit eingegangen und wie diese zeitgemäß umgesetzt werden können, damit möglichst viele junge Menschen daran teilhaben können und wollen.
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Kinder- und Jugendarbeit macht deutlich, wie wichtig die Offene Jugendarbeit ist und welchen Stellenwert sie in unserer Gesellschaft einnimmt. Laut der Zwölften Shell Jugendstudie (1997) waren im Jahr 1997 noch 43 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren in einem Sportverein Mitglied. Laut Statistischem Bundesamt geht dieser Anteil seit 1997 immer weiter zurück, genauso wie der Anteil der angebotenen Maßnahmen durch die öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe. Auch der Anteil der hauptamtlich sowie ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist bis zum Jahr 2004 rückläufig.
Die Zahlen der Teilnahmebereitschaft an der Offenen Jugendarbeit sind auch im Jahr 2020 weiter rückläufig. Ein Grund hierfür ist, dass Jugendliche heutzutage im Vergleich zu früheren Zeiten viel mehr Möglichkeiten haben, wie sie ihre Freizeit gestalten. Viele verbringen ihre Freizeit auch in virtuellen Welten, zu denen fast jeder Jugendliche mit Smartphone, Tablet usw. Zugang hat. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch die finanziellen Einschränkungen, mit denen viele Träger rechnen müssen. Staatliche Zuschüsse werden immer knapper in Zeiten, in denen die meisten öffentlichen Kassen leer sind. Seit der ersten Hälfte der 2000er-Jahre sind die Ausgaben für den Bereich der offenen Jugendarbeit kontinuierlich zurückgegangen. Viele Träger in diesem Bereich verzeichnen einen deutlichen Rückgang an Beteiligungen bei Angeboten und es kommt immer häufiger zu Personalabbau in diesem Bereich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtliche Entwicklung der Offenen Jugendarbeit
3. Überblick Offene Kinder- und Jugendarbeit
4. Konzepte und Methoden Offene Jugendarbeit
4.1. Soziale Gruppenarbeit in der Offenen Jugendarbeit
4.1.1. Geschlechtsspezifische Gruppenarbeit
4.1.2. Erlebnispädagogik
4.2. Sozialraumorientierung in der Offenen Jugendarbeit
4.2.1. Streetwork und Mobile Jugendarbeit
4.2.2. Stadtteilbegehung mit Kindern und Jugendlichen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz sowie die methodische Ausgestaltung der Offenen Jugendarbeit in Deutschland und analysiert, wie diese trotz gesellschaftlicher Wandlungsprozesse und finanzieller Einschränkungen zur Förderung junger Menschen beitragen kann.
- Historische Genese und gesellschaftlicher Stellenwert der Offenen Jugendarbeit
- Gesetzliche Grundlagen gemäß SGB VIII als Orientierungsrahmen
- Konzepte der sozialen Gruppenarbeit (geschlechtsspezifisch und erlebnispädagogisch)
- Ansätze der Sozialraumorientierung (Streetwork und Stadtteilbegehung)
- Potenziale zur Förderung von Partizipation und Empowerment bei Jugendlichen
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Geschlechtsspezifische Gruppenarbeit
Bei der geschlechtsspezifischen Gruppenarbeit hat das Geschlecht eine bedeutende Rolle. Die Geschichte der geschlechtsspezifischen Gruppenarbeit reicht weit in die Geschichte zurück. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts entstanden in Preußen sogenannte Kadettenanstalten, in denen junge Männer eine soldatische Ausbildung erhielten. In den 1950er- Jahren gab es bereits Soziale Gruppenarbeit, die Mädchen auf die spätere Hausfrauen- und Mutterrolle vorbereiten sollte. In den 1970er- Jahren wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Koedukation eingeführt. Koedukation bedeutet die gemeinsame Erziehung von Mädchen und Jungen. Durch diesen Schritt wurde Mädchen endlich auch Zugang zur schulischen Bildung eingeräumt. Auch heutzutage wachsen Kinder nicht geschlechtsneutral auf. Zwar haben Mädchen und Jungen den gleichen Zugang zu Bildung und Erziehung, aber es gibt eben auch noch viele Unterschiede. Das fängt bei Spielzeug im Kleinkindalter an und zieht sich durch die ganze Kindheit. Mädchen unterliegen ganz anderen Vorstellungen von ,,Schönsein“ als Jungen. Das Sprichwort: ,,ein Indianer kennt keinen Schmerz“, wird heute weiterhin sehr häufig genutzt und erwartet indirekt bereits von kleinen Jungen Stärke und Funktionalität. In der geschlechtsspezifischen Gruppenarbeit sollen junge Menschen einen Raum erhalten, in dem sie Interessen, Gefühle, Gedanken, Unsicherheiten austauschen. Zusätzlich sollen aber auch Stärken und Chancen in Bezug auf geschlechtsspezifische Themen betrachtet werden.
Jugendliche sollen heutzutage frei von Zwängen, Rollenzwängen und Begrenzungen aufwachsen und sich so frei entfalten. Ein wichtiger Aspekt ist hier die Differenz in Gleichheit. Differenz der Geschlechter bedeutet, dass es Unterschiede gibt, aber es gibt kein festgeschriebenes richtiges Konstrukt, sondern junge Menschen haben eine Wahl. Unterschiede sind erlaubt und gut. Vielfalt bedeutet Gleichheit in dem Sinne, dass jeder individuell entscheiden kann und diese Vielfalt als gleichwertig angesehen wird. Die geschlechtsspezifische Arbeit soll auch dazu beitragen, geschlechtsspezifische Hierarchien abzubauen. Mädchen haben zum Beispiel auch die Möglichkeit, technische Berufe zu erlernen (Deinet/Sturzenhecker 2013, S. 227–232).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert den schwindenden Stellenwert der Offenen Jugendarbeit sowie die Herausforderungen durch Individualisierung, virtuelle Freizeitwelten und sinkende finanzielle Mittel.
2. Geschichtliche Entwicklung der Offenen Jugendarbeit: Das Kapitel beschreibt die Etablierung der Jugend als eigenständige Phase durch die Babyboomer-Generation und die darauf folgende theoretische Fundierung der Praxis in den 1960er- und 1970er-Jahren.
3. Überblick Offene Kinder- und Jugendarbeit: Hier werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen nach dem SGB VIII erläutert, welche die Offene Jugendarbeit als einen zentralen Bereich der Kinder- und Jugendhilfe definieren.
4. Konzepte und Methoden Offene Jugendarbeit: Dieser Hauptteil widmet sich verschiedenen fachlichen Ansätzen, wobei insbesondere die soziale Gruppenarbeit und die Sozialraumorientierung detailliert betrachtet werden.
4.1. Soziale Gruppenarbeit in der Offenen Jugendarbeit: Es wird definiert, wie Gruppen als soziales Lernfeld zur Persönlichkeitsentwicklung und Konfliktlösung dienen können.
4.1.1. Geschlechtsspezifische Gruppenarbeit: Das Kapitel analysiert die Notwendigkeit, Räume für Rollenreflexion und den Abbau von geschlechtsspezifischen Stereotypen zu schaffen.
4.1.2. Erlebnispädagogik: Diese Methode wird als Mittel zur Förderung körperlicher, emotionaler und sozialer Fähigkeiten durch alltagsferne Erfahrungen vorgestellt.
4.2. Sozialraumorientierung in der Offenen Jugendarbeit: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der Lebenswelt von Jugendlichen für die Soziale Arbeit und die Notwendigkeit passgenauer Angebote.
4.2.1. Streetwork und Mobile Jugendarbeit: Hierbei liegt der Fokus auf der niedrigschwelligen Erreichbarkeit von Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen direkt in ihrem Umfeld.
4.2.2. Stadtteilbegehung mit Kindern und Jugendlichen: Diese Methode wird als ein Werkzeug zur partizipativen Gestaltung des Lebensumfeldes und zur Perspektivübernahme zwischen Fachkräften und Jugendlichen beschrieben.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Offene Jugendarbeit ein unverzichtbarer Teil der Sozialen Arbeit bleibt, um junge Menschen in ihrer Mündigkeit und Eigenverantwortung zu stärken.
Schlüsselwörter
Offene Jugendarbeit, SGB VIII, Jugendhilfe, Partizipation, Empowerment, Soziale Gruppenarbeit, Sozialraumorientierung, Erlebnispädagogik, Streetwork, Mobile Jugendarbeit, Geschlechtsspezifische Arbeit, Persönlichkeitsentwicklung, Lebenswelt, Jugend, Individualisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung, die gesetzlichen Grundlagen sowie die verschiedenen Konzepte und Methoden der Offenen Jugendarbeit in der aktuellen gesellschaftlichen Situation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung, die rechtliche Verankerung, die soziale Gruppenarbeit sowie die Sozialraumorientierung als methodische Säulen der Jugendarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über zeitgemäße Methoden zu geben und aufzuzeigen, wie diese zur Förderung der Partizipation und Eigenverantwortung junger Menschen beitragen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse, um pädagogische Konzepte und Methoden theoretisch herzuleiten und anhand von Praxisbeispielen zu erläutern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die zwei großen Bereiche soziale Gruppenarbeit (inklusive geschlechtsspezifischer Ansätze und Erlebnispädagogik) und Sozialraumorientierung (inklusive Streetwork und Stadtteilbegehung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch die Begriffe Offene Jugendarbeit, Partizipation, Empowerment und Sozialraumorientierung charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die geschlechtsspezifische Gruppenarbeit von allgemeinen Ansätzen?
Sie zielt gezielt darauf ab, Rollenzwänge zu reflektieren, Geschlechterhierarchien abzubauen und geschützten Raum für den Austausch über spezifische Themen der Jugendlichen zu bieten.
Welchen Nutzen bietet die Methode der Stadtteilbegehung für Fachkräfte?
Sie ermöglicht eine Perspektivübernahme, bei der Fachkräfte den Sozialraum aus der Sicht der Jugendlichen erleben, was das gegenseitige Verständnis verbessert und zielgerichtetere Angebote ermöglicht.
Warum wird Erlebnispädagogik als besonders effektiv angesehen?
Durch die "Alltagsferne" der Erlebnisse intensiviert sich der Lernprozess, was zur Stärkung der sozialen Kompetenzen und des Selbstbewusstseins beiträgt.
Was ist die Bedeutung von "Empowerment" im Kontext der Arbeit?
Empowerment steht für die Selbstbefähigung und Stärkung der jungen Menschen, damit sie als mündige und eigenverantwortliche Individuen in der Gesellschaft agieren können.
- Quote paper
- Petra Rathmann (Author), 2020, Welche Konzepte und Methoden werden in der Offenen Jugendarbeit/Jugendhilfe angewendet?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1005498