Die Hausarbeit umfasst die Fallbeschreibung des zu diagnostizierenden Jungen, sowie die ausführliche Testbeschreibung des Fragebogen zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrung von Grundschulkindern dritter und vierter Klasse (FEESS 3+4). Gütekriterien werden für das entsprechende Vorhaben kritisch beurteilt. Abschließend steht eine ausführliche Beschreibung der Testsituation.
Das Untersuchungskind soll im Folgenden F genannt werden. Ich kenne F schon seit mehreren Monaten, denn ich gebe F Nachhilfe in den Fächern Deutsch und Mathematik. So hatte ich schon vor dem Gespräch Informationen über F, die ich in Gesprächen mit ihm selbst und seinen Eltern erhalten habe. Daher finden Basisinformationen wie Alter, Geschlecht und Familiensituation im Erstgespräch keine Beachtung. Alle Angaben diesbezüglich stammen aus Gesprächen mit F und seinen Eltern vor der Untersuchung. F ist männlich und zehn Jahre alt. Er besucht die dritte Klasse einer Lernförderschule. Er hat zwei jüngere Geschwister und lebt mit seinen Eltern in einer Wohnung. Morgens wird er von einem Fahrdienst zur Schule gebracht und nachmittags wieder abgeholt. F geht sehr gerne in die Schule und erzählt oft und gerne davon.
Inhaltsverzeichnis
A) Anonymisierte Personenbeschreibung
B) Ableitung einer diagnostischen Fragestellung und Untersuchungshypothesen
C) Hypothetische Auswahl und Begründung von diagnostischen Methoden
D) Untersuchungsbericht
E) Fördervorschläge
F) Kritische Reflexion aller Schritte der Fallarbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Fallarbeit zielt darauf ab, schulische Minderleistungen eines Grundschülers diagnostisch zu untersuchen und auf Basis der Ergebnisse fundierte Fördermöglichkeiten abzuleiten. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche Faktoren beeinflussen die schulischen Leistungen des Kindes in den Hauptfächern?
- Analyse der schulischen Lernumgebung und Leistungsentwicklung
- Anwendung des standardisierten Testverfahrens FEESS 3-4
- Überprüfung von Hypothesen zu Selbstkonzept und Konzentrationsfähigkeit
- Ableitung pädagogischer Interventionsstrategien
Auszug aus dem Buch
C) Hypothetische Auswahl und Begründung von diagnostischen Methoden
Für die Diagnostik der proximalen Lernfaktoren bieten sich vielfältige Möglichkeiten, deren Vorhandensein und Qualität bei einem Schulkind oder Jugendlichen zu testen. Dies kann zum Beispiel durch standardisierte Testverfahren geschehen.
Im Bezug auf meine Erklärungshypothese „F.s Selbstkonzept ist nicht sehr positiv ausgeprägt, daher sind seine Schulleistungen nicht so gut, wie es ihm möglich wäre“ eignet sich das Testverfahren FEESS 3-4 (Fragebogen zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrung von Grundschulkindern dritter und vierter Klasse). In diesem Fragebogen, der aus verschiedenen Skalen für je eine Komponente von emotionalen und sozialen Schulerfahrungen besteht, wird auch das Selbstkonzept im Bezug auf die eigene Lernleistung erfasst (vgl. Rauer/Schuck 2003, S. 2). Durch die Erfassung der weiteren Skalen wird auch eine einseitige Sicht auf das Problem des Kindes vermieden. Im Hinblick auf die Lesekompetenz des Untersuchungskindes erscheint der Test jedoch weniger passend F, beherrscht zwar das sinnverstehende Lesen von Zwei- bis Dreiwortsätzen, hat aber Schwierigkeiten bei längeren und unbekannten Sätzen und Wörtern.
Ein weiteres standardisiertes Testverfahren zur Erfassung des schulischen Selbstkonzeptes ist der 2012 in neuer Auflage erschienener SESSKO-Test (Skalen zur Erfassung des schulischen Selbstkonzeptes). Er erfasst in den Schulstufen 3-10 der Regelschule das schulischen Selbstkonzept von Schülerinnen und Schülern im Bezug auf die kriteriale, soziale und individuelle Bezugsnorm erfasst, sowie ohne Bezugsnorm („absolut“) (Schöne et al., 2002, S. 13).
Zusammenfassung der Kapitel
A) Anonymisierte Personenbeschreibung: Dieses Kapitel stellt das untersuchte Kind vor, beschreibt dessen familiäre Situation sowie seine subjektive Wahrnehmung der Schule.
B) Ableitung einer diagnostischen Fragestellung und Untersuchungshypothesen: Hier wird das Problem der unterdurchschnittlichen Leistungen definiert und es werden drei Erklärungshypothesen zu Selbstkonzept, Konzentration und häuslichem Umfeld formuliert.
C) Hypothetische Auswahl und Begründung von diagnostischen Methoden: Das Kapitel begründet die Auswahl geeigneter Testverfahren, insbesondere des FEESS 3-4, zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
D) Untersuchungsbericht: Dokumentation der Testdurchführung, der methodischen Anpassungen aufgrund der Sprachkompetenz des Kindes sowie eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
E) Fördervorschläge: Aufzeigen möglicher Interventionsmaßnahmen sowohl im Klassenverband als auch in der individuellen Förderung.
F) Kritische Reflexion aller Schritte der Fallarbeit: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem diagnostischen Vorgehen, der Rolle als Testleiterin und der Anwendbarkeit der gewählten Methoden.
Schlüsselwörter
Diagnostik, Förderdiagnose, FEESS 3-4, Schulleistungen, Selbstkonzept, Konzentrationsfähigkeit, Grundschule, Fallarbeit, Lernschwierigkeiten, Förderbedarf, Motivationsförderung, soziale Integration, Unterrichtsqualität, pädagogische Intervention, Schulklima.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Fallarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert einen diagnostischen Prozess bei einem Grundschüler mit unterdurchschnittlichen Leistungen, um Ursachen zu identifizieren und Hilfestellungen zu konzipieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf das emotionale und soziale Schulerleben, das schulische Selbstkonzept und die Konzentrationsfähigkeit des Kindes.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist die objektive Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen, um darauf aufbauend begründete pädagogische Fördermaßnahmen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben der qualitativen Beobachtung und Gesprächsführung kommt das standardisierte Testverfahren FEESS 3-4 zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Hypothesenbildung, die methodische Begründung, die Durchführung und Auswertung des Tests sowie die Ableitung von Förderplänen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Diagnostik, Förderdiagnose, Selbstkonzept, Schulerfolg und pädagogische Intervention.
Warum musste die Testdurchführung angepasst werden?
Da das Kind aufgrund seiner Sprachkenntnisse Schwierigkeiten beim sinnerfassenden Lesen längerer Sätze hatte, musste die Testleiterin die Aussagesätze laut vorlesen.
Wie wurde die Rolle der Testleiterin reflektiert?
Die Autorin reflektiert kritisch über die Schwierigkeit, trotz der eigenen Vorannahmen neutral zu bleiben und das Kind nicht in der Konzentration zu stören.
Was ist das Ergebnis bezüglich des Selbstkonzepts des Schülers?
Entgegen der ursprünglichen Vermutung der Autorin zeigte sich im Test kein negatives Selbstkonzept; der Schüler liegt in diesem Bereich im Durchschnitt.
- Arbeit zitieren
- Josephine Finckh (Autor:in), 2017, Diagnostik emotionaler und sozialer Schulerfahrung von Grundschulkindern. Fallbeispiel eines Jungen, Lernförderschule, 3. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1003660