Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen neuen digitalen Medien – in diesem Fall das Internet – und Autokratien. Die Bedeutung des Internets nimmt jährlich zu. Im Jahre 2012 hatte bereits ein Drittel der Weltbevölkerung Zugang zum Internet. Mit der Zeit veränderte sich die Art und Weise, wie die Menschen Informationen aufnahmen und verarbeiteten. Das Internet prägte die Kommunikation und Sozialisierung der Menschen untereinander und mit politischen Akteuren. In demokratischen Ländern mit vorhandenen Bürgerrechten, welche die Meinungs- und Publikationsfreiheit wahren, bietet das Internet eine Möglichkeit zur freien Kommunikation und Ausübung von Kritik an der Regierung. Wie sieht das jedoch in Autokratien aus? Denn wenn die sozialen Medien in Autokratien unter starkem Einfluss des Regimes stehen, stellt sich die Frage, wie sich die Möglichkeit zu politischer Partizipation von Bürgern über das Internet in einer solchen politischen Umgebung gestaltet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
3 Politische Situation in Saudi Arabien
4 Der ‚Arabische Frühling’ und Saudi Arabien
5 Die Rolle des Internets in Autokratien
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen neuen digitalen Medien und Autokratien mit Fokus auf Saudi Arabien während des ‚Arabischen Frühlings’. Ziel ist es zu analysieren, zu welchem Zweck das saudische Regime Einfluss auf soziale und digitale Medien nahm, wobei die Hypothese geprüft wird, dass diese Eingriffe primär der Generierung von Legitimität dienten.
- Wechselbeziehung zwischen Internet und Autokratien
- Analyse der politischen Situation in Saudi Arabien
- Einfluss des ‚Arabischen Frühlings’ auf soziale Medien
- Mechanismen nach Seva Gunitsky (Counter-mobilization, Discourse-framing)
- Methoden der Informationsbeschaffung in autokratischen Systemen
Auszug aus dem Buch
2.1) Seva Gunitsky
Um einen theoretischen Bezug herzustellen, untersuchen wir an dieser Stelle die Theorie von Seva Gunitsky, welcher die These vertritt, dass autoritäre Regime die Nutzung digitaler Medien zweckrational mobilisieren und mithilfe diverser Zensurmechanismen limitieren. Hierbei hat er vier Mechanismen herausgearbeitet, welche den Umgang von Autokratien mit sozialen Medien erläutern (Gunitsky 2015:42).
Laut Gunitsky entwickelten sich die Strategien von Autokratien im Umgang mit sozialen Medien - wie z. B. dem Internet – von ‚negativer Kontrolle’ zu durchdachten Manipulationsmechanismen weiter. An die Stelle von „Zensur, der Unterbindung von Kommunikation und das Blockieren von Webseiten“ traten strategisch effektivere Methoden. Ein wichtiger Punkt bei diesen neueren Methoden war die Generierung von Legitimität, um die Unterstützung der Bevölkerung zu mobilisieren (Gunitsky 2015:42). Hierbei stellt er zwei zusammenhängende Mechanismen vor: Counter-mobilization und discourse-framing (Gunitsky 2015:42). Beide Mechanismen formen die Inhalte der Online- Kommunikation (Gunitsky 2015:45).
Counter-mobilization bietet dem Regime einer Autokratie die Möglichkeit ihre eigenen Akteure und Befürworter, zu organisieren und zu unterstützen. Dies beinhaltet neben Business Eliten und dem Militär, auch Bürger, welche gewillt sind die Regierung aus finanziellen, ideologischen oder patriarchalischen Gründen zu unterstützen (Gunitsky 2015:45). Diese bieten der Ideologie des autoritären Regimes Unterstützung in sozialen Netzwerken - wie z.B. Twitter oder Facebook – und verteidigen diese. Dabei werden auffallend aktive Oppositionsmitglieder im Internet gemeldet, um weiteren Informationsstrom zu vermeiden (Gunitsky 2015:45).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Internetnutzung in Autokratien ein und definiert die Forschungsfrage sowie die Hypothese zur Generierung von Legitimität durch Medienbeeinflussung im Kontext Saudi Arabiens.
2 Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel erläutert die Theorie von Seva Gunitsky zu den vier Mechanismen, mit denen autokratische Regime digitale Medien manipulieren und zur Stabilisierung ihrer Herrschaft einsetzen.
3 Politische Situation in Saudi Arabien: Es wird ein Überblick über die absolute Monarchie Saudi Arabiens gegeben, wobei insbesondere die Einschränkung von Bürgerrechten, die Zensur und die Rolle der sozialen Medien thematisiert werden.
4 Der ‚Arabische Frühling’ und Saudi Arabien: Das Kapitel beschreibt den Ursprung und Verlauf der Protestwelle im Arabischen Raum sowie die spezifischen Reaktionen des saudischen Regimes auf die Forderungen verschiedener Bevölkerungsgruppen.
5 Die Rolle des Internets in Autokratien: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse, wie Autokratien das Internet instrumentalisieren, unterteilt in die Strategien zur Generierung von Legitimität und zur gezielten Informationsbeschaffung.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Hypothese, dass Saudi Arabien digitale Medien zur Legitimitätssicherung einsetzte, auch wenn die Methoden im Vergleich zu anderen Autokratien noch als eher ungeschickt bewertet werden.
Schlüsselwörter
Internet, Autokratie, Saudi Arabien, Arabischer Frühling, Legitimität, Zensur, Digitale Medien, Counter-mobilization, Discourse-framing, Meinungsfreiheit, Soziale Medien, Politische Partizipation, Überwachung, Propaganda, Informationsbeschaffung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Nutzung und Beeinflussung digitaler Medien durch autokratische Regime am Beispiel Saudi Arabiens während des Arabischen Frühlings.
Welches ist das zentrale Thema?
Im Mittelpunkt steht die Wechselbeziehung zwischen dem Internet als Instrument zur gesellschaftlichen Mobilisierung und den strategischen Gegenmaßnahmen autokratischer Regierungen zur Machterhaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, mit welchen Absichten Saudi Arabien während der Unruhen 2010/2011 Einfluss auf das Internet und soziale Netzwerke nahm.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoriegeleitete Analyse angewandt, die auf dem Modell von Seva Gunitsky basiert, um die Beobachtungen zum Medienumgang der saudischen Regierung zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die politische Lage Saudi Arabiens, die Ereignisse des Arabischen Frühlings und die Anwendung spezifischer Kontrollmechanismen wie Discourse-framing und Informationsbeschaffung durch das Regime.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Legitimitätsgenerierung, digitale Repression, autokratische Stabilität und Internetzensur gekennzeichnet.
Wie reagierte das saudische Regime konkret auf die Proteste der Frauen?
Das Regime kündigte als Zugeständnis das aktive und passive Wahlrecht für Kommunalwahlen an, um die Proteste zu beruhigen, ohne jedoch das patriarchale Vormundschaftssystem grundlegend in Frage zu stellen.
Warum wird die Strategie Saudi Arabiens im Fazit als "ungeschickt" bezeichnet?
Der Autor führt dies darauf zurück, dass Saudi Arabien trotz modernerer Manipulationsmethoden weiterhin auf massive, teilweise kontraproduktive Zensurmaßnahmen setzt, anstatt vollständig auf subtilere, diskursive Formen der Steuerung zu vertrauen.
- Arbeit zitieren
- Malena Elefteriadis (Autor:in), 2017, Digitale Medien in Autokratien. Saudi Arabien zur Zeit des Arabischen Frühlings, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1000974