Diese Arbeit behandelt das Thema Zivilgesellschaft im Zusammenhang mit sozialen Bewegungen. Dabei wird insbesondere die Frage beantwortet, welche Funktionen die Zivilgesellschaft in einer Demokratie ausüben kann und wann sie problematisch für die selbige wird. Hierbei liegt ein besonderer inhaltlicher Fokus auf Zentral- und Osteuropa.
Wissenschaftlich wurde häufig die Annahme einer schwachen Zivilgesellschaft in Zentral- und Osteuropa aufgestellt, vor allem in Publikationen, die sich auf Studien stützen, die Zahlen formaler Mitgliedschaften in Vereinen beziehungsweise Organisationen heranziehen. Dadurch wurden unkonventionelle zivilgesellschaftliche Partizipation und Hybridformen in der Forschung lange vernachlässigt.
In dieser Arbeit werden zwei wichtige Funktionen der Zivilgesellschaft für die Demokratie beschrieben: Einerseits die Zivilgesellschaft als Gegengewicht und Kontrollmacht der staatlichen Autorität und als Stabilisierung der Demokratie. Andererseits die Zivilgesellschaft verbunden mit demokratischen Werten, Orientierungen und Verhalten sowie Wissen über Demokratie als 'Schule der Demokratie'. Daneben werden noch verschiedene Kriterien diskutiert anhand dessen eine unzivile Zivilgesellschaft definiert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Zivilgesellschaft und Soziale Bewegungen
2. Funktionen der Zivilgesellschaft in der Demokratie
3. Unzivile Zivilgesellschaft und ihre Abgrenzung
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtige Rolle der Zivilgesellschaft in demokratischen Systemen, analysiert deren positive Funktionen als Kontrollinstanz sowie Schule der Demokratie und beleuchtet kritisch die Abgrenzung zur sogenannten "unzivilen Zivilgesellschaft".
- Begriffsdefinitionen von Zivilgesellschaft und sozialen Bewegungen
- Positive Beiträge zur demokratischen Stabilisierung
- Fallbeispiel: Der "Rumänische Herbst"
- Merkmale und Problematik unzivilen zivilgesellschaftlichen Engagements
- Kontextabhängigkeit und Transformation in Zentral- und Osteuropa
Auszug aus dem Buch
Zivilgesellschaft und Soziale Bewegungen
Der Begriff der ‚Zivilgesellschaft‘ war in den vergangenen 20 bis 30 Jahren häufig Bestandteil von Diskussionen und wird oft unterschiedlich im medialen Kontext verwendet. Aber nicht alle RezipientInnen verstehen dasselbe unter dem Begriff, unterschiedlich je nach Zugang und Vorwissen. Ähnlich ergeht es dem Begriff der sozialen Bewegungen und die Abgrenzung beider Begriffe ist auch nicht immer eindeutig. Im akademischen Diskurs gibt es ebenfalls verschiedene Herangehensweisen und Zugänge zu den beiden gesellschaftlichen Phänomenen und häufig gibt es Differenzen darüber, welche Formen von Engagement als zivilgesellschaftlich eingeordnet werden können (vgl. Kocka 2012, 191).
Es gibt in der theoretischen Auseinandersetzung des Begriffs der Zivilgesellschaft unterschiedliche Zugänge. In diesem Essay verwende ich die Definition nach Michael Walzer (1998), die auch von Edwards herangezogen wird.
„Civil society is the sphere of uncoerced human association between the individual and the state, in which people undertake collective action for normative and substantive purposes, relatively independent of government and market.“ (Edwards 2011, 4)
Es handelt sich bei dieser Definition um eine sehr offene, welche Zivilgesellschaft als räumliches Konzept sieht. Es wird ein Raum bzw. eine Sphäre der Interaktionen zwischen Individuen und dem Staat definiert. Dieser Raum enthält bestimmte Bedingungen, denn Menschen sollen nach wesentlichen und normativen Zielen unabhängig von Regierung und Markt kollektiv handeln (vgl. Edwards 2011, 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zivilgesellschaft und Soziale Bewegungen: Einleitung in die begriffliche Komplexität und Definition von Zivilgesellschaft sowie sozialen Bewegungen anhand etablierter theoretischer Ansätze.
2. Funktionen der Zivilgesellschaft in der Demokratie: Untersuchung der Rolle als Kontrollmacht gegenüber staatlichen Institutionen und als Raum für politische Bildung sowie gesellschaftliche Partizipation.
3. Unzivile Zivilgesellschaft und ihre Abgrenzung: Analyse der kritischen Grenzen zivilgesellschaftlichen Engagements und der Abgrenzung zu antidemokratischen oder gewaltvollen Bestrebungen.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Kontextabhängigkeit zivilgesellschaftlicher Akteure und ihrer Bedeutung für die Stärkung demokratischer Prozesse.
Schlüsselwörter
Zivilgesellschaft, Soziale Bewegungen, Demokratie, Partizipation, Sozialkapital, Kontrollmacht, Unzivile Gesellschaft, Rumänischer Herbst, Transformation, Politische Bildung, Demokratisierung, Engagement, Kollektive Identität, Civic Skills, Institutionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition und der gesellschaftspolitischen Rolle der Zivilgesellschaft, insbesondere in Bezug auf ihre Funktionen innerhalb demokratischer Systeme.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Zivilgesellschaft, deren positive Beiträge zur Demokratie, die Rolle sozialer Bewegungen sowie die problematische Abgrenzung zur unzivilen Zivilgesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Funktionen von Zivilgesellschaft in Demokratien herauszuarbeiten und zu analysieren, unter welchen Bedingungen zivilgesellschaftliches Engagement auch problematisch oder destruktiv wirken kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, ergänzt durch die Veranschaulichung anhand ausgewählter Fallbeispiele wie dem „Rumänischen Herbst“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene theoretische Zugänge zur Zivilgesellschaft gegenübergestellt, deren demokratiefördernde Funktionen erläutert und die Abgrenzung zum Begriff der „unzivilen Zivilgesellschaft“ kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Zivilgesellschaft, Demokratie, soziale Bewegungen, Partizipation, Sozialkapital und die Problematik unzivilen gesellschaftlichen Engagements.
Wie unterscheidet sich die Rolle von sozialen Bewegungen von der der Zivilgesellschaft?
Während die Zivilgesellschaft als übergreifender Raum verstanden wird, werden soziale Bewegungen als spezifische, informelle und netzwerkartige Gruppen definiert, die häufig durch eine kollektive Identität verbunden sind.
Warum ist das Fallbeispiel des „Rumänischen Herbstes“ relevant?
Es veranschaulicht, wie Zivilgesellschaft durch politische Proteste „Civic Skills“ bei den Bürgern fördern und die Verbindung zur Diaspora stärken kann, auch wenn sie die Politik nicht direkt verändert hat.
Was macht eine Zivilgesellschaft laut Text „unzivil“?
Eine Zivilgesellschaft gilt dann als unzivil, wenn ihr grundlegende demokratische Standards, wie etwa die Legalität oder eine liberale „civic mindedness“, fehlen oder sie demokratiefeindliche Werte mobilisiert.
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- Luana Luisa Heuberger (Author), 2020, Zivilgesellschaft und Soziale Bewegungen. Funktion der Zivilgesellschaft in einer Demokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1000833