In dieser Arbeit wird es um das informelle Lernen im schulischen Setting gehen. Es sollen vor allem die Möglichkeiten und Grenzen sowie gerade bei den Peer-Beziehungen auch auf Gefahren des informellen Lernens in verschiedenen schulischen Settings anhand aktueller Literatur und Untersuchungen gegeneinander abgewogen werden.
Im Seminarkontext spielt gerade das informelle Lernen eine recht zentrale Rolle. Im Seminar ging es um Lern- und Bildungsprozesse im Jugendalter. Gerade durch das informelle Lernen werden soziale Kompetenzen ausgebildet. Auch diese wurden im Seminar vertieft behandelt.
Wenn man die Literatur zum Thema informelles lernen betrachtet, fällt schnell auf, dass das Leben und Lernen der Kinder und Jugendlichen im meist außerschulischen Alltag, oft auch in der Familie, am Arbeitsplatz, also auch außerschulisch stattfindet. Außerdem steht die Beschäftigung mit neuen Medien oder Technologien außerhalb der Schule im Vordergrund. Dies erscheint auf den ersten Blick auch nicht weiter verwunderlich, da der Begriff des informellen Lernens gerade in Abgrenzung zu institutionalisierten Lern- und Bildungsprozessen entstand. Ältere Debatten und Standpunkte der Forschung plädierten dafür, das informelle Lernen strikt von den formalen Institutionen zu trennen, da es gerade durch das Nichtvorhandensein dieser organisatorischen Strukturen gekennzeichnet sei. Jüngere Debattenbeiträge hingegen, gehen davon aus, dass informelles Lernen auch in formalen Umgebungen stattfinden kann und auch stattfindet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Theorie des informellen Lernens in der Schule
3. Möglichkeiten und Grenzen informellen Lernens in unterschiedlichen schulischen Settings
3.1 Projektarbeit und Epochenunterricht
3.2 Ganztagsangebote
3.3 Unterrichtspausen und Peergroups
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung und Ausprägung informeller Lernprozesse innerhalb des formalen Bildungsraums Schule. Dabei wird der Fokus insbesondere auf das Spannungsfeld zwischen strukturellen Vorgaben und den eigenständigen Lern- und Sozialisationserfahrungen der SchülerInnen gelegt, um Möglichkeiten, Grenzen und potenzielle Risiken in verschiedenen schulischen Settings zu identifizieren.
- Theoretische Einbettung des informellen Lernens und des „heimlichen Lehrplans“.
- Analyse informeller Lernprozesse in Projektarbeit und Epochenunterricht.
- Evaluation von Ganztagsangeboten als non-formale Lernräume.
- Bedeutung von Peer-Beziehungen und Peergroups für die soziale Kompetenzentwicklung.
Auszug aus dem Buch
3.3 Unterrichtspausen und Peergroups
Zentral für die Zeit, die Schüler auf dem Schulhof verbringen, ist das „Räume gliedern“ und „Territorien bilden“ (Coelen et al. 2016, S. 335 – Hervorh. i. O.). Dabei ziehen die SchülerInnen Grenzen, imaginäre sowie reale, die ihren Schulhof in verschiedene Zonen unterteilen. Dieses Einteilen und auch das Verteidigen dieser Territorien fördert die Entwicklung von sozialen Kompetenzen. Die Kinder und Jugendlichen lernen hierbei, miteinander zu kooperieren. Laut Derecik stellt der Schulhof einen „prädestinierten Ort des informellen Lernens dar“ (ebd, S. 335).
In diesen Territorien, die die SchülerInnen verteidigen, finden sich Peergroups zusammen, denen die SchülerInnen angehören. Peergroups sind frei übersetzt eine Gruppe von Gleichaltrigen. In diesen Peergroups machen die SchülerInnen zum ersten Mal die Erfahrung, dass sie mit ihrem eigenen Verhalten und ihrer eigenen Leistung die Anerkennung der anderen Peergroup-Mitglieder beeinflussen können. In den Peergroups lernen sie auch, wie wichtig diese Beziehungen sind und dass sie in die Verbindungen investieren müssen, um sie aufrecht zu erhalten. Hier lernen sie Schlüsselqualifikationen, die sie in ihrem späteren Leben als Grundlage zur Entstehung und Erhaltung von sozialen Beziehungen benötigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert informelles Lernen in Abgrenzung zur Institution Schule und skizziert den Aufbau sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Die Theorie des informellen Lernens in der Schule: Es wird die theoretische Grundlage erarbeitet, wobei insbesondere das Konzept des „heimlichen Lehrplans“ nach Zinnecker als Rahmen für informelle Lernprozesse im Klassenzimmer beleuchtet wird.
3. Möglichkeiten und Grenzen informellen Lernens in unterschiedlichen schulischen Settings: Das Hauptkapitel analysiert konkrete schulische Bereiche wie Projektarbeit, Ganztagsangebote und die Bedeutung von Peer-Interaktionen hinsichtlich ihrer informellen Lernchancen und Risiken.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit synthetisiert und weiterführende Perspektiven für die zukünftige Forschung im Bereich des informellen Lernens in formalen Strukturen aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Informelles Lernen, Schule, heimlicher Lehrplan, Projektarbeit, Epochenunterricht, Ganztagsangebote, Peergroups, Peer-Beziehungen, soziale Kompetenz, Sozialisation, SchülerInnen, Bildungsprozesse, Schulentwicklung, Interaktion, Lernsettings.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Relevanz von informellem Lernen innerhalb des institutionalisierten schulischen Kontextes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem „heimlichen Lehrplan“, unterschiedlichen schulischen Settings wie Projektunterricht und Ganztagsangeboten sowie der hohen Bedeutung von Peergroups für die soziale Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren informellen Lernens in verschiedenen schulischen Situationen anhand aktueller Literatur und Studien kritisch abzuwägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Studienanalyse, um den theoretischen Diskurs aufzuarbeiten und die verschiedenen schulischen Settings in Bezug auf informelle Lernprozesse zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des heimlichen Lehrplans, die Untersuchung von Unterrichtsformen (Projektarbeit, Epochenunterricht) sowie die Analyse von Ganztagsangeboten und der sozialen Dynamik in Peergroups.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind informelles Lernen, Peer-Beziehungen, heimlicher Lehrplan, soziale Kompetenzen und schulische Settings.
Welche Funktion hat der „heimliche Lehrplan“ in der Schule?
Der heimliche Lehrplan dient als Rahmen, in dem SchülerInnen durch informelles Lernen Verhaltensmuster und soziale Normen erlernen, die über den expliziten Lehrplan hinausgehen.
Warum haben Peergroups eine ambivalente Bedeutung für die Sozialisation?
Einerseits fördern sie soziale Kompetenzen und bieten Schutzräume, andererseits können sie in einer „kontrollarmen Welt“ auch Risiken bergen, wie etwa die Entwicklung gewaltaffiner Verhaltensweisen.
Welchen Einfluss hat die Ganztagsbildung auf das informelle Lernen?
Ganztagsangebote bieten durch die Vernetzung von Schule und außerschulischen Partnern neue Räume für informelle Lernprozesse, die von SchülerInnen oft positiver wahrgenommen werden als verpflichtender Unterricht.
- Arbeit zitieren
- Tim Sammel (Autor:in), 2014, Das informelle Lernen. Möglichkeiten und Grenzen des informellen Lernens in unterschiedlichen schulischen Settings, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1000758