Diese Hausarbeit untersucht die Bewegung im Ankommen oder im vermeintlichen Angekommensein im Film "Heute bin ich Samba" (2014). Behandelt werden dabei verschiedene Aspekte wie die Identitätsfrage, sowie die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.
"Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt verlassen ihre Heimat, um ihren Lebensmittelpunkt an einen anderen Ort zu verlegen. Mehr als 150 Millionen Menschen weltweit leben als Migranten in einem Staat, der nicht ihre ursprüngliche Heimat ist."
Die Gründe dafür sind ebenso vielfältig wie die Ziele, die am Ende des Aufbruchs oder der Flucht stehen. Das Einzige, was all diese Menschen gemeinsam haben, ist die Bewegung an sich, die früher oder später auf physische wie auch psychische Grenzen
stößt.
Die jeweilige Verlaufsform der Bewegung eines Individuums ist daher niemals linear, sondern ergibt sich während der Reise aus Reaktionen auf Situationen und durch das Austesten von Grenzen. Ob das einzelne Individuum jemals
ankommt, bleibt oder weiterzieht, resultiert aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung – Bewegung im vermeintlichen Angekommensein
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Die Identitätsfrage
2.1.1 Nomadismus und Migration
2.1.2 Doppel-R-Axiom
2.1.3 Identität
2.2 Grenzkonzept: Arbeitskraft versus Mensch
3 Bewegung in Heute bin ich Samba
3.1 Abschiebehaft
3.2 Arbeit
3.3 Identität
4 Fazit – Integration durch Bewegung ungleich erfolgreiche Immigration
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht anhand des Spielfilms "Heute bin ich Samba", inwiefern die Bewegung von Migranten nach der Ankunft in einem neuen Land fortdauert und wie sich dieser Zustand auf die Identitätsbildung und die Teilhabe am Arbeitsmarkt auswirkt.
- Analyse des Migrationskonzepts der Bewegung im Ankommen
- Bedeutung der Identitätsfrage im Kontext von Nomadismus und Entidentifizierung
- Darstellung der Diskrepanz zwischen Arbeitskraft und rechtlicher Stellung
- Untersuchung der Lebensrealität von Migranten ohne Aufenthaltsrecht
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Nomadismus und Migration
Die beiden Theoretiker Dimitris Papadopoulos und Vassilis Tsianos argumentieren, dass „[d]as Diktum des Nomadismus: ‘Man kommt niemals irgendwo an’ [...] die Matrix der heutigen Migrationsbewegung [bildet].“ (Papadopoulos/Tsianos 2008, 1) Ebenso wie die Nomaden seien Migranten unterwegs, ohne einen Ort zu haben, zu dem sie zurückkehren oder an dem sie zweifellos ankommen und bleiben könnten, sodass sie lediglich das Begehren hätten, zwei Punkte miteinander zu verbinden und letztlich immer den Raum dazwischen besetzen würden. (Papadopoulos/Tsianos 2008, 2)
Entgegen des allgemeinen Verständnisses von Migration als ein zielgerichteter, geplanter Mobilitätsprozess, weisen Papadopoulos und Tsianos darauf hin, dass Migration „durch die steten Verlagerungen und radikalen Neuartikulationen individueller Bewegungsbahnen gekennzeichnet [sei]“ (Papadopoulos/Tsianos 2008, 2) und demnach nicht durch die Verbindung eines Start- und eines Ankunftspunkts definiert werden könne. Viel mehr würden sich Migrantinnen und Migranten auf einen Weg begeben, der sich während der Reise ständig neu definiere und die Reisenden in eine Vielzahl unterschiedlicher sozialer Netzwerke und Gesellschaften treten ließe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung – Bewegung im vermeintlichen Angekommensein: Einführung in die Thematik der andauernden Migrationsbewegung und Erläuterung der Zielsetzung sowie der methodischen Herangehensweise der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen: Erläuterung des Migrationskonzepts der Bewegung, der Identitätsfrage sowie des Grenzkonzepts zwischen Arbeitskraft und menschlichen Rechten.
3 Bewegung in Heute bin ich Samba: Filmanalytische Untersuchung der Lebenssituation des Protagonisten Samba in den Bereichen Abschiebehaft, prekäre Arbeit und Identitätswandel.
4 Fazit – Integration durch Bewegung ungleich erfolgreiche Immigration: Zusammenfassende Bewertung der These, dass soziale Integration nicht zwangsläufig zu einer rechtlich gesicherten Immigration führt.
Schlüsselwörter
Migration, Bewegung, Identität, Nomadismus, Arbeitskraft, Abschiebehaft, Entidentifizierung, Integration, Prekarität, Heute bin ich Samba, Grenzkonzept, Aufenthaltsrecht, Soziale Ungleichheit, Transnationaler Raum, Unfreie Lohnarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der "Bewegung im Ankommen" und beleuchtet am Beispiel des Films "Heute bin ich Samba", wie Migration als dauerhafter Prozess verstanden werden kann, der auch nach der physischen Ankunft andauert.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Migrationskonzept der ständigen Bewegung, die Problematik der Identitätsbildung unter behördlichem Druck sowie die prekäre rechtliche und ökonomische Situation von Migranten ohne Aufenthaltsstatus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass eine soziale Integration in eine fremde Kultur nicht mit einer erfolgreichen Immigration, definiert durch rechtliche Absicherung, gleichzusetzen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen medienkulturwissenschaftlichen Blickwinkel, um den Spielfilm "Heute bin ich Samba" als stereotypisierten Gegenstand zur Veranschaulichung theoretischer Migrationskonzepte zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Identitätsfragen und Arbeitsmarktzugänge sowie eine spezifische Filmanalyse, die die Phasen Abschiebehaft, Arbeitsalltag und Identitätswechsel des Protagonisten untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Nomadismus", "Entidentifizierung", "Doppel-R-Axiom" und die Unterscheidung zwischen der "freien" und "unfreien" Lohnarbeit innerhalb eines Staates.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Films?
Der Film wird als fiktionale Tragikkomödie betrachtet, die zwar die Realität verschönert, aber dennoch als adäquater medienkulturwissenschaftlicher Gegenstand dient, um die unstete Lebensrealität von Migranten darzustellen.
Was bedeutet die "Strategie der Entidentifizierung" im Kontext der Arbeit?
Sie beschreibt den Versuch von Migranten, sich staatlichen Kontrollmechanismen zu entziehen, indem sie ihre offizielle Identität ablegen, was zu einer Form der "freiwilligen Entmenschlichung" führen kann, um Mobilität zu ermöglichen.
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- Lynn Schwamberg (Author), 2018, Das Migrationskonzept im Film "Heute bin ich Samba", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1000538