Diese Hausarbeit gibt einen Einblick in die Behandlung und Therapie von multimorbiden, hochaltrigen Patienten auf deutschen Intensivstationen und möchte verschiedene alternative Möglichkeiten aufzeigen, die die Tätigkeit in einem ohnehin hochsensiblen Bereich für alle Beteiligten zu einem respekt- und würdevollen Ort machen.
Die Verfasserin der Arbeit ist seit 15 Jahren auf verschiedenen Intensivstationen deutschlandweit tätig. Zuletzt arbeitete sie, insgesamt siebeneinhalb Jahre, als Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Anästhesie und Intensivpflege in einem Krankenhaus der Maximalversorgung in Köln. Aktuell ist sie, seit dem 01.10.2019 in einer leitenden Position in einem Haus der Grund- und Regelversorgung als Stationsleitung der Intensivstation angestellt.
Zurückblickend hat sie im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit immer wieder Situationen erlebt, wo sie durch die heillose Übertherapie mit meist eklatantem Verlauf und infaustem Ausgang von multimorbiden und hochaltrigen Patienten an ihre körperlichen und psychischen Grenzen der Belastbarkeit gestoßen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Relevanz für die eigene Praxis
3 Ökonomisierung der stationären Krankenhausbehandlung
3.1 Krankenhausfinanzierung
3.2 Demografische Entwicklung in Deutschland
4 Multimorbide, hochaltrige Patienten auf der Intensivstation
4.1 Definition Multimorbidität
4.2 Definition Hochaltrigkeit
4.3 Der hochaltrige Patient auf der Intensivstation
5 Chancen für Patienten und Angehörige
5.1 Patientenverfügung
5.2 Vorsorgevollmacht
5.3 palliativ statt intensiv ?
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die intensivmedizinische Behandlung von multimorbiden, hochaltrigen Patienten und beleuchtet das kritische Spannungsfeld zwischen ökonomischen Fehlanreizen im Krankenhauswesen und dem Patientenwillen am Lebensende.
- Ökonomisierung der Krankenhausfinanzierung und ihre Auswirkungen auf die Versorgungsqualität.
- Herausforderungen der demografischen Entwicklung für das Gesundheitssystem.
- Definition und Problematik von Multimorbidität und Hochaltrigkeit in der Intensivmedizin.
- Bedeutung von Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten zur Wahrung der Selbstbestimmung.
- Potenziale der Palliativmedizin als ethische Alternative zur Übertherapie.
Auszug aus dem Buch
4.3 Der hochaltrige Patient auf der Intensivstation
Um einen ersten Eindruck von den Gegebenheiten einer Intensivstation zu erlangen, dient die folgende Abbildung (Abb. 2). Die fotografisch festgehaltene Momentaufnahme zeigt einen vermutlich hochaltrigen Mann, das genaue Alter ist nicht bekannt, welcher im Rahmen der bereits eingeleiteten Beatmungstherapie wahrscheinlich in einem künstlichen Koma liegt. Betrachtet man die Szenerie weiter, so kann man unweigerlich feststellen, dass zahlreiche Medikamente mittels Spritzenpumpen über einen großlumigen zentralen Venenkatheter, der hier an der linken Halsseite sichtbar wird, infundiert werden.
Dies geschieht einerseits, um die vitalen Kreislauffunktionen zu stabilisieren bzw. aufrechtzuerhalten und andererseits, um die künstliche Narkose fortbestehen zu lassen. Weiterführend wird der abgebildete Patient über eine Magensonde, die über die Nase in den Magen eingelegt wird, künstlich ernährt. Vorne rechts im Bild lässt sich eine Dialysemaschine erkennen, was darauf schließen lässt, dass die Nierenfunktion des Patienten nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr vorhanden ist. Die Filtration von toxischen Stoffen und die Ausscheidung als solches, muss von einem externen Gerät übernommen werden. Abschließend lässt sich feststellen, dass der hier abgebildete Patient an den Händen fixiert ist. Dies ist in der Praxis eine gängige Methode um die Bewegungsfreiheit des Patienten, im Sinne des „Lifeline-Schutz“, einzuschränken. „Lifeline-Schutz“ bedeutet in diesem Zusammenhang, den Patienten davor zu bewahren, sich bei evtl. Aufwachreaktionen und/oder Abwehrbewegungen versehentlich selbstständig die lebenswichtigen Zugänge zu ziehen und sich infolgedessen einer kritischen lebensbedrohlichen Situation auszusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der intensivmedizinischen Übertherapie ein und stellt das Ziel der Arbeit dar, ein Umdenken in der stationären Versorgung zu fördern.
2 Relevanz für die eigene Praxis: Die Verfasserin reflektiert ihre langjährige Erfahrung in der Intensivpflege und begründet ihre Motivation, die Schattenseiten der Übertherapie kritisch zu hinterfragen.
3 Ökonomisierung der stationären Krankenhausbehandlung: Das Kapitel analysiert den Einfluss betriebswirtschaftlicher Logik auf die Patientenversorgung und diskutiert die Auswirkungen des DRG-Fallpauschalensystems sowie den demografischen Wandel.
4 Multimorbide, hochaltrige Patienten auf der Intensivstation: Es werden die medizinischen und soziologischen Definitionen von Multimorbidität und Hochaltrigkeit definiert und die prekäre Lage dieser Patientengruppe auf Intensivstationen aufgezeigt.
5 Chancen für Patienten und Angehörige: Die Bedeutung von Vorsorgeinstrumenten wie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht wird hervorgehoben und die palliative Versorgung als notwendige Alternative zur kurativen Übertherapie diskutiert.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine stärkere gesellschaftliche und politische Debatte über den Tod sowie eine verstärkte Anwendung palliativer Ansätze.
Schlüsselwörter
Intensivmedizin, Übertherapie, Hochaltrigkeit, Multimorbidität, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Ökonomisierung, Krankenhausfinanzierung, Palliativmedizin, demografischer Wandel, Selbstbestimmung, Lebensqualität, Ethik, stationäre Versorgung, Pflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethischen und praktischen Herausforderungen bei der intensivmedizinischen Behandlung multimorbider und hochaltriger Patienten im deutschen Gesundheitssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Spannungsfeld zwischen ökonomischen Fehlanreizen, der zunehmenden Übertherapie und den Möglichkeiten zur Wahrung des Patientenwillens durch Vorsorgedokumente.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Umdenken bei der Behandlung hochaltriger Patienten zu bewirken und alternative, palliativ orientierte Behandlungskonzepte aufzuzeigen, um Übertherapie zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Verfasserin?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten Analyse, die aktuelle Dokumentationen, fachwissenschaftliche Literatur und gesetzliche Rahmenbedingungen auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die ökonomischen Hintergründe des Krankenhauswesens, die Definitionen von Multimorbidität und Hochaltrigkeit sowie die Chancen durch Patientenverfügung und Palliativmedizin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Intensivmedizin, Übertherapie, Patientenverfügung, Palliativmedizin und Ökonomisierung sind die zentralen Begriffe.
Welche Rolle spielt die Ökonomisierung bei der Übertherapie?
Die Arbeit legt dar, dass durch das DRG-System finanzielle Anreize entstehen können, die dazu führen, dass hochpreisige, aber unter Umständen medizinisch nicht sinnvolle Behandlungen fortgesetzt werden.
Warum ist die Patientenverfügung für hochaltrige Menschen besonders wichtig?
Sie dient als rechtliches Instrument, um den eigenen Willen schriftlich zu fixieren und sich vor einer ungewollten Apparatemedizin zu schützen, wenn man selbst nicht mehr entscheidungsfähig ist.
- Quote paper
- Anne Lanser (Author), 2020, Multimorbide Patienten auf der Intensivstation. Bedeutung der Ökonomisierung der stationären Krankenhausbehandlung für Patienten sowie Angehörige, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1000334