Diese Hausarbeit geht der Frage nach, weshalb die soziale Herkunft einen so bedeutenden Einfluss auf den Bildungserfolg von Kindern hat und warum es trotz aller Diskussionen und angeblicher Bemühungen in Deutschland nicht möglich ist, in Bezug auf das Bildungssystem Chancengleichheit für alle zu ermöglichen.
Kaum ein Thema stand unter solch einer medialen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit wie Bildung und im Besonderen das Schulsystem. Nach dem sogenannten Pisa Schock von 2009 sollte sich alles verändern. Diese Studie legte ganz klar offen dar, dass der Bildungserfolg bedeutend von der sozialen Herkunft abhängt und es in Deutschland immer noch eine Bildungsungleichheit gibt.
Es kommt also darauf an, welchen Bildungsabschluss die Eltern eines Kindes besitzen bzw. welchen Beruf sie ausüben, wenn es darum geht die schulische Laufbahn eines Kindes nachzuzeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
2.1 Soziale Herkunft
2.2 Bildungsungleichheit
3 Kapitalsorten nach Pierre Bourdieu
3.1 Ökonomisches Kapital:
3.2 Soziales Kapital:
3.3 Kulturelles Kapital:
4 Habitus Konzept nach Bourdieu
5 Schule als Ort sozialer Selektion
5.1 Bedeutung von Habitus und Kapitalformen für den Schulerfolg
6 Bedeutung des Schulsystems für den Bildungserfolg
7 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der sozialen Herkunft auf die Bildungsungleichheit in Deutschland. Basierend auf den soziologischen Theorien von Pierre Bourdieu wird analysiert, wie unterschiedliche Kapitalsorten und das Habitus-Konzept die schulischen Laufbahnen von Kindern maßgeblich prägen und warum das Schulsystem trotz formaler Gleichheit soziale Selektion reproduziert.
- Soziale Herkunft und sozioökonomischer Status
- Die Kapitalsorten (ökonomisch, sozial, kulturell) nach Pierre Bourdieu
- Das Habitus-Konzept als verinnerlichte Handlungsdisposition
- Mechanismen der sozialen Selektion im gegliederten Schulsystem
- Grenzen der Chancengleichheit in Bildungsinstitutionen
Auszug aus dem Buch
3.3 Kulturelles Kapital:
Für die Erklärung sozialer Ungleichheit im Bildungssystem ist das kulturelle Kapital von besonderer Bedeutung. So lässt sich der Unterschied zwischen den Leistungen von Kindern unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten besonders gut sichtbar machen (vgl. Bourdieu 2006:112.). Dieses Kapital, kann sich in drei Formen zeigen. Als inkorporierte, objektivierte oder aber auch institutionalisierte Form, (ebd. S. 113).
Die inkorporierte Form des Kulturkapitals bedeutet Körpergebundenheit und setzte durch die Bildung einen Verinnerlichungsprozess voraus, welcher vor allem Zeit als Ressource in Anspruch nimmt und ist personengebunden (ebd. S. 114). Dies bedeutet auch wiederum, dass dieses Kapital nicht vererbt oder transformiert werden kann, denn es ist ein Bestandteil also im Besitz einer individuellen Person und stirbt auch mit ihr. Es ist somit auch im hohen Maße mit der Biologie des Menschen verbunden und kann, wenn auch nicht sichtbar, vererbt werden (ebd. S114). Genau dieser nicht sichtbare Prozess der Weitergabe durch Vererbung von kulturellem Kapital ist einer der Gründe, weshalb es oft verkannt und oftmals auch wenig anerkannt wird, auch wenn dieses gerade in den ersten Jahren der Sozialisation bedeutenden Einfluss hat:
[…] - die Voraussetzung zur schnellen und mühelosen Aneignung jeglicher Art von nützlichen Fähigkeiten - ohne Verzögerung und Zeitverlust nur in Familien stattfindet, die über ein so starkes Kulturkapital verfügen, dass die gesamte Zeit der Sozialisation zugleich eine Zeit der Akkumulation ist. Daraus folgt, dass die Übertragung von Kulturkapital zweifellos die am besten verschleierte Form erblicher Übertragung von Kapital ist.“ (ebd. S.116.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die anhaltende Bildungsungleichheit in Deutschland und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg.
2 Begriffsklärung: Hier werden die zentralen Begriffe „Soziale Herkunft“ und „Bildungsungleichheit“ definiert und als sozialwissenschaftliche Konstrukte eingeordnet.
3 Kapitalsorten nach Pierre Bourdieu: Das Kapitel erläutert Bourdieus differenziertes Modell von ökonomischem, sozialem und kulturellem Kapital zur Erklärung sozialer Hierarchien.
4 Habitus Konzept nach Bourdieu: Es wird das Habitus-Konzept eingeführt, das als „Einverleibung“ von Wertvorstellungen und Lebensweisen das Verhalten von Individuen prägt.
5 Schule als Ort sozialer Selektion: Dieses Kapitel verknüpft die Kapital- und Habitus-Theorie mit dem Schulalltag und zeigt die Benachteiligung bildungsferner Schichten auf.
6 Bedeutung des Schulsystems für den Bildungserfolg: Hier wird kritisiert, dass das Schulsystem durch das Prinzip der formalen Gleichheit existierende Ungleichheiten ignoriert und dadurch reproduziert.
7 Fazit: Das Fazit stellt fest, dass soziale Mobilität durch das gegenwärtige Schulsystem nicht gewährleistet wird und das Versprechen der Chancengleichheit eher eine Illusion darstellt.
Schlüsselwörter
Bildung, Soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, Pierre Bourdieu, Kapitalsorten, Kulturelles Kapital, Ökonomisches Kapital, Soziales Kapital, Habitus, Soziale Selektion, Chancengleichheit, Schulerfolg, Bildungssystem, Sozialisation, Einverleibung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden Auswirkungen der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg von Kindern innerhalb des deutschen Schulsystems.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert auf die Soziologie der Bildung, Bourdieus Kapitaltheorien, das Konzept des Habitus sowie die strukturellen Selektionsmechanismen des Schulsystems.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu erklären, warum soziale Herkunft einen so maßgeblichen Einfluss auf Schulerfolg hat und warum Chancengleichheit im Bildungswesen bisher nicht erreicht wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer Fachliteratur, insbesondere der bildungssoziologischen Theorien von Pierre Bourdieu.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Bourdieus Kapitalbegriffe und das Habitus-Konzept sowie die empirisch-analytische Anwendung dieser Theorien auf das gegliederte Schulsystem.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Bildung, soziale Herkunft, Habitus, kulturelles Kapital und soziale Selektion charakterisiert.
Wie unterscheidet Bourdieu zwischen den verschiedenen Kapitalsorten?
Bourdieu differenziert zwischen ökonomischem Kapital (finanzielle Ressourcen), sozialem Kapital (Beziehungsnetzwerke) und kulturellem Kapital (Wissen, Bildungstitel, kulturelle Güter), die gemeinsam die soziale Position bestimmen.
Warum bezeichnet Bourdieu das Erlernen des Habitus als „Einverleibung“?
Der Begriff „Einverleibung“ betont die körperliche Dimension der Sozialisation, bei der Werte und Verhaltensweisen so tief verinnerlicht werden, dass sie zu einem automatisierten, fast unbewussten Teil der Person werden.
Welche Rolle spielt die „formale Gleichheit“ bei der Reproduktion von Ungleichheit?
Indem die Schule alle Kinder gleich behandelt, ignoriert sie deren höchst unterschiedliche soziale Startvoraussetzungen und das ungleiche kulturelle Erbe, was die Benachteiligung benachteiligter Gruppen letztlich legitimiert.
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- Natascha Bosch (Author), 2020, Soziale Herkunft als Grund für Bildungsungleichheit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1000116