Vorwort
Immer mehr zeichnet sich eine Entwicklung unserer Gesellschaft in Richtung Dienstleistungsgesellschaft ab. Vornehmlich der tertiäre Dienstleistungsbereich hat einen immer größeren Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung. Gleichzeitig verschlimmern sich Probleme wie steigende Arbeitslosigkeit und scheinbar nicht finanzierbare Sozial- und Gesundheitspolitik nicht nur aber auch aufgrund zunehmender Alterung der Bevölkerung.
Trotz des Spagats im Gesundheitsbereich zwischen Dienst- und Erwerbswirtschaft können Privatisierungen in einigen Bereichen sinnvoll sein, um die Effizienz zu steigern.
Für Existenzgründungen im Gesundheitsdienstleistungsbereich scheinen sich aufgrund dieser Entwicklungen große Möglichkeiten zu ergeben. Das angeführte Beispiel soll darstellen, wie ein Unternehmenskonzept bzw. ein Businessplan für ein junges Unternehmen (Kleinbetrieb) aussehen könnte, das in diesem Bereich tätig ist bzw. wird.
Hinweis:
Die vorliegende Arbeit wurde gründlich recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen bearbeitet. Trotzdem kann keine Haftung des Autors für Inhalte und/oder deren Umsetzung übernommen werden.
3
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 2
0. Zusammenfassende Vorwegnahme der Ergebnisse 6
1. Wellness als Geschäftsidee. 9
1.1. Allgemeines und Hinführung zum Thema 9
1.2. Die Bedeutung von Gesundheit, Ernährung und Fitness im Geschäftsfeld
Wellness und Definitionen zentraler Begriffe. 13
1.3. Konkretisierung der Idee eines Gesundheitsdienstleistungsunternehmens 15
1.3.1. Die angebotenen Dienstleistungen im untersuchten Unternehmen. 15
1.3.2. Betriebsstandort. 17
1.3.3. Eigenschaften von Gründer und Team. 19
2. Elemente des Konzepts. 20
2.1. Das Organisationskonzept 20
2.1.1. Aufbauorganisation unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsform 21
2.1.2. Ablauforganisation. 25
2.2. Das Marketingkonzept 25
2.2.1. Kundenbedürfnisse 27
2.2.2. Beschreibung von Marktsegmenten. 29
2.2.2.1. Gewerbekunden. 29
2.2.2.2. Endverbraucher 32
2.2.3. Konkurrenzanalyse 33
2.2.3.1. Volkshochschulen 34
2.2.3.2. Krankenkassen 34
2.2.3.3. Staatliche Beratungsstellen 35
2.2.3.4. Freiberufliche Kräfte. 36
2.2.3.5. Fitness-Studios 36
2.2.3.6. Weight Watchers. 36
2.2.3.7. Weitere aktuelle und potenzielle Konkurrenten. 37
2.2.4. Gestaltung der Marketingstrategie zur Schaffung von
Wettbewerbsvorteilen. 37
2.2.4.1. Dienstleistungsangebot. 38
2.2.4.2. Preisgestaltung 39
2.2.4.3. Vertrieb der Dienstleistung 41
2.2.4.4. Kommunikationspolitik. 45
2.3. Konzept zur Personalplanung. 45
2.3.1. Personalbedarfsermittlung. 46
2.3.2. Personalbeschaffung. 48
2.3.3. Personaleinsatz. 50
2.3.4. Personalführung, - motivation und -honorierung. 50
2.3.5. Personalerhaltung und -entwicklung. 55
2.3.6. Personalfreistellung 56
2.4. Finanzierungskonzept. 57
2.4.1. Geplante Investitionen zu Beginn und in den Folgejahren. 58
2.4.2. Finanzbedarf für geplante Investitionen und laufende Kosten. 60
2.4.3. Planzahlen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung des Unternehmens 61
2.4.4. Der Liquiditätsplan als Garant für permanente Liquidität 62
2.4.5. Rentabilitätssteuerung durch angepasstes Controlling. 64
2.4.6. Die geplante Kapitalstruktur 66
2.4.7. Schätzung des Unternehmenswertes 68
4
3. Zeitliche Umsetzung des Konzepts 70
3.1. Schnelles Wachstum als Strategie 70
3.2. Entwicklungsplan und Etappenziele 71
4. Risiken der Unternehmung und Bewältigungsstrategien. 72
Literaturverzeichnis (alphabetisch geordnet) 76
Abbildungsverzeichnis 85
Tabellenverzeichnis. 86
Ehrenw örtliche Erklärung der selbständigen Anfertigung der Arbeit 87
Danksagung 88
„Es gibt Leute, die halten den Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse. Andere meinen, der Unternehmer sei eine Kuh, die man ununterbrochen melken kann. Aber nur wenige sehen in ihm das Pferd, das den Karren
Für meine liebe Oma, Anna Fischl, die am 25.12.2001 überraschend verstorben ist.
0. Zusammenfassende Vorwegnahme der Ergebnisse
In den folgenden Kapiteln wird anhand eines neu gegründeten
Gesundheitsdienstleistungsunternehmens eine Geschäftsplanung (Businessplan) erstellt, anhand dem die Vorgehensweisen und zeitlichen Abläufe, sowie die Ergebnisse für die Zukunft geplant und umgesetzt werden sollen.
Das beschriebene Gesundheitsdienstleitungsunternehmen versteht sich als fachlich kompetenter Gesundheitsdienstleister für gewerbliche Kunden und Endverbraucher. Es bietet sowohl Seminare, Kurse und Beratung als auch Personalleasing für die Bereiche Gesundheit, Ernährung und Fitness an. Gewerbliche Zielgruppen sind Physiotherapiepraxen, ambulante Rehabilitationskliniken, Sportvereine und Sportstudios (Vorträge, Ernährungs- und Fitnessberatung, Produktberatung), Altersheime und Krankenhäuser (z.B. Diabetikerschulungen), Ausbildungsstätten (z.B. Heilpraktiker, Trainer usw.), Betriebe (z.B. Betriebsprävention, "Fit im Job" - Veranstaltungen) über die der Kontakt zum Endverbraucher (z.B. für die Durchführung von Gewichtsreduktionskursen, Rückenschulen) hergestellt wird.
Die gewerblichen Kunden haben den Vorteil durch kompetente Fachkräfte Ihre Angebotspalette erweitern zu können, ohne Ihre eigentlichen Kernkompetenzen vernachlässigen zu müssen. Die Kursprogramme werden in der angebotenen Form nach § 20 Abs. 1 V SGB (Primärprävention) von Krankenkassen bezuschusst.
Da sich die Mehrheit der (noch) jüngeren Bevölkerung immer mehr für die Bereiche Gesundheit und Wellness interessiert, steigt auch das Bedürfnis nach Information zu selbigem Thema. 1 Die immer höhere Lebenserwartung, die zu einer fortschreitenden Alterung der Bevölkerung in den nächsten 30 bis 50 Jahren führt, wird dem Gesundheits- und Wohlbefindensaspekt immer mehr Bedeutung zukommen lassen, da es gilt, sich Vitalität bis ins hohe Alter zu bewahren. 2 Und die Lebenserwartung erhöht
1 vgl. o.V.: Branchenreport Fitness, Wellness und Gesundheit; Deutscher Sparkassen Verlag GmbH,
Stuttgart, 1999, S. 62
2 vgl. Horx-Strathern, Oona/Horx Matthias (Zukunftsinstitut)/Gaspar, Claudia (GfK): Was ist Wellness? -
Anatomie und Zukunftsperspektiven des Wohlfühl-Trends; Eine Publikation des Zukunftsinstituts von
Matthias Horx in Zusammenarbeit mit der GfK Marktforschung; www.zukunftsinstitut.de, S. 12 f.
sich weiterhin rasant. 3 Ein großer Bedarf an Maßnahmen zur gesundheitlichen Prävention ist die Folge. 4 Die rückläufigen Sozialleistungen und steigenden Sozialbeiträge (Krankenversicherung u.ä.) nehmen den Endverbraucher tiefer mit in die Verantwortung, für seine Gesundheit selbst vorzusorgen. Der Markt für private Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen und Wellness steckt nach Expertenmeinung noch in seinen Anfängen und wird in Zukunft weiter wachsen. 5
Speziell geeignete Lösungen mit nachweisbaren Ergebnissen kann nur kompetentes Fachpersonal liefern. Eine Zusammenarbeit sollte nur mit entsprechend ausgebildeten Fachkräften (Ärzte, Ernährungswissenschaftler, Physiotherapeuten, Sozialpädagogen, Sportlehrer, lizenzierte Trainer usw.) erfolgen um für beste Ergebnisse in den jeweiligen Bereichen garantieren zu können. Gerade im Bereich Gesundheitsprävention und auch Rehabilitation ist die Qualität des Produkts und des Personals wichtig. 6 Für gewerbliche Kunden besteht bei dem beschriebenen Unternehmen die Möglichkeit, Fachpersonal stundenweise flexibel zu mieten und damit nur für die Zeit der Beanspruchung des Personals zu bezahlen. Dies ermöglicht eine Kürzung des eigenen Personalstamms und damit einhergehend eine erhebliche Kostenreduktion. Des weiteren werden Kursprogramme angeboten, die Gewerbekunden helfen, neue Kunden anzuwerben und langfristig zu binden. Dies ermöglicht die Erschließung neuer Märkte und Kundensegmente und erhöht gleichzeitig die Auslastung der eigenen Anlage oder Praxis.
Der gewerbliche Kunde stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung und braucht sich um die Abwicklung des Kursprogramms nicht weiter bemühen. Die Abrechnung der Kursgebühren erfolgt direkt mit dem Endverbraucher, so dass der gewerbliche Kunde keinerlei Kostenrisiken für die Ausrichtung von Kursen trägt. Die Auslagerung einiger Bereiche und den Zukauf dieser Dienstleistung gewährleistet Effektivität und Effizienz, die der Gewerbekunde mit eigenem Personal nicht in dieser Qualität und zu diesem Preis bieten kann, wenn Aktualität gewährt sein soll.
3 Globus Infografik GmbH, Hamburg; Nr. 6758: Quelle: Statistisches Bundesamt
4 vgl. o.V.: Branchenreport Fitness, Wellness und Gesundheit; Deutscher Sparkassen Verlag GmbH,
Stuttgart, 1999, S. 151
5 vgl. o.V.: Branchenreport Fitness, Wellness und Gesundheit; Deutscher Sparkassen Verlag GmbH,
Stuttgart, 1999, S. 97
6 vgl. o.V.: Branchenreport Fitness, Wellness und Gesundheit; Deutscher Sparkassen Verlag GmbH,
Stuttgart, 1999, S. 151
Das vermehrte Auslagern von Dienstleistungen (Outsourcing) wird v.a. auch den Gesundheitsdienstleistungsbereich betreffen. 7 Um ein entsprechend großes Umfeld mit den Dienstleistungen abdecken zu können, ist ein gut ausgebautes Netzwerk mit Fachpersonal notwendig. Ziel ist es, bei gleichzeitiger Erschließung eines größeren Kundenkreises, das Team an (freiberuflichen) Mitarbeitern permanent zu vergrößern.
Die Finanzierung des Unternehmens sollte sich aus unterschiedlichen Existenzgründungsdarlehen und einem Eigenkapitalanteil von 15 % der Gesamtinvestitionssumme zusammensetzen.
Durch die überwiegend freiberuflichen Kräfte werden die fixen Kosten des Unternehmens niedrig gehalten. Um schnelles Wachstum zu ermöglichen und Risiken zu mindern ist die Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder einer Aktiengesellschaft (AG) sinnvoll.
Schnelles Wachstum ist ein Hauptziel des betrachteten Unternehmens um Skaleneffekte und langfristig eine Marktführerschaft zu ermöglichen.
7 Vgl. Siedersberger, Petra/von Spreti, Katharina Gräfin,: Personalwirtschaftliche ausstattungsmäßige
Voraussetzungen der Produktion wohlbefindensorientierter Dienstleistungen; Seminararbeit aus dem
Fach Angewandte Wirtschaftslehre des Haushalt am Institut für Sozialökonomik des Haushalts (Prof. Dr.
Dieter Witt), TU München Weihenstephan, 2000, S. 2
1. Wellness als Geschäftsidee
1.1. Allgemeines und Hinführung zum Thema
"Ich achte sehr auf meine Gesundheit" sagen 84 % der 55-69jährigen und fast 90 % der Altersklasse 70+. 8
Die Gesundheits- und Fitnesswelle boomt seit Jahren. Wellness ist zum Trendbegriff geworden. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Gesundheit wird immer mehr zum höchsten Gut aller Bürger. 9 Während in der jüngeren Generation wieder mehr Wert gelegt wird auf Fitness und gutes Aussehen, erntet die wohlhabende Nachkriegsgeneration nun die Früchte ihres arbeitsreichen Lebens, indem sie sich in Kur- und Wellness-Hotels verwöhnen lässt. 10 Gespart wird eher an Gütern des täglichen Bedarfs und weniger an Freizeitgütern. 11 Die in den nächsten 30 Jahren immer mehr alternde Gesellschaft führt zu immer mehr Gesundheits- und Ernährungsbewusstsein und einem wachsenden Bedürfnis nach Information dazu. 12 Wer will schon älter werden, wenn die Lebensqualität in den gewonnenen Jahren zu wünschen übrig lässt?! Das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung betrug im Jahre 2000 40,1 Jahre während es weltweit bei 26,5 Jahren liegt. 13 Dies scheint deswege n interessant, weil 70jährige mehr als doppelt soviel und 75-jährige sogar bis zu sechsmal mehr ausgeben für die Gesundheit als unter 65-jährige. 14 Dass sich die Problematik der Alterung der Bevölkerung noch verschärfen wird veranschaulicht die folgende Abbildung:
8 o.V.: Marketing Anzeigen: Marktmacht Senioren; Axel Springer Verlag AG (Hrsg.); Hamburg, Juni
1998, S. 38
9 vgl. Horx-Strathern, Oona/Horx Matthias (Zukunftsinstitut)/Gaspar, Claudia (GfK): Was ist Wellness? -
Anatomie und Zukunftsperspektiven des Wohlfühl-Trends; Eine Publikation des Zukunftsinstituts von
Matthias Horx in Zusammenarbeit mit der GfK Marktforschung; www.zukunftsinstitut.de, S. 12
10 vgl. Horx-Strathern, Oona/Horx Matthias (Zukunftsinstitut)/Gaspar, Claudia (GfK): Was ist Wellness?
- Anatomie und Zukunftsperspektiven des Wohlfühl-Trends; Eine Publikation des Zukunftsinstituts von
Matthias Horx in Zusammenarbeit mit der GfK Marktforschung; www.zukunftsinstitut.de, S. 13
11 vgl. o.V.: Branchenreport Fitness, Wellness und Gesundheit; Deutscher Sparkassen Verlag GmbH,
Stuttgart, 1999, S. 45
12 Kölzer, Brigitte: Senioren als Zielgruppe - Kundenorientierung im Handel; DUV (Deutscher
Universitätsverlag), 1995, S. 109
13 Globus Infografik GmbH, Hamburg; Nr. 6989: Quelle: United Nations (Population Division)
14 Riedl, Anton: Neue Blockbuster; In: DM EURO extra Geld, Sonderheft Nr.53, 2002, S. 104
Quelle: http: //www.t-online.de/nachrich/inhalte/polnas243.htm, Stand: Mai 2001
In Folge dessen steht der Wunsch nach Gesundheit mit 72 % an erster Stelle von Seniorenwünschen, wie wissenschaftliche Studien zeigen. 15 Dies bietet auch enorme Möglichkeiten für Gesundheitsdienstleistungen. 16 Dass der Bereich Gesundheitsdienstleistungen allgemein eine Branche der Zukunft ist, bezweifelt kaum mehr jemand. 17
Der Gesundheits- und Wellnesssektor wird gemeinhin schon als 6.Kondratieff-Welle betrachtet. 18
Quelle: Stumpf, Ralf (2000): Der sechste Kondratieff. In: Multimind 2/2000. URL:
http://www.healthnlp.de/S/wellness-netzwerk/Tips/K6/k6.html. Stand 07.01.2002.
15 Kölzer, Brigitte: Senioren als Zielgruppe - Kundenorientierung im Handel; DUV (Deutscher
Universitätsverlag), 1995, S. 154
16 vgl. o.V.: Beilage in: Süddeutsche Zeitung Nr. 263; Ausgabe 13./14. Nov. 1999
17 Koch, Zacharias: Gründungsmanagement mit Aufgaben und Lösungen; Oldenbourg Verlag, München,
Wien, 2001, S. 30
18 Stumpf, Ralf (2000): Der sechste Kondratieff. In: Multimind 2/2000. URL:
http://www.healthnlp.de/S/wellness-netzwerk/Tips/K6/k6.html. Stand 07.01.2002.
Diese Ansicht beruht unter anderem auf den zunehmenden gesundheitlichen Risiken wie Übergewicht, Rückenprobleme und Stress, welche ein breites Tätigkeitsfeld für gesundheitlich orientiertes Fachpersonal darstellen. Abgesehen von ethischen Aspekten scheint hier vor allem eine Kostenreduzierung im Gesundheitswesen durch entsprechende primärpräventive Maßnahmen möglich. Aus gesetzlicher Sicht wurden Förderungsmöglichkeiten hierfür bereits durch die Gesundheitsreform 2000 (§ 20 Abs. 1 SGB V) ermöglicht. Es besteht Einigkeit darüber, dass dieser Bereich ein bisher nicht ausgeschöpftes Potenzial enthält, das in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verstärkt beachtet werden muss um die Ausgaben der Krankenkassen reduzieren zu können. Allein mit besserer Prävention sind jährliche Einsparungen im Bereich von 3 bis 4 Mrd. DM (eigene Umrechnung: 1,53 bis 2,05 €) denkbar. 19 Die stetig steigenden Ausgaben im Gesund heitswesen machen klar, dass dringender Handlungsbedarf besteht.
Abbildung 3: Ausgabenentwicklung des Gesundheitswesens von 1970 bis 2000
Auch und gerade in diesem Bereich wird das Auslagern von Dienstleistungen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einen erheblichen Aufschwung erleben. 20
19 vgl. Heckel, Margaret: Das deutsche Gesundheitssystem ist krank; In: Financial Times Deutschland,
31.08.01, S. 9
20 Witt, Dieter: Verbraucherhaushalte; In: Management-Enzyklopädie, Band 9, 2. Auflage, Landsberg am
Lech, 1985; S. 486
Somit wird der Dienstleistungsbereich der mit Abstand interessanteste Bereich für Existenzgründungen in den nächsten Jahren. 21
Der Dienstleistungsbereich lässt sich in drei Sektoren unterteilen: Den primären Bereich (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei), den sekundären Bereich (Verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe) und den tertiären Bereich (Handel, Versicherungen, Vermietung, Verkehr, sonstige Dienstleistungen u.ä.). 22
Dass hierbei gerade der tertiäre Sektor immer wichtiger wird zeigt die folgende Grafik:
Schon im Jahre 1999 betrug der Umsatz der gesamten Wellness-Branche 121,5 Mrd. DM (eigene Umrechnung: 62,1 Mrd. €). 23 Für Deutschland wurde den Dienstleistungsbetrieben für das Jahr 2001 ein Umsatz von 3,1 Mrd. DM (eigene Umrechnung: 1,6 Mrd. €) prognostiziert. 24 In Deutschland wurden im Jahre 2000 in den Segmenten „Gesundheit und Wohlbefinden“ gut 21 Mrd. DM (eigene Umrechnung:
21 Müller-Michaelis, Matthias: Checklisten Existenzgründung; Südwest Verlag GmbH, München, 1999;
S. 72
22 vgl. Corsten, Hans: Dienstleistungsmanagement; 4. bearbeitete und erweiterte Auflage, R. Oldenbourg
Verlag, München, Wien, 2001, S.11 f.
23 Globus Infografik GmbH, Hamburg; Nr. 6829: Quelle: Lebensmittelzeitung
24 vgl. Hoerner, Katrin: Fitness & Wellness - Rund ums Wohlbefinden; In: Focus Online (2000); zitiert
bei: Fazlibasic, Mujkic Edveta: Wohlbefinden als Betriebliche Dienstleistung: Empirie und Theorie;
Seminararbeit aus dem Fach Angewandte Wirtschaftslehre des Haushalt am Institut für Sozialökonomik
des Haushalts (Prof. Dr. Dieter Witt), TU München Weihenstephan, 2000
10,7 Mrd. €) umgesetzt, bis zum Jahre 2003 wird sich diese Summe schätzungsweise bis auf 145 Mrd. DM (eigene Umrechnung: 74,1 Mrd. €) erhöhen. 25 Und das Wachstum scheint sich Jahr für Jahr fortzusetzen. Man geht von jährlichen Wachstumsraten im Bereich 4-5 % aus. 26
Dies sind nur einige von unzähligen Ergebnissen, die die Gründung eines Unternehmens im Bereich Gesundheitsdienstleistungen sinnvoll erscheinen lassen. Da eine Existenzgründung eine sorgfältige Bearbeitung und Planung erforderlich macht, ist die Anfertigung eines Geschäftskonzeptes bzw. Businessplanes eine sinnvolle Möglichkeit, sich mit den Problemen und Erfordernissen eines neu gegründeten Unternehmens auseinander zu setzen. Zielsetzung der folgenden Überlegungen und Ausführungen ist unter anderem eine Betrachtung und Beurteilung der Eignung des Gründerteams, der Geschäftsidee und eine Bestimmung des Ausmaßes der benötigten finanziellen Mittel. Außerdem soll überprüft werden, ob die Umsätze eine oder sogar mehrere tragfähige Vollexistenzen ermöglichen. Die Markt- und Zielgruppenanalysen bilden hierzu einen wichtigen Überblick.
1.2. Die Bedeutung von Gesundheit, Ernährung und Fitness
im Geschäftsfeld Wellness und Definitionen zentraler Begriffe
Für den Begriff „Wellness“ gibt es keine eindeutige Definition. Meist versteht man darunter eine Mischung aus Gesundheit, Ernährung, Fitness, seelischer Ausgeglichenheit und Wohlfühlen. Im folgenden soll die im folgenden aufgeführte Definition verwendet werden.
Da der Begriff „ Wellness“ in den letzten Jahren geradezu inflationär gebraucht und teilweise auch missbraucht wurde, scheint es, als würde dieser immer mehr vom neuen Trendbegriff „Gesundheit“ abgelöst. Nie zu vor hatte Gesundheit einen so hohen Stellenwert wie in diesen Tagen. 27
25 vgl. Mühlhausen, Corinna: Future Health - Der “Megatrend Gesundheit” und die Wellness-
Gesellschaft; Eine Studie des VNR Verlags für die Deutsche Wirtschaft AG erstellt durch das
Zukunftsinstitut von Matthias Horx, S. 7
26 vgl. N.N.: Die gesunde Kaufkraft; In: Lebensmittelzeitung spezial. Wellness, (2000), Heft 2, S.14;
zitiert bei: Meier, Julia/Goerges Stefanie: Marketing für wohlbefindensfördernde Leistungen und
Betriebe; Seminararbeit aus dem Fach Angewandte Wirtschaftslehre des Haushalt am Institut für
Sozialökonomik des Haushalts (Prof. Dr. Dieter Witt), TU München Weihenstephan, 2000
27 vgl. Mühlhausen, Corinna: Future Health - Der “Megatrend Gesundheit” und die Wellness-
Gesellschaft; Eine Studie des VNR Verlags für die Deutsche Wirtschaft AG erstellt durch das
Zukunftsinstitut von Matthias Horx, S. 3
Um eventuelle Unklarheiten und Missverständnisse ausschließen zu können, sollen im folgenden auch einige häufig verwendete Begriffe näher erläutert werden. Die Definitionen sind zum Teil aus bereits vorhandener Fachliteratur entnommen (siehe Angabe) oder entsprechend selbst erörtert.
Businessplan:
Unter einem Businessplan versteht man ein aussagefähiges Geschäftskonzept, das der Unternehmer bzw. das Management anfertigt, um Planung und Umsetzung der zukünftigen Tätigkeiten zu optimieren. Er enthält in der Regel eine kurz-, mittel- und langfristige Strategie zur Erreichung der gesetzten Ziele. In Nordamerika wird die Vorlage eines solchen Geschäftskonzeptes als selbstverständlich von eventuellen Kapitalgebern angesehen, um sich ein Bild von der Trägfähigkeit des neu gegründeten Unternehmens verschaffen zu können. 28 Neben der Aufgabe als externes Kommunikationsinstrument hat der Businessplan auch seine Berechtigung als internes Planungs- und Controllinginstrument. Der oder die Gründer sind damit gezwungen, eine schlüssige Planung zu erstellen und können dann bei eventuellen Abweichungen schneller und effektiver reagieren. Für Jungunternehmer ist der Businessplan gleichzeitig die Visitenkarte für den Eintritt in die Geschäftswelt.
Gesundheitsdienstleistungen:
Gesundheitsdienstleistungen sind alle Dienstleistungen, die in irgendeiner Weise Einfluss auf das Befinden und Wohlergehen des Empfängers der Dienstleistung nehmen. Im geplanten Fall üben sie einen positiven bzw. gesundheitsfördernden Einfluss aus. Beispiele wären eine Arztbehandlung, Ernährungsberatung und Trainingsbetreuung.
Wellness:
Für den Begriff „Wellness“ existiert keine eindeutige Beschreibung. Im folgenden soll die Definition von Hans Döring verwendet werden:
Unter Wellness versteht man den „Zustand des umfassenden Wohlbefindens undempfindens im körperlichen, seelisch-geistigen und sozialen Lebensraum des einzelnen
28 vgl. Koch, Zacharias: Gründungsmanagement mit Aufgaben und Lösungen; Oldenbourg Verlag,
München, Wien, 2001, S. 107
Menschen“. 29 Durch unterschiedliche gesundheitsfördernde Maßnahmen (Ernährung, Bewegung, Entspannung,...) soll dieser Zustand erreicht und stabilisiert werden.
Quelle: Thielecke, Daniela: Situationsanalyse und Konsequenzen für das Marketing-Mix im
Wellness-Bereich für ein „Slender You - Studio“; unveröffentlichte Diplomarbeit, eingereicht an
der TU Bergakademie Freiberg, Lehrstuhl für Marketing und Internat. Handel, Prof. Enke, S. 31
1.3. Konkretisierung der Idee eines
Gesundheitsdienstleistungsunternehmens
1.3.1. Die angebotenen Dienstleistungen im untersuchten Unternehmen
Durch die Gesundheitsreform 2000 wurde im Bereich Primärprävention (nach § 20 Abs. 1 SGB V) eine Bezuschussung von entsprechenden Leistungen wieder möglich gemacht. Auch für private Unternehmen ist somit das Anbieten eines entsprechenden Kurs- und Seminarprogramms wieder interessanter geworden. Hierbei müssen alle Anforderungen der kassenärztlichen Vereinigung und der Spitzenverbände der Krankenkassen erfüllt sein, um eine Förderung möglich zu machen. Neben geeignetem Fachpersonal für die Kursdurchführung, müssen Kurskonzepte einen
29 vgl. Döring, Hans et al.: Wellness im Alter: Bewegung und Ernährung?!, Band 1, 1.Aufl. Erlensee
1991, S. 11; zitiert bei: Freitag, Stefanie/Gregor, Alexandra: Wellness im Alterheim; Seminararbeit aus
dem Fach Angewandte Wirtschaftslehre des Haushalt am Institut für Sozialökonomik des Haushalts
(Prof. Dr. Dieter Witt), TU München Weihenstephan, 2000
verhaltenstherapeutischen Ansatz aufweisen, um nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten, erfolgversprechend zu sein. Des weiteren finden die Kurstreffen in geschlossenen Gruppen mit einer begrenzten Teilnehmerzahl statt. Bei Teilnahme an mindestens 80 % der stattgefundenen Kurstreffen ist eine Bezuschussung von bis zu 80 % der Teilnahmegebühr (75 € und mehr bei einzelnen Betriebskrankenkassen) möglich.
Gleichzeitig wurde durch Änderungen in § 40 SGB V das „Reha-Konzept“ (gültig ab 01.01.2002) eingeführt. Hierbei soll ein ganzheitlicher Ansatz den Menschen in den Mittelpunkt stellen und eine langfristig erfolgreichere Behandlung sicherstellen. Erforderlich werden dadurch auch Änderungen im Personalbereich: Jedes ambulante Reha-Zentrum benötigt ab 01.01.2002 (Übergangsfrist gewährt bis 31.06.2002) Diplom-Psychologen, Diplom-Sozialpädagogen oder Sozialarbeiter, Diätassistenten oder Diplom-Ökotrophologen, Ergotherapeuten und Ärzte mit höheren Zusatzqualifikationen (Orthopädie mit Schwerpunkt Sozialmedizin oder Rehabilitationswesen). Werden diese Anforderungen nicht erfüllt, kann keine Zulassung für den Bereich ambulante Rehabilitation von den Krankenkassen und Rentenversicherern (LVA bzw. BfA) vergeben werden. 30 Diese Anforderungen vor allem im personellen Bereich können nur von wenigen erfüllt werden. Ein Gesundheitsdienstleistungs- bzw. Personaldienstleistungsunternehmen kann hier das benötigte Fachpersonal auf Stundenbasis zur Verfügung stellen.
Das untersuchte Unternehmen bietet sowohl Seminare, persönliche Beratung als auch Personalleasing in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Fitness an. Gewerbliche Zielgruppen bzw. Kunden sind neben Physiotherapiepraxen mit Fitnessbereich, ambulante Rehabilitationskliniken, Sportvereine und Sportstudios, Altersheime und Kliniken, über die der Endverbraucher erreicht wird.
Notwendig ist hierfür ein Basisprogramm an Seminaren und Vorträgen (entsprechend der Vorgaben der kassenärztlichen Vereinigung bzw. der Spitzenverbände der Krankenkassen), das immer aktualisiert und erweitert wird. Durch die Fachkompetenz der Referenten und regelmäßige Überarbeitung der Konzepte ist eine Aktualität der Seminarthemen und - inhalte stets gegeben.
Eine weitere Geschäftseinheit bildet der Bereich Personalleasing. Hierbei wird durch die Bereitstellung eines Pools an Fachpersonal (im Sinne eines Freiberuflernetzwerkes)
30 vgl. Friedenberger, Julia: Stehen ambulante Reha-Zentren vor dem Aus? In: Passauer Neue Presse
(VBB), 12.01.02, S. 12
ambulanten Rehazentren ermöglicht, die verschärften Zulassungsvoraussetzungen und somit die Anforderungen auf personeller Ebene erfüllen zu können. Da Zeitarbeitsfirmen Fachkräfte meist nicht auf Stundenbasis verleihen, öffnet sich hier ein Nischenmarkt, der bei entsprechend vorhandener Personalausstattung besetzt werden kann. Die Nutzung und Besetzung von Nischenmärkten ist neben Innovation und Differenzierung ein wichtiges Instrument für junge Unternehmen. 31 Eine Kombination der erwähnten beiden Geschäftsbereiche bie tet sich aufgrund ähnlichen Personalbedarfs und Zielgruppen an. Sinnergieeffekte sind somit bei der Umsetzung des Konzeptes zu erwarten. Außerdem bewirkt die resultierende Diversifikation eine Minderung des Risikos, da bei Ausfall eines Geschäftsbereichs, dieser durch den anderen (zumindest teilweise) kompensiert werden kann.
1.3.2. Betriebsstandort
Die Wahl des Betriebsstandorts ist je nach Unternehmung und Art der Niederlassung eine Entscheidung mit meist langfristiger Wirkung. Speziell bei größeren Betrieben kann ein häufiger Standortwechsel mit erheblichen Problemen behaftet sein. Das Ziel des ökonomischen Handelns steht auch hier im Vordergrund. Ausschlaggebend hierfür ist die Differenz zwischen standortbedingten Erträgen und standortabhängigen Aufwendungen. Variablen zur Ermittlung dieser Differenz sind u.a. Transportkosten, Arbeitslöhne, Grundstückspreise, Mieten, Steuerbelastung und Absatzmöglichkeiten. 32 Anhand folgendem Schema können Standorte miteinander verglichen werden. Je nach Gewichtung der unterschiedlichen Einflussfaktoren lässt sich hiermit der optimale Standort bestimmen:
31 vgl. Dowling, Michael/Drumm, Hans-Jürgen (Hrsg.): Gründungsmanagement; Springer-Verlag, Berlin,
Heidelberg, New York, 2002, S. 329
32 vgl. Wöhe, Günter: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre; Verlag Vahlen, München,
19. Auflage, 1996, S. 446
Abbildung 6: Standortbewertung nach unterschiedlichen Einflussfaktoren mit entsprechender
Gewichtung
Quelle: o.V.: Lehrbriefe für Existenzgründerinnen und Existenzgründer Nr. 1: Unternehmensidee
und Business-Plan; entwickelt von IQ Consult GmbH im Auftrag der gsub - Gesellschaft für
soziale Unternehmensberatung mbH, Berlin 1999
Im vorliegenden Fall wird nur ein Büro (als Verwaltungs- und Steuerungszentrale), das den Ablauf und die Koordination des Personaleinsatzes steuert, benötigt, das möglichst zentral im momentan bearbeiteten Einzugsgebiet liegt. Die Absatzmöglichkeiten sind hierbei unabhängig vom Standort. Relevant sind deshalb hauptsächlich die Kosten des ausgewählten Standorts.
Hier bieten sich z.B. Existenzgründerzentren an, die günstige Räumlichkeiten und Bürodienstleistungen für Start Up´s anbieten. Die relative Nähe von mehreren Großstädten wäre ein weiterer positiver Aspekt. Die Anfahr tswege für eventuelle persönliche Kundengespräche werden hierdurch reduziert.
Auf eine Anfrage nach Preis und Größe der angebotenen Büroräumlichkeiten teilte das Existenzgründerzentrum Straubing folgende Konditionen mit: 33
33 Angaben nach: Gründerzentrum Straubing; Europaring 4, 94315 Straubing; Ansprechpartner Herr Dipl.
Betriebswirt (FH) Stefan Niedermeier; Leitung des Zentrums; Stand: September 2001
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Bernd Fischl, 2002, Wellness als Geschäftsidee: Erstellung eines Businessplans für ein Gesundheitsdienstleistungsunternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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Diese Arbeit hat mich vor gut zwei Jahren in der Phase der Ideenfindung stark beeinflusst.
Viel Vergleichbares findet man ja nicht.
Deshalb würde mich ganz besonders interessieren wie sich hier die Zugriffszahlen mit der Zeit entwicklet haben und ob und wenn ja welche Relationen zu den Abverkäufen bestehen.
Und last but not least, was ist aus dieser Unternehmensidee geworden?
am Wednesday, November 09, 2011-