Tanja Kläser 'LH 0XWWHU7RFKWHU%H]LHKXQJ LQ
O¶$PDQW
Seminararbeit im Rahmen des Seminars: „Le roman français contemporain“
Saarbrücken
SS 2000
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2.1 Charakteristika des Verhältnisses zwischen Mutter und Tochter in
Oµ PDQW 5
2.1.1. Kindheit und frühe Jugend 6
2.1.2. Die Liaison mit dem Chinesen und ihre Auswirkungen auf das Mutter
Tochter-Verhältnis 9
2.1.3. Der Tod des jüngeren Bruders und Konsequenzen für die Beziehung
zwischen Mutter und Tochter 10
2.1.4. Der Tod der Mutter 12
2.2 Die Mutter wird zur Schreibschrift 13
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Kläser Tanja: Marguerite Duras 3
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Im Rahmen des Proseminars „Le roman français contemporain“ be-schäftigte ich mich mit der Biografie Marguerite Duras‘. Die „magi-cienne de l’écriture“, wie sie von Jack Lang nach ihrem Tod im März 1996 genannt wurde, hat auch mich in ihren Bann gezogen, sodaß ich nun ihr Leben und ihre Werke näher betrachten möchte. Es geht im besonderen um eine Textanalyse zu O¶$PDQW ; anhand
dieser soll versucht werden, die Selbstfindungsproblematik einer jun-gen Frau auf dem Hintergrund der Mutter-Tochter-Beziehung zu be-leuchten. Beim Herangehen an den Text stellt sich gleich von Anfang an eine gewisse Hermetik zum Inhalt ein. Die problematische Zu-gangsweise zum Inhalt gründet sich in der Symbiose literarischer Ausdrucksformen: einerseits werden von der Autorin bewußt (auto-) biographische Elemente eingesetzt, andererseits arbeitet sie mit fikti-ven Momenten. Teilweise sind beide Ausdrucksformen nicht klar und deutlich zu trennen. Selbst dort, wo man als Leser zunächst den Ein-druck von biographischen Momenten wahrnimmt, bleiben auch diese bei einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Text diffus. Zwar geht es in dieser Arbeit nicht darum, zu untersuchen, ob
/¶$PDQW ein autobiografisches Werk ist oder nicht, doch beim Hinzu-ziehen von Sekundärliteratur wird man zwangsläufig mit dieser Frage-stellung konfrontiert. Da möchte man beispielsweise aus einem Inter-view mit Marguerite Duras zitieren, in dem sie Aussagen über das Verhältnis mit ihrer Mutter macht. Möchte mehr erfahren über das In-nenleben der „Ich-Erzählerin“ in l’Amant, möchte Parallelen zu ihrer Lebensgeschichte ziehen, wenngleich die Autorin betont: „Die Ge-schichte...meines Lebens existiert nicht, oder aber es handelt sich um Lexikologie. Der Roman meines Lebens, unseres Lebens, ja, aber nicht die Geschichte.“ 1
1 „ Die Unbekannte aus der Rue Catinat“ IN: Rakusa, S.162
Kläser Tanja: Marguerite Duras 4
Um diesem oben genannten Dilemma weitestgehend zu entgehen, richtet sich das Augenmerk in diesem Essay zunächst auf die Mutter-Tochter- Beziehung in O¶$PDQW und in einem Unterkapitel (Kapitel 3:
L’ Amant-Erinnerungsarbeit?) wird auf die Frage eingegangen, ob
Marguerite Duras in O¶$PDQW Spuren von sich selbst und ihrem Leben
entziffert.
Ein kurzer Abspann des Werkes, das 1984 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, soll kurz die wesentlichen Situationen widerge-ben:
In /¶$PDQW erzählt die Autorin von einer Mutter, ihren zwei Söhnen
und ihrer Tochter, die im kolonialen Indochina der dreißiger Jahre ein kleinbürgerliches Leben führen. Die Sorge um das tägliche Überleben wird nur noch von der ihrer Ehre, ihrer vermeintlichen Überlegenheit gegenüber der einheimischen Bevölkerung übertroffen. Das Bild der Überquerung des Flusses Mekong mit einer Fähre spaltet die Handlung in die Kindheitserfahrungen der Tochter einer-seits und die Liaison mit einem Chinesen andererseits. Der Lebens-hunger der fünfzehnjährigen Tochter manifestiert sich durch das Igno-rieren der familiären Ideale, den Wunsch, das eigene Leben zu leben, durch die Hingabe zur ersten sexuellen Lusterfahrung mit einem zwölf Jahre älteren Mann (dem Chinesen) unter Hinnahme sozialer Konse-quenzen, die dieses Verhalten verursacht. Die Familie, insbesondere die Mutter und der älteste Bruder, partizipieren zwar wie selbstver-ständlich an der materiellen Ausstattung des Liebhabers, distanzieren sich jedoch aufgrund des Konformitätsdruckes der Außenwelt, d.h. aufgrund der sozio-moralischen Tabus und deren Verletzung durch das Verhalten der Tochter, dem „ lasterhaften Ding und dem dreckigen Chinesen.“
Am Ende des Romans müssen sich die Tochter und der Liebhaber dem sozialen Druck beugen: sie siedelt nach Frankreich über. Bei der Abreise stellt sie fest, daß sie den Chinesen vielleicht doch geliebt hat.
Kläser Tanja: Marguerite Duras 5
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In der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mutter und
Tochter in O¶$PDQW spiegeln sich permanent die Begriffe Prostitution, Geld, Familie, Haß-Liebe wider, wobei das Prostituieren der Tochter mit dem Chinesen aus der Sicht der Mutter ständig ambivalent ist. Ei-nerseits kauft sie ihrer Tochter den Männerhut, gibt ihr ein abgetrage-nes, aufreizendes Kleid und überläßt ihr Schuhe aus Goldlamé mit der Intension, die Blicke der Männer auf sie zu lenken – denn irgendwie muß Geld ins Haus („ ..Reste cette petite-là qui grandit et qui, elle, saura peut-être un jour comment on fait venir l’ argent dans cette mai-son...“ 2 ). Und dann andererseits die Angst der Mutter, die Tochter würde eines Tages weggehen, würde es schaffen, sich zu lösen: „ Je se-rais la première à partir. Il faudra attendre encore quelques années pour qu’ elle me perde, pour qu’ elle perde celle-ci, cettte enfant-ci. Pour les fils il n’ y avait pas de crainte à avoir. Mais un jour, elle le
savait, elle partirait, elle arriverait à sortir.“ 3 Als dies auch mit dem Chinesen geschieht und dieser das tut, was er gewöhnlich mit solchen Frauen tut und diese Liebschaft an die Öf-fentlichkeit dringt, kann die Mutter die Schande, die ihre Tochter über sie Familie gebracht hat, kaum ertragen. Ihre Mutter brüllt, daß die ganze Stadt es hört, ihre Tochter sei entehrt und möchte sie aus dem Haus werfen, damit sie den Ort nicht länger verpeste.
2 L’ AMANT, p. 33
3 Ibid., p.31
Arbeit zitieren:
Tanja Kläser, 2000, Die Mutter-Tochter-Beziehung in "L'Amant", München, GRIN Verlag GmbH
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