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„Was, bin ich schon drin?“. Immer mehr Deutsche folgen Deutschlands wohl bekanntestem Tennisspieler in die Tiefen des Internets und speziell des World Wide Web. Immer mehr Seiten gehen online, wer etwas auf sich hält, hat seine private Homepage, mit Bildern, Texten, Lebenslauf und Gästebuch. Surfen im Netz wird zum Volkssport, nichts mehr für einen kleinen Kreis verrückter Computer-Narren. Doch wo muss man das Internet im Kanon der klassischen Medien einreihen? Ein Massenmedium? Fragen, die die Kommunikationswissenschaft beschäftigen. In der folgenden Hausarbeit wollen die Autoren jedoch versuchen, den Begriff des Internets und neuer Kommunikationstechnologien überhaupt insoweit zu nähren, dass die Verfasser zwei als wesentlich angesehene Merkmale dieses neuen Mediums unter die Lupe nehmen wollen: Die Interaktivität (Christian Wölfel) und die so genannte „elektronische Gemeinschaft“ (Florian Schaffelhofer).
Heinz Bonfadelli nennt Interaktivität als eines der Stichworte, mit denen die neuen Medien zu Massenmedien abgegrenzt werden können. 1 Daher lohnt es sich, diesen Begriff näher zu beleuchten. Zu Beginn soll dabei jedoch Interaktion definiert werden und kurz zur Interaktion abgegrenzt werden. Anschließend werden zwei verschiedene Modelle vorgestellt, die versuchen, Interaktivität weiter einzugrenzen und abzugrenzen. Zum Schluss dieses Kapitels sollen drei Beispiele aus dem Netz zeigen, wie das Interaktivitätspotential im Internet genutzt wird oder genutzt werden kann.
Wie sich „elektronische Gemeinschaften“ definieren lassen und vor allem was sie ausmacht, wird im zweiten Teil der Arbeit erläutert. Voraussetzungen für „elektronische Gemeinschaften“ als soziale Gruppen unter Berücksichtigung des Zwischenmenschlichen Aspekts kommen im Anschluss daran zur Abhandlung. Nachdem Gebrauch und Nutzen analysiert wurden, soll abschließend anhand eines Beispiels untersucht werden, in wieweit die theoretischen Ansätze auf die Praxis übertragbar sind.
Grundlegend für diese Arbeit war das Buch „Technisch vermittelte interpersonale Kommunikation“ von Joachim R. Höflich. Zudem haben die beiden Autoren einschlägige Aufsätze aus Zeitschriften oder Büchern hinzugezogen. Hierbei sei be-
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merkt, dass im Rahmen des rasanten Wandels im Bereich neuer moderner Kommunikationstechnologien diese nicht immer auf dem neusten Stand sind und beim Leser des öfteren ob mancher Prognosen Verwunderung hervorgerufen haben, die sich jedoch durch einen Blick auf die Jahreszahl relativierte.
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Interaktivität wird meist im Zusammenhang mit neuen Medien gebraucht. Im folgenden Kapitel möchte ich versuchen, diesen im allgemeinen Sprachgebrauch als Merkmal für das Internet angesehenen Begriff näher zu durchleuchten. Dazu möchte ich eine Definition geben, anschließend zwei Modelle vorstellen, die versuchen, die Möglichkeiten der Interaktivität zu beschreiben und zum Schluss anhand von Internet-Angeboten untersuchen, inwieweit das Interaktivitätspotential des Netzes von den Anbietern genutzt wird. Zu Beginn soll jedoch der Begriff der Interaktion näher betrachtet werden, ist er doch Ausgangspunkt vom verwandten Begriff Interaktivität. Hierbei möchte ich auf die soziologische Verwendung einen Schwerpunkt legen.
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„Das Grundmodell, an dem sich der soziologische Interaktionsbegriff orientiert, ist die Beziehung zwischen zwei oder mehr Personen, die sich in ihrem Verhalten an-einander orientieren und sich gegenseitig wahrnehmen können.“ 2 Michael Jäckel stellt damit gleich mehrere Bedingungen auf, die bei Interaktion erfüllt sein müssen. Zum einen müssen mindestens zwei Personen anwesend sein und sich gegenseitig wahrnehmen. Dabei muss sich ein Handlungsablauf vollziehen. Mit diesem Ablauf ist jedoch bedingt, dass die Situation, in der Interaktion stattfindet, betrachtbar ist oder, wie Jäckel es ausdrückt: „Im Zentrum der Betrachtung stehen überschaubare soziale Systeme (temporäre oder dauerhafte).“ 3
Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit die beteiligten Personen innerhalb dieser Situation sich nur wahrnehmen oder sich gegenseitig Aufmerksamkeit schenken. Goffman hat dies in „nicht-zentrierte“ und „zentrierte“ Interaktion eingeteilt. 4 Jäckel
1 Vgl. Bonfadelli 2000: 187.
2 Jäckel 1995: 463.
3 Jäckel 1995: 463.
4 Vgl. Goffmann, E. (1973): Interaktion: Spaß am Spiel. Rollendistanz. [Aus d. Amerik.] München: 7. Zitiert nach: Jäckel 1995: 463.
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hat hier zu Recht auf die Bedeutung des Orientierungshandels hingewiesen. Findet nicht schon soziale Interaktion statt, wenn die Beteiligten ihr Handeln auf die Anwesenheit anderer orientieren. Jäckel kritisiert hier gerade auch die bisher verengte Sichtweise in der Kommunikationswissenschaft. Er konstatiert, Ä>@GDVVEHUDOOGRUWZRRGHUU%HJULII,QWHUDNWLRQQLQGHUU.RPPXQLNDWL RQVIRUVFKXQJJ 9HUZHQGXQJJ ILQGHW GLH IHKOHQGH RGHU ZHLWJHKHQGG HLQJH VFKUlQNWH XQPLWWHOEDUHH :HFKVHOVHLWLJNHLW GHU 2ULHQWLHUXQJHQQ GLHH 'LIIH UHQ]]XU,QWHUDNWLRQQLPVR]LRORJLVFKHQQ6LQQHHDXVPDFKW³ 5
Der Symbolische Interaktionismus hat genau diese Orientierung aufeinander in der Soziologie berücksichtigt. Er hebt sich von den historischen Untersuchungen von reinen Reiz-Reaktions-Ketten ab. Für Opp liegt daher Interaktion vor, wenn „die Aktivität einer Person die Aktivität einer anderen Person auslöst“ 6 . Genau hier liegt auch die Erforschung des Zustandekommens der Interaktion und deren Fortbestand. Kennzeichnend für soziale Interaktion ist auch, dass, abgesehen von so genannten Flüchtigen Interaktionen, die Beteiligten ein Interesse an Fortsetzung haben, auch wenn Interaktion nicht immer störungsfrei abläuft. „Die Annahme einer festliegenden Bedeutung von Symbolen setzt voraus, daß [sic!] bestimmte Situationsdefinitionen von gemeinsam geteilten Normen und Werten ausgehen können.“ 7 Dies wird in der späteren Betrachtung bezüglich verschiedener Angebote im Internet und Nutzer noch von Bedeutung sein.
Die Frage, inwieweit Computer ebenfalls als Partner der Interaktion angenommen werden können, stellt sich in Bezug auf die soziologische Interaktion. Hier unterscheidet Tilmann Sutter zwei Varianten, eine stärkere und eine schwächere. Die erste zielt darauf ab, den Computer direkt als Partner zu begreifen, den „[...] PC als Alter Ego, als einer anderen Person vergleichbaren Interaktionspartner [...]“ 8 . Dies lehnt er jedoch ab. Die schwächere Variante definiert den Computer als Mittel zur Interaktion zwischen zwei Menschen. Dies mündet laut Sutter schließlich in die medial vermittelte Kommunikation, eine Erklärung, die auf die eingangs gestellte Frage hinweist. 9 Der Wissenschaftler plädiert jedoch dafür, dass das „Arsenal von Interaktionstheorien [in der Soziologie, Anm. d. Verf.] [...] nicht vorschnell modifiziert und ausgehöhlt werden sollte, um es neuen Kommunikationsbedingungen anzupassen“ 10 .
5 Jäckel 1995: 471, vgl. auch Steinmaurer 1998: 32.
6 Opp, K.-D. (1972): Verhaltenstheoretische Soziologie. Reinbeck bei Hamburg: 113. Zitiert nach Jäckel 1995: 464.
7 Jäckel 1995: 464.
8 Sutter 1999: 289.
9 Vgl. Sutter 1999: 289.
10 Sutter 1999: 289.
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Der Begriff der Interaktivität lehnt sich eng an den Begriff der Interaktion an. „Allgemein kennzeichnend für den Begriff der Interaktivität ist seine vielschichtige, daher auch diffuse Verwendungsweise.“ 11 Jäckel meint, dass die Vorstellungen von Interaktivität meist an der soziologischen Bedeutung von Interaktion weitgehend vorbeilaufen. 12 Sutter sieht vor allem den Wegfall von wechselseitigen Wahrnehmungs- und Kontrollmöglichkeiten wie Mimik und Gestik. 13 Deshalb soll im Folgenden auch noch näher auf Interaktivität eingegangen werden. Der Begriff der Interaktion in Bezug auf neue Medien wird jedoch bei der Betrachtung einiger Beispiele am Schluss dieses Kapitels sicherlich eine Rolle spielen.
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Im folgenden Kapitel möchte ich näher auf den Begriff der Interaktivität eingehen, den Versuch einer Definition aus der Literatur heraus machen und anschließend zwei Ansätze vorstellen, die Interaktivität nach Kommunikationssituation und Möglichkeit unterteilen.
2.2.1 Definition
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Hört man also den Begriff neuer Kommunikationstechnologien, ist das Wort Interaktivität nicht weit. Meist wird er im Zusammenhang mit Computerprogrammen, CD-Roms, Fernsehen oder dem Internet gebraucht. „Interaktivität wird hierbei sehr weit gefaßt [sic!] und mit einem breiten Spektrum kommunikationstechnologischer Innovationen verbunden.“ 15 Entscheidend ist also eine Abgrenzung des Begriffs. Ä=XPHLQHQN|QQHQQGDPLW>%HJULIIGHUU,QWHUDNWLYLWlW$QPG9HUI@@GLH YHUVFKLHGHQHQWHFKQLVFKKHU|IIQHWHQQ0|JOLFKNHLWHQQYRQQ5FNNRSSOXQJHQQ LP8PJDQJJPLW&RPSXWHUQQHWZDDEHLGHU1XW]XQJJYRQQ'DWHQEDQNHQQRGHUU HOHNWURQLVFKHQQ 6SLHOHQ EH]HLFKQHW ZHUGHQ >@@ (VV ILQGHW HLQQ :HFKVHO YRQQ GHUU HLQVHLWLJHQQ (LQHUDQ9LHOH ]XUU LQWHUDNWLYHQ 9LHOHDQ9LHOH .RPPXQLNDWLRQQVWDWW³ 16
11 Steinmaurer 1998: 33.
12 Vgl. Jäckel 1995: 471.
13 Vgl. Sutter 1999: 297. 14 Höflich 1996: 61.
15 Höflich 1997: 95. 16 Sutter 1999: 297.
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Es geht bei der Interaktivität um die Möglichkeit des Nutzers zur Rückkopplung, zur Kommunikation mit dem Medium oder mit Hilfe des Mediums. Die Teilnehmer einer Kommunikation per Medium können zwischen der Sender- und Empfänger-Rolle wechseln, sie haben zahlreiche Möglichkeiten, in die Kommunikation und das Angebot einzugreifen oder es selbst mitzugestalten. Gleichzeitig bekommt der Nutzer ein Feedback zu seiner Kommunikation, etwa in Form einer Eingabe per Tastatur eines PCs, „to ´talk back´ to user“ 17 . Hier zeigt sich auch bereits der Unterschied zur Massenkommunikation, bei der sich trotz möglicher Rückkopplung durch den Nutzer, zumindest durch Wegschalten, die Art der gesendeten Kommunikation wenig ändert: Ä7URW] EHVWHKHQGHU ZHQQQ GHU]HLW DXFKK QRFKK UXGLPHQWlUHU 5FNNRSS OXQJVP|JOLFKNHLWHQLVWIUUGHQQ3UR]H>VLF@GHUU0DVVHQNRPPXQLNDWLRQQ GHVVHQ (LQVHLWLJNHLW FKDUDNWHULVWLVFK $XI GHU HLQHQQ 6HLWH VWHKHQQ GLH .RPPXQLNDWRUHQ RGHU EHVVHU GLHH 0HGLHQRUJDQLVDWLRQHQ LQQ GLHVHH HLQ ¢ £ JHEXQGHQQVLQGDXIGHUDQGHUHQQ6HLWHGLH5H]LSLHQWHQ³
Doch findet bei allen neuen Medien automatisch interaktive Kommunikation statt? Diese Frage wird allgemein in der Literatur verneint. Vielmehr wird Interaktivität als Merkmal interpersonaler Kommunikation gesehen. Deshalb hat Höflich auch in Anlehnung an einen Buchtitel von Bretz geraten, „von interaktionsermöglichenden Medien [...] anstatt nur von interaktiven Medien zu sprechen.“ 19 Da nach dieser Ansicht also nicht das Medium selbst interaktiv sein kann, bezieht sich der Begriff Interaktivität vielmehr auf die Kommunikationssituation. Daher wird bei den unten aufgeführten Beispielen auch zu Fragen sein, ob das interaktive Potential hier vom Benutzer genutzt werden kann. Weiteres Merkmal von Interaktivität ist auch die Interpersonalität. Interaktivität kann also nur in der Kommunikation genutzt werden, wenn weitere Personen oder Kommunikationspartner vorhanden sind. Ä&0&&>FRPSXWHUUPHGLDWHGGFRPPXQLFDWLRQ$QPG9HUI@@EHUXKWDXI,Q WHUDNWLYLWlWXQGGGLHH%HWRQXQJJOLHJWGDEHLHLQGHXWLJDXIGHP:RUWDNWLY (OHNWURQLVFKH3RVW±±|IIHQWOLFKKZLHSULYDW±YHUODQJWGHQDNWLYNRPPXQL ]LHUHQGHQQ1XW]HULP*HJHQVDW]]XXGHQQDXIGHPUH]LSLHUHQGHQQ1XW]HUED VLHUHQGHQQ KHUN|PPOLFKHQQ 3ULQW XQGG )XQNPHGLHQQ ILQGHW VLHH VRQVW QlP OLFKQLFKWWVWDWW³ 20
Als Unterschied zur Interaktion macht Sutter bei der Interaktivität fest, dass sie erlaubt „[...] mit anonymen Rollen zu experimentieren, sich zu maskieren und inszenieren, aber auch zeitgleich mit einem Partner in ein Gespräch zu treten [...]“ 21 . Wie bereits erwähnt, biete soziale Interaktion zusätzliche „[...] Wahrnehmungs- und Kon-
17 Rogers1986: 4. 18 Höflich 1995: 518.
19 Höflich 1996: 64, vgl. auch Höflich 1995: 519. 20 Weinrich 1998: 132, vgl. auch Höflich 1994: 400.
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Arbeit zitieren:
Florian Schaffelhofer, 2001, Das Internet zwischen interpersonaler und Massenkommunikation: Internet und technisch vermittelte Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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