Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 1
II. Teilnehmer der Konferenz. 1
III. Historie: Von Bukarest nach Kairo. 2
IV. Hintergrund: Problematik des Bevölkerungswachstum. 3
1. Die demographische Ausgangslage. 3
2. Die drei Wachstumsprognosen 4
3. Starkes Bevölkerungswachstum und dessen problematische Folgen. 4
V. Hauptthemen der Konferenz
5
1. Integrativer Politikansatz. 5
2. “Empowerment of Women 7
3. Schutz und Förderung der Familie 8
4. Reproduktive Gesundheit und Reproduktive Rechte. 9
VI. Interessensgegensätze und Hauptergebnisse
11
1. Interessensgegensätze. 11
2. Das Aktionsprogramm. 12
VII. Beurteilung des Nachfolgeprozesses. 13
1. Feldstudie der UN (1998) 13
2. Nachfolgekonferenz „Kairo 5“ (1999) 14
II
I. Einleitung
Vom 05. bis 13. September fand in Kairo die „Internationale Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung“, die sogenannte ICPD 1 statt. Sie wurde von den Vereinten Nationen und dem 1967 eingerichteten „Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen“(UNFPA) 2 durchgeführt und beschäftigte sich insbesondere mit der Thematik der globalen Bevölkerungsentwicklung. Im Rahmen dieser Hausarbeit werden zunächst (nach einem kurzen historischen Abriss) die wesentlichen Themen dieser Konferenz sowie die jeweils beschlossenen Maßnahmen zum Umgang mit hohem Bevölkerungswachstum dargestellt. Im Anschluss daran werden die bedeutendsten Interessensgegensätze der Konferenz dargelegt und der Konferenzverlauf sowie die Hauptergebnisse der Konferenz kritisch bewertet. Abschließend werden noch die Nachfolgeprozesse erörtert und die bisherigen bevölkerungspolitischen Erfolge seit der Konferenz von Kairo beurteilt.
II. Teilnehmer der Konferenz
An der Konferenz in Kairo nahmen insgesamt Delegationen aus 177 Mitgliedstaaten und 7 Nicht-Mitgliedstaaten der UN teil. 3 Daneben waren ebenso Delegationen von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) beteiligt. Die Rolle der NGOs ist gerade in der Bevölkerungspolitik besonders wichtig: Sie haben sich seit den 60er Jahren von Datensammlern und Forschern in Sachen Bevölkerungsdynamik zu Entwicklern von innovativen Lösungsansätzen der Bevölkerungsproblematik gewandelt. Die NGOs sind diesbezüglich sehr kosteneffektiv, können auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene gut auf die regionalspezifischen Gegebenheiten eingehen und erreichen daher eine recht hohe Maßnahmeneffizienz. 4 Bei der Konferenz waren Mitglieder der NGOs zwar auch teilweise in den Regierungsdelegationen (als Beobachter) vertreten, insgesamt konnten die NGOs den Verhandlungsverlauf allerdings nicht aktiv beeinflussen. Ihnen blieb nur der Versuch, durch geschicktes Lobbying ihre jeweiligen Positionen mit einzubringen, insbesondere weil die eigentlichen Beratungen der NGOs räumlich getrennt von denen der Regierungsdelegationen stattfanden und daher nur ein erschwerter Austausch zwischen diesen stattfinden konnte. Insgesamt hatte die Konferenz daher knapp 11000 Teilnehmer. 5 Sie war somit die größte Konferenz, die sich je mit Fragen der Bevölkerungspolitik befasst hat.
1 „International Conference on Population and Development“
2 “United Nations Population Fund”
3 Vgl. Rosen (1994), S.70. Eine detaillierte Auflistung der Teilnehmer findet sich zudem bei Vereinte Nationen (1994), S.91 ff.
4 Caldwell (1994), S.18 ff.
5 Vgl. Witzsch (1999), S.46.
1
III. Historie: Von Bukarest nach Kairo
1. Die drei Weltbevölkerungskonferenzen
Die Weltkonferenz von Kairo war nach Bukarest (1974) und Mexiko City (1984) bereits die dritte Weltbevölkerungskonferenz, die abgehalten wurde.
Schon im Jahre 1974 wurde durch die Einberufung der ersten Weltbevölkerungskonferenz in Bukarest ein erster Schritt zur Auseinandersetzung mit dem Bevölkerungsproblem auf globaler Ebene getan und zehn Jahre später durch die Weltbevölkerungskonferenz in Mexiko City erneut aufgegriffen. Diese beiden Konferenzen wurden jedoch sehr stark von dem sogenannten „Nord-Süd-Konflikt“ (zwischen Entwicklungsländern und Industriestaaten) dominiert. Dabei ging es im Wesentlichen darum, ob ein Geburtenrückgang am ehesten durch den Ausbau von Familienplanungsprogrammen (so wie es die Industrieländer forderten) oder durch entwicklungspolitische Maßnahmen (wie es die Entwicklungsländer forderten) erreicht werden kann. 6 Daher konnte eine Einigung damals nur durch die Betonung der nationalen Souveränität im Bereich der Bevölkerungspolitik erreicht werden. Im Gegensatz dazu wurde bei der Konferenz von Kairo das Problem des Bevölkerungswachstums nicht mehr nur aus rein demographischer Perspektive gesehen. Vielmehr bestand eine wesentliche Neuerung darin, dass eine entwicklungspolitische und eine umweltpolitische Komponente, sowie die Rolle der Frau in die Bevölkerungspolitik miteinbezogen wurden. Dadurch spielte in Kairo der bis dahin dominierende „Nord-Süd-Konflikt“ keine große Rolle mehr; stattdessen wurde die Konferenz durch ein religiöskulturelles Spannungsfeld gekennzeichnet. 7
2. Der Vorbereitungsprozess von Kairo
Bereits im Vorfeld der Konferenz von Kairo fanden auf internationaler Ebene drei Vorbereitungstreffen (sogenannte „Preparatory Comitees“) statt (März 1991, Mai 1993, April 1994), an denen 170 Regierungen und 500 NGOs teilgenommen haben. 8 Zudem gab es zahlreiche nationale Vorbereitungskommissionen, in denen die nationale Bevölkerungssituation bewertet und nationale bevölkerungspolitische Programme dargestellt wurden. In Deutschland waren an diesen nationalen Kommissionen alle betroffenen Ministerien sowie alle maßgebenden NGOs, Kirchen und Bevölkerungswissenschaftler beteiligt.
6 Höhn (1995), S.4.
7 Vgl. Kapitel VI.1 dieser Arbeit („Interessensgegensätze“).
8 Vgl. vertiefend Höhn (1995), S.13ff.
2
IV. Hintergrund: Problematik des Bevölkerungswachstums
1. Die demographische Ausgangslage
Momentan verläuft die Wachstumskurve der Bevölkerung exponentiell. 9 Im Jahr 2000 umfasste die Weltbevölkerung 6,1 Milliarden Menschen mit einer jährlichen Wachstumsrate von 1,3 %. Konkret sind das im Moment ca. 77 Millionen Erdenbürger mehr pro Jahr. Damit hat das Wachstum zwar gegenüber den 60er Jahren (mit 2,1%) an Geschwindigkeit verloren, ist aber gegenüber früheren Phasen der Menschheitsgeschichte dennoch sehr hoch. 10 Zur Zeit findet dieses exponentielle Bevölkerungswachstum hauptsächlich in den Entwicklungsländern statt und verstärkt dort den Druck auf die ohnehin überlasteten ökonomischen, sozialen und ökologischen Systeme. Die Geburtenrate ist zwar während der letzten 25 Jahre signifikant gesunken 11 , allerdings werden die absoluten Bevölkerungszuwächse von diesem Trend kaum beeinflusst. Dieses Phänomen nennt man die „Trägheit des demographischen Schwungs.“ 12
Die meisten der Entwicklungsländer befinden sich in einer demographischen Transition. Diese verläuft typischerweise wie folgt: Phase I: Hohe Sterblichkeit, hohe Geburtenrate, niedriges Wachstum. Phase II: Demographische Transition wirkt zunächst als Beschleuniger des Wachstums (Sterblichkeit wird gesenkt) bei anhaltend hohen Geburtenraten, dann findet Übergang zu niedrigerer Geburtenrate statt (Phase III). Die Entwicklungsländer sind überwiegend in Phase II. 13
Allerdings muss man dabei beachten, dass das Bevölkerungswachstum regional betrachtet sehr unterschiedlich verläuft: während in den Industriestaaten nur eine mäßige Zunahme oder sogar eine Abnahme der Bevölkerung verzeichnet wird, erfahren die Entwicklungsländer zum Teil dramatische Zunahmen. Das Bevölkerungswachstum ist immer in Relation zu den regional vorhandenen Ressourcen zu sehen. Es ist immer dann zu stark, wenn die Versorgung mit einer Ressource pro Kopf unter ein bestimmtes Mindestmaß fällt. 14 Als Ursachen für das hohe Bevölkerungswachstum in der 3. Welt gelten unter anderem Heiratsalter, Kinder als Altersvorsorge und ein fehlendes soziales Netz. 15
9 Leisinger (1993), S.41.
10 Engelmann et al. (2002), S.129.
11 Zu den Gründen dieses Geburtenrückgangs vgl. Höhn (1995), S.8.
12 Woiwod (1996), S.197.
13 Leisinger (1993), S.202ff.
14 ebd., S.381.
15 ebd., S.214 ff.
3
Arbeit zitieren:
Martin Regnet, 2003, Die Weltbevölkerungskonferenz in Kairo (ICPD), München, GRIN Verlag GmbH
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