1
Universität Potsdam
Institut für Pädagogik
Zwischenprüfungsarbeit für die erziehungswissenschaftliche Ausbildung
Was ist guter Frontalunterricht?
2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Was sind Merkmale guten Unterrichts? ... 5
3. Was ist Frontalunterricht?... 8
4. Sieben didaktische Grundfunktionen des Frontalunterrichts ... 12
5. Vor- und Nachteile des traditionellen Frontalunterrichts... 14
6. Ein neue Form: der integrierte Frontalunterricht... 18
7. Was ist guter Frontalunterricht?... 20
8. Fazit ... 25
9. Literaturverzeichnis... 27
3
1. Einleitung
Die Hausarbeit ,,Ist Frontalunterricht guter Unterricht?" entstand in Anlehnung an das
Seminar ,,Was ist guter Unterricht?".
Besonders durch die PISA-Studien und das nur durchschnittliche Abschneiden der deutschen
Schüler
1
wurde die Diskussion über die effektivsten Unterrichtsmethoden wieder
aufgenommen. Es gibt eine große Methodenvielfalt um den Unterricht gut und
abwechslungsreich zu gestalten, angefangen von selbstorganisierten Lernformen sowie
strukturierten offenen Unterricht oder dem Laisser-faire-Unterricht bis hin zu traditionellen
Unterrichtsformen. Jedoch wird der traditionelle Frontalunterricht oft als nicht mehr
zeitgemäß gegenüber den modernen Unterrichtsmethoden, wie zum Beispiel dem
Gruppenunterricht angesehen. Es gibt zahlreiche kreative und produktive
Unterrichtspraktiken, um Informationen und Wissen an die Schülerinnen und Schüler zu
vermitteln, als den Frontalunterricht. Der Begriff des Frontalunterrichtes wird häufig negiert
von Lehrkräften, obwohl der frontale Unterricht die häufigst angewandte Methode im
Unterricht ist.
Ewald Terhart erklärt die Diskussion und Kontroverse über den Frontalunterricht sehr
passend:
,,Gleichwohl dominiert auch heute noch immer der Frontalunterricht-
obwohl er zu denjenigen Unterrichtsmethoden gehört, die von
theoretischer Seite auch weiterhin am heftigsten bekämpft wird!"
2
Viele Pädagogen sind sich einig, dass es nicht immer ausreichend ist, nur eine Lernform
anzuwenden. Aus diesem Grund beschäftigt sich die Arbeit nicht nur mit der Methode des
Frontalunterrichtes, sondern wirft auch einen Blick auf andere Unterrichtsmethoden. Sie
sollen aufzeigen welche Methoden am geeignetesten sind im Zusammenspiel mit dem
Frontalunterricht.
Damit verständlich wird, was im Allgemeinen unter gutem Unterricht zu verstehen ist,
werden als erstes die zehn Merkmale guten Unterrichts basierend auf Hilbert Meyer
vorgestellt. Die Frage, was wir eigentlich unter Frontalunterricht verstehen, wird geklärt,
indem unterschiedliche Definitionen von Pädagogen, die sich mit dem Thema auseinander
1
Ich möchte darauf hinweisen, dass ich in dieser Arbeit größtenteils auf geschlechtsspezifische Bezeichnungen
verzichte und Begriffe wie Lehrkraft und Lehrer sowohl männliche als auch weibliche Personen beinhalten.
2
Terhart, Ewald: Lehr-Lern-Methoden. Eine Einführung in Probleme der methodischen Organisation von
Lehren und Lernen. 1989, Z. S. 135.
4
gesetzt haben, vorgestellt werden.
3
Dabei wird es einen kurzen Einblick in die Geschichte des
Frontalunterrichtes geben, damit verständlich wird, welcher Wandlung der Frontalunterricht
seit seiner Entstehung unterlag. Des Weiteren ist es notwendig, die didaktischen Funktionen
des Frontalunterrichtes vorzustellen. Hierbei dienen die sieben Grundfunktionen von Herbert
Gudjons als Grundlage. Weiterhin wird aufgezeigt, dass der traditionelle Frontalunterricht
nicht nur Nachteile hat, sondern durchaus auch Vorteile besitzt.
Herbert Gudjons hat sich mit dem Frontalunterricht beschäftigt und ihn modern und neu
gestaltet, so dass in ihn offene Unterrichtsformen integriert werden können. Dieser
sogenannte integrierte Frontalunterricht wird in Kapitel 5 vorgestellt.
All diese Kapitel sollen abschließend die Frage ,,Was ist guter Frontalunterricht?"
beantworten. Anhand einer selbst entwickelten Unterrichtssequenz wird beispielhaft gezeigt,
wie die Lehrkraft den Frontalunterricht günstig nutzen kann und was beachtet werden muss,
um guten Frontalunterricht durchzuführen.
Der Forschungsstand zum Frontalunterricht wird von Herbert Gudjons als ,,desolat"
4
beschrieben. In den letzten Jahren entstanden zahlreiche Werke über offene
Unterrichtsformen, die den Schüler aktiv fordern. Zu dem Thema Frontalunterricht ist jedoch
wenig wissenschaftliche Literatur zu finden. Dieser Hausarbeit liegen die Arbeiten von Karl
Aschersleben, Hilbert Meyer, Herbert Gudjons und zwei Ausgaben der Zeitschrift Pädagogik,
die sich 1990 und 1998 dem Thema Frontalunterricht, jeweils mit einer ganzen Ausgabe
gewidmet hat, zugrunde.
5
3
Die führenden Pädagogen, die sich mit dem Thema Frontalunterricht und der entsprechendem Definition
auseinandergesetzt haben sind u.a. Hilbert Meyer und Herbert Gudjons.
4
Herbert Gudjons: ,, Frontalunterricht- neu entdeckt. Integration in offene Unterrichtsformen, 2003,
Z. S. 7.
5
Karl Aschersleben hat 1991 eine Einführung zum dem Thema geschrieben: Frontalunterricht- klassisch und
modern. Herbert Gudjons hat das Werk: Frontalunterricht- neu entdeckt. Integration in offene Unterrichtsformen
verfasst und Hilbert Meyer hat sich mehrmals mit dem Thema des Frontalunterrichts auseinandergesetzt. U.a. in
den zwei Bänden zu den Unterrichtsmethoden: UnterrichtsMethoden I: Theorieband und Unterrichtsmethoden II:
Praxisband.
5
2. Was sind Merkmale guten Unterrichts?
Die Frage nach den Merkmalen für guten Unterricht hat Hilbert Meyer erstmals in seinem
2004 erschienenen Werk ,,Was ist guter Unterricht?" zusammengefasst. Er schlägt zehn
Merkmale vor, definiert jedes Merkmal und illustriert kurze Beispiele zur erfolgreichen
Ausführung. Diese zehn Merkmale werden im Folgenden kurz erläutert. Die kurze
Erläuterung dieser Merkmale ist wichtig für diese Arbeit, da sie auch alle im guten
Frontalunterricht vorkommen sollten und in dem selbst konstruierten Beispiel genannt
werden.
Als ersten Punkt nennt er die klare Strukturiertheit des Unterrichtes. Zu diesem Punkt äußern
sich die Empiriker folgendermaßen:
,,Kein anderes Merkmal guten Unterrichts hat einen stärkeren Einfluss auf
den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern".
6
Unter dem Begriff ist eine klar feststellbare Struktur der Unterrichtsstunde gemeint. Der "rote
Faden" ist wichtig, um dieses Kriterium zu erfüllen, das heißt ein klarer Bezug einzelner
Unterrichtsphasen zum übergeordneter Lernziel muss immer erkennbar sein. Zur inhaltlichen
Klarheit gehören nicht nur die Verständlichkeit der Aufgaben, sondern auch die
aufmerksamkeitsregulierenden Hervorhebungen und die Ergebnissicherungen neuer Inhalte.
Ebenfalls wichtig sind die Unterrichtsregeln, die dem Schüler bewusst sein und von ihnen und
dem Lehrer stets eingehalten werden sollten. Dazu können bestimmte Rituale gehören, aber
auch Freiräume.
Der hohe Anteil echter Lernzeit stellt das zweite Merkmal dar. Hilbert Meyer definiert:
,,Die echte Lernzeit [...] ist die vom Schüler tatsächlich aufgewendete Zeit für das
Erreichen der angestrebten Ziele".
7
Darunter fallen unter anderem der pünktliche Unterrichtsbeginn, reibungslose Übergänge,
gleichmäßige Wechsel von Anspannung und Entspannung, sorgfältiger Umgang mit
Störungen sowie Minimierung des Zeitaufwandes für außerunterrichtliche Aufgaben.
Anschließend wird das lernförderliche Klima genannt. Dazu gehören als wichtigste Ziele,
dass das Klassenklima durch Respekt, gegenseitige Rücksichtsnahme und
Zusammengehörigkeit geprägt ist sowie auch die Einhaltung der Verhaltensregeln. Ebenso
wichtig ist für ein lernförderliches Klima natürlich auch eine positive Arbeits- und
Lernhaltung der Schülerinnen und Schüler. Diese kann gefördert werden durch Gerechtigkeit
6
Hilbert Meyer: ,,Was ist guter Unterricht?", 2004, Z. S. 35.
7
Hilbert Meyer: 2004, Z.S. 40.
6
gegenüber jedem Schüler, Authentizität des Lehrkörpers und dem kameradschaftlichen
Umgang der Schüler untereinander.
Inhaltliche Klarheit wird als vierter Punkt aufgezählt. Auch hier hat Meyer eine Definition
verfasst:
,,Inhaltliche Klarheit liegt dann vor, wenn die Aufgabenstellung
verständlich, der thematische Gang plausibel und die Ergebnissicherung
klar und verbindlich gestaltet worden sind."
8
Ebenfalls eine wichtige Voraussetzung für guten Unterricht ist das sinnstiftende
Kommunizieren. Dies wird unter anderem erreicht durch Planungsbeteiligung der Schüler,
einer ausgeglichenen Gesprächskultur zwischen Schüler und Lehrkörper sowie einem
Schülerfeedback.
Als einer der wichtigsten Punkte wird als Sechstes die Methodenvielfalt genannt. Für Hilbert
Meyer gehören dazu die Nutzung der verfügbaren Inszenierungsmöglichkeiten, eine
Abwechslung der methodischen Grundformen und ein Mix der Sozialformen, wie
Plenumsunterricht, Gruppenarbeit oder Partnerarbeit. Aber auch ein Reichtum an
Handlungsmustern, Veränderungen im Ablaufschema und der Aufbau von
Methodenkompetenz gehören zu der Methodenvielfalt im Unterricht. Auf die Vielfältigkeit
der Methoden und ihre Bedeutsamkeit wird in den folgenden Kapiteln noch einmal näher
eingegangen.
Damit die Schülerinnen und Schüler ihre Stärken weiterentwickeln und ihre Schwächen
ausgleichen können, macht guten Unterricht auch das individuelle Fördern von Schülern aus.
Nicht nur leistungsschwache Schüler benötigen Förderung, sondern alle Schüler haben das
Recht auf individuelle und angepasste Lernangebote und Differenzierungsformen.
Als achten Punkt für guten Unterricht führt Meyer intelligentes Üben an.
,,Geübt wird, wenn eine Aneignungsphase- und Erarbeitungsphase ganz
oder halbwegs abgeschlossen ist. Üben ist mithin ein didaktischer, kein
psychologischer Begriff."
9
Die intensiven Übungsphasen sollten immer eine klare Zielorientierung vorweisen, das heißt
den Schülerinnen und Schüler muss begreiflich gemacht werden, warum diese Übungsphasen
so wichtig sind. Um dieses Ziel zu erreichen müssen die Phasen der Übung motivierend und
variabel gestaltet sein, Spielräume für selbstständiges Arbeiten müssen gegeben sein und die
Ergebnisse sollten regelmäßig kontrolliert werden sowohl durch den Lehrkörper als auch
8
Meyer, Hilbert: 2004: Z. S. 55.
9
Meyer, Hilbert: 2004: Z. S. 104.
7
durch den Schüler selbst. Die Lehrkraft hat bestimmte Leistungserwartungen an seine
Schüler, diese teilt er ihnen unter anderem durch:
,,mündliche Mitteilungen, schriftliche Noten, Begeisterungsausbrüche [...]
bei der Rückgabe der Klassenarbeit [...], durch die Körperhaltung"
10
mit.
Die Transparenz der Leistungserwartungen schlägt Meyer als neunten Punkt für guten
Unterricht vor. Diese Transparenz besteht beispielsweise darin,
,,den Schülern ein an den gültigen Richtlinien oder an Bildungsstandards
ausgerichtetes und ihrem Leistungsvermögen angepasstes Lernangebot zu
machen, dieses Angebot verständlich zu kommunizieren [...] und ihnen nach
[...] Leistungskontrollen zügig Rückmeldungen zum Lernfortschritt zu
geben."
11
Als letzter und zehnter Punkt wird die vorbereitete Umgebung genannt. Eine vorbereitete
Umgebung soll dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler sich mit "ihrer" Klasse
identifizieren. Um das zu erreichen, müssen in den Klassen- und Fachräumen klare Regeln
herrschen in Bezug auf Ordnung, Umgang mit Materialien und den Lautstärkepegel.
Natürlich sind auch ausreichende didaktische Materialien, funktionales und funktionierendes
Mobiliar vorhanden und ein lerngerechtes Klima, zum Beispiel die Beleuchtung, die Akustik
und genügend Platz, von größter Wichtigkeit.
10
Meyer, Hilbert: 2004, Z. S. 113.
11
Meyer, Hilbert: 2004, Z.S. 114.
0 Kommentare