Inhaltsverzeichnis
Einleitung Seite 3
1.Freiheit bei John Stuart Mill
1.1. Der Begriff der Freiheit Seite 4
1.2. Definition der der Freiheit Seite 4
1.3. Freiheit des Einzelnen zum Vorteil aller Anderen Seite 6
1.4.
Gefahr für die Freiheit:„Tyrannei der Mehrheit“ Seite 7
2. Die beste Staatsform bei John Stuart Mill
2.1. Merkmale eines guten Staates Seite 8
2.2. Die beste Regierungsform: Repräsentativverfassung Seite 9
3. Die ökonomische Freiheit bei John Stuart Mill
3.1. Trennung von Produktion und Verteilung Seite 10
3.2. Das
Eigentum Seite 11
3.3. Der Staat und der Markt Seite 13
4. Mill´s Positionen in der Tradition des Liberalismus Seite 14
5. Zusammenfassung: Mills kritisches Potential Seite 15
f ür moderne Demokratien
Literaturverzeichnis Seite 17
Einleitung
John Stuart Mill gilt heute als typischer Theoretiker der englischen Tradition von
Freiheit im 19. Jahrhundert. Das ist auch der Konsens der aktuellen Forschung.
Aber es gibt verschiedene Auffasungen darüber, wo Mill die Grenze zieht,
zwischen den Interessen der Allgemeinheit und den Interessen des Einzelnen.
Widerspr üche werden vor allem in der Begründung des Ziels seiner
2
Reformvorschläge gesehen. Die einen werfen ihm Elitedenken vor, das nur bürgerlicher Selbstschutz sei „gegen die politische Machtergreifung der Mehrheit der Arbeiter“. 1 Der Ausschluss der Analphabeten und Fürsorgeabhängigen vom Wahlrecht lege eine besitzbürgerlichindividualistische Meßlatte an. Er wolle seine Freiheiten vor allem für die Intellektuellen Elite, deren Nutzen für die Allgemeinheit er aber nicht begründe. 2 Andere sehen bei Mill den Versuch eines „ehtischen Liberalismus“, woran er aber gescheitert sei, weil er Politische Ökonomie und Moral verbinden wolle. 3 Mills Nationalökonmie ist die Weiterentwicklung des Homo Ökonomikus auf Grundlage von Adam Smith hin zum „cooperativ-man“ sagt Wiliam Stafford. .6 Mills Betonung der erzieherischen Funktion der politischen Beteiligung und Kompetenzerwerb der Bürger wird als Sozialer Liberalismus gewertet. 4 Der ginge sogar soweit, das Mill unter Umständen eine „Erziehungsdiktatur“ rechtferige .5 Gerade diese hohen Anforderungen an die Selbstentwicklung der Menschen kritisiert
Adam Wolfson als fehlende Toleranz gegenüber den Schwächen der Menschen. Als Wegbereiter des Sozialismus wird er kristisiert und gleichzeitig von Libertären, wie Hayek gelobt. Die Vermeidung von Grausamkeiten, oberstes Gebot der Wirtschaftsliberalen, ist die wichtigste liberale Aufgabe bei Mill , meinen Gerald M.Mara and Suzanne L.Dovi.7 Die wissenschaftlichen Interpretationen gehen genaus so weit auseinander, wie die politische Lager, die Mills Erbe für sich in Anspruch nehmen. Die Aufgabenstellung lautet deshalb: John Stuart Mill- Wirtschafts- oder sozialliberal? Besondere Berücksichtigung soll dabei das letztendliche Ziel, das Mill bei seinen Ausführungen vor Augen hat, finden.
1)Bartsch, Volker: Libe.und arbeitende Klassen,Zur Gesellschaftstheorie J.S.M. Opladen 1982, S.238 2) Vgl.:Wolfson,Adam: Two theories of toleration , Locke versus Mill, Perspektives on Political Science 1996/25/4, S. 195 3) Gaulke,Jürgen: Freiheit und Ordnung bei John Stuart Mill und Friedrich August von Hayek, Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 1994, S. 206 4) Manfred G.Schmidt,Demokratietheorien,UTB Leske u. Budrich, Opladen2000
5) Gaulke,Jürgen: Freiheit und Ordnung bei John Stuart Mill und Friedrich August von Hayek, Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 1994,S.193 6) Stafford,William How can ...? The case of J.S.M., Joun. of. Pol. Ideol., Oxford 1998, 3,
7) Gerald M.Mara and Suzanne L.Dovi, Mill, Nitzsche and the Identity of Postmodern Liberalism, Journal of Politics Februar 1995, 57(1), Seiten 1-23 1. Freiheit bei John Stuart Mill 1.1. Voraussetzungen der Freiheit
John Stuart Mill spricht in On Liberty nicht von der Willensfreiheit, sondern von der bürgerlichen oder sozialen Freiheit. Das heißt, über die Grenzen, welche
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die Gesellschaft dem Individuum auferlegt.1 Dabei geht es ihm vorrangig nicht um die Eingriffe durch Gesetze, sondern die Auswirkungen der öffentlichen Meinung.
Er setzt für seine Betrachtungen einen bestimmten gesellschaftlichen Zustand voraus.
Die Individuen und auch die Zivilisation als ganzes müssen eine gewisse Reife innerhalb ihrer Entwicklung gemacht haben. Ist das nicht der Fall, wie in primitiveren Gesellschaften, ist ein gewisser aufgeklärter Despotismus zulässig. Natürlich nur wenn dadurch die Individuen vervollkommnet werden und damit auf eine höhere Entwicklungsstufe kommen. Sobald die Gesellschaft eine Entwicklungsstufe erreicht hat, wo die Menschen zu ihrer eigenen Vervollkommnung durch Überzeugung oder Überredung geleitet werden können, ist keine Gewalt und kein Zwang mehr zulässig. Dieser Zustand ist für Mill in den bürgerlichen Gesellschaften das 19. Jahrhunderts erreicht.2
1.2. Prinzip und Begründung der Freiheit
„Dieses Prinzip lautet: Der einzige Zweck, der die Menschen, individuell oder kollektiv, berechtigt, in die Handlungsfreiheit eines der ihren einzugreifen, ist Selbstschutz. die einzige Absicht, um deretwillen Macht rechtmäßig über irgendein Mitglied einer zivilisierten Gemeinschaft gegen seinen Willen ausgeübt werden kann, ist die, eine Schädigung anderer zu verhindern.“3 Damit unterteilt Mill die Handlungen von Menschen in zwei Arten. In den Bereich der individuellen Freiheit fällt jede Handlung die hauptsächlich selbstbezogen ist und deren
Folgen nur die eigenen Interessen berühren. Hier ist das Individuum völlig unabhängig und entzieht sich der sozialen Kontrolle. Anders sieht es bei der anderen Art von Handlungen aus. Diese berühren andere oder die Gesellschaft direkt oder fügen ihnen sogar einen Schaden zu. Hier greift die soziale Kontrolle und es gibt eine legitime Befugnis für den Eingriff der Gesellschaft in das Leben des Individuums.4
Dieser Eingriff kann durch Gesetze oder allgemeine Mißbilligung erfolgen.
1) vergleiche Über Freiheit,J.S.Mill Athenäumverlag,,Frankfurt a.M.1987, S.7 2) ebd. S.17 3) ebd.S.16 4) ebd.S18/19
4
„Kurz gesagt: immer wenn ein bestimmter Schaden oder eine bestimmtes Schadensrisiko entweder für eine Individuum oder die Öffentlichkeit gegeben ist, gehört der Fall nicht mehr in den Bereich der Freiheit, sondern in den der Moral oder des Gesetzes.“1
Dagegen sieht Mill bei der Meinungsfreiheit keinerlei Rechtfertigung eines Eingriffs. Er fasst die Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit zusammen, weil die Meinungsfreiheit ohne die Rede- und Pressefreiheit nicht viel wert ist. Denn eine Meinung, die nicht verbreitet werden kann, ist an sich schon eine Einschränkung der individuellen Freiheit. D as gilt absolut: „If all mankind
minus one, were of one opinion and only one person were of the contrary opinion, mankind would be no more justified in silencing that one person, than he, if he had the power, could be justified in silencing mankind.“2 Mill begründet diese absolute Meinungsfreiheit in vier Punkten. 1. Er führt an, das die Unterdrückung einer Meinung, womöglich zur Unterdrückung einer wahren Meinung führt. Außer die Unterdrücker beweisen Unfehlbarkeit.
2. Selbst wenn die unterdrückte Meinung eine irrige ist, so enthählt sie doch ein Fünkchen Wahrheit. Und das kommt nur ducrh die Auseinandersetzung mit der dominierenden, niemals absolut wahren Meinung, zum Vorschein. 3. Wenn die dominierende Meinung , selbst wenn sie richtig ist, keinem Begründungszwang mehr ausgesetzt ist, erstarrt sie zum Dogma. 4. Diese erstarrte Meinung, die aus Autoritätsglauben einfach übernommen wird, wird nicht mehr aus Einsicht angenommen und trägt damit nicht mehr zur Weiterentwicklung der Menschen bei.3
Denn der Fortschritt(improvement) der Menschheit ist das Ziel der Freiheit und kann nur durch diese dauerhaft erreicht werden.
„Die Menschheit gewinnt mehr dadurch, daß sie einen jeden so leben läßt, wie se ihm gutdünkt, als dadurch, daß jeder gezwungen wird, so zu leben, wie es allen anderen gutdünkt.“4 Denn nur wenn die Menschen nach ihrem eigenen Charakter leben können und nicht nach Traditionen oder Gewohnheiten, können sie das erreichen wonach sie streben: dem Glück. Ohne geistige Freiheit gibt es kein geistiges Wohlbefinden, wovon das gesamte Wohlbefinden abhängt, und damit kein Glück.
1) Über Freiheit,J.S.Mill Athenäumverlag,,Frankfurt a.M.1987, S. 2) J.S.Mill On liberty, Collected Works of J.S.M, Routledge and Kegan Paul,1963 ff.,Toronto, Torornto University Press, 1961-1991, Bd.:18 S. 226 3) Vgl.Über Freiheit,J.S.Mill Athenäumverlag,,Frankfurt a.M.1987, S.7 4) Über Freiheit,J.S.Mill Athenäumverlag,,Frankfurt a.M.1987, S.20
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Arbeit zitieren:
Jan Stoye, 2003, John Stuart Mill - wirtschafts- oder sozialliberal ?, München, GRIN Verlag GmbH
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