Qualität und Evaluation sind heute in aller Munde. Das Eindringen ökonomischer, betriebswirtschaftlicher Kriterien und Standards in alle Lebensbereiche macht auch vor dem Bildungsbereich von der Schule bis zur Weiterbildung nicht Halt. Die gestiegenen Anforderungen an das Niveau von Bildung sowie die zunehmend knappen öffentlichen Kassen zwingen dazu, nach der Effizienz und Effektivität von Bildungseinrichtungen zu fragen und befördern damit den Blick von Fördermittelgebern und Leitungen von Bildungseinrichtungen auf die Qualität ihrer Arbeit, deren Kontrolle und Weiterentwicklung, also auf Evaluation.
Die Evaluation soll helfen, für Pädagogen, Entscheidungsträger der Politik und die Öffentlichkeit Informationen über Bildungseinrichtungen und ihre Bildungsprogramme zu gewinnen.
Diese Arbeit soll einen Überblick über die Evaluation im Bildungsbereich geben und einen kleinen Einblick in die Praxis der Evaluation von Bildungseinrichtungen gewähren. Dazu wird am Beginn Evaluation definiert und die Arten der Evaluation aufgezeigt bevor es um die Qualitätssicherung im Bildungswesen geht. Abschließend wird auf die Probleme der Evaluation im Bildungsbereich eingegangen, die sich nach Meinung des Autors stellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition
2. Arten der Evaluation
2.1 Was wird evaluiert? – Der Gegenstand der Evaluation
a) zielorientierte oder zielfreie Evaluation
b) Entwicklungs-/Planungsevaluation
c) bedarfsorientierte Evaluation
d) Makro- und Mikroevaluation
e) vorab-Evaluation
2.2 Warum wird evaluiert? – Der Zweck der Evaluation
a) Kontrolle
b) Entscheidungsstrategie
c) Entscheidungshilfe
d) Optimierungsgrundlage
e) als Bewertung ohne Zielangabe
f) als strategisches Instrument
2.3 Wie wird evaluiert? – Die Methode der Evaluation
a) summative Evaluation
b) formative Evaluation
2.4. Wer evaluiert? – Die Durchführung der Evaluation
a) Fremdevaluation
b) Selbstevaluation
3. „Qualitätssicherung“ im Bildungsbereich
3.1 Die Normierung der Evaluation – DIN EN ISO 9000 ff.
3.2 Die Methoden der „Qualitätssicherung“
3.2.1 Auditierung
4. Probleme der Evaluation
4.1 Das Problem der Wissenschaftlichkeit
4.2 Das Problem der Akzeptanz
4.3 Das Problem der Zeit
4.4 Das Problem der Instrumentalisierung
4.5 Das Problem der Zielbestimmung
4.6 Das Problem der Einflussfaktoren
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit bietet einen systematischen Überblick über das Feld der Evaluation im Bildungsbereich. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen der Evaluation zu definieren, die gängigen Arten und Methoden vorzustellen und diese kritisch im Kontext von Qualitätssicherungssystemen zu analysieren, um ein tieferes Verständnis für die Herausforderungen bei der Umsetzung zu schaffen.
- Definition und Klassifikation von Evaluationen
- Dimensionen der Evaluation: Gegenstand, Zweck, Methode und Durchführung
- Qualitätssicherung nach DIN EN ISO 9000 ff. im Bildungssektor
- Methoden der Auditierung als Instrument der Selbstevaluation
- Kritische Analyse von Problemen bei der Implementierung (Wissenschaftlichkeit, Zeit, Akzeptanz)
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Auditierung
„Unter Qualitätsaudit (lat. „audire“ = hören; also „Qualitätsanhörung“) wird eine systematische und unabhängige Untersuchung verstanden, ob die qualitätsbezogenen Tätigkeiten und die dadurch erzielten Ergebnisse den geplanten Anforderungen und Standards entsprechen, ob die dazu erforderlichen Arbeiten ökonomisch und rationell realisiert wurden und in welchem Grade die Umsetzung der Maßnahmen geeignet ist, gesetzte unternehmerische Ziele zu erreichen“, formulieren Christoph Hannen und Thomas Lindemann. Mit Audits sollen Fehler aufgedeckt werden. Man unterscheidet Produkt-, Verfahrens- und System-Audits. Produkt-Audits sind eine Produktevaluation (summative Evaluation). Sie dienen der Prüfung eines fertigen Produkts - in Bildungseinrichtungen z.B. Abschlussarbeiten. System-Audits sollen die Wirksamkeit eines Qualitätsmanagementsystems kontrollieren und prüfen, „ob die notwendigen Bestandteile eines solchen Systems existieren und in welcher Ausprägung und Wirksamkeit sie vorhanden sind“. Dieser Audit-Typ findet bei der Zertifizierung Anwendung.
Für Bildungseinrichtungen entscheidend ist das Verfahrens-Audit. Es überprüft die im Unternehmen zuvor im Qualitätsmanagementhandbuch (QMH) festgelegten Abläufe und dient der Verbesserung des Managements. „Prozesse im Unternehmen werden erfasst und auf Schwachstellen hin untersucht“, so Hannen und Lindemann. Die Auditierung ist die Evaluation, die dann bei der Aufdeckung von Schwachstellen zu einer Änderung der Arbeitsabläufe im Unternehmen führen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition: Dieses Kapitel erläutert die etymologische Herkunft und das Grundverständnis von Evaluation als wertendes, systematisches Verfahren zur Qualitätsverbesserung.
2. Arten der Evaluation: Hier werden Evaluationsansätze in vier Dimensionen (Gegenstand, Zweck, Methode, Durchführung) strukturiert und detailliert nach ihren jeweiligen Zielsetzungen kategorisiert.
3. „Qualitätssicherung“ im Bildungsbereich: Dieses Kapitel untersucht die Übertragbarkeit von Qualitätsmanagement-Normen wie der DIN EN ISO 9000 ff. auf den Bildungssektor und erörtert die Rolle des Qualitätsmanagements bei privaten Bildungsanbietern.
4. Probleme der Evaluation: Hier werden die kritischen Hürden wie Wissenschaftlichkeit, fehlende Akzeptanz, Zeitmangel und Instrumentalisierung sowie das Problem der Zielbestimmung bei der Evaluation pädagogischer Arbeit reflektiert.
Schlüsselwörter
Evaluation, Qualitätssicherung, Bildungsbereich, Bildungsmanagement, Qualitätsmanagement, Auditierung, Selbstevaluation, Fremdevaluation, DIN EN ISO 9000, Prozessevaluation, Bildungseinrichtungen, pädagogische Qualität, Zielbestimmung, Effektivität, Effizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die systematische Bewertung und Qualitätskontrolle von Bildungseinrichtungen durch den Einsatz verschiedener Evaluationsmethoden.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Evaluation, die Klassifikation nach verschiedenen Dimensionen, die Anwendung von Industriestandards (ISO 9000) im Bildungswesen sowie die Diskussion spezifischer Hindernisse bei der Durchführung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Praxis der Evaluation zu geben und aufzuzeigen, wie diese trotz komplexer Rahmenbedingungen und spezifischer Probleme in Bildungseinrichtungen als Entwicklungsinstrument genutzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die theoretische Definitionen und Klassifikationen renommierter Theoretiker wie Allgäuer, Westermann und Honig gegenüberstellt und auf den Bildungsbereich anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Systematisierung von Evaluationsarten und die Analyse der Qualitätssicherung mittels Audit-Verfahren sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Durchführungsproblemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Evaluation, Qualitätsmanagement, Auditierung, Prozessevaluation und Bildungsträger charakterisiert.
Inwiefern unterscheidet sich die Evaluation in privaten von öffentlichen Einrichtungen?
Private Träger sind oft freier in der Zielsetzung und nutzen Qualitätssicherungssysteme stärker zur Marktprofilierung, während öffentliche Einrichtungen häufiger mit vorgegebenen Zielen und politisch motivierten Evaluationsanforderungen arbeiten.
Was macht die Evaluation im Bildungsbereich so problematisch?
Die Arbeit betont, dass erzieherische Arbeit kein standardisierbares Produkt liefert, weshalb externe Einflussfaktoren und die Schwierigkeit der Zielbestimmung eine wissenschaftlich exakte Evaluation erschweren.
- Arbeit zitieren
- Harald Kümmel (Autor:in), 2004, Evaluation im Bildungsbereich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/125912