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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Vietnamesen in Deutschland 4
2.1. Vietnamesen in der BRD bzw. Westdeutschland 4
2.2. Vietnamesen in der DDR bzw. Ostdeutschland 5
3. Die Bildungssituation der (Ost-)Vietnamesischen Migranten 8
4. Hypothesen und Erklärungsversuche 10
5. Ausblick 12
6. Quellen 13
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1. Einleitung
Die Debatte über Integration und Einwanderung rückt hin und wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Fast jeder glaubt, zu diesem Thema etwas sagen zu können; seien es Menschen aus dem Alltag, Politiker, Personen aus den Medien oder aus der Fachwelt. Auch die aktuelle Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich dahingehend mehrfach geäußert: „Ich halte das Thema Integration für ein wirkliches Schlüsselthema der Zukunftsfähigkeit Deutschlands“ 1 . In Deutschland hat sich Integration in den letzten Jahrzehnten zum einem der Themen überhaupt entwickelt, das in naher Zukunft vorerst kein Ende findet. Im Visier stehen dabei Menschen mit Migrationshintergrund, oftmals Türken, weil sie die optisch auffälligste, am schlechtesten gebildete, am wenigsten integrierte und auch von der Anzahl her die Größte Gruppe stellen. Die Superlativen um diese Gruppe häufen sich; mit Tendenz in die negative Richtung, wobei u.a. auch arabische Mitbürger von dieser Stigmatisierung betroffen sind. Eine Vielzahl von Studien und Publikationen arbeiten mit Daten vorwiegend aus Westdeutschland bzw. westdeutschen Bundesländer und weist darauf hin, welche gesellschaftlichen und auch wissenschaftliche Probleme existieren.
PISA fällt als Stichwort; in der Öffentlichkeit der Inbegriff für die Bildungssituation und Differenzen innerhalb Deutschland und im internationalen Vergleich. Der Blick auf Ostdeutschland wird häufig außen vor gelassen, wenn dann, mit dem Hinweis auf die geringe Anzahl von Kindern mit Migrationshintergrund. Dabei besuchen über 20.000 ausländische Kinder und Jugendliche die Schulen in Ostdeutschland und lassen damit durchaus stichhaltige Schlussfolgerungen zu. Im Rahmen des Soziologie-Moduls „Ethnische Ungleichheit“ widmet sich dieser Aufsatz der Bildungssituation in ostdeutschen Bundesländern. Dabei gibt es Erkenntnisse, die die Wahrnehmung der Öffentlichkeit in Erstaunen versetzen könnten. Es ist der außergewöhnliche Erfolg von Schülern mit vietnamesischem Migrationshintergrund.
1 Angela Merkel bei dem 4.Integrationspolitischen Dialog im Bundeskanzleramt
http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2008/06/2008-06-04-integrationsdialog.html
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2. Die Vietnamesen in Deutschland
Bis zum Jahr der Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam 1975 lebten lediglich wenige hunderte, überwiegend aus der Oberschicht stammenden Vietnamesen zum Studium oder Ausbildung in der BRD (Bundesrepublik Deutschland) und DDR (Deutschen Demokratischen Republik). Die zwei großen Gruppen die nach 1975 nach Deutschland einwanderten, sind zum einen die „boat people“ bzw. Boots- und Kontingentflüchtlinge zwischen 1975 und 1986 in die BRD und zum anderen die Vertragsarbeiter von 1980 bis 1990 in die DDR bzw. Ostdeutschland. 20 Jahre später, Ende des Jahres 2005 leben ca. 83000 Vietnamesen in der heutigen Bundesrepublik. Rechnet man Eingebürgerten hinzu, ergibt sich eine Zahl von ca. 125 000 Menschen mit vietnamesischer Herkunft ohne die Einbeziehung der Illegalen und von den Deutsch-Vietnamesen geborenen Kinder. Unter den Ausländern bilden sie damit die größte nicht europäische Gruppe der Migranten in Deutschland nach den US-Amerikanern (ca. 99 000), vor den Chinesen (ca. 76 000) und Irakern (ca. 74 000). Ihre durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug Ende 2006 laut dem Ausländerzentralregister 11,7 Jahren (im Vergleich dazu die Türken mit 20,7 Jahren).
2.1. Vietnamesen in der BRD bzw. Westdeutschland
Die boat people (ca. 38 000) flohen seit 1975 wegen politischer Unterdrückung des kommunistischen Nordens sowie zum Teil auch aufgrund der wirtschaftlichen Not in die damalige BRD. Ihr Fluchtweg war durch die öffentlich wirksamen Unglückfälle im Südchinesischen Meer gekennzeichnet (Beuchling 2001, 92ff). Gründe waren die untauglichen Boote, wilde Naturgewalten sowie Angriffe von thailändischen Piraten. Viele überlebten die schwierige Seereise nicht - die die das Glück hatten, wurden von Handelsschiffen oder von der „Cap Anamur“ (Schiffe der humanitären Hilfsorganisation) in Übergangslager der asiatischen Nachbarländer aufgenommen und dann in Drittländer verteilt. Dies geschah mit Hilfe eines Programms von UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinen Nationen) indem Deutschland auch beteiligt war und somit neben Ländern wie USA, Kanada usw. auch Kontingente aufnahm (Wolf 2007, 4). Die Integration der Bootsflüchtlinge ist insgesamt gut gelungen und war stets mit staatlichen Programmen gefördert worden. Darunter die Sprachförderung, berufliche Orientierung mit Umschulung oder Ausbildung sowie wirtschaftliche Stützung in Form von BaFög und Sozialhilfe. Rechtlich hatten die „boat people“ entsprechende Möglichkeiten zur Integration gehabt, da ihnen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse
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erteilt wurden. Selbst die deutsche Öffentlichkeit und Teile der inländischen Bevölkerung zeigten anfänglich eine leichte Euphorie, die sich in großen Spenden, Geschenken, Vermittlung von Patenschaften und verschiedenen Kontaktversuchen entlud (Beuchling 2001, 93-94). Die Platzierung der ersten Generation auf dem Arbeitsmarkt gelang „gut“ und die meisten fanden Beschäftigung als Angestellte oder haben bis sich heute erfolgreich selbständig gemacht. Zahlreiche „asiatischen“ Restaurants, Imbisse und Lebensmittelgeschäfte seien hier ein Indiz dafür. Insgesamt gestaltet sich die Integration der Vietnamesen in Westdeutschland einschließlich der zweiten Generation ruhig und fast reibungslos (Wolf 2007, 5). 2.2. Die Vietnamesen in der DDR bzw. Ostdeutschland
In der DDR begann die aktive Rekrutierung von Vertragsarbeitern aus der seit 1975 vereinigten Sozialistischen Republik Vietnam (SRV) ab dem Regierungsabkommen vom 11.April 1980. Die Gründe waren überwiegend ökonomischer Natur - Vietnam begann in den 80ern junge und zugleich sehr billige Arbeitskräfte, überwiegend einfache Arbeiter aus der Industrie und Landwirtschaft, aber auch höher gebildete (u.a. Ärzte und Lehrer) in befreundetet sozialistisch-kommunistische Länder zu exportieren. Durch das bilaterale Abkommen 2 sollte die Integration unterbunden und lediglich der Mangel an Kräften für einfache Tätigkeiten (Textil-, Bau- und Metallindustrie) in der DDR gedeckt werden. Es zeigen sich hier einige Parallelen zu den „Gastarbeitern“ in der BRD nur mit einigen zusätzlichen Defiziten wie häufige Überqualifizierung, keine entsprechende Vorbereitung, deutlich schlechtere Bezahlung und begrenzter Aufenthalt bis max. 5 Jahren. Trotz der sozialen Isolation in Wohnbarrake, strikte Überwachung und den damit verbundenen Problemen war es für die Vietnamesen eine „Ehre“ in der DDR arbeiten zu dürfen und so stieg die Zahl der Vertragsarbeiter bis zum Zusammenbruch der DDR 1989 auf 60.000 an (Wolf 2007, 7). Nach dem Beitritt der neuen Bundesländer und Ost-Berlin am 03.01.1990 zur BRD kehrten lediglich 34.000 der 60.000 Vietnamesen mit jeweils einer Abfindung vom 3.000 DM zurück. Der große (Rest)-Teil blieb, hoffte auf die sozio-ökonomische und politische Neuorientierung und traf in erster Linie auf Orientierungslosigkeit, gesellschaftliche Spannungen und zunehmende Fremdenfeindlichkeit, die sich gewalttätigen Übergriffen auf Asylheimen entlud. Hinzu kam noch der Verlust des Arbeitsplatzes und nach Ablauf der DDR-Verträge
2 Dieses Abkommen von 1980 war verbunden mit gravierenden Einschränkungen: Die Vertragsarbeiter aus der
SRV mussten alle Sozialabgaben zahlen ohne ein Anspruch auf das soziale Netz zu haben. 12% des Lohns
wurden automatisch an die Regierung von Vietnam abgeführt und ihr Leben streng durch DDR kontrolliert und
reglementiert. Familiennachzug und Geburt von Kindern sowie jegliche politische Beteiligung waren verboten,
andernfalls droht die Abschiebung. Weiteres siehe Wolf 2007: S.6ff.
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de facto nicht vorhandene Aufenthaltsstatus. Die fehlenden Sprachkenntnisse erschwerten den Durchblick durch das komplizierte deutsche Rechtssystem und der Zugang zu Ressourcen durch den Arbeitsmarkt blieb den meisten Verwehrt. Anfang der 90er zogen eine beträchtliche Anzahl von Vietnamesen (ebenfalls ehemalige Vertragsarbeiter) aus der UdSSR, der CSSR und Bulgarien nach Deutschland illegal hinzu. Die (Zwangs-)Abschiebung deutscher Seite war nicht möglich, da Vietnam die Aufnahme von unfreiwilligen Asylbewerbern verweigerte. Den Vietnamesen in (Ost-)Deutschland wurde somit von beiden Seiten der Boden unter den Füßen weggezogen (Aufenthaltsstatus „Duldung“ oder illegal) und es wuchs der Anomiedruck. Kulturell anerkannte Ziele wie Wohlstand, Reichtum und Karriere wurden erkannt bzw. angestrebt - die gesellschaftlich legitimierten Mittel standen ihnen allerdings nicht zur Verfügung (Korte 2008, 183ff). Dies könnte eine mögliche Erklärung für die damalig extrem hohe Kriminalitätsrate unter Vietnamesen sein, die überwiegend der Unterschicht zuzuordnen sind. In der Öffentlichkeit spiegelte sich ein zunehmend negatives Bild in Verbindung mit Zigarettenschmuggel und Bildung mafiaähnliche Strukturen wider. Ab 1993 war es durch den ein Beschluss der Innenministerkonferenz für diejenigen Vertragsarbeiter möglich, die bis April 1994 eine Arbeit nachweisen, eine befristete Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Für Portes/Rumbaut würde dies eindeutig eine der drei Determinanten für die Eingliederung (modes of incorporation) bedeuten, nämlich die Aufnahmepolitik der Regierung in Form von „ablehnend“ teilweise hin zu „passiv duldend“. Damit ist ausdrücklich die Legalisierung des Aufenthaltsstatus und bei Zurückhaltung unterstützender Hilfe zur Eingliederung gemeint (vgl. Farwick 2009, 88). Dies trifft ohne Zweifel zu. Die Vietnamesen wählten daraufhin den normkonformen Weg und legalisierten seit dem ihre Geschäfte überwiegend in der Selbständigkeit. Bis heute stehen entsprechende Restaurants, Imbissstände, Obst- und Gemüseläden, Kleidungsgeschäfte und seit neuerer Zeit sog. Nagelstudios dafür Ausdruck. Als weiterer Faktor der segmentierten Eingliederung/Assimilation 3 sei hier noch die „soziale Distanz“ erwähnt, die scheinbar so stark war, dass sie eventuell einen impact in der Politik 1993 fand. Die Frage, ob die Grundgesetzänderung des Artikel 16a, Abs.1 („Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“) mit zusätzlichen Absätzen und damit die systematische Abschaffung des Asylrechts, nur eine politische oder auch eine gesellschaftliche oder sich gegenseitig verstärkende Effekte sind, bleibt hier offen
3 Assimilation ist nach Esser „zunächst eine Angleichung der Akteure bzw. Gruppen in gewissen Eigenschaften
an einem bestimmten Standard.“ In der Öffentlichkeit ist mit dem Begriff der „Integration“ weitgehend mit den
Dimensionen der Assimilation gleichgesetzt (Esser 2007: 90)
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(Oswald 2007, 183).
Portes/Rumbaut zählen als zweite Determinante für eine erfolgreiche ökonomische Eingliederung von Migranten (hier Vietnamesen) die Integrationsbereitschaft der Aufnahmebevölkerung auf, wovon im starken Maße die soziale Distanz abhängig ist. Diese wiederum setzt sich aus der Schichtzugehörigkeit, Religion, Sprache und besonders die Hautfarbe zusammen. Je dunkler die Hautfarbe, desto geringer ist die Akzeptanz der Aufnahmegesellschaft bzw. größer die „soziale Distanz“. Wie „nur“ die Hautfarbe der Vietnamesen zu beurteilen ist, bleibt hier ebenfalls offen, allenfalls kann hier die deutlich optische Auffälligkeit wie durchschnittliche Körpergröße, Augen- und Haarfarbe sowie das Gesicht bestätigt werden. Die soziale Distanz ist nach biologischen Kriterien eher groß. Kurt Salentin untersuchte die persönliche Diskriminierungserfahrung und attestierte den Türkisch- und Vietnamesischstämmigen in deutlich stärkerem Maß betroffen als Italienisch-, Serbisch- und Kroatischstämmige. Ähnliches gilt für Kanada, wobei hier Schwarze, Chinesen und Südasiaten besonders betroffen sind gegenüber anderen Minderheiten wie z.B.: Italiener, Juden und Portugiesen (Salentin 2008, 518-519). Für die Ost-Vietnamesen, zumindest in der ersten Generation gelten eine hohe soziale Distanz zur Aufnahmegesellschaft und eine latente Ausländerfeindlichkeit, die besonders zwischen 1990 und 1992 in einem hohen Maß von fremdenfeindlichen Delikten und bleibt seit dem auf hohem Niveau stehen (Geißler 2006, 247ff.). Inwieweit also der Faktor „Aufnahmebereitschaft der ansässigen Bevölkerung“ die Eingliederung der Vietnamesen (negativ) beeinflusst oder erschwert, bleibt hier offen und kann meinerseits nicht beantwortet werden. Als dritten Faktor der modes of incorporation nennen Portes und Rumbaut die ethnische Gemeinschaft. Nun, für die Ost-Vietnamesen bestand sie aus kleinen Randgruppen in beengten Wohnheimen und nahezu vollständige (auch sprachliche) Isolation ohne realistische Aufstiegschancen. Das entsprechende Humankapital, Portes und Rumbaut fassen darunter die Ausbildung, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse zusammen, konnte angesichts der geschilderten Situation in der DDR (vgl. Geißler 2006, 250; Farwick 2009, 87) und der nach der Wende erfolgen gesellschaftlichen Unsicherheit kaum umgesetzt werden. Ganz davon abgesehen sind die Sprachkenntnisse der ersten Generation schlecht ausgeprägt und die Akkumulation von zusätzlichem Humankapital unter normkonformen Bedingungen somit deutlich erschwert. Außer man fasst unter dem Begriff Humankapital auch die (kurzen oder auch längeren) kriminellen Aktivitäten und damit (Berufs)Erfahrungen wie Zigarettenschmuggel und mafiaähnliche Strukturen als ethnische Gemeinschaft zusammen. Dieser Erklärungsweg erscheint wenig plausibel und
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schiebt (fast) die kompletten Ost-Vietnamesen unter Generalverdacht - davon werde ich hier in diesem Aufsatz absehen, da dieser Bereich zu spekulativ erscheint und auch detaillierte Daten zur Kriminalität mir nicht bekannt sind. Ein anderer möglicher Erklärungsversuch zielt auf den Erfolg in der Nische des damaligen (und zum Teil heutigen) Marktes zur Akkumulation des ökonomischen Kapitals unter Einsatz von extremer Arbeitszeit und Selbstausbeutung. Dies klingt plausibler und wird auch oftmals in den Medien verwendet (Die Zeit 22.01.2009 Nr.5). Der Nachweis könnte durch die Arbeitslosenquote bzw. Anteil der Sozialhilfeempfänger unter Vietnamesen erbracht werden.
Wie gut die Vietnamesen in Deutschland nun integriert sind, muss differenziert betrachtet werden. Wenn man die strukturelle Assimilation als zentrale Dimension wie Esser erfasst und die Platzierung der ersten Generation auf dem (primären) Arbeitsmarkt meint, so gilt dies in höherem Maße für die West-Vietnamesen als die Ost-Vietnamesen. In Bezug auf individuelle Assimilation in allen vier Dimensionen (kulturell, strukturell, sozial und emotional) der zweiten Generation und insbesondere wieder die strukturelle Assimilation in Bezug auf Bildungssituation, so zeigt sich der Erfolg besonders und auch in Ostdeutschland. Nachfolgend soll die Bildungssituation dargestellt und anschließend durch aufstellen einiger Hypothesen mögliche Hinweise gefunden werden. 3. Die Bildungssituation der vietnamesischen Migranten in (Ost)Deutschland
Die Situation von Kinder und Jugendliche im Bildungssystem lässt sich Anhand unterschiedlicher Faktoren beschreiben. Hierbei handelt es sich um gewöhnliche Darstellung der Bildungsforschung in Form von Bildungsbeteiligung, Schulleistung und Bildungserfolg. Diese drei Indikatoren haben einen direkten Einfluss auf die späteren Chancen im weiteren Lebensverlauf und Berufsperspektive. Die Bildungsbeteiligung definiert sich durch den Anteil an einer Schulform, Bildungsbeteiligungsquote und dem Maß an Über- bzw. Unterrepräsentation. Leistungsbezogene Aspekte beziehen sich auf erreichte Schulnoten, Punktzahl in Leistungstests und Empfehlungen durch die Grundschule. Die formalen Bildungsabschlüsse und teilweise der Notendurchschnitt bei Abschlussprüfungen bilden den Bildungserfolg (Diefenbach 2008, 13-15). Zur Beschreibung der Situation vietnamesischer Kinder und Jugendliche im Bildungssystem verwende ich in diesem Aufsatz die Bildungsbeteiligung, die durch eine quantitative Studie des
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Landes Brandenburg 4 an vietnamesischen Mitbürgern Sommer 2008 u.a. erfasst wurde. Der Befund aller Vietnamesischen Schüler in Deutschland wird durch die Statistik vom Bundesamt vom Schuljahr 2007/2008 festgehalten 5 . Andere deutsche Studien dieser Art mit explizit erwähnter vietnamesischer Beteiligung sind mir zum Zeitpunkt der Verfassung dieser Arbeit nicht bekannt. Insgesamt beschränkt sich das Forschungsfeld zur Bildungsungleichheit weitgehend auf die Benachteiligung großer Gruppen (u.a. insbesondere Türken und Italiener) die im Folgenden auch kurz einbezogen werden.
Bildungsbeteiligung in Brandenburg (Quelle: Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie - Die Integrationsbeauftragte des Landes. S.15 Tab.9) -Schulform in der Sekundarstufe - Eigene Darstellung (Tab.1): Die gesamten Stichprobe (N=433) umfasst N1=134 Haushalte und insgesamt 433 Personen mit vietnamesischem Migrationshintergrund (ca.10% der Bevölkerung in Brandenburg). Davon sind N2=225 der Elterngeneration und N3=208 Kindergeneration.
Oberstufe besuchen ist auf dem ersten Blick mit 74,20% sehr beeindruckend. Eine Verzerrung durch die Methodik des selbstausfüllenden Fragebogens ist nicht ausgeschlossen, da Probanden mit Kindern, die eine Förderschule bzw. Schule für Lernbehinderte besuchen sich vielleicht schämten ihre Bogen zurückzuschicken.
4 Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg. Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie.
Studie „Zur Situation der ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeiter und ihrer Familienangehörige im Land
Brandenburg“.
5 Statistisches Bundesamt: Konsortium Bildungsbericht.
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Ein anderer einschränkender Faktor, der in der Quantitativen Studie selbst erwähnt wird, ist, dass bei der Berücksichtigung des Einreisealters von über 6 Jahren kein Kind - und 86% der Kinder bis zum Einreisealter von 5 Jahren das Gymnasium besucht.
Zur besseren Vergleichbarkeit mit anderen ethnischen Minderheiten folgt nun eine Darstellung nach amtlichen Bundestatistiken. Bildungsbeteiligung in Deutschland (Quelle: Zeit 22.01.2009) nach Staatsbürgerschaftskriterien (Tab.2):
Untersuchung verwendet werden (Türken, Italiener, Spanier) sind die Vietnamesen mit Abstand die erfolgreichste Gruppe gemäß der Bildungsbeteiligung. Eine Erklärung für dieses Phänomen gibt es nicht, jedenfalls mir nicht bekannt. Ich versuche im folgenden Kapitel einige Hypothesen aufzustellen. Grundlage bildet dabei die schon erwähnte segmentierte Assimilation von Portes und Rumbaut (vgl. Farwick 2009; Portes 1995, 248ff.).
4. Hypothesen und Erklärungsversuche
Alejandro Portes schildert sehr plastisch die Unterschiedlichen Varianten und Determinanten der segmentierten Assimilation. Als erstes nimmt er Abstand von der gewöhnlichen Auffassung der klassischen Assimilationstheorien, wonach die Assimilation nicht mehr in Richtung einer Mainstream Kultur sondern es zur Übernahme von Normen und Werten der innerstädtischen Bevölkerung kommt
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(Portes 1995, 250): „’Assimilation’ in this instance is not to mainstream culture, but to the values and norms of the inner city.“ Weiterhin weist Portes auf die Konzentration von Migranten zum Zentrumnähe hin; Gründe sind die ökonomischen Restriktionen seitens der Migrantenfamilien und damit verbunden der Kontakt zu anderen unten befindlichen Minderheiten (Portes 1995, 252). Dies dürfte für den in Deutschland (zumindest in Brandenburg) größtenteils nicht für Vietnamesen gelten. Am ehesten ist eine Konzentration in Berlin zu erwarten; allerdings weist diese Stadt einen sehr geringen Anteil von Vietnamesen aus (Berlin: 12.000). Eine derartige „abwärts-Spirale“ ist bei einem Ausländeranteil von unter 3,5% ist desweiteren in Ostdeutschland kaum möglich. Ein besonderer Erfolg ist damit auch nicht zu erklären.
Portes betont die prägende Rolle des sozialen Kapitals bei der strukturellen Eingliederung der zweiten Generation (Portes 1995,256ff; Farwick 2009,243ff.). Zuerst einmal stellt Kapital im klassischen Sinne nach Marx einen „Mehrwert“ bei der Produktion von Gütern her. Kapital (u.a. ökonomisches) kann investiert und zur Vermehrung bzw. Akkumulation verwendet werden. Humankapital beschreibt das Ausmaß von Wissen und Fähigkeiten, die ein Akteur zur Verfügung hat, um in bestimmten Situationen sein Ziel zu erreichen (zB.: Arbeitsplatz und Einkommen). Nach dem zu urteilen, kann das Humankapital der Vietnamesen nur geschätzt werden. Die in Brandenburg befragten Probanden gaben an zu 85% (89% Männer; 82% Frauen) einer bezahlten Arbeit nachzugehen, einen Hinweis auf die (erfolgreiche) strukturelle Platzierung auf dem Arbeitsmarkt. Die konzeptionelle Erweiterung erfolgt dann schließlich durch Lin und Boudieu (Farwick 2009, 245ff, 259ff). Zur Messung des Wertes des sozialen Kapitals werden drei Dimensionen benötigt: Reichtum (ökonomische Güter), Macht (politische Güter) und Reputation (soziale Güter). Bei der Mobilisierung dieses Kapitals stehen Vietnamesen keineswegs überragend da; der Reichtum beschränkt sich auf die mehrfach geschilderten und beschriebenen Geschäfte in der Nische. Allenfalls kann durch die hohe Selbständigkeit einer Mittelschicht zugeordnet werden. Politische Güter in Form von Macht sind nahezu ausgeschlossen, allein durch das nicht vorhandene politische Mitbestimmungsrecht bei nicht deutscher bzw. vietnamesischer Staatsangehörigkeit. Die Dimension der Reputation kann allenfalls auch nur geschätzt werden und bewegt sich ebenfalls in kleinen Rahmen. Dazu gesellen sich die sprachlichen Hürden (bei der Elterngeneration). Die prägende Rolle des sozialen Kapitals wie Portes betont, muss hier ebenfalls offen bleiben. Was bleibt also noch für Erklärungsansätze übrig? Vielleicht positive Diskriminierung, die aber sehr unwahrscheinlich ist. Eher ist eine Diskriminierung
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zu erwarten angesichts der sozialen Distanz. Ich werde nun noch einige kurze mögliche Hypothesen erwähnen, die vielleicht den Erfolg bilden können. Hier sei betont, dass für Deutschland keine empirischen Aussagen für den Erfolg der Vietnamesen getroffen werden kann. Esser weist in dem Buch Sprache und Integration vereinzelt auf die ebenfalls unbefriedigende Erklärungsversuche seitens der USA im bezug auf den Erfolg einiger Gruppen asiatische Schüler hin. Einer der mit am häufigsten, immer wieder auch in der Öffentlichkeit genannten Ursachen ist der kulturell geprägte hohe Stellenwert der Bildung in asiatischen, insbesondere konfuzianistischen Familien (Kultur). Den hohen Stellenwert der Bildung kann man annehmen - entpuppt sich aber bei näherer Hinsicht in erster Linie als Handlungsabsicht bzw. verfolgtes Ziel. Zum Erreichen dieses Zieles (Gymnasium, guter Schulabschluss als Indikator für den Bildungserfolg) muss nach Bourdieu Kapital investiert werden. Dies wäre zum einen, wir drehen uns hier im Kreis, das ökonomische Kapital sowie andere Kapitalformen wie kulturelles Kapital, Bildungskapital und die benötigte Zeit. Alles oder meistens von den Eltern abhängig. Zum anderen könnte eine hohe Bildungsinspiration möglicher Weise einen Einfluss auf die Schulwahl und deren Empfehlung haben. Hier müsste überprüft werden, wie sich vietnamesische Eltern entscheiden zur welcher Sekundar-Schule sie ihre Kinder schicken möchten. Unterstützung seitens der Eltern in Form von Hausaufgabenhilfe kann aber eher nicht erwartet werden, da der überwiegende Teil schlecht Deutsch beherrscht. Insgesamt bleiben die meisten Erklärungsversuche extrem unbefriedigend. Liegt vielleicht auch an der „problemfisxierten Forschung“ in Deutschland (Sauer 2007, 61). Ich verweise hier in Anlehnung an Hartmut Esser auf die Wichtigkeit der strukturellen Assimilation (oder auch Integration als Prozess) hin - hiermit gemeint die Platzierung der ersten Generation auf dem Arbeitsmarkt, als wichtigste Voraussetzung bzw. elementare Grundlage für die Assimilation der nächsten Folgegeneration.
5. Ausblick
Zum Abschluss dieses Aufsatzes wende ich mich der geforderten Forschungsfrage zu, wobei betont werden muss, dass es möglich ist, zahlreiche Forschungsfragen abzuleiten. Wie z.B.: Welchen Einfluss hat das Einreisealter der Kinder auf den Bildungserfolg? Dies wäre eine kleinere Frage. Die große Frage die sich für mich während der Recherchen gestellt hat, ist wenn man es als Forschungsfrage formulieren kann wie folgt: „Wie ist überhaupt die (meiste Reibungslose) Integration der Vietnamesen in Ostdeutschland möglich?“.
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6. Quellen
Beuchling, O. (2001): Vom Bootsflüchtling zum Bundesbürger. Migration, Integration und schulischer Erfolg in einer vietnamesischen Exilgemeinschaft. Münster: Waxmann.
Diefenbach, H. (2008): Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien im deutschen Bildungssystem. Erklärungen und empirische Befunde. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Esser, H. (2006): Sprache und Integration - die sozialen Bedingungen und Folgen des Spracherwerbs von Migranten. Campus: Frankfurt/M.
Esser, H. (2007): Strukturelle Assimilation und ethnische Schichtung. In: Ittel, A./Merkens, H. (Hrsg): Interdisziplinäre Jugendforschung. Jugendliche zwischen Familie, Freunden und Feiden. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 89-104.
Farwick, A. (2009): Segregation und Eingliederung. Zum Einfluss der räumlichen von Zuwanderern auf den Eingliederungsprozess. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Geißler, R. (2006): Die Sozialstruktur Deutschlands. Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Kiss, A/Lederer, H. (2007): Bundesamt für Migration und Flüchtlinge -Ausländerzahlen. Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Korte, H. (2008): Einführung in die Geschichte der Soziologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Mäker, M. (2008): Zur Situation der ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeiter und ihrer Familienangehörigen im Land Brandenburg. Ergebnisse einer quanitativen Untersuchung im Sommer 2008 - Erste vorläufige Grundauszählung. Berlin: Die Integrationsbeauftragte des Landes. Oswald, I. (2007): Migrationssoziologie. Konstanz: UTB. Portes, A. (1995): The economic sociology of immigration: essays on networks, ethnicity, and entrepreneurship. New York: Russell Sage Foundation.
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Portes,A/R.G. Rumbaut (2006): Immigrant America: a portrait. Berkeley: Univ. of California Press.
Salentin,K. (2008): Diskriminierungserfahrung ethnischer Minderheiten in der Bundesrepublik. S. 515-526.
Sauer, K.E. (2007): Integrationsprozesse von Kindern in multikulturellen Gesellschaften. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Weiss, K. (2006): Ausländische Schüler in den neuen Bundesländern - eine Erfolgsstory. In: Auernheimer, G. (Hrsg.): Schieflagen im Bildungssystem. Die Benachteiligung der Migrantenkinder. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S.179-191
Wolf, B. (2007): Die vietnamesische Diaspora in Deutschland - Struktur und Kooperationspotential mit Schwerpunkt auf Berlin und Hessen. Eschborn: Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Andere Quellen:
Die Zeit, 22.01.2009 Nr.5 Integration - Das vietnamesische Wunder. www.zeit.de/2009/05/B-Vietnamesen Statistisches Bundesamt
http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2008/06/2008-06-04- integrationsdialog.html
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Tuan Vu Minh, 2009, Aktuelle Bildungssituation von Vietnamesen in (Ost)Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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