Abkürzungsverzeichnis
§(§) Gesetzesparagraph(en)
% Prozent
& und
Abb. Abbildung
Abs. Absatz (eines Gesetzesartikels)
BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
bzw. beziehungsweise
DEHOGA Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V.
DIN Deutsches Institut für Normung
EG Europäische Gemeinschaft
EMAS Eco-Management and Audit Scheme
EN Europäische Normen
e. V. eingetragener Verein
EWG Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
f folgend(e Seite)
ff fortfolgend(e Seiten)
FN Fußnote
FBMA Food + Beverage Management Association e.V.
ggf. gegebenenfalls
GmbH &Co.KG Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Kommanditgesellschaft
H. Heft
insb. insbesondere
insg. insgesamt
i.d.R. in der Regel
i.S.v. im Sinne von
i.V.m. in Verbindung mit
ISO International Organization for Standardisation
Jg. Jahrgang
KMU Kleine und mittlere Unternehmen
KMO Kleine und mittlere Organisationen
KVP Kontinuierlicher Verbesserungsprozess
lat. lateinisch
m.E. meines Erachtens
mind. Mindestens
Mio. Millionen
Mrd. Milliarden
m.w.N. mit weiterem Nachweis
o.g. oben genannte(r/n)
PDCA Plan-Do-Check-Act
QM(S) Qualitätsmanagement(system)
s./S. Siehe
S. Seite
sog. sogenannte(r/n)
SWOT Strengths Weaknesses Opportunities Threats
TQM Total Quality Management
UGA Umweltgutachterausschuss
UM(S) Umweltmanagement(system)
USP unique selling proposition
usf. und so fort
usw. und so weiter
Vgl. Vergleiche
VO (Rechts) Verordnung
www. World wide web
z.B. zum Beispiel
II
Abbildungsverzeichnis
Abb 1 Umweltmanagement als klassischer PDCA-Circle - 3 -
Abb 2 Umweltmanagement als Teil eines TQ-MSystems - 4 -
Abb 3 Öko-Audit - Warum - 6 -
Abb 4 Das aktuelle EMAS-Logo - 7 -
Abb 5 EMAS II ISO 14001 - 8 -
Abb 6 EMAS-Ablauf als PDCA-Anwendung - 9 -
Abb 7 Aufbauorganisation des Ausbildungsbetriebes - 14 -
Abb 8 Relevante Umweltaspekte in der Hotellerie - 15 -
Abb 9 Gefahrstoffkataster des Rappenhofs - 16 -
III NA
1. Einleitung
Kennzahlen sprechen ihre klare Sprache auch hier:
Waren es 2001 noch 3,7 % des Gesamtumsatzes, den ein Hotelier für die Energiekosten aufwenden musste 1 , stieg der Anteil 2004 auf 4,0% 2 und beschleunigte sich der Anstieg 2006 (5,3 % 3 ) und bis heute weiter. So geht man für KMU bereits von Werten von 6 - 8 % aus. 4
Doch auch wen Kennzahlen kalt lassen, weiß durch bloßen Nachrichtenkonsum von den „explodierenden Kosten“ auf dem Öl-, Gas- und Strommarkt. Auch „alternative Energien“ reagieren auf das Preisfindungsgesetz von Angebot und Nachfrage: So hoffen die Holz- schnitzel/-pellets-Interessenvertreter bereits in wenigen Jahren eine Ölpreisbindung erzielen zu können. 5
Und mehr noch als bei anderen Kostenarten ist bei der Energie der bloße Kostenfaktor indes nicht alleiniger Beweggrund für Maßnahmen. Wir befinden uns auf dem emotionalen Feld „Patient Erde“ 6 :
„Den Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie wird die schweigende und duldende Natur gewinnen !“ 7
Im Umweltschutz – und hier spielt auf Betriebsebene neben der Energie über die Medien Wasser und Abwasser bzw. Müll generell auch die Kostenart „(Steuern/)Gebühren/Beiträge“ eine zentrale Rolle – sind Fehler und Versäumnisse besonders dramatisch, da häufig irre- versibel; die Ersatzerde im Kofferraum existiert bekanntlich nicht. Pathetisch-apokalyptische Statements sind in diesem Bereich daher auch in sonst eher sachlich-kühlen Management- Handbüchern nicht untypisch.
Trotz der globalen Gefahrenlage bleiben (zumindest) Betriebswirte aber dem „going- concern-Prinzip“ verhaftet und so wären Management-Handbücher nicht für Unternehmer und Betriebswirte, sondern für Unterlasser und „Nichtbetrieb“swirte geschrieben, wenn sie 1 Vgl. DWIF (2001), S. 187 ff.; zugrundegelegt sind Stadthotels mit gehobener Ausstattung, Eigentumsbetriebe mit durchschnittlich 52 Gästezimmern und 200 anrechenbaren Sitzplätzen, wie Sie auch von der DEHOGA- Betriebsberatung als Vergleichsbasis für den „Rappenhof“ regelmäßig herangezogen werden. 2 Vgl. DWIF (2004), S. 211 ff.
3 Vgl. BBG Consulting (2006), HO 4.1; belast- bzw. bezahlbare Daten aus einer Quelle standen dem Verfasser für die Zeit ab 2005 nicht zur Verfügung.
4 Schaetzing (2006), S. 571.
5 Insider-Information des Verfassers aus Forstkreisen.
6 Vgl. WamS (2008), S. 4 f.
7 Schaetzing (2007), S. 600.
die ökologischen Probleme nicht als Herausforderung und Chance und daher umweltorien- tiertes Hotel-Management nicht auch ganz pragmatisch, nämlich als (einen) „weiteren aktuel- len und wichtigen präferenzstrategischen Ansatz, um Wettbewerbsvorteile gegenüber Kon- kurrenzhotels zu erzielen“ 8 , sehen würden. „Aktion statt Reaktion ist hier verlangt. Wenn wir nicht heute handeln, wird es morgen noch viel teurer werden.“ 9
Ziel der Arbeit ist es nun, eine Öko-Zertifizierung eines Hotel und Gaststätten-Betriebes (nach EMAS) als eine Umweltmanagement-Maßnahme näher zu beleuchten, die entspre- chenden Begriffe zu klären und insbesondere anhand der einschlägigen (Dokumentations-) Anforderungen der Frage nachzugehen, ob für kleine und mittlere Unternehmen bzw. Orga- nisationen (KMU bzw. KMO 10 ) eine Öko-Auditierung überhaupt „machbar“ ist. Als Anlass und Berechtigungsnachweis für diese Ausgangsüberlegung sei schon hier darauf hingewiesen, dass eine der Herkunft und allgemeinem (Vor)Verständnis nach industriell ausgelegte Zertifi- zierungsnorm wie die internationale Umweltmanagementsystemnorm ISO 14001 als „Minus“ in der EMAS-Auditierung vollumfänglich enthalten ist. 11 All dies soll exemplarisch am Beispiel des Ausbildungsbetriebes „Hotel und Gutsgaststätte Rappenhof“ in Weinsberg erfolgen.
2. Grundlagen
2.1. Allgemeine Begriffsbestimmungen
2.1.1. Umweltmanagement und Umweltmanagementsystem (UMS)
Betriebliches Umweltmanagement beinhaltet alle auf die natürliche Umwelt bezogenen Ge- sichtspunkte der Unternehmensführung, befasst sich also mit der Integration umweltbezoge- ner Aspekte bei betriebswirtschaftlichen Entscheidungen. 12 Es geht mithin um die Frage, ob und in welchem Umfang umweltbezogene Auswirkungen betrieblicher Entscheidungen schon in der Entscheidungsphase integriert werden sollen. Dies hängt einerseits von gesetz- lichen Auflagen (z.B. §53 BImSchG) ab, die zur Internalisierung, d.h. „Einkalkulierung“ exter- ner Kosten bzw. Auswirkungen (auf die Umwelt) zwingen, andererseits aber auch von den selbstgesteckten Umweltzielen des Unternehmens, seiner Umweltphilosophie, ab. Letztere werden spätestens durch eine Veröffentlichung auch (selbst)bindend, da das Unternehmer- handeln dann von Dritten bzw. der Öffentlichkeit auf seine entsprechenden Erklärungen hin überprüfbar wird.
8 Schrand/Schlieper (2004), S. 237.
9 Schaetzing (2007), S. 600, nun schon weniger fatalistisch.
10 Vgl. Zollondz (2002), S. XIII; sowie Definition in FN. 38.
11 Vgl. Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden Württemberg et al. (2001), S. 28.
12 Vgl. Dyckhoff/Souren (2008), S.1 ff.
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In allen Bereichen berücksichtigt Umweltmanagement bei der Planung, Durchsetzung und Kontrolle der Unternehmensaktivitäten (s. Abb.1) die Minimierung bzw. möglichst Vermei- dung von Umweltbelastungen durch „Einberechnung“ aller umweltrelevanten Inputs (z.B. Wasser, Heizöl) und Outputs (z.B. Abwasser, Altpapier) aller unternehmerischer Aktivitäten bei gleichzeitiger Sicherung der sonstigen Unternehmensziele (Rentabilität halten, Service- qualität erhöhen, etc.).
Abb. 1 Umweltmanagement als klassischer PDCA-Circle
Quelle: www.alpha-cons.ch/_images/pdca.jpg
Umweltmanagement soll sicherstellen, dass eine nachhaltige Umweltverträglichkeit aller be- trieblichen Prozesse und/oder Produkte gegeben ist. Die Bereiche Umweltpolitik, Umwelt- schutz und Umweltleistung (Input-/Output-Analysen), sowie die Einhaltung behördlicher Auf- lagen werden vom Umweltmanagement geplant. 13 Wobei hier schon darauf hingewiesen sei, dass auch Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden selber „Umwelt“ des Unternehmens sind und diese nicht nur beeinflussen, also nicht nur Subjekte/Träger des Umweltmanagements, son- dern auch dessen „Objekte“ sein können. Beispielhaft sei erwähnt, dass auch Kundenpflege (CRM, etc.) durchaus als Teil eines Umweltmanagementsystems wie EMAS erfasst werden kann. 14
Ein Umweltmanagementsystem (UMS) als verfahrenstechnisches Gerüst gewährleistet die organisatorische und informationstechnische Einbindung aller umweltbezogenen Aktivitäten in das „laufende Geschäft“ durch Stellenpläne, Aufgaben- und Verfahrensanweisungen, Ver- antwortungszuordnungen, sowie systematische Mitarbeitereinbindung durch Mitarbeiteraus- 13 Vgl. Malorny (1996), S. 300 f.
14 Vgl. Schaltegger/Sturm (1992), S. 4: Die Anthroposphäre als Teil der Biosphäre.
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bildung, -information, etc. Ferner beinhaltet es die Erfassung und Dokumentation der betrieb- lichen Öko-Bilanz (Input/Output), sowie schließlich ein Umwelt-Controlling-Verfahren (vgl. schon Abb.1). 15
Umweltmanagement kann also auch als (ggf. momentan einziger) Bestandteil des unter- nehmerischen Qualitätsmanagementsystems verstanden werden. Kommen andere Bestand- teile hinzu kann sich in Summe ein Total Quality Management (TQM) im Unternehmen ent- wickeln.
Abb. 2 Umweltmanagement als Teil eines TQM-Systems
Eigene Darstellung in Anlehnung an Zollondz (2006), S.324 f
Während die in Abb. 2 genannten Beispiele von staatlichen oder privatwirtschaftlichen Insti- tutionen „genormte Verfahren“ sind 16 , steht es natürlich jedem Unternehmen frei, „sein“ eige- nes (Umwelt)Managementsystem zu etablieren. Vorteil wäre die Möglichkeit des passge- nauen Zuschnitts auf das einzelne Unternehmen, sowie die Vermeidung der Gefahr unkri- tisch von anderen Betrieben, die das etablierte Verfahren anwenden, „abzukupfern“. Nachteil ist vor allem für KMU der zeitliche und intellektuelle Aufwand, das (UMS-)Rad selbst kom- plett neu erfinden zu müssen. Weitere Aspekte, was ein selbstentwickeltes UMS ggf. nicht leisten kann, finden sich in Abb.3.
2.1.2. Zertifizierung und Audit
Nach DIN EN 45011:1998-03 ist „Zertifizierung eine Maßnahme durch einen unparteiischen Dritten, die aufzeigt, dass angemessenes Vertrauen besteht, dass ein ordnungsgemäß be- zeichnetes Erzeugnis, Verfahren oder eine ordnungsgemäß bezeichnete Dienstleistung in 15 Vgl. Zenk (1995), S. 4.
16 Vgl. Barth (2002), S. 13 f.
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Übereinstimmung mit einer bestimmten Norm oder einem bestimmten normativen Dokument ist.“ Oder einfacher: Eine unabhängige Stelle bestätigt die Konformität eines Prozesses, d.h. die Übereinstimmung mit einer bestimmten Vorgabe. Also: Ein bestimmtes Objekt erfüllt ex- tern festgelegte Forderungen, was eine i.d.R. akkreditierte Zertifizierungsstelle (vulgo: Zertifi- zierer) feststellt und – für einen gewissen Zeitraum – durch Ausstellen eines Zertifikats / cer- tification of conformity bestätigt. 17
Zertifizierung ist aus ihrer geschichtlichen Entwicklung als Selbstverpflichtung heraus eine freiwillige Unterwerfung unter ein Kontrollsystem, steht aber z.T. heute unter einem gesetzli- chen Zwang. So verlangen die EG-Richtlinien 92/53 und 92/61 von den nationalen Gesetz- gebern „ihre“ Automobilindustrie zur Zertifizierung der betrieblichen QMS zu verpflichten. 18 Ähnliche Entwicklungen sind in der Medizintechnikindustrie und im Schulwesen zu verzeich- nen. In Hotellerie und Gastronomie hat der ursprüngliche Freiwilligkeitsgedanke noch seine Gültigkeit.
Ferner ist noch von Bedeutung, dass eine Zertifizierung im hier verwendeten Wortsinne ei- nem (Umweltmanagement-, etc.)System bescheinigt, das dieses System verwendende, zu zertifizierende Unternehmen in den Zustand allgemeiner Qualitätsfähigkeit zu versetzen. Davon zu unterscheiden ist ein Produktzertifikat, das „nur“ die Erfüllung einer bestimmten Qualitätsforderung durch ein bestimmtes Produkt nachweist. 19
Audit oder Auditierung schließlich ist zunächst ein „einfacher“ Soll-Ist-Vergleich, der als modernes Informationssystem verstanden werden kann, mit dessen Hilfe man zu einem be- werteten Bild über Wirksamkeit und Problemangemessenheit von qualitätssichernden Aktivi- täten gelangt. Durch Audits sollen Schwachstellen aufgezeigt, Verbesserungsmaßnahmen angeregt und deren Wirkungen überwacht werden. Audits sind somit systematische und un- abhängige Untersuchungen, um festzustellen, ob die aufgrund der zu erfüllenden Anforde- rungen getroffenen Anordnungen tatsächlich verwirklicht bzw. schon generell geeignet sind, die Ziele zu erreichen. Werden diese Audits durch eine Zertifizierungsstelle durchgeführt, spricht man von „externen Audits“ oder „Zertifizierungsaudits“, die i.d.R. das (hier: Umwelt- management-) System und nicht einzelne Produkte (vgl. obige Unterscheidung) prüfen. 20 17 Vgl. Zollondz (2006), S. 346 f.
18 Vgl. Zollondz (2006), S. 348.
19 Vgl. Petrick/Reihlen (1999), S. 83 f.
20 Vgl. hierzu m.w.N. Zollondz (2006), S. 346 ff.
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2.2. Gründe für ein Öko-Audit
Nachdem einerseits zumindest im Bereich der Hotellerie und Gastronomie kein gesetzlicher Zwang zur Zertifizierung(sauditierung) oder auch nur Einführung (s)eines Umweltmanage- mentsystems besteht, andererseits aber auch so schon genügend gesetzlich zwangsweise zu erfüllende Vorschriften (von Bund, Land und Kommune, Berufsgenossenschaft und sons- tigen Sozialversicherungsträgern, etc.) vom Unternehmer zu erfüllen sind, stellt sich die Fra- ge, wieso es Bedarf für weitere Reglementierungen und Kontrollen in Form eines Öko-Audits geben sollte. Diesen Bedarf muss der Unternehmer zunächst für sich selbst ermitteln, da- nach aber auch nach „außen“ kommunizieren, d.h. Mitarbeiter und sonstige „Betroffene“ von der Sinnhaftigkeit eines Öko-Audits überzeugen. Abb.3 Öko-Audit - Warum ?
Eigene Darstellung in Anlehnung an Zenk (1995), S. 7 f 21 Vgl. UGA (2003a), S. 14 ff.
22 Vgl. Modell Hohenlohe (2007), S. 7 zur Ausweitung des „EMAS-Bonus“ der Regierungspräsidien auf Kreise. 23 Vgl. Schütz (1996), S. 398: „Die 4 Produktionsfaktoren der Zukunft heißen möglicherweise Kapital, Arbeit, Bo- den und Genehmigung“.
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Sascha Nikolai Schmidt, 2009, Öko-Auditierung nach EMAS, München, GRIN Verlag GmbH
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