Gliederung
Gliederung. 2
1. Einleitung 3
2. Die pädagogische Konzeption Montessoris 4
2.1 Biographische Angaben über Maria Montessori. 4
2.1.1 Kindheit und Studium 4
2.1.2 Montessoris Weg zur Pädagogik. 5
2.1.3 Das erste Kinderhaus. 6
2.2 Der natürliche Bauplan. 8
2.3 Die sensiblen Phasen. 9
2.3.1 Freuds Phasentheorie der Entwicklung 11
2.3.2 Piagets kognitive Entwicklung. 12
2.4 Deviation und Normalisation 14
2.5 Die Polarisation der Aufmerksamkeit 14
3. Das Montessori- Material. 16
3.1. Materialien zu den Übungen des täglichen Lebens. 18
3.2 Sinnesmaterialien 18
3.3 Didaktische Materialien für Sachgebiete 19
4. Kritik an der Montessori- Pädagogik 20
5. Fazit. 22
6. Quellenangabe. 23
Literaturverzeichnis : 23
Internetquellen:..................................................................................................................... 23
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1. Einleitung
Im 20. Jahrhundert taucht der Name einer Frau in der Geschichte der Pädagogik auf, der nicht nur für eine Person steht, sondern sinnbildlich für eine Methode, eine neue Auffassung von Erziehung und eine Bewegung. Die Rede ist von der Reformpädagogin Maria Montessori. Ihr Name steht für eine Pädagogik, die sich unmittelbar an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Die bedeutende italienische Ärztin und Pädagogin stellte das Kind mit dem Prinzip `Hilf mir, es selbst zu tun!` in den Mittelpunkt all ihrer pädagogischen Bemühungen. Die Grundlagen ihrer Pädagogik basieren dabei auf die genaue Beobachtung der kindlichen Entwicklung.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der zentralen Fragestellung: Wer war diese intentionale Frau und worum geht es in ihrer legendären Pädagogik, in der das Kind zur Selbständigkeit und Eigenaktivität erzogen wird?
Zunächst empfiehlt es sich näher auf das Leben Montessoris einzugehen, um ihr pädagogisches Werk und dessen Entstehung besser verstehen zu können und um zu begreifen, warum ihre Gedanken heute noch zu den relevanten reformpädagogischen Ansätzen zählen. In diesem Kapitel werde ich weiterhin einige Hauptkomponenten ihrer pädagogischen Konzeption, die mir für mein Anliegen von zentraler Bedeutung sind, vorstellen, worunter ich den natürlichen Bauplan, die sensiblen Phasen, die Unterscheidung zwischen Montessoris Begrifflichkeiten von Deviation und Normalisation sowie die sogenannte Polarisation der Aufmerksamkeit gefasst habe. Bei der Bearbeitung der sensiblen Phasen fiel mir auf, dass ich schon weitere Definitionen von Entwicklungsphasen in verschiedenen Vorlesungen an der Hochschule Vechta kennen gelernt habe, weshalb ich die Entwicklungstheorien von Freud, Erikson und Piaget vergleichend angefügt habe.
Im Weiteren werde ich mich mit dem Montessori- Material beschäftigen. Das Material gilt als wesentlicher Bestandteil der gesamten Konzeption Montessoris, da es die einzelnen theoretischen Grundlagen ihrer Pädagogik zu einem verknüpften System zusammenfügt und völlig auf das Kind abgestimmt wirkt.
Zum Schluss dieser Arbeit, werde ich mich kritisch mit der vorgestellten Pädagogik auseinandersetzen und dem gegenüber einzelne Vertreter der Montessori- Pädagogik stellen.
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2. Die pädagogische Konzeption Montessoris
2.1 Biographische Angaben über Maria Montessori
Maria Montessori (siehe Bild 1 ) ist bekannt als italienische Ärztin,
Reformpädagogin, Philosophin und Philanthropin. Sie selbst verstand sich unter anderem als Naturwissenschaftlerin. Zum Verständnis ihrer Pädagogik und zum Anfang dieser Hausarbeit ist es sinnvoll, vor allem aufgrund ihrer vielen Berufsbezeichnungen, ihren Platz in der Pädagogik zu erkennen und auf den Entwicklungsverlauf ihrer Arbeit hinzuweisen.
2.1.1 Kindheit und Studium
Montessori wurde am 31. August 1870 in Chiaravalle, in der Provinz Ancona/ Italien, geboren. Als behütetes Einzelkind wuchs sie in einem religiösen Elternhaus auf. Ihr Vater Alessandro Montessori 2 , von Beruf Finanzberater und ihre Mutter Renilde, geborene Stoppani 3 , zählten zur politischen Elite Italiens. Herr Montessori war ein konservativ denkender Mann, ihre Mutter, die Tochter eines Gutsbesitzers, die gegenüber Neuem eine interessierte und aufgeschlossene Einstellung hatte, weshalb sie ihre Tochter immer wieder in ihrem Werdegang unterstützte.
Im Jahr 1875 zog die Familie nach Rom, wo Maria Montessori die öffentliche Volksschule besuchte und später auf eine naturwissenschaftlich- technische Sekundarschule wechselte. Montessori „strebte zum Studium, wie es damals für ein Mädchen noch keineswegs möglich war (…) und erreichte, daß der Zugang zur Universität sich ihr öffnete. Sie dachte zuerst an ein Studium der Mathematik, wie es ihrer Begabung entsprach, wandte sich aber dann der Medizin zu, zunächst gegen den Wunsch des Vaters und gegen das Verbot des Studium der Medizin für Frauen.“ 4 Als erste Frau Italiens begann Montessori 1892 ihr Medizinstudium, welches von großen Schwierigkeiten geprägt war. Viele Kommilitonen und Professoren zeigten ablehnende Reaktionen gegenüber der weiblichen Studentin. Dennoch wird Maria Montessori mit ihrer hervorragenden Promotion am 10.07.1896 die erste „Dottoressa“ (Ärztin) Italiens.
1 Quelle: AMI: Das Montessori- Material (Download vom 21.06.06)
2 (1832- 1915)
3 (1840- 1912)
4 HELMING, Helene (1963); S. 5
4
2.1.2 Montessoris Weg zur Pädagogik
Bereits während ihrer letzten beiden Studienjahre arbeitete Montessori als Assistentin an einer psychiatrischen Klinik in Rom. Sie spezialisierte sich auf Kinderheilkunde und setzte diese Tätigkeit als Assistenzärztin im Jahr 1897 in der Abteilung für Kinderpsychiatrie der römischen Universitätsklinik fort. Ihr besonderes Interesse galt den dort notdürftig versorgten geistig beeinträchtigten Kindern, die völlig von der Außenwelt isoliert lebten und weder motorisch noch psychisch gefördert wurden. Montessori war von diesem verwahrlosten und würdelosen Zustand, in dem diese Kinder lebten, tief bewegt und bemühte sich um Verbesserung.
„Sie hatte Erfolg in der Förderung der Kinder, und zwar dadurch, dass sie nicht nur deren physische Pflege beachtete, sondern die erzieherische Aufgabe sah und diese mit der ärztlichen zu verbinden wusste.“ 5 Montessori schrieb später in ihrem Buch `La scoperta del bambino`: „Bei der allgemeinen Erziehung verfolgen wir in der Tat zwei Ziele: ein biologisches und ein soziales. Das biologische besteht darin, die natürliche Entwicklung des Individuums zu unterstützen, das soziale, das Individuum auf die Umwelt vorzubereiten (hierunter fällt auch die Berufserziehung, die den Einzelnen lehrt, sich der Umwelt zu bedienen) (…) Beide Teile sind immer miteinander verflochten, doch- je nach dem Alterherrscht der eine oder der andere vor.“ 6
Bei ihren Studien stieß sie auf die in Vergessenheit geratenen medizinisch- heilpädagogischen Schriften von Jean Itard 7 und Edouard Séguin 8 . Diese Werke übersetzte Montessori in die italienische Sprache und war ebenfalls, wie ihre beiden Vorgänger, davon überzeugt, dass die Behandlung von `Schwachsinnigen` oder `Idioten`, wie sie die geistig behinderten Menschen nannten, kein medizinisches, sondern ein pädagogisches Handlungsfeld sei. In der Beziehung mit dem Arztkollegen Dr. Giuseppe Montesano wurde Montessoris einziges Kind, Sohn Mario, im März 1898 geboren. In dieser Zeit bedeutete ein uneheliches Kind das Ende einer Karriere, weshalb Montessori ihr Kind außerhalb der Stadt in Pflege brachte und dies geheim hielt. Erst später, im Alter von 40 Jahren, bekannte sie sich zu ihrem Kind. Von 1897 bis 1899 hielt Montessori Vorträge über Frauenemanzipation und Sozialreformen auf Kongressen in Turin, Rom und London.
5 HELMING, Helene (1963); S. 5
6 FUCHS, Birgitta (2003); S. 27
7 (1774- 1838), franz. Arzt, Taubstummenlehrer
8 (1812- 1880), franz. Arzt, Pädagoge, gilt als Begründer einer wissenschaftlich - systematischen
Geistigbehindertenpädagogik
5
Im Herbst 1899 wurde sie von dem damals amtierenden italienischen Erziehungsminister, Guido Bacelli, beauftragt, eine Vortragsreihe über die Erziehung geistig behinderter Kinder am Ausbildungsinstitut für Lehrerinnen in Rom zu halten. Nach diesem Kurs gründete sie die Modellschule „Scuola magistrale ortofrenica“ („Heilpädagogisches Institut“) zur Ausbildung von Lehrern für behinderte Kinder. In der Ausbildung wurde der Einsatz besonderer Lernmethoden und Lernmateralien, die die Fähigkeit der Kinder anregen sollten, vermittelt. Diese Schule leitete Montessori zwei Jahre, bis sie 1902 das Studium der Pädagogik, der Experimentalpsychologie und der Anthropologie begann. Von 1904 bis 1908 hielt sie Vorlesungen über Anthropologie und Biologie am Pädagogischen Institut der Universität Rom, lehrte am Ausbildungsinstitut für Lehrerinnen und veröffentliche zahlreiche medizinische Schriften.
2.1.3 Das erste Kinderhaus
Am 06.01.1907 eröffnete Maria Montessori, im Auftrag einer Bauträgergesellschaft, eine Tagesstätte für Kinder aus sozial schwachen Familien, die so genannte `Casa die Bambini` (Kinderhaus), im römischen Arbeiterviertel San Lorenzo. Für Montessori bedeutete dies nicht nur Prävention, sondern sie sah darin die Chance, sozial benachteiligten Kindern Bildung zu ermöglichen.
Ein Schlüsselerlebnis aus dieser Zeit war ihre Beobachtung eines etwa dreijährigen Mädchens. Den Ausdruck konzentrierter Aufmerksamkeit, den Montessori an diesem Kind beobachten konnte, bezeichnete sie später als `Polarisation der Aufmerksamkeit` (vgl. Kapitel 2.5), deren experimenteller Erforschung sie einen Großteil ihrer weiteren Arbeiten widmete. Sehr schnell wurde in Rom das Kinderhausmodell bekannt, da die Kinder positive Fortschritte machten, die den `unterprivilegierten` Kindern vorher nicht zugetraut worden waren. „Diese Kinder, die unerzogen und ungepflegt, unsauber und unterernährt in das Kinderhaus eintraten, zeigten bald ein auffallend gutes Benehmen, stießen sich nicht mehr gegenseitig beim Eintritt, lärmten nicht mehr und zeigten intensives Interesse für die ermöglichte `Arbeit`. Die Art des Umgangs mit den Kindern, die Beachtung der Höflichkeit, ist, wie aus Montessoris und Maccheronis 9 Erzählungen hervorgeht, für das Leben in den Kinderhäusern und für deren erzieherische Bedeutung grundlegend gewesen. Es entstand eine Atmosphäre, in welcher der Wille zum Guten sich aufgerufen fühlte.“ 10
9 Anna Maccheroni leitete das erste Mailänder Kinderhaus, welches 1908 eröffnet wurde
10 HELMING, Helene (1963); S.7
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Arbeit zitieren:
Sandra Haßebrock, 2006, Die pädagogische Konzeption der Maria Montessori, München, GRIN Verlag GmbH
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