Christof Niemann
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Institut für Politische Wissenschaft
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Inhalt Übungsaufgabe 2
Inhalt
1. Zum Verständnis von Demokratie 3
2. Die Tyrannei der Mehrheit 3
3. Die Tyrannei der Minderheit 4
4. Diskussion 6
5. Literaturverzeichnis 7
2
1 Zum Verständnis von Demokratie
Mehrheit oder Minderheit - wer sollte ein demokratisches System dominieren? Oder sollten beide in ihren Möglichkeiten zur politischen Einflussnahme gleichberechtigt sein? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Politikwissenschaftler seit geraumer Zeit. Eingegangen wird in dieser Übungsaufgabe hauptsächlich auf die Ansätze von Arendt Lijphart, Alexis de Tocqueville und Aurel Croissant.
Bedeutet Demokratie dass zu strittigen Fragen eine Abstimmung stattfindet und die Mehrheit sich schließlich uneingeschränkt durchsetzt? Im einfachsten Falle ja, aber eigentlich versteht man unter Demokratie die Herrschaft des Volkes, nicht die Herrschaft eines Teils des Volkes. Dem Wesen des demokratischen Prinzips entspricht es, eine Identität von Regierenden und Regierten zu schaffen. Demnach ist Demokratie mit der Mehrheitsherrschaft allein wohl nicht ausreichend erfasst. Aber auch die Dominanz von Minderheiten kann das System lähmen. Im folgenden werde ich nun das Problem aus beiden Perspektiven genauer beleuchten.
2 Die Tyrannei der Mehrheit
„Die unumschränkte Herrschaft der Mehrheit liegt im Wesen der Demokratie; denn in der Demokratie kann sich außerhalb der Mehrheit nichts behaupten.“ 1 Mit dieser eindeutigen Aussage beginnt Toqueville das neunte Kapitel seiner Betrachtung über die Demokratie in Amerika. Die Herrschaft der Mehrheit begründet sich für Toqueville moralisch: Mehrheit bedeutet eine Vereinigung vieler Menschen, der man mehr Bildung und Weisheit unterstellt als einer Vereinigung weniger Menschen. Demnach muss erstere die Geschicke des Staates lenken. Nicht das Toqueville all dies befürworten würde. Im Gegenteil: er sieht die Mängel der Demokratie mit der Macht der Mehrheit wachsen. Der Keim zur Tyrannei liege, so Toqueville, im Zugestehen des Rechts alles zu tun an irgendeine Macht. Amerika als Mehrheitsdemokratie schneidet in seiner Betrachtung nicht besonders gut ab: Es gebe keine Sicherheit gegen die Tyrannei und die Mehrheit ziehe einen „drohenden Kreis um das Denken“. Glaubt man Toqueville, so hat die Mehrheit in Amerika den Würgegriff fast gänzlich um das politische Leben und um die Freiheit gelegt. So sei geistige Freiheit in Amerika unbekannt und man müsse gewissermaßen auf seine Bürgerrechte verzichten, wenn man sich von dem von der Mehrheit vorgezeichneten Weg entfernen wolle. In der Allmacht der Mehrheit liege die größte Gefahr für die amerikanischen Republiken.
Auch Lijphart widmet sich in „Patterns of Democracy“ 2 dieser Problematik. Er untersuchte 36 Demokratien anhand diverser Indikatoren und unterstellte zwei Typen von Demokratien: die Mehrheits- und die Konsensusdemokratie. 3 Einfach gesagt basiert ersteres Modell
1 vgl. Toqueville: Über die Demokratie in Amerika, 1985, S. 139
2 vgl. Lijphart: Patterns of Democracy, 1999
3 vgl. Lijphart: Patterns of Democracy, 1999, S. 1f.
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Arbeit zitieren:
Christof Niemann, 2003, Die Tyrannei der Mehrheit, München, GRIN Verlag GmbH
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