Es schlägt sich eine Problematik nieder. Lehrkräfte sind die Akteure im deutschen Schulsystem, welche Leistungsunterschiede erkennen und [soweit es möglich ist] heraus retuschieren sollten. Doch wie können sie das schaffen? Wie soll eine Lehrperson einen guten Unterricht führen und nebenbei auch noch jeden Schüler bestmöglich fördern? Mit welcher Strategie schafft er/sie es gleichzeitig das Kompetenzniveau des leistungsschwächeren Schüler anzusprechen, ohne den Leistungsstärkeren zu langweilen? Beantwortet werden diese Fragestellungen anhand des Mathematikunterrichts.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zur Thematik
2. Heterogenität
2.1. Definition Heterogenität
2.2. Heterogenität in der Schule
2.3. Exkurs: Entstehung von Leistungsunterschiede
3. Entwicklung der diagnostischen Kompetenz
3.1. Das Herausbilden diagnostischer Kompetenz von Lehramtsstudierenden
3.2. Das Herausbilden diagnostischer Kompetenz von berufstätigen Lehrkräften
4. Heterogenität im Mathematikunterricht
4.1. Heterogene Lerngruppen
4.2. Exkurs: Mathematik mit allen Sinnen
4.3. Mathematische Begabungen erkennen und fördern
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den produktiven Umgang mit Leistungsunterschieden im Mathematikunterricht und beleuchtet Strategien, wie Lehrkräfte heterogene Lerngruppen effektiv fördern und gleichzeitig individuelle Lernprozesse unterstützen können.
- Definition und pädagogische Einordnung von Heterogenität
- Ursachen für Leistungsunterschiede (sozioökonomischer Hintergrund)
- Entwicklung diagnostischer Kompetenzen bei Studierenden und Lehrkräften
- Didaktische Konzepte für den Umgang mit Heterogenität im Unterricht
- Förderung sowohl leistungsschwacher Schüler als auch mathematisch begabter Lernender
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Herausbilden diagnostischer Kompetenz von Lehramtsstudierenden
Das Studium kann den zukünftigen Lehrern die Möglichkeit geben, sich bereits umfassend mit dem Thema der Diagnose von Leistungsheterogenität auseinanderzusetzen. Idealerweise wird diese Art von Wissensvermittlung an praxisnahen Beispielen durchgeführt, um somit Erfahrungswerte für das spätere Berufsleben aufzubauen. Dabei sollten die Studenten auch nicht in prall gefüllten Vorlesungssälen sitzen, sondern eher in kleinen Seminaren, in denen sich jeder individuell auf seinen Lernfortschritt fokussieren und die dazugehörige Lehrperson einen möglichst hohen Einfluss auf diese haben kann.
Barthel und Roth (2017) empfehlen diesbezüglich sogenannte „ViviAn‘s“ (Videovignetten zur Analyse von Unterrichtsprozessen). Diese Vignetten sollen als Werkzeug verstanden werden, „mit dessen Hilfe die Studierenden im Rahmen einer Vorlesung ihr dort erworbenes theoretisches Wissen zur Diagnose von Schülerarbeitsprozessen nutzen“ (Barthel und Roth, 2017). Im Grunde handelt es sich dabei, um Aufnahmen von Schülern in Lernprozessen, welche im großen Umgang zur Verfügung stehen.
Die Vorteile dieses Mediums sind vielfältig. Zum einen wird die Relevanz von fachdidaktischem Wissen bei dem Bearbeiten von diesen Fallbeispielen deutlich. Zum anderen ist dieses Medium dauerhaft vorhanden und kann somit beliebig oft und mit ausreichender Zeit bearbeitet und analysiert werden. Zudem sollten Studierende, die diagnosespezifische Kompetenz fach- und handlungsbezogen erwerben und deren Umsetzung trainieren können. Dabei kommt vor allem die Praxisnähe dieser Videovignetten zum Tragen. Die anfängliche Schwierigkeit der Überwindung der Theorie-Praxis-Kluft wird gemindert. Der zentrale Teil einer solchen Vignette ist ein zwei- bis vierminütiges Videos in der Mitte der Nutzeroberfläche (Abb. 2.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zur Thematik: Die Einleitung schildert anhand eines Praxisbeispiels die Herausforderung durch Leistungsunterschiede in der Sekundarstufe 1 und verdeutlicht die Notwendigkeit individueller Förderung.
2. Heterogenität: Dieses Kapitel definiert Heterogenität, kontextualisiert sie in der Schule und erläutert im Exkurs sozioökonomische Faktoren, die zur Entstehung von Leistungsunterschieden beitragen.
3. Entwicklung der diagnostischen Kompetenz: Es wird erörtert, wie sowohl Studierende durch Videovignetten als auch berufstätige Lehrkräfte durch gezielte Fortbildungen diagnostische Fähigkeiten erwerben und anwenden können.
4. Heterogenität im Mathematikunterricht: Dieser Abschnitt stellt konkrete didaktische Methoden wie den Projektunterricht, die „Experimente-Werkstatt“ sowie Ansätze zur Begabtenförderung vor.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz eines schülerorientierten Umdenkens im Schulsystem zusammen und betont die Chance, Heterogenität als Potenzial für den Unterricht zu nutzen.
Schlüsselwörter
Leistungsheterogenität, Mathematikunterricht, diagnostische Kompetenz, individuelle Förderung, ViviAn, sozioökonomische Herkunft, Schulpädagogik, Leistungsunterschiede, Lehrerbildung, Schülerzentrierung, Begabtenförderung, Unterrichtsgestaltung, Lernprozesse, Bildungsgerechtigkeit, Projektunterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den professionellen Umgang mit Leistungsunterschieden im Mathematikunterricht und beleuchtet Strategien, um der Heterogenität der Lernenden in einem schülerzentrierten Unterricht gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Heterogenität, der Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf die Leistung, die Bedeutung diagnostischer Kompetenzen und praxisnahe Ansätze für den Mathematikunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Leistungsunterschiede nicht als Hindernis, sondern als Chance begriffen werden können und welche Methoden Lehrkräfte nutzen können, um Schüler jeden Leistungsstandes optimal zu fördern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller bildungswissenschaftlicher Literatur, Studien (wie z.B. AWO-ISS) und der Analyse didaktischer Konzepte zur Lehrerbildung und Unterrichtsplanung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Heterogenität, die Darstellung von Diagnoseinstrumenten für Lehrende sowie die Vorstellung innovativer Unterrichtsmethoden wie „Mathematik mit allen Sinnen“ und Ansätze der Begabtenförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Leistungsheterogenität, individuelle Förderung, diagnostische Kompetenz, Mathematikunterricht und Lehrerbildung stehen im Fokus.
Was sind „ViviAn“-Vignetten?
Es handelt sich um Videovignetten, die Lehramtsstudierenden authentische Einblicke in Unterrichtssituationen geben, um ihr theoretisches Wissen zur Diagnose von Schülerarbeitsprozessen praktisch anzuwenden.
Warum ist die AWO-ISS-Studie in diesem Kontext relevant?
Die Studie liefert Erkenntnisse darüber, wie sozioökonomische Lebenslagen – etwa materielle oder soziale Faktoren – direkt die Schulleistung und Bildungschancen von Kindern beeinflussen.
Wie unterscheidet sich die Förderung begabter Schüler?
Die Förderung setzt auf „offene Problemaufgaben“, die eine natürliche Differenzierung ermöglichen, bei der Schüler eigene Lösungswege wählen und ihre Vorkenntnisse kreativ einbringen können.
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- Tim Schwinger (Author), 2020, Produktiver Umgang mit Leistungsunterschieden im Mathematikunterricht. Erkennen und fördern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/988740