Diese Arbeit beschäftigt sich mit deviantem und delinquentem Verhalten bei Jugendlichen und geht auf die Kriminalitätsentwicklung bei Heranwachsenden ein. Hierfür wird zunächst beispielhaft der Fall eines Dauerarrestanten geschildert. Um als Sozialarbeiter/in so effektiv wie möglich handeln zu können, bedarf es einem Hintergrundwissen, welches unter anderem mögliche Erklärung für abweichendes Verhalten impliziert.
Dazu wird die Anomietheorie von Merton ausgeführt und auf einige soziale Einflüsse eingegangen. Anschließend wird der Aspekt der Kriminalitätsentwicklung behandelt. Des Weiteren wird eine Jugendarrestanstalt einschließlich der Leitlinien zur Gestaltung des Arrestes vorgestellt. Darauf folgen Erläuterungen der Gesetzesvorschriften und Sanktionierungsmöglichkeiten nach dem Jugendgerichtsgesetz sowie die rechtlichen Folgen des Arresturteils. Abschließend wird die Jugendkriminalitätsprävention erklärt und kurz auf sozialpädagogische Interventionsmöglichkeiten eingegangen.
Die Thematik des devianten und delinquenten Verhaltens in der Jugend gewinnt in unserer Gesellschaft an immer mehr Bedeutung. Mit Devianz ist das (norm-) abweichende Verhalten allgemein gemeint, welches nicht unbedingt mit der Straffälligkeit in Verbindung gebracht wird. Dieses Verhalten steht nicht im Einklang mit den erwünschten angesehenen sozialen Werten und Normen einer Gesellschaft. Delinquenz betrachtet die psychische Entwicklung devianter Persönlichkeitseigenarten, die häufig oder mit hoher Wahrscheinlichkeit Straffälligkeit nach sich ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dennis – ein jugendlicher Dauerarrestant
3. Erklärungsmöglichkeiten für abweichendes und delinquentes Verhalten bei Jugendlichen
3.1. Die Anomietheorie nach Merton
3.2. Soziale Einflüsse
4. Kriminalitätsentwicklung bei Jugendlichen und Heranwachsenden
5. Vorstellung der Jugendarrestanstalt
Männlich
Weiblich
6. Leitlinien für die Gestaltung des Arrestes
7. Gesetzesvorschriften
8. Möglichkeiten der Sanktionierung nach dem JGG
9. Rechtliche Folgen des Urteils zum Arrest
10. Jugendkriminalitätsprävention
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und Ursachen von deviantem und delinquentem Verhalten bei Jugendlichen sowie die pädagogischen und rechtlichen Reaktionen der Gesellschaft, insbesondere durch den Jugendarrest.
- Analyse soziologischer Erklärungsansätze, insbesondere der Anomietheorie nach Merton.
- Untersuchung sozialer Einflussfaktoren wie Familie, Peer-Groups und Jugendarbeitslosigkeit.
- Betrachtung der Kriminalitätsentwicklung und der Rolle von Jugendarrestanstalten als Interventionsmaßnahme.
- Erläuterung der rechtlichen Grundlagen des Jugendgerichtsgesetzes (JGG) und Sanktionierungsmöglichkeiten.
- Diskussion präventiver Ansätze zur Jugendkriminalität und Möglichkeiten der sozialen Arbeit.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Anomietheorie nach Merton
Der amerikanische Soziologe Robert K. Merton entwickelte die Anomietheorie als Erklärungsansatz zur Entstehung von delinquentem Verhalten. In der Theorie unterscheidet Merton zwischen kultureller und sozialer Struktur (vgl. Merton in: Sack/König (Hrsg.), 1979, S. 292). Der Begriff der „kulturellen Struktur“ umfasst zum einen die Ziele, Absichten und Interessen, die es in einer Gesellschaft oder Gruppe als lohnenswert zu verfolgen gilt, und zum anderen die durch die Normen legitimierten Mittel zur Erlangung dieser Ziele. Unter der „sozialen Struktur“ versteht Merton die sozial unterschiedlich strukturierten Möglichkeiten, diese Ziele zu erreichen. Damit meint er hauptsächlich die wirtschaftlichen Mittel einer Person, die ihr zur Erlangung ihrer Bedürfnisse und Wünsche zur Verfügung stehen. Merton definiert also die „kulturelle Struktur“ als „Komplex gemeinsamer Wertvorstellungen“ und die „soziale Struktur“ als „Komplex sozialer Beziehungen“ innerhalb einer Gesellschaft (vgl. Merton in: Sack/König (Hrsg.), 1979, S. 292). Als Ziel sollte demnach jede Gesellschaft den Ausgleich dieser Strukturen verfolgen, mit dem Anspruch der optimalen Verwirklichung durch das Individuum.
Entsteht ein starkes Ungleichgewicht zwischen gesellschaftlich geweckten Bedürfnissen, Zielen und Werten einerseits und den sozialen Möglichkeiten und Mitteln andererseits, so spricht man von einer Wert-Mittel-Diskrepanz, die von Merton als „Anomie“ bezeichnet wird (vgl. Wurr/Trabandt, 1986, S. 21). Individuen mit einer bestimmten Position in der Gesellschaft ist es ohne weiteres möglich, durch normadäquates Handeln kulturelle Werte zu realisieren, anderen dagegen ist dies erschwert oder gänzlich unmöglich (vgl. Merton in: Sack/ König (Hrsg.), 1979, S. 292). Die Betroffenen, welche sich vermehrt in den unteren sozialen Schichten befinden, versuchen durch bestimmte Verhaltensmuster die Wert-Mittel-Diskrepanz zu bewältigen. Merton unterscheidet dabei fünf Arten der Anpassung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Devianz und Delinquenz sowie Darlegung des persönlichen Interesses und der geplanten Vorgehensweise.
2. Dennis – ein jugendlicher Dauerarrestant: Detaillierte Fallbeschreibung eines straffälligen Jugendlichen, dessen Werdegang und Erfahrungen in der Jugendarrestanstalt.
3. Erklärungsmöglichkeiten für abweichendes und delinquentes Verhalten bei Jugendlichen: Theoretische Auseinandersetzung mit der Anomietheorie sowie Analyse von familiären Einflüssen, Peer-Groups und weiteren sozialen Faktoren.
4. Kriminalitätsentwicklung bei Jugendlichen und Heranwachsenden: Erörterung der Definitionen von Jugendkriminalität sowie der Ursachen für die hohe Kriminalitätsrate in dieser Altersphase.
5. Vorstellung der Jugendarrestanstalt: Beschreibung der Struktur, des Tagesablaufs und der statistischen Daten zur Alters- und Geschlechterverteilung innerhalb der Anstalt.
6. Leitlinien für die Gestaltung des Arrestes: Darstellung der pädagogischen Konzepte und der sozialen Trainingseinheiten im Arrestvollzug.
7. Gesetzesvorschriften: Erläuterung der rechtlichen Grundlagen für die Verurteilung zum Jugendarrest nach dem Jugendgerichtsgesetz.
8. Möglichkeiten der Sanktionierung nach dem JGG: Überblick über verschiedene Erziehungsmaßregeln, Zuchtmittel und die Staffelung des Jugendarrestes.
9. Rechtliche Folgen des Urteils zum Arrest: Betrachtung der Auswirkungen eines Arresturteils auf den weiteren Lebensweg und die berufliche Zukunft der Jugendlichen.
10. Jugendkriminalitätsprävention: Analyse von primären, sekundären und tertiären Präventionsansätzen und der Rolle sozialer Institutionen.
Schlüsselwörter
Devianz, Delinquenz, Jugendarrest, Anomietheorie, Jugendstrafrecht, Sozialpädagogik, Kriminalprävention, Peer-Groups, Jugendgerichtsgesetz, Resozialisierung, Wert-Mittel-Diskrepanz, Familiensozialisation, Jugendkriminalität, Arbeitslosigkeit, Sanktionierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung von abweichendem und delinquentem Verhalten bei Jugendlichen sowie den gesellschaftlichen und rechtlichen Reaktionen darauf, mit einem besonderen Fokus auf den Jugendarrest.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Erklärungen für Delinquenz, der Einfluss von Familie und Peer-Groups, die Rolle der Jugendarrestanstalt sowie Möglichkeiten der Prävention.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen von Jugendkriminalität zu entwickeln und die Wirksamkeit pädagogischer Interventionen sowie der erzieherischen Wirkung von Jugendarrest zu beleuchten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse soziologischer Theorien und der Auswertung von Fallbeispielen sowie der Darstellung rechtlicher Rahmenbedingungen des Jugendgerichtsgesetzes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Analyse der Anomietheorie, die Vorstellung der Jugendarrestanstalt inkl. Statistiken, die Erläuterung des Jugendstrafrechts sowie Ansätze der Kriminalitätsprävention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Jugendarrest, Delinquenz, Anomietheorie, Jugendgerichtsgesetz, Resozialisierung und Prävention.
Welche Rolle spielt die Anomietheorie von Merton im Kontext des Fallbeispiels Dennis?
Die Theorie der Wert-Mittel-Diskrepanz erklärt, wie Dennis aus einer materiellen Notlage heraus und durch den Mangel an legalen Mitteln zur Erlangung seiner Ziele in die Kriminalität (diebstahlrelevantes Verhalten) abdriftete.
Warum ist laut der Arbeit eine Unterscheidung zwischen primärer, sekundärer und tertiärer Prävention notwendig?
Diese Unterteilung ermöglicht es, Maßnahmen gezielt an unterschiedliche Gruppen zu richten – von der allgemeinen Verbesserung der Lebensbedingungen für alle Jugendlichen bis hin zur gezielten Resozialisierung bereits straffällig gewordener Personen.
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- Alexandra Horn (Author), 2004, Deviantes und delinquentes Verhalten bei Jugendlichen. Vorstellung einer Jugendarrestanstalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/984938