In dieser Arbeit wird untersucht, inwiefern sich der Deutsche Orden im Bildprogramm der drei Handschriften wiederfindet. Gestützt wird sich diesbezüglich vor allem auf die aktuellen Arbeiten von Susanne Ehrich und Sabine Jagodzinski. Des Weiteren stellt sich die Frage, welche Funktionen das Bildprogramm der jeweiligen Handschriften für den Deutschen Orden erfüllt haben mag und ob diesbezüglich Unterschiede zwischen den Handschriften bestehen.
Als Zeitgenosse der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts fällt das Schaffen Heinrichs von Hesler in ebenjenen Zeitraum, da der Deutsche Orden seinen Wirkungskreis vom Heiligen Land auf das Deutsche Reich, Preußen und Livland im Baltikum verlagerte. 1198 infolge der Belagerung Akkons im Norden Israels als Spitalbrüderschaft gegründet, übernahm der spätere Ritterorden die islamfeindliche Ideologie der Kreuzzüge und gewann in den Folgejahren militärisch, politisch und missionarisch an Einfluss.
Zum Zwecke ideologischer Selbstverortung und zur politischen Legitimation der Kreuzzüge folgte einige Jahrzehnte nach der Gründung eine eigene Schriftlichkeit. Diese umfasste nicht allein vom Orden beauftragte geistliche Dichtung und Historiografie, sondern vor allem einen Kanon unabhängig verfasster Texte, die erst später in das literarische Programm des Deutschordens aufgenommen wurden.
Obwohl Heinrich von Hesler in der Forschung lange eine Nähe zum Deutschen Orden nachgesagt wurde, ist mittlerweile davon auszugehen, dass seine "Apokalypse" unabhängig von diesem entstand und erst nachträglich übernommen wurde.
Die frühere Annahme, dass es sich beim Text der Apokalypse um eine Auftragsarbeit des Deutschordens handeln könnte, stützt sich vornehmlich auf das Bildprogramm der Handschriften Cod. HB XIII 11, RPS 44/IV und RPS 64/III. Unter den fünf vollständigen und vierzehn fragmentarisch erhaltenen Handschriften sind sie die einzigen illustrierten und weisen in ihrem Bildprogramm deutliche Parallelen zum Deutschen Orden und dessen ideologischen Verortung auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Handschriften
2.1 HB XIII 11
2.2 Rps. 44/IV
2.3 Rps. 64/III
3. Bildprogramm
3.1 Vergleich
4. Fazit
5. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bildprogramm in drei illustrierten Handschriften von Heinrich von Heslers „Apokalypse“. Das primäre Ziel ist es, die bildliche Manifestation und die ideologische Selbstverortung des Deutschen Ordens in diesen Werken zu analysieren und aufzuzeigen, welche Funktionen die Darstellungen zur politischen Legitimation des Ordens erfüllten.
- Analyse der Handschriften HB XIII 11, Rps. 44/IV und Rps. 64/III
- Untersuchung der bildlichen Darstellung des Deutschen Ordens in der Apokalypse
- Vergleich der ikonografischen Gemeinsamkeiten und Divergenzen
- Kontextualisierung der Rolle des Ordens im Endzeitgeschehen
- Interpretation der antisemitischen Bildmotive im Kontext der Ordenslegitimation
Auszug aus dem Buch
HB XIII 11
Der Chronologie der Bildseiten entsprechend zeigt fol. 153v den Höhepunkt der Offenbarung (Kap. 20-22). Durch eine doppelte Rahmung der Bildseite wird dem Betrachter eine räumliche Wirkung angedeutet. Im obersten Register ist im linken Bild die Schlacht der Engel gegen die Teufel zu sehen, deren Schilde Würfel und Spielbrett als Zeichen moralischer Verworfenheit zieren. Ein satanisches Tier wird von einem Engel mit dem Schwert in zwei Teile gespalten und stürzt aus dem Kreis des Bildes in den schräg rechts darunter positionierten Höllenrachen.
Über diesem sind in einer kleinen Miniatur die Tiburtinische Sibylle und der Apostel Paulus – die weißen Namensschilder sind unbeschriftet – zu erkennen, die sich dem mit Krone, Zepter und bekränzter Lanze bedachten, vorausgesagten Friedenskaiser zuwenden. Auffällig ist hier, dass die kleinen Zwischenminiaturen scheinbar simultan zum Geschehen in den beiden Hauptszenen des Registers angeordnet sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den historischen Kontext der Entstehung von Heinrichs von Hesler Werk sowie Darstellung der Forschungsfrage zur ideologischen Rolle des Deutschen Ordens in den illustrierten Handschriften.
2. Die Handschriften: Detaillierte Vorstellung und historisch-technische Einordnung der drei primär untersuchten Handschriften HB XIII 11, Rps. 44/IV und Rps. 64/III.
2.1 HB XIII 11: Untersuchung der Stuttgarter Handschrift hinsichtlich ihrer Entstehung, Datierung und besonderen bildlichen Merkmale.
2.2 Rps. 44/IV: Analyse der jüngeren Thorner Handschrift mit Fokus auf ihre Entstehungsgeschichte und die spezifische Platzierung der Miniaturen im Text.
2.3 Rps. 64/III: Beschreibung der älteren Thorner Handschrift und ihres Vergleichsverhältnisses zu Rps. 44/IV sowie ihrer künstlerischen Ausstattung.
3. Bildprogramm: Analyse der Bildseiten und Miniaturen unter kunsthistorischen Gesichtspunkten mit dem Fokus auf die Manifestation des Deutschen Ordens.
3.1 Vergleich: Gegenüberstellung der drei Handschriften, um Gemeinsamkeiten und Divergenzen in der bildlichen Selbstdarstellung und Legitimation des Ordens aufzuzeigen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Einordnung der Bedeutung des Bildprogramms vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Endzeitstimmung und der Rolle des Ordens.
5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Bildquellen.
Schlüsselwörter
Deutscher Orden, Heinrich von Hesler, Apokalypse, Buchmalerei, Mittelalter, Handschriften, Ikonographie, Endzeit, Bildprogramm, Antichrist, Legitimation, Kreuzritter, Judentaufe, Mittelalterstudien, Illustrationsvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die bildliche Darstellung und ideologische Bedeutung des Deutschen Ordens in drei speziellen, illustrierten Handschriften von Heinrich von Heslers „Apokalypse“.
Welche Handschriften bilden den Kern der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Handschriften Cod. HB XIII 11, Rps. 44/IV und Rps. 64/III.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll untersucht werden, wie der Deutsche Orden das Bildprogramm dieser Handschriften nutzte, um seine missionarische Tätigkeit und politische Rolle im Endzeitgeschehen bildlich zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische Analyse der Miniaturen in Kombination mit einem vergleichenden methodischen Ansatz, um ikonografische Parallelen und Unterschiede zwischen den Codices herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Vorstellung der drei Handschriften, die kunsthistorische Analyse ihrer Bildprogramme und einen direkten Vergleich, der die unterschiedliche Stärke der ordensideologischen Repräsentation hervorhebt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Deutscher Orden, Apokalypse-Illustrationen, Selbstverortung, Antichrist-Bildfolgen und christliche Identität im 14. Jahrhundert.
Welche Rolle spielen die Pestjahre für die Interpretation der Bilder?
Die Entstehung der Handschriften in der Zeit der großen Pestepidemien (1347–1352) wird als wesentlicher Faktor gedeutet, der das Interesse an der Apokalypse und die Endzeitstimmung, welche der Orden für seine Legitimation nutzte, verstärkte.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in Rps. 44/IV von den anderen Handschriften?
Rps. 44/IV zeigt laut der Analyse eine deutlich verstärkte und explizitere Darstellung des Deutschen Ordens, indem dieser sich ikonografisch auf eine Ebene mit Christus stellt und einen Anspruch auf Welt- und Zeitherrschaft erhebt.
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- Carlotta L. Cornelius (Author), 2020, Das Bildprogramm des Deutschen Ordens in den illustrierten Handschriften der "Apokalypse" Heinrichs von Hesler, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/983440