In dieser Hausarbeit soll das Spannungsfeld zwischen Individualisierung und Standardisierung in der Schule genauer betrachtet werden. Dazu wurde eine Befragung bezüglich der Wahrnehmung des Unterrichts aus verschiedenen Perspektiven bestimmter Akteure an einem ausgewählten Schulstandort im Dezember 2018 durchgeführt. Bei den Akteuren handelt es sich um Lehrpersonen sowie um SchülerInnen des 7. Wiener Gemeindebezirk.
Der Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht zeichnet sich durch große Spielräume aus, wie Lehr- und Lernprozesse gestalten werden können. Die Inhalte von GW sind gesellschafts-relevant und verlangen die Einbindung jedes/jeder einzelnen Schülers/Schülerin. Darüber hinaus sollen die persönlichen Interessen, Fähigkeiten und Stärken jedes/jeder einzelnen Lernenden berücksichtigt werden, um den Lernprozess optimal zu gestalten und das Potential des/der Lernenden so gut wie möglich auszuschöpfen. Daher sollen didaktische Entscheidungen auf Basis eines schüler/innenzentrierten und individuumsbezogenen Lernverständnisses getroffen werden. Um dies zu ermöglichen ist es notwendig die Grundsätze der Individualisierung zu berücksichtigen.
Seit vielen Jahren ist der Begriff ‚Individualisierung‘ im pädagogisch-didaktischen Bereich inkludiert. Individualisiertes Lernen stellt kein ‚Rezept‘ für die Realisierung eines guten Unterrichts dar, sondern ist vielmehr als Unterrichtsideal mit klaren Zielvorstellungen zu verstehen. Wie individualisierter Unterricht gelingen kann hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Das insbesondere im Zuge der Einführung der Zentralmatura aufkommende Bestreben Bildung zu standardisieren stellt sich dabei konträr zur Individualisierung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ziele und Forschungsfragen
3. Methodik
3.1. Aufbau der Arbeit
3.2. Befragung und Einbingung des Analyseinstruments
4. Ausgangslage und Problemstellung
4.1. Theoretische Grundlagen
4.2. Forschungsstand
4.3. Konkrete Praxissituation
5. Analyse
5.1. Diskussion der Ergebnisse
5.1.1. Didaktische Entscheidungen
5.1.2. Schul- und Lernkultur
5.1.3. Organisationsstruktur
5.2. Individualisierung - Herausforderungen, Hindernisse und Probleme
5.3. Kritik der ExpertInnen
6. Synthese
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Individualisierung und Standardisierung im schulischen Kontext am Beispiel des Geographie- und Wirtschaftskundeunterrichts (GW), um zu eruieren, inwieweit innere Differenzierung praktiziert wird und welche hemmenden Faktoren bestehen.
- Wahrnehmung von individualisiertem Lernen aus Lehrer- und Schülerperspektive
- Analyse didaktischer, struktureller und kultureller Faktoren im GW-Unterricht
- Herausforderungen und Hindernisse bei der Umsetzung von Differenzierungsmaßnahmen
- Empirische Untersuchung mittels standardisierter Fragebögen an drei Schulklassen
Auszug aus dem Buch
4.3. Konkrete Praxissituation
Praxissituationen, die das Problem eines undifferenzierten und nicht-individualisierten Unterrichts aufzeigen, gibt es viele. Am folgenden Beispiel soll eine solche Situation beschrieben werden: Die Lehrperson teilt zu einem gewissen Thema ein Arbeitsblatt mit Aufgaben aus. Die SchülerInnen sollen die Aufgaben in Einzelarbeit lösen. Im Laufe der Unterrichtsstunde stellt sich heraus, dass einige Aufgaben für manche Lernende zu schwierig und ohne Hilfe oder Vereinfachung nicht zu lösen sind. Es wird angenommen, dass Lernschwächere für die Bearbeitung der Aufgaben einen größeren Zeitraum beanspruchen als Lernstärkere. Dadurch können Probleme auftreten, die den Unterrichtsverlauf stören. Die Lehrperson müsste sich den Fragen der Lernschwächeren annehmen und Hilfestellungen geben. Dies nimmt allerdings zusätzlich Zeit in Anspruch. Lernstärkere sind möglicherweise mit der Bearbeitung der Aufgaben schon längst fertig und fühlen sich unterfordert. Es ist wahrscheinlich, dass dadurch der Lärmpegel in der Klasse steigt und ein lernförderliches Arbeitsklima für Lernschwächere nicht mehr gegeben ist.
Dieses Beispiel zeigt, dass ein differenzierter Unterricht unabdingbar ist, um alle SchülerInnen in den Lernprozess miteinzubinden. Würde die Lehrperson Aufgaben auf unterschiedlichen Anforderungsniveaus geben oder für Lernstärkere Zusatzaufgaben bereitstellen, könnte ein Unterricht, der allen SchülerInnen gerecht wird, realisiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Individualisierung im Kontext des GW-Unterrichts und Darstellung des Spannungsfeldes zur Standardisierung durch Bildungsstandards und Zentralmatura.
2. Ziele und Forschungsfragen: Definition des Ziels, die Praxis der inneren Differenzierung zu untersuchen, und Formulierung der Forschungsfragen sowie der zugehörigen Hypothesen.
3. Methodik: Erläuterung des Aufbaus der Arbeit sowie des Forschungsdesigns als nicht-experimentelle Querschnittsstudie mit standardisierten Fragebögen für Lehrpersonen und SchülerInnen.
4. Ausgangslage und Problemstellung: Theoretische Begriffsdefinitionen zu Standardisierung, Individualisierung und Differenzierung sowie Darstellung der Problematik anhand einer Praxissituation.
5. Analyse: Auswertung der erhobenen Daten, Vergleich der Wahrnehmungen von Lehr- und Lernenden in den Clustern Didaktik, Kultur und Struktur sowie Diskussion der Hindernisse.
6. Synthese: Zusammenfassung der Ergebnisse, Beantwortung der Forschungsfragen, Verifizierung der Hypothesen und Reflexion des verwendeten Analyseinstruments.
Schlüsselwörter
Individualisierung, Standardisierung, Innere Differenzierung, GW-Unterricht, Geographie und Wirtschaftskunde, Lehr-Lernprozesse, Lernumgebungen, Bildungsstandards, Heterogenität, SchülerInnen, Lehrpersonen, Unterrichtsqualität, Lernbedürfnisse, Lernstärkere, Lernschwächere
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen im Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht im Spannungsfeld zwischen individualisiertem Lernen und bildungspolitischen Vorgaben zur Standardisierung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die innere Differenzierung, die Wahrnehmung des Unterrichts durch Lehrpersonen und SchülerInnen sowie die strukturellen und persönlichen Hürden bei der Umsetzung individualisierter Unterrichtsformen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie individualisiertes Lernen bzw. innere Differenzierung in der Unterrichtspraxis praktiziert wird und durch welche Faktoren dies behindert wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine nicht-experimentelle Querschnittsstudie, bei der 54 SchülerInnen und drei Lehrpersonen mittels standardisierter Fragebögen befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Fundierung die Ergebnisse der Befragung anhand von drei Clustern (Didaktische Entscheidungen, Schul- und Lernkultur, Organisationsstruktur) analysiert und kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Individualisierung, Standardisierung, Innere Differenzierung, GW-Unterricht und Heterogenität charakterisiert.
Welche Rolle spielen Ressourcen bei der Individualisierung?
Mangelnde personelle und zeitliche Ressourcen werden als Hauptfaktoren identifiziert, die die Umsetzung individualisierter Lernangebote in der Praxis erheblich erschweren.
Warum unterscheidet sich die Wahrnehmung von Lehrkräften und SchülerInnen?
Die Analyse zeigt, dass Lehrpersonen ihren Unterricht häufig als individualisierter wahrnehmen, als dies von den SchülerInnen gespiegelt wird, was auf unterschiedliche Perspektiven und Erwartungshaltungen zurückzuführen ist.
- Quote paper
- Dominik Prinz (Author), 2018, Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen im Spannungsfeld von Individualisierung und Standardisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/975789