In dieser Hausarbeit soll die Darstellung der Protagonistin Iphigenie aus „Iphigenie auf Tauris“ von Johann Wolfgang von Goethe unter dem Aspekt des Humanitätsideals der Weimarer Klassik analysiert werden. Insbesondere die individuelle Entwicklung Iphigenies und ihre gesellschaftliche Funktion im Hinblick auf die Humanität stehen im Zentrum der Analyse. Hierzu wird zunächst Iphigenies Weg in die Autonomie thematisiert, welche die Grundlage für ein menschliches und selbstverantwortliches Handeln bildet. Im Zuge dessen wird Iphigenies Relation zum traditionellen Frauenbild und darüber hinaus ihr subjektives Verhältnis zu den Göttern erörtert. Darauf folgt die Untersuchung der konkreten Praxis ihres humanen Verhaltens. Dies umfasst die Verwirklichung der Humanität im Allgemeinen, Iphigenies Rolle bei der Heilung Orests sowie ihren abschließenden Entschluss zur Wahrheit. Konkret lautet die These, dass die Figur der Iphigenie durch die Herausbildung ihrer Autonomie in ihrer bereits innewohnenden Humanität gestärkt wird und diese Tugend im Prozess des Dramas aktiv vertritt und nach außen trägt. Ziel der Arbeit ist daher, Iphigenies Funktion als Sinnbild des klassischen Humanitätsideals herauszustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Iphigenies Weg in die Autonomie
2.1 Iphigenies Verhältnis zum traditionellen Frauenbild
2.2 Iphigenies Verhältnis zu den Göttern
3 Die Verwirklichung der Humanität
3.1 Orests Heilung
3.2 Iphigenies Entschluss zur Wahrheit
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die wissenschaftliche Arbeit analysiert die Darstellung der Protagonistin Iphigenie in Goethes gleichnamigem Drama im Hinblick auf das Humanitätsideal der Weimarer Klassik. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie Iphigenie durch die Ausbildung ihrer Autonomie zu einer Repräsentantin dieses Ideals wird und wie sie durch ihre sittliche Haltung aktiv auf ihr Umfeld einwirkt.
- Entwicklung von Iphigenies Autonomie als Grundlage für verantwortliches Handeln
- Herausforderung traditioneller Frauenrollen und Emanzipationsprozesse
- Das Verhältnis zum Göttlichen als Spannung zwischen Fremdbestimmung und Freiheit
- Die Rolle der Humanität bei der Heilung des Bruders Orest
- Die ethische Entscheidung zur Wahrheit als Kulminationspunkt des Dramas
Auszug aus dem Buch
2.2 Iphigenies Verhältnis zu den Göttern
Betrachtet man Iphigenies subjektive Haltung hinsichtlich der Götter, so stellt man fest, dass sich diese im Verlauf des Dramas verändert. Zu Beginn ist ihre Sicht auf die Götter von Dankbarkeit und Pflichtbewusstsein geprägt. Wie bereits in Kapitel 2 thematisiert, herrscht eine Spannung zwischen Iphigenies Abhängigkeit von den Göttern und ihrer persönlichen Freiheit sowie dem Wunsch nach Autonomie. Trotz dessen spürt sie eine „tiefe Verbundenheit [...] [zu] der jungfräulichen Göttin Diana“34, da diese ihre Weiblichkeit ebenfalls vor allem in Form der Schwesterlichkeit praktiziert.35 Bis zu der Enthüllung der realen Verhältnisse durch Orest, befindet sich Iphigenie in dem Glauben, dass die Familiensituation in der Heimat in Ordnung sei (vgl. IT I/1, 162). Somit wird in diesem Zusammenhang ihr Glaube an die glückliche Bewahrung der Familie durch die Götter entlarvt. Zuvor instrumentalisierte Iphigenie die Götter zur Rechtfertigung ihres Weltbildes und ihrer Entscheidungen, wodurch sie sich selbst als Person entwürdigte und sich der Verantwortung entzogen hat. So nutzt Iphigenie die Autorität der Götter unter anderem dazu, um von Thoas fernzubleiben (vgl. IT I/3, 173) und die Zugehörigkeit zu ihnen, um sich selbst vor diesem Bündnis zu bewahren (vgl. IT I/3, 174).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Weimarer Klassik ein und erläutert die zentrale These, dass Iphigenies Entwicklung zur Autonomie ein entscheidendes Sinnbild des klassischen Humanitätsideals darstellt.
2 Iphigenies Weg in die Autonomie: In diesem Kapitel wird Iphigenies Loslösung aus der Fremdbestimmung analysiert, wobei besonders ihr Widerstand gegen traditionelle Frauenrollen und ihre kritische Haltung gegenüber den Göttern im Fokus stehen.
3 Die Verwirklichung der Humanität: Hier wird untersucht, wie Iphigenie durch ihre innere Wandlung und das Handeln gegenüber Orest sowie Thoas ihr moralisches Ideal aktiv in die Tat umsetzt.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Iphigenie durch ihre Autonomie und Wahrhaftigkeit maßgeblich zur Humanisierung ihres Umfelds beiträgt.
Schlüsselwörter
Weimarer Klassik, Iphigenie auf Tauris, Humanitätsideal, Autonomie, Selbstbestimmung, Menschenbild, Emanzipation, Mythologie, Moral, Sittlichkeit, Wahrheit, Orest, Goethe, Aufklärung, Humanität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht Goethes Dramenfigur Iphigenie als Repräsentantin des klassischen Humanitätsideals und analysiert ihren individuellen Weg zur Autonomie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Autonomie, der Rolle der Frau, der ethischen Beziehung zu den Göttern und der Verwirklichung humaner Werte in einem konfliktreichen Umfeld.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, herauszustellen, wie Iphigenie durch die Herausbildung ihrer Autonomie ihre bereits innewohnende Tugend der Humanität stärkt und diese aktiv im Drama vertritt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext unter Einbeziehung von Sekundärliteratur und philosophischen Ansätzen (insbesondere Immanuel Kant) interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Iphigenies Autonomieentwicklung, ihrem Verhältnis zu Frauenbild und Göttern, die Heilung Orests sowie ihren bewussten Entschluss zur Wahrheit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Autonomie, Humanitätsideal, Weimarer Klassik, Emanzipation, Selbstbestimmung, Wahrheit und sittliches Handeln.
Welche Rolle spielt die "Unmündigkeit" für Iphigenie?
Der Ausgang aus der Unmündigkeit, basierend auf Kants Philosophie, markiert für Iphigenie den Beginn ihrer persönlichen Entwicklung und die Fähigkeit, autonom und selbstverantwortlich zu handeln.
Warum ist das Parzenlied für die Argumentation der Autorin so wichtig?
Das Parzenlied verbildlicht Iphigenies endgültige Emanzipation von den Göttern und den Widerstand gegen das Schicksal, was als Grundlage für ihr humanes Handeln fungiert.
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- Stefanie Breitenbicher (Author), 2020, Goethes Dramenfigur Iphigenie als Sinnbild des klassischen Humanitätsideals in „Iphigenie auf Tauris“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/958235