Jedes neue Buch und Serienmanuskript setzt die Anforderungen ein Stück weit höher. Wie ist es jedoch für Autoren und Regisseure möglich, etwas zu erschaffen, was davor noch nie da gewesen ist? Eine Option, die in der zeitgenössischen Mediengesellschaft gerne angewandt wird, ist es, etwas Altes mit etwas Neuem zu verbinden. Mithilfe dieser Kombination aus Alt und Neu wird ein klassisches Genre wie der Abenteuerfilm, zum Beispiel bei Steven Spielbergs Jurassic Park, mit dem Sciencefiction Genre kombiniert und wurde weltweit zum Erfolgsfilm. Die Verschmelzung verschiedener Genres lässt die Frage offen, ob es demnach überhaupt noch eine Grenze gibt.
Aufgrund der beliebigen Vermischung von gängigen Genres mit neuartigen Stilrichtungen ist es heutzutage beinahe unmöglich ein einheitliches totalitäres Genre festlegen zu können.
Die Poetik des Aristoteles bietet die Grundlage für unser heutiges dreigeteiltes Gattungssystem. Ebenso Johann Wolfgang von Goethe greift auf diese klassische aristotelische Einteilung zurück. Goethes Gattungstheorie gibt vor, dass nur drei Naturformen der Poesie existieren: Epos, Lyrik und Drama. Bereits in früheren Zeiten hatten Genres keine einheitlich festgelegten Kriterien, so wie es auch heute immer noch der Fall ist. „Gattungen haben nicht zuletzt auch keine festen oder eigentlichen Namen“. Dadurch wird es immer schwerer und komplexer ein literarisches oder filmisches Produkt einer einzigen Gattung zuzuordnen. „Generell verfestigt sich dabei die Auffassung, dass dichterische oder literarische Gattungen am besten als historisch-sozial relative Normen der Kommunikation aufzufassen sind, man könnte auch von Kategorisierungen als Zuschreibungen oder Zuweisungen von Sinn sprechen“.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkungen
2. Der Begriff Genre und dessen Hybridisierung
2.1 Science-Fiction als Genre
2.2 Phantastische Literatur und Fantasy
3. Verschmelzung der Genres und ihre Hybridisierung
4. Indikatoren für eine Verschmelzung verschiedener Genres in der Serie Doctor Who
4.1 Der Doktor und seine Begleiter
4.2 Gegenstände und Geräte
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die britische Fernsehserie Doctor Who vor dem Hintergrund der Genretheorie. Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit die Serie als Konglomerat aus Science-Fiction und Fantasy verstanden werden kann und wie durch die Hybridisierung verschiedener Genreelemente eine neue Erzählform entsteht, die gesellschaftliche Bedürfnisse reflektiert.
- Grundlagen der Genretheorie und des Konzepts der Hybridisierung
- Differenzierung zwischen den Genres Science-Fiction und Fantasy
- Analyse der Serie Doctor Who anhand spezifischer Indikatoren wie Protagonisten und Technologie
- Untersuchung der Verschränkung von Drama, Horror und romantischen Motiven innerhalb des Science-Fiction-Settings
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Doktor und seine Begleiter
Der Doktor ist der Hauptcharakter der britischen Serie Doctor Who. Der Schauspieler, welcher die Figur des Protagonisten verkörpert, wechselt jedes Mal kurz vor dem Tod des Doktors. Dazu kommt noch, dass jeden neuen Doktor auch andere Charaktereigenschaften auszeichnen. Der Timelord ist einer der letzten seiner Art, denn abgesehen vom Master und seiner Enkelin sind keine weiteren Timelords im Rahmen der Serie bekannt. Rein optisch sieht der Doktor wie ein Mensch aus, sodass es ihm möglich ist seine wahre Identität und Abstammung geheim zu halten. Trotzdem ist die Hauptfigur selbst – in dem hier untersuchten Sinne – ein Hybridwesen. Sein äußerliches Erscheinungsbild mag menschlich wirken, allerdings besitzt er eine andere Anatomie und andere Kompetenzen. Die physische Form der Timelords ist mit zwei Herzen ausgestattet und durch ihre außergewöhnliche Bindung zu der Zeit haben sie die Fähigkeit sich zu regenerieren. Sobald der Fall ihres bevorstehenden Todes eintritt, besitzen sie die Möglichkeit einen neuen Zyklus anzutreten.
Nach jeder Reinkarnation verändert sich der Charakter und das Aussehen des Doktors. Selbst sein Geschmackssinn verändert sich, der elfte Doktor als Beispiel bevorzugte die Kombination aus Fischstäbchen und Vanillesoße. Demnach sind Timelords fähig über tausend Jahre alt zu werden, obwohl sie dem Alterungsprozess von Menschen ebenso unterliegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkungen: Einführung in die Zielsetzung der Arbeit, die Analyse der Serie Doctor Who und die theoretische Verortung der Gattungs- und Genreproblematik.
2. Der Begriff Genre und dessen Hybridisierung: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff Genre, der etymologischen Herkunft und der Entstehung von Mischformen durch Hybridisierung.
2.1 Science-Fiction als Genre: Darstellung der Kernmotive des Science-Fiction-Genres und dessen Entwicklung von der Literatur bis hin zum Film.
2.2 Phantastische Literatur und Fantasy: Definition und Abgrenzung von Fantasy und phantastischer Literatur sowie Erläuterung deren Rolle als Gegenwelt zur Normwirklichkeit.
3. Verschmelzung der Genres und ihre Hybridisierung: Untersuchung, wie die Kombination von Motiven aus unterschiedlichen Genres (wie Drama und Komödie) zu neuen, modernen Hybridgenres führt.
4. Indikatoren für eine Verschmelzung verschiedener Genres in der Serie Doctor Who: Analyse der spezifischen Elemente in Doctor Who, die auf eine Vermischung von Science-Fiction mit anderen Genres hinweisen.
4.1 Der Doktor und seine Begleiter: Betrachtung des Doktors als Hybridwesen und des Einflusses der Begleiter auf die narrative Struktur der Serie.
4.2 Gegenstände und Geräte: Analyse der TARDIS und des Schallschraubenziehers als technische Geräte mit fantastischen oder lebendigen Eigenschaften.
5. Schlussbetrachtungen: Zusammenführende Bewertung der Hybridisierung in Doctor Who und Bestätigung der Notwendigkeit einer differenzierten Genrebeschreibung.
Schlüsselwörter
Doctor Who, Science-Fiction, Fantasy, Hybridisierung, Genre, Gattung, Hybridgenre, TARDIS, Zeitreise, Timelord, Populärkultur, Medientheorie, Narratologie, Postmoderne, Filmgenre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die BBC-Fernsehserie Doctor Who als hybrides Format, das Elemente von Science-Fiction und Fantasy miteinander verbindet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die theoretischen Definitionen von Genres, der Prozess der Hybridisierung und deren Anwendung auf die Erzählstrukturen und Charaktere von Doctor Who.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit möchte klären, inwiefern eine eindeutige Einordnung der Serie Doctor Who in ein einzelnes Genre möglich ist oder ob sie als Konglomerat verschiedener Gattungen verstanden werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literatur- und medienwissenschaftliche Analyse, gestützt auf Fachliteratur zur Gattungstheorie, um Indikatoren für Genremischungen in der Serie zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Genre und Hybridität sowie die praktische Analyse der Serie, fokussiert auf Charaktere wie den Doktor, seine Begleiter und technologische Elemente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Genre, Hybridisierung, Science-Fiction, Fantasy, Doctor Who, TARDIS, Zeitreise und Gattungstheorie.
Wie ist die Figur des Doktors als Hybridwesen zu verstehen?
Der Doktor ist zwar ein Zeitreisender mit außerirdischer Physiologie, zeigt aber menschliche Emotionen und Verhaltensweisen, was ihn sowohl technologisch als auch emotional als hybrides Wesen kennzeichnet.
Welche Bedeutung hat die TARDIS für die Genre-Diskussion?
Die TARDIS fungiert als Raumschiff (Science-Fiction), besitzt jedoch eine eigene Seele und Persönlichkeit (Fantasy), was sie zu einem zentralen Indikator für die Hybridisierung in der Serie macht.
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- Janis Alina Hindelang (Author), 2020, Die Serie "Doctor Who" als Konglomerat aus Science-Fiction und Fantasy. Der Diskurs über die Einzigartigkeit von verschiedenen Genres und Mischformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/958028