In diesem Unterrichtsentwurf wird das Weinberggleichnis im gymnasialen Religionsunterricht für die 8. Klasse aufgearbeitet. Es beinhaltet selbst erstellte Arbeitsblätter sowie eine Verlaufsplanung.
Erfolgreich zu sein hängt in unserer Gesellschaft entscheidend von Anstrengung und Leistung ab. Wenn man aber in biblischen und gesellschaftlichen Traditionen nachforscht, ergeben sich unterschiedliche Gerechtigkeitsmaßstäbe: Jedem das Gleiche oder Jedem das, was er_sie sich verdient. Auch für Schüler_innen stellt sich die Frage schnell, wann welcher Maßstab zur Anwendung kommt und was gerecht(er) ist. Gerecht behandelt zu werden, spielt im Leben von Heranwachsenden eine wichtige Rolle. Im Schulalltag sehen sie sich mit Mitschüler_innen im Vergleich und erleben, dass eigene Gerechtigkeitsmaßstäbe nicht mit denen anderer übereinstimmen. Die Notenvergabe, ein Nachteilsausgleich für einen Sitznachbarn mit LRS oder verschiedene Lernvoraussetzungen für eine Leistungskontrolle können Schüler_innen als ungerecht empfinden, denn „sie erfolgt meist allein unter dem Gesichtspunkt der faktisch erbrachten Leistung – ohne Berücksichtigung von unterschiedlichen Lebenslagen oder Persönlichkeitsmerkmalen.“ Umso eindringlicher ist die Botschaft des Gleichnisses von den Arbeitern im Weinberg: die Gleichbehandlung aller unabhängig ihrer Verdienste. Gott schenkt seine Gnade frei und bedingungslos allen, besonders denen, die nicht damit rechnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Abstract
2. Einordnung des Themas der Stunde „Die andere Gerechtigkeit – das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg“ in der Unterrichtseinheit Reich Gottes - Vorstellungen
3. Kompetenzbezug der Unterrichtsstunde/ Bezug zum Rahmenlehrplan der EKBO
4. Lerngruppenanalyse und Unterrichtsvoraussetzungen
5. Sachstrukturanalyse und didaktische Reduktion
6. Begründung der Lehr- Lernstruktur sowie Erläuterungen der antizipierten Schwierigkeiten und mögliche Auflösungsversuche
7. Stundenverlaufsplan
8. Arbeitsblatt zum Gleichnis der Weinbergarbeiter mit Bearbeitungsaufgaben zu den Rollenkarten
8.1. Differenziertes Arbeitsblatt
8.2. Rollenkarten
8.3 Taler für die Bezahlung der Arbeiter
8.4 Sterne mit Lob für die Schüler_innen
8.5 Bild einer Internetkleinanzeige (für die Einstiegsphase)
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Unterrichtsstunde ist es, den Schülerinnen und Schülern das biblische Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg als eine radikale, nicht-leistungsbasierte Form der Gerechtigkeit im Sinne des Reiches Gottes nahezubringen, um ihr eigenes Verständnis von Leistung und Entlohnung kritisch zu reflektieren.
- Erkundung unterschiedlicher Gerechtigkeitsmaßstäbe im biblischen und gesellschaftlichen Kontext
- Förderung der religiösen Deutungskompetenz durch die Auseinandersetzung mit Gleichnisrede
- Perspektivwechsel durch die Identifikation mit verschiedenen Rollen des Gleichnisses
- Hinterfragung des Lohn-Leistungs-Prinzips gegenüber dem Prinzip der existentiellen Bedürftigkeit
- Visualisierung von menschlichen Grundbedürfnissen über die rein materielle Ebene hinaus
Auszug aus dem Buch
Die andere Gerechtigkeit – das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
Im vorliegenden Gleichnis (Mt 20,1-15) wird ein alltäglicher Vorgang beschrieben: Ein Weinbergbesitzer engagiert nach und nach Tagelöhner. Der zwischen dem Gutsbesitzer und den Arbeitern ausgehandelte Tageslohn von einem Denar entspricht dem üblichen Tagessatz, der das Auskommen einer Kleinfamilie für einen Tag sichert. Insofern muss diese Handlung für Zeitgenossen Jesu als gewöhnlicher Vorgang erschienen sein – für heutige Leser_innen ist sie aber erklärungsbedürftig. Eine überraschende Wende tritt erst ein, als alle Arbeiter unabhängig von ihrer abgeleisteten Arbeitszeit den gleichen Lohn erhalten. Der Text akzeptiert die Möglichkeit, Lohn nach Leistung zu verteilen, da die zuerst Eingestellten die ausgehandelte Bezahlung erhielten. Zugleich stellt das Gleichnis diesen Gerechtigkeitsbegriff in Frage: Wenn die zuletzt Eingestellten danach entlohnt worden wären, würde Gerechtigkeit zu Hunger führen.
Die Frage „… bist Du neidisch, weil ich (zu den anderen) gütig bin?“ (Vers 15) bietet eine alternative Deutung der als gerecht empfundenen Lohnerwartung an. Sie öffnet den Blick für eine weitere Perspektive: die Zuwendung zu denjenigen Tagelöhnern, die ohne eine Anwerbung keine Möglichkeit gehabt hätten, ihren Lebensunterhalt zu decken. Die Leserschaft ist dazu eingeladen, das Gerechtigkeitsverständnis zu überdenken und sich auf die Güte des Gutsherrn einzulassen, mit der ein anderes Bild von Gerechtigkeit gezeichnet wird. Der Text fordert regelrecht dazu auf, sich in die Arbeitergruppe hineinzufühlen, die an diesem Tag bis zur elften Stunde Zurückweisung und Verachtung erfuhren. Die Einstellung durch den Gutsherrn und die gleiche Entlohnung geben ihnen nicht nur ein Minimum an Nahrung für sich und die Familie, sondern auch das verlorene Selbstwertgefühl zurück.
Ich verstehe das Gleichnis als Plädoyer für eine kritische Begrenzung des Lohn- Leistungs-Prinzips, um Menschen vor dem sozialen Abstieg zu bewahren. Das konventionelle Gerechtigkeitsverständnis, dass Jede_r bekommt, was er_sie verdient, findet im Gleichnis eine Erweiterung: Jede_r bekommt, was er_sie existentiell braucht. So kann man den Weinberg als Reich Gottes begreifen, sodass die Arbeiter die Menschen darin sind. Sie kommen zu verschiedenen Zeiten und arbeiten unterschiedlich lang. Der Verwalter, der Stellvertreter Gottes, bezahlt allen einen Denar Lohn, weil die Arbeiter „für Gott arbeiten“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abstract: Das Abstract thematisiert die Diskrepanz zwischen Leistungsgesellschaft und biblischer Gnadenbotschaft und führt in die zentrale Fragestellung des Gleichnisses ein.
2. Einordnung des Themas der Stunde „Die andere Gerechtigkeit – das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg“ in der Unterrichtseinheit Reich Gottes - Vorstellungen: Dieser Abschnitt verortet die Stunde im Kontext der Unterrichtsreihe und erläutert die didaktische Absicht, Gerechtigkeit vom Leistungsprinzip zur Solidarität hin zu verschieben.
3. Kompetenzbezug der Unterrichtsstunde/ Bezug zum Rahmenlehrplan der EKBO: Hier wird der Bezug zu den im Rahmenlehrplan festgeschriebenen Anforderungen „Nach Gott fragen“ sowie die angestrebten Kompetenzentwicklungen detailliert dargelegt.
4. Lerngruppenanalyse und Unterrichtsvoraussetzungen: Dieser Teil beschreibt die Zusammensetzung der Lerngruppe, die methodischen Implikationen für den Unterrichtsverlauf sowie spezifische Förderbedarfe der Lernenden.
5. Sachstrukturanalyse und didaktische Reduktion: Die Analyse beleuchtet den exegetischen Hintergrund der Gleichnisrede und führt die didaktische Reduktion zur Bearbeitung im Unterricht aus.
6. Begründung der Lehr- Lernstruktur sowie Erläuterungen der antizipierten Schwierigkeiten und mögliche Auflösungsversuche: Es erfolgt die Begründung der Phasenstruktur der Unterrichtsstunde sowie eine proaktive Auseinandersetzung mit potenziellen methodischen und disziplinarischen Herausforderungen.
7. Stundenverlaufsplan: Dieser tabellarische Plan stellt den zeitlichen und inhaltlichen Ablauf der Unterrichtsstunde, einschließlich der eingesetzten Methoden und Medien, übersichtlich dar.
8. Arbeitsblatt zum Gleichnis der Weinbergarbeiter mit Bearbeitungsaufgaben zu den Rollenkarten: Dieser Teil enthält die für die Schülerinnen und Schüler konzipierten Arbeitsmaterialien und Aufgabenstellungen zur vertieften Auseinandersetzung mit dem Gleichnis.
9. Literaturverzeichnis: Hier sind die wissenschaftlichen Quellen und die verwendeten Unterrichtsmaterialien detailliert aufgelistet.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Gerechtigkeit, Gleichnis, Reich Gottes, Lohn-Leistungs-Prinzip, Solidarität, Bibel, Matthäus 20, Kompetenzorientierung, Unterrichtsentwurf, Gnade, soziale Gerechtigkeit, Menschenbild, Bedürftigkeit, Schulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen detaillierten Unterrichtsentwurf für eine Prüfungsstunde im Fach Evangelische Religionslehre in einer 8. Klasse dar, die sich mit dem biblischen Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg beschäftigt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Gerechtigkeitsvorstellungen, der Unterschied zwischen Leistungsdenken und existentieller Bedürftigkeit sowie die metaphorische Rede vom Reich Gottes.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Das Ziel ist, dass die Jugendlichen ihr eigenes Gerechtigkeitsempfinden reflektieren und das im Gleichnis enthaltene, radikale Gerechtigkeitsverständnis Gottes als Plädoyer für Solidarität und gegen ein rein leistungsorientiertes Entlohnungsprinzip erkennen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die historisch-kritische Exegese des Gleichnisses sowie auf kompetenzorientierte didaktische Methoden des Religionsunterrichts, wie Rollenspiele, Perspektivwechsel und die Analyse von Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachstrukturanalyse des Gleichnisses, eine Begründung der gewählten Lernstruktur sowie einen detaillierten Stundenverlaufsplan, der von der Einstiegsphase mit einer Internetkleinanzeige bis zur sichernden Abschlussphase reicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gerechtigkeit, Reich Gottes, Lohn-Leistungs-Prinzip, Solidarität, Perspektivwechsel und religiöse Deutungskompetenz.
Wie gehen die Schülerinnen und Schüler mit dem Lohn-Leistungs-Prinzip um?
In der Erarbeitungsphase tendieren die Schülerinnen und Schüler zunächst dazu, den Lohn leistungsgerecht zu verteilen; erst im Vergleich mit dem biblischen Ende wird diese Haltung durch den Impuls des Gutsherrn hinterfragt.
Welche Rolle spielen die "Taler" und "Sterne" im Unterricht?
Die Taler dienen als Requisiten im Rollenspiel zur Lohnvergabe, während die Sterne in der Abschlussphase als Symbol für Anerkennung und Wertschätzung genutzt werden, um die Bedeutung von immensen Bedürfnissen neben der materiellen Absicherung zu verdeutlichen.
Warum wird auf eine erneute Rückbeziehung zu Fluchtmotiven verzichtet?
Die Autorin verzichtet bewusst darauf, um den Jugendlichen Raum für eine eigene Gedankenentwicklung zu lassen und sie nicht durch die aktuelle politische Diskussion in ihrer persönlichen Reflexion des biblischen Textes zu drängen.
- Arbeit zitieren
- Uta Z. (Autor:in), 2016, Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Evangelische Religion, Klasse 8 Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/957946