Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Pneumatologie und Ekklesiologie in der Dogmatik von Wolfgang Trillhaas. Von Interesse ist, wie der Geist beim Einzelnen und in der Gemeinde wirkt. Neben der Pneumatologie und Ekklesiologie liefert auch die bei Trillhaas in der Soteriologie eingebettete Sakramentenlehre dazu hilfreiche Hinweise. Die Untersuchung greift über die Dogmatik hinaus in die Ethik und praktische Theologie hinein. Aufgrund dessen wird beispielsweise auch Trillhaas' Ethik mit herangezogen. Auf eine Darstellung der in der Pneumatologie und Ekklesiologie verorteten Fragestellungen der Dogmengeschichte muss im Rahmen dieser Arbeit weitgehend verzichtet werden.
Zunächst werden die Pneumatologie und Ekklesiologie in den Gesamtzusammenhang der Dogmatik eingeordnet, da dies bereits erste Hinweise liefert, welche Bedeutung Trillhaas den Themengebieten beimisst. In einem weiteren Schritt wird die Ekklesiologie Trilhaas' dargelegt, da die Gemeinde der Ort ist, an dem sich das Geisteswirken vollzieht und Kirche im Sinne des Leibes Christi "geschieht". Die anschließende Darstellung der Pneumatologie bezieht sich sogleich auf die Ekklesiologie, sodass hier die Verbindung der Pneumatologie und Ekklesiologie deutlich werden soll. Abschließend soll neben dem Gegenwartsbezug auch der Praxisbezug hergestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einordnung der Ekklesiologie und Pneumatologie in den Kontext der Dogmatik Trillhaas'
3 Die Gemeinde – der eine Leib Christi
3.1 Der neutestamentliche Ursprung der Gemeinde
3.2 Differenzierung von Gemeinde und Kirche
3.3 Das Wesen der Kirche
4 Pneumatologie – Die Gegenwart Gottes in der Gemeinde
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Der anthropologische Geistbegriff
4.3 Der biblische Geistbegriff in Bezug auf den einzelnen Christen und die Gemeinde
5 Geist und Gemeinde – Konsequenzen für die Praxis
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das systematisch-theologische Verhältnis von Pneumatologie und Ekklesiologie im Werk von Wolfgang Trillhaas, mit einem besonderen Fokus auf das Wirken des Geistes beim Einzelnen und in der Gemeinschaft der Gemeinde.
- Die dogmatische Einordnung der Ekklesiologie und Pneumatologie bei Trillhaas.
- Die Differenzierung zwischen Gemeinde und Kirche als Basis für das Kirchenverständnis.
- Die Bedeutung des Heiligen Geistes für die christliche Existenz und das Gemeindeleben.
- Die praktischen Konsequenzen des Geisteswirkens für den Dienst in der Gemeinde und die Ökumene.
Auszug aus dem Buch
3.1 Der neutestamentliche Ursprung der Gemeinde
Trillhaas beginnt die Ekklesiologie mit den Fragen ihres Ursprungs und der Entwicklung der Kirchenlehre. Er will auf diese Weise der in seinem 1. Kapitel angeführten „dogmatischen Verantwortung“, in diesem Fall der Verantwortung vor der geschichtlichen Überlieferung und der Gegenwart gerecht werden. Aufgrund dieser dogmatischen Verantwortung sind für Trillhaas bereits behandelte Fragestellungen auf heutige Gültigkeit zu überprüfen und ggf. zu revidieren – auch im Hinblick auf die Verantwortung vor der Wissenschaft und ihrer neuen Erkenntnisse.
In den Evangelien kommt das Wort ἐκκλησία ausschließlich bei Mt vor (16,18; 18,17). Da diese Stellen nach Trillhaas exegetisch umstritten sind, bezweifelt er eine historische Stiftung der Kirche durch Jesus ebenso wie eine Nachfolgeregelung oder gar Stellvertretung. Stattdessen interpretiert er ἐκκλησία bei Mt und auch bei Paulus analog zum hebräischen kahal als je örtliche Versammlung der ersten Christen „im Bewusstsein der Gegenwart des Auferstandenen bei den Seinen (Mt 18,19f).“ Die ἐκκλησία im Sinne einer Gemeinde hat für Trillhaas Heilsbedeutung, da der Christ sein Sein in der Gemeinde hat. Die Belege 1Kor 10,16 (Gemeinschaft des Blutes und Leibes Christi) und 2Kor 13,13 (Gemeinschaft des Heiligen Geistes; Phil 2,1: Gemeinschaft des Geistes) zeigen zudem eine Unmittelbarkeit zur Gemeinschaft, aufgrund derer auch an diesen Stellen eine historische Stiftung der Kirche nicht festgemacht werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab und legt den Fokus auf die Verbindung von Pneumatologie und Ekklesiologie im Werk von Wolfgang Trillhaas.
2 Einordnung der Ekklesiologie und Pneumatologie in den Kontext der Dogmatik Trillhaas': Dieses Kapitel verortet die behandelten Themen innerhalb der dogmatischen Struktur von Trillhaas und betont die Bedeutung der Kirche als Rahmen für die Theologie.
3 Die Gemeinde – der eine Leib Christi: Hier wird der Ursprung der Gemeinde untersucht sowie die notwendige Unterscheidung zwischen Gemeinde und Institution Kirche erörtert.
4 Pneumatologie – Die Gegenwart Gottes in der Gemeinde: Dieses Kapitel widmet sich der Lehre vom Heiligen Geist, sowohl in anthropologischer Hinsicht als auch in Bezug auf die biblische Offenbarung für den Christen und die Gemeinde.
5 Geist und Gemeinde – Konsequenzen für die Praxis: Das Kapitel leitet aus der pneumatologischen Grundlegung praktische Konsequenzen für das kirchliche Leben, den Dienst am Menschen und ökumenische Bemühungen ab.
6 Fazit: Das abschließende Kapitel führt die Erkenntnisse zusammen und stellt die integrale Verbindung von Geist, Christ und Gemeinde bei Trillhaas heraus.
Schlüsselwörter
Pneumatologie, Ekklesiologie, Wolfgang Trillhaas, Dogmatik, Gemeinde, Kirche, Leib Christi, Heiliger Geist, Christliche Existenz, Sakramente, Dienst der Gemeinde, Charismen, Erfahrung, Tradition, Ökumene.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel von Pneumatologie (Geistlehre) und Ekklesiologie (Gemeindelehre) in der systematischen Theologie von Wolfgang Trillhaas.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen der Ursprung der Gemeinde, die Differenzierung zwischen Kirche und Gemeinde, die Wirkung des Heiligen Geistes auf den Menschen sowie die praktische Umsetzung des Priestertums aller Gläubigen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Trillhaas das Wirken des Heiligen Geistes mit der konkreten Erfahrung des Christen und dem Leben in der Gemeinde verbindet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine dogmen- und theologiegeschichtliche Analyse, wobei sie Trillhaas' Texte unter Einbeziehung seiner Dogmatik und Ethik kritisch auf ihre Gegenwartsrelevanz hin auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert das biblische Verständnis der Gemeinde, den anthropologischen und biblischen Geistbegriff sowie die Rolle der Sakramente und der Geistesgaben für die Gemeinde.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Pneumatologie, Ekklesiologie, Leib Christi, Geist-Erfahrung und das Priestertum aller Gläubigen einordnen.
Warum unterscheidet Trillhaas so strikt zwischen Gemeinde und Kirche?
Trillhaas sieht in der Gemeinde die Basis und den eigentlichen Ort des Geisteswirkens, während er die Kirche als notwendige, aber veränderbare institutionelle Organisation zur Verwaltung von Wort und Sakrament begreift.
Welche Rolle spielt die menschliche Erfahrung bei Trillhaas?
Die Erfahrung des Subjekts ist für Trillhaas konstitutiv für das Verständnis göttlichen Wirkens; die Theologie darf demnach nicht spekulativ sein, sondern muss sich an der menschlichen Selbsterfahrung reflektieren lassen.
Inwiefern beeinflusst der Geist die Hoffnung des Einzelnen?
Durch die Erneuerung des Menschen durch den Geist wird laut Trillhaas auch die christliche Hoffnung potenziert, da der Geist bereits ein Unterpfand der zukünftigen Heilszeit darstellt.
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- Janine Müller (Author), 2012, Der Geist und die Gemeinde. Eine detaillierte Analyse der Verbindung von Pneumatologie und Ekklesiologie bei Wolfgang Trillhaas, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/945387