Im Zentrum dieser Arbeit soll das Motiv der Insel Thule in der Antike stehen, das anhand von literarischen Quellen antiker Geschichtsschreiber und Geographen untersucht wird. Die Frage nach der Anwendung Thules, der Funktion und Bedeutung für das jeweilige Werk wird dabei im Fokus der Hausarbeit stehen. Dafür sollen die für die Fragestellung relevanten Quellenausschnitte analysiert, interpretiert und in den historischen Kontext eingeordnet werden. Exemplarisch sollen aufgrund von Genauigkeit drei antike Autoren herausgegriffen werden: Pytheas von Massalia, Strabon und Tacitus. Diese wurden aus verschiedenen Gründen ausgewählt. Pytheas erwähnte die Insel Thule zum ersten Mal und wird daher als „Entdecker“ Thules benannt. Da sein Werk Perí tou Okeanoú nicht direkt überliefert ist , können für Pytheas nur Fragmente von anderen Autoren herangezogen werden. Die wichtigsten und ausführlichsten stellen Strabon (Geōgraphiká) und Plinius der Ältere (Naturalis historia) dar . Strabon selbst wird ebenfalls untersucht werden, da er einen großen Kritiker Pytheas darstellte. Thule sowie Pytheas wurden in seiner Geōgraphiká mehrmals erwähnt , weswegen Quellenausschnitte aus diesem Werk zur Beantwortung der Frage genutzt werden können. Ebenfalls herangezogen werden soll Tacitus’ De vita Iulii Agricolae in der von Thule gesprochen wurde. Die Einbeziehung erfolgt aufgrund der Tatsache, dass Tacitus den einzigen weiteren bekannten Versuch aus der Antike Thule zu erreichen dokumentierte
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Pytheas
3. Strabon
4. Tacitus
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Motiv der Insel Thule in der antiken Geschichtsschreibung und Geographie, wobei der Fokus auf der Funktion und Bedeutung dieses Motivs in den Werken von Pytheas von Massalia, Strabon und Tacitus liegt.
- Analyse der literarischen Quellen und deren Einordnung in den historischen Kontext.
- Untersuchung der Wahrnehmung und Rekonstruktion von Thule als "Entdeckung" bei Pytheas.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Skepsis und Ablehnung Thules durch Strabon.
- Interpretation der geographischen und symbolischen Bedeutung Thules bei Tacitus.
- Vergleich der verschiedenen Weltbilder und deren Einfluss auf die Darstellung des Nordens.
Auszug aus dem Buch
3. Strabon
Zunächst soll erneut der für das Motiv Thule relevante historische Kontext, biographische Angaben und Inhalt der Geōgraphiká erläutert werden. Strabon schrieb seine Geōgraphiká etwa von 20 v. Chr. bis 20 n. Chr. und demnach circa 300 Jahre nach Pytheas. Alle biographischen Informationen über ihn stammen aus diesem Werk. Aufgrund der hellenistischen Verankerung seiner hochrangigen Familie wurde Strabon von griechischen Lehrern unterrichtet, welche unter anderem seine stoische Haltung prägten. Für diese Bildung reiste er in intellektuelle Zentren, unter anderem verbrachte er viel Zeit auch nach seinem Studium in Rom, wo er eventuell auch die Geōgraphiká zusammenfasste. Die römische Umgebung erklärt seine positive Haltung gegenüber Augustus und der römischen Politik.
Dennoch blieben für ihn die Griechen den Römern überlegen, nur in der Politik seien die Römer führend. Strabon stand demzufolge zwischen Einflüssen des griechischen und römischen Umfeldes. Der Grund für das Verfassen seines 17bändigen geographischen Werkes kann nicht eindeutig bestimmt werden. Wahrscheinlich sollte ein gesamtheitlicher Überblick über die geographische Ordnung der bewohnten Welt im Kontext der römischen Herrschaft gegeben werden.
Strabon überlieferte zwar die meisten Aussagen über Pytheas, gilt aber auch als sein größter Kritiker, speziell was seine Darstellungen über die Insel Thule betrifft. Er bezeichnete ihn unter anderem als „lügenhafteste[n] Mensch“ und über Thule sagte er „Pytheas [hat] alles, was er darüber […] erzählt hat, erfunden.“ Diese Aussagen machte Strabon an verschiedenen Begründungen fest, die im Folgenden veranschaulicht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Motiv der Insel Thule ein, erläutert die Fragestellung zur Funktion des Motivs bei den ausgewählten Autoren und begründet die Auswahl von Pytheas, Strabon und Tacitus.
2. Pytheas: Dieses Kapitel rekonstruiert anhand erhaltener Fragmente die Rolle Thules im Werk des Pytheas als nördlichsten Punkt und seine Bedeutung für das antike Bild des bewohnbaren Nordens.
3. Strabon: Hier wird analysiert, warum Strabon als größter Kritiker Pytheas’ die Existenz und Bewohnbarkeit Thules bezweifelte und welche Rolle sein von Homer und Augustus geprägtes Weltbild dabei spielte.
4. Tacitus: Dieses Kapitel untersucht, wie Tacitus Thule in seiner Agricola als Grenzmotiv für das römische Imperium verarbeitete und welche Interpretationsansätze in der Forschung dazu existieren.
5. Fazit: Das Fazit beantwortet abschließend die Forschungsfrage, indem es die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Darstellung Thules bei den drei Autoren zusammenfasst und in deren jeweilige Weltbilder einordnet.
Schlüsselwörter
Thule, Pytheas von Massalia, Strabon, Tacitus, antike Geographie, antike Geschichtsschreibung, Oikumene, Imperium, Norden, Forschungsgeschichte, antike Weltbilder, literarische Quellen, Agricola, Geōgraphiká, Perí tou Okeanoú
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen und geographischen Bedeutung der Insel Thule in antiken Texten von Pytheas, Strabon und Tacitus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das antike Bild des Nordens, die Funktion von Thule als Motiv in historiographischen Werken und die unterschiedlichen wissenschaftlichen Zugänge der Autoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie die verschiedenen Autoren Thule nutzten, um ihre eigenen Weltbilder und Vorstellungen über die Grenzen der bekannten Welt zu stützen oder zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse angewandt, bei der relevante Ausschnitte der antiken Texte interpretiert und in ihren historischen und literarischen Kontext eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte, die jeweils einen Autor – Pytheas, Strabon und Tacitus – und dessen spezifische Auseinandersetzung mit dem Motiv Thule detailliert analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Thule, antike Geographie, Oikumene, antike Geschichtsschreibung, Imperium und die drei untersuchten Hauptautoren.
Warum wird Strabon als „Kritiker“ von Pytheas bezeichnet?
Strabon bezeichnete Pytheas aufgrund dessen Angaben zu Thule als „lügenhaftesten Menschen“, da die Berichte für Strabon nicht mit seiner eigenen Vorstellung von Geographie und bewohnbarem Raum in Einklang zu bringen waren.
Inwieweit spielt das römische Weltbild eine Rolle bei der Darstellung Thules?
Insbesondere bei Strabon und Tacitus wird deutlich, dass das römische Verständnis von Expansion und Herrschaftsgrenzen beeinflusste, ob Thule als erreichbares Ziel, als unbewohnbares Ende der Welt oder als göttliche Grenze interpretiert wurde.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2020, Die Insel Thule als Motiv der antiken Geschichtsschreibung und Geographie. Eine Untersuchung von Pytheas, Strabon und Tacitus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/944968