Die ökonomische Globalisierung hat im internationalen System zu Defiziten vor allem im Bereich gesetzlicher Regulierung geführt. Gleichzeitig erscheint es gerade in Hinblick auf die sich daraus ergebenden globalen Umweltprobleme notwendig, auch auf politischer Ebene einen Prozess der Globalisierung im Bereich der Governance zu initiieren, um zu wirkungsvollen Lösungen grenzüberschreitender Phänomene zu gelangen.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Chancen nichtstaatliche Akteure im Mächtegefüge globalisierter Umweltpolitik heute spielen, wie sie arbeiten, welchen Herausforderungen und Problemen sie sich dabei zu stellen haben und inwieweit sich daraus Prognosen für die Zukunft ableiten lassen.
Mit Hilfe eines Fallbeispiels sollen Rückschlüsse auf der Ebene der globalen Umweltpolitik gezogen werden. Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus der Betrachtung der DSCC und ihrem Bemühen zur Errichtung eines weltweiten Tiefseemoratoriums für die Rolle von NGOs im internationalen Meeresschutz und damit auf die Chancen und Risiken der Globalisierung der Umweltpolitik ziehen?
Daraus ergeben sich zwei geradezu diametral entgegenstehende Thesen, die es zu erörtern gilt. Erstens: Die Chancen zur Einflussnahme auf Entscheidungen staatlicher Akteure bleiben marginal, da NGOs im Mächtegefüge globaler Umweltpolitik mit einem strukturellen Durchsetzungsdefizit zu kämpfen haben. Zweitens: NGOs sind durchaus dazu in der Lage, etwa durch öffentliche Kampagnen effektiv Einfluss auf der Ebene globaler Umweltpolitik
auszuüben.
Zentrale Begriffe (NGO, internationale Umweltpolitik, Globalisierung, DSCC) werden für den Sachverhalt zunächst kurz definiert. Im ersten Teil soll es dann noch in allgemeiner Form mit den Chancen und Risiken der Globalisierung der Umweltpolitik gehen.
In einem zweiten Schritt wird es dann darum gehen, das gewählte Beispiel, den
Zusammenschluss international operierender NGOs in der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC) genauer zu analysieren, um zu einer schlüssigen Argumentation bezüglich der ambivalenten Thesen zu gelangen. Wie realistisch erscheint das Erreichen des Ziels zur Errichtung eines Tiefseemoratoriums auf Basis der gefundenen Ergebnisse?
Die abstrakten Risiken und Chancen der Globalisierung mit dem konkreten Beispiel zu vergleichen und die hier aufgeworfenen Fragen kritisch zu beantworten, ist die Aufgabe der abschließenden Konklusion.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 | PROBLEMDEFINITION UND FRAGESTELLUNG
1.2 | AUFBAU, METHODE UND ZIEL DER ARBEIT
2 HAUPTTEIL
2.1 | HINTERGRUND: UMWELTPOLITIK UND GLOBALISIERUNG
2.1.1 | CHANCEN GLOBALER UMWELTPOLITIK
2.1.2 | RISIKEN DER GLOBALISIERUNG
2.2 | NGOS IM BEZIEHUNGSGEFÜGE GLOBALER UMWELTPOLITIK
2.2.1 | DRUCKPOTENTIALE UND DURCHSETZUNGSDEFIZITE
2.2.2 | NGOS IN INTERNATIONALEN VERHANDLUNGEN
2.2.3 | EINBINDUNG VON NGOS IN DIE VEREINTEN NATIONEN
2.3 | DIE DEEP SEA CONSERVATION COALITION
2.3.1 | HINTERGRUND, ORGANISATION, VORGEHEN
2.3.2 | EINBINDUNG IN DIE VEREINTEN NATIONEN
2.3.3 | DURCHSETZUNGSDEFIZITE UND DRUCKPOTENTIALE
3 SCHLUSSBETRACHTUNG
3.1 | ZUSAMMENFASSUNG
3.2 | KONKLUSION
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle nichtstaatlicher Akteure (NGOs) im Mächtegefüge der globalisierten Umweltpolitik. Ziel ist es, anhand des Fallbeispiels der "Deep Sea Conservation Coalition" (DSCC) und deren Bemühungen um ein weltweites Tiefsee-Moratorium aufzuzeigen, über welche Einflussmöglichkeiten NGOs in internationalen Verhandlungsprozessen verfügen und mit welchen strukturellen Durchsetzungsdefiziten sie dabei konfrontiert sind.
- Rolle von Umwelt-NGOs im internationalen System
- Chancen und Risiken der Globalisierung für die Umweltpolitik
- Einflussstrategien (direkt vs. indirekt) von NGOs
- Struktur und Arbeitsweise der Deep Sea Conservation Coalition
- Partizipationsmöglichkeiten von NGOs bei den Vereinten Nationen
Auszug aus dem Buch
2.3.1 | Hintergrund, Organisation, Vorgehen
Unregulierte Grundschleppnetzfischerei verwüstet insbesondere unterseeische Berge (so genannte seamounts), die einzigartige Ökosysteme darstellen, welche nun bedroht und teils zerstört werden von den über den Meeresgrund gezogenen Schleppnetzen. Dadurch, so Greenpeace und andere Umweltschutzorganisationen, würden Arten zum Aussterben verurteilt, die noch nicht einmal entdeckt seien. Grundschleppnetze kämen vor allem dort zum Einsatz, wo die größten Fischbestände existierten, gleichzeitig aber auch ein äußerst fragiles und nun nachhaltig bedrohtes Ökosystem, welches sich nur langsam von den schwerwiegenden Schäden der Tiefseefischerei erholen könne. Weltweit betreiben nur wenige Länder (wie Spanien, Russland oder Neuseeland) Tiefseefischerei.
Dieses Problemfeld steht nun also im Mittelpunkt der Bemühungen der DSCC zur Errichtung eines Moratoriums der Tiefseegewässer dieser Erde. „Auf dem erst einen Prozent erforschter Tiefsee wurden bereits 1.000 neue Arten von Bodenfischen entdeckt.“, womit bereits der Grund für das Tiefseemoratorium deutlich wird: Die Bewahrung des bislang kaum erforschten Ökosystems und dessen Biodiversität. Damit richtet sich die DSCC vornehmlich an die VN, von der sie 1) die Bewertung und Erforschung des Lebensraums der Tiefsee sowie 2) die Implementierung eines rechtlich bindenden Regimes fordert, das die Artenvielfalt langfristig vor der Tiefseefischerei schützt. Dringende und sofortige Maßnahmen zum Schutz des Ökosystems Tiefsee seien demnach erforderlich, auch weil sich 64% der Hochsee nationalen Gesetzen und damit deren Jurisdiktion entziehen, da sie sich außerhalb der 200-Seemeilen-Zone befinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich globaler Umwelt-Governance und Formulierung der zentralen Forschungsfrage zum Wirken von NGOs am Fallbeispiel der DSCC.
2 HAUPTTEIL: Theoretische Analyse der Globalisierung und deren Auswirkungen auf Umweltpolitik sowie Untersuchung der Rolle und Einflussstrategien von NGOs in internationalen Verhandlungsnetzwerken und bei den Vereinten Nationen, konkretisiert am Beispiel der DSCC.
3 SCHLUSSBETRACHTUNG: Rekapitulation der Ergebnisse bezüglich der Handlungsspielräume von NGOs und Schlussfolgerungen für deren Rolle als Akteure in der internationalen Meeresschutzpolitik.
Schlüsselwörter
NGOs, Internationale Umweltpolitik, Globalisierung, Governance, Deep Sea Conservation Coalition, Tiefseemoratorium, Grundschleppnetzfischerei, Vereinte Nationen, Verhandlungsnetzwerke, Durchsetzungsdefizite, Druckpotentiale, Meeresschutz, Lobbyismus, Partizipation, Öffentlichkeitsarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie nichtstaatliche Umweltorganisationen (NGOs) versuchen, ihre Interessen in einem von Staaten dominierten, globalisierten politischen System durchzusetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Neben den theoretischen Chancen und Risiken der Globalisierung für die Umweltpolitik steht die Rolle von NGOs als Akteure in internationalen Verhandlungsprozessen im Vordergrund.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, welche Schlussfolgerungen für die Rolle von NGOs in internationalen Verhandlungsprozessen aus dem Bemühen der DSCC zur Errichtung eines weltweiten Tiefsee-Moratoriums gezogen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung der globalen Umwelt-Governance und nutzt das Fallbeispiel der DSCC zur empirischen Analyse der Partizipationsmöglichkeiten und Durchsetzungsprobleme von NGOs.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Erörterung von Umweltpolitik und Globalisierung, eine theoretische Einordnung von NGOs in internationale Verhandlungen sowie die spezifische Fallstudie zur Deep Sea Conservation Coalition.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie NGO, Globalisierung, Governance, Tiefseemoratorium, DSCC, Verhandlungsnetzwerke und Durchsetzungsdefizite bilden den Kern der Untersuchung.
Warum ist das Thema "Tiefsee" für NGOs besonders schwierig?
Die Hochsee ist als "allgemeines Gut" schwer zu regeln, für die Öffentlichkeit kaum sichtbar und ökonomisch oft nur für wenige Nationen von direktem Interesse, was die Mobilisierung von öffentlichem Druck erschwert.
Welche Rolle spielt die Vereinte Nationen (VN) in diesem Kontext?
Die VN fungieren als zentrale Arena für internationale Verhandlungen, wobei NGOs dort bisher nur begrenzte formale Teilnahmerechte besitzen und oft auf informelle Einflusswege angewiesen sind.
Kann die DSCC trotz ihrer beschränkten Ressourcen Einfluss nehmen?
Ja, durch die Bereitstellung von Expertise ("Wissen"), das Setzen von Themen auf die Agenda und den informellen Dialog mit den Entscheidungsträgern kann die DSCC trotz struktureller Durchsetzungsdefizite aktiv werden.
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- Jens Marquardt (Author), 2007, Zwischen Druckpotential und Durchsetzungsdefiziten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/94212